Neue Rubrik: Pflanze der Woche

KW 49: Meerrettich

MeerrettichII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAufgepasst, hier komme ich und ich bin ein echt scharfer Kerl! – Ich bin der Meerrettich, mein botanischer Name ist Armoracia rusticana und ich gehöre zur Familie der Kreuzblütengewächse.

Namensynonyme für mich: Kren, Bauernsenf, Fleischkraut, Pfefferwurzel, Rachenputzer, Waldrettich; wobei der Name Rachenputzer sicherlich am treffendsten für mich ist.

Der im oberdeutschen Raum bevorzugte Name von mir, Kren, ist letztlich von unbekannter Herkunft. Das Wort ist in slavischen Sprachen weit verbreitet (tschechisch křen, sorbisch krěn, russisch khren, ukrainisch khrin und polnisch chrzan) und wurde wohl von dort ins Deutsche entlehnt; andere Entlehnungen sollen französisch cran, italienisch cren, rumänisch hrean, jiddisch khreyn, und neugriechisch chreno sein.

Der eher norddeutsche Name Meerrettich bedeutet eigentlich Mehrrettich im Sinne von Größerer Rettich und hat nichts mit dem Meer zu tun. – Aber, der Name Meerrettich hat nach Heinrich Marzell, deutscher Botaniker (1885 -1970), tatsächlich mit dem Meer zu tun. Meerrettich ist für ihn “der über das Meer gekommene Rettich”, was auch die Tatsache unterstützt, dass ich auch an Meeresküsten wachse.  Mein französischer Name raifort ist wohl aus radis fort starker Rettich entstanden. Der Name Rettich (für die Pflanze Raphanus sativus) und seine Verwandten in germanischen und romanischen Sprachen gehen auf das lateinische radix Wurzel zurück. Die indoeuropäische Wortwurzel ist WRED Zweig, Wurzel. Auch das deutsche Wort Wurzel selbst leitet sich davon ab.

MeerrettichblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin tatsächlich eine stattliche Pflanze und werde 60 bis 150 cm hoch, obwohl man mir das leider jetzt im November nicht mehr ansieht. Ich ziehe jetzt meine ganzen Kräfte zurück in meine Wurzel, die 30 bis 40 cm lang werden kann, und lasse meine großen länglichen Blätter langsam vergehen. Erst im Frühjahr treibe ich dann wieder frische, gestielte, wechselständige, zarte, junge Blätter aus. Die unteren Grundblätter bilde ich dann eiförmig lanzettlich, unregelmäßig gekerbt und lang gestielt aus und lasse sie bis zu 100 cm lang werden! Die oberen Blätter werden ebenfalls eiförmig lanzettlich, aber gesägt und sitzen am Stängel. Dieser ist kahl, kantig und hohl. Als meine Schädlinge sind Mäuse und Engerlinge, die an meinen Wurzeln fressen, sowie Meerrettichblattkäfer und deren Larven zu nennen. Meine Blütezeit ist Mai- Juli und meine weißen Blüten wachsen in großen traubigen Blütenständen am Ende des Hauptsprosses und der Seitensprosse.

MeerrettichwurzelII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMan nimmt an, dass ich ur­sprünglich aus dem Mittelmeer­raum stamme, möglicher­weise aber auch Osteuropa. Heute werde ich überall in Mittel- und Osteuropa angebaut und komme häufig auch verwildert vor. Ich fühle mich am Rand feuchter Wiesen, Bachläufen und Flussufern besonders wohl.

Meine Inhaltsstoffe:

MeerrettichrosetteII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheU.a. Vitamin C, Vitamine B1, B2 und B6, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor, sowie ca. 0.6% Glucos­inolate mit den beiden Haupt­verbindungen Sinigrin  und Gluco­nasturtiin . Bei Zell­verletzung durch Schneiden, Schälen, Raspeln oder Fressen bilden sich daraus durch enzymatische Hydrolyse stechend schmeckende Verbindungen. Was habe ich noch zu bieten? – Weitere Glucosinolate, Flavone und Ascorbinsäre.

Meine Wirkungsweise wird darauf fußend als antibiotisch, Bakterien tötend (auch in starker Verdünnung), Schleim lösend und – verflüssigend, Husten lösend, kräftigend, Cholesterin senkend, entschlackend, äußerlich die Haut reizend, Schmerz  stillend, erwärmend und durchblutungsfördernd beschrieben.

Die chemische Wissenschaft hat in meiner Wurzel eine Menge sehr verschiedenartiger Bestandteile entdeckt, unter denen ein scharf brennendes ätherisches Öl und ein scharfer flüchtiger Stoff die wirksamsten sind. Im frischen Zustand wirke ich auf Eure Organe sehr reizend; im Magren und Darm soll ich die Verdauung fördern und den überschüssigen Schleim entfernen. Habt Ihr einen trägen, unempfindlichen Magen mit Blähungsbeschwerden nehmt einen Teelöffel voll Meerrettichsaft, verrührt ihn mit etwas Fleischbrühe.

Äußerlich gebraucht man mich bei Frostbeulen. Meine Wurzel mit Essig aufgegossen und dann aufgetragen soll Sommersprossen vertreiben. Außerdem soll ich ein sicheres Mittel bei Lungenentzündung sein. Dafür soll man 2 Wurzeln von mir reiben, sie dann mit Milch zu einem Brei verrühren und diesen bei Kindern 2 Minuten, bei Erwachsenen Personen 5 Minuten auf die schmerzende Stelle der Lungenpartie auflegen. Die Entzündung soll schon nach einem halben Tag verschwinden! Allerdings darf der Kranke das Bett nicht verlassen, er soll volle 2 Tage liegen bleiben, damit es keinen Rückschlag gibt.

MeerrettichwurzelnII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheVorschläge für Behandlungsmöglichkeiten für Euch im Winter: Sirup bei Husten, Schnupfen, Stirnhöhlen- und Nebenhöhlenkatarrh. Als Halswickel bei Halsentzündung, als Nackenkompresse bei Kopfschmerzen, Stirnhöhlen- und Kiefernhöhlenentzündung. Auch bei Schmerzen im Mundraum (Zahnschmerzen, Rachenkatarrh, Zahnfleischentzündungen) soll ich durch kleinste Mengen geraspelter Wurzel helfen. Bei drohenden Erkältungen sollte morgens und abends je einen Teelöffel frisch geriebener Wurzel von mir eingenommen werden. Beim Schneiden, Schaben oder besonders Reiben meiner frischen Wurzel entwickelt sich ein stechender und tränenreizender Geruch. Dieses Aroma ist allerdings nicht stabil, sondern verflüchtigt sich nach zehn bis zwanzig Minuten.

Mein Bruder, der japanische Kren, auch Wasabi genannt, ist vom Aroma her kaum von mir zu unterscheiden, aber im Geschmack ist er etwas stärker. Die scharfe grüne Paste ist eine wichtige Zutat für Sushi und würzt viele andere Gerichte der japanischen Küche. Wasabi wird jedoch nicht wie ich auch in säuerlichen Zubereitungen angeboten. Ursprünglich wurde der wilde grüne Meerrettich zum japanischen Sushi und Sashimi gereicht, um einer Vergiftung durch rohen Fisch entgegenzuwirken. Zu Eurem Sushi bekommt Ihr dagegen meistens eine scharfe Mischung aus meiner geriebenen Wurzel, Maisstärke, Senfpulver und grüner Farbe. Nur, wo 100% Wasabi draufsteht, ist auch wirklich Wasabi drin!

Rezept für Meerrettichhonig zum Durchatmen

2 TL geriebener Meerrettich, 1 TL Honig

Beides mischen und bei Bedarf (z.B. zum Schlafen bei Schnupfen) ½ TL der Mischung in den Mund nehmen.

Geschichte und Aberglaube:

Ich bin wohl schon in der Antike bekannt. Auf einem alten Wandgemälde aus Pompeji ist eine Meerrettichpflanze zu erkennen. Auch der Schriftsteller und Politiker Cato befasste sich in seinen Schriften mit uns.

Dem Orakel von Delphi wird folgender Spruch zugeschrieben: “Radieschen ist mit Blei aufzuwiegen, Rettich mit Silber, doch der Meerrettich ist sein Gewicht in Gold wert”.

Auch Hildegard von Bingen erwähnt uns in ihren botanischen Schriften als Heil- und Gewürzpflanze. Beliebt waren wir auch bei Seefahrern, denn der hohe Vitamingehalt bot hervorragenden Schutz vor Skorbut, einer Mangelerkrankung.

Übrigens glaubten die Menschen früher, dass ich vor Ebbe im Geldbeutel schütze: Eine kleine Scheibe meine Wurzel soll im Portemonnaie dafür sorgen, dass das Geld nicht ausgeht.  Auch zur Senkung von Fieber wurde ich eingesetzt: Die Kranken bekamen ein Stück meiner Wurzel als Kette um den Hals gehängt. Daneben sagte man mir als Amulett heilende Kräfte nach – Kinder trugen früher auf dem Land öfter eine Halskette, die aus geschnittenen aufgefädelten Scheiben meine Wurzel hergestellt war.

Wer von meiner Wurzel träumte, konnte sich freuen. Denn ein Meerrettich-Traum galt unter anderem als Symbol für Glück und versprach positive Verbindungen mit anderen Menschen.  In manchen katholisch geprägten Regionen bekomme ich zu Ostern – zusammen mit anderen Lebensmitteln wie Schinken und Eiern – die Weihe in der Kirche.

In der Küche:

Meerrettichgl SerII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin vor allem in Mittel- und Nord­europa beliebt. Zumeist wird meine frisch geriebene Wurzel zu Schinken oder gekochtem bzw. gebratenem Fleisch (z.B. zu englischem roastbeef) serviert. In Österreich ist Schinken mit Meerrettich ein traditionelles Osteressen. Da mein scharfes Aroma so flüchtig und wenig haltbar ist, sollte der tränentreibende Prozess des Reibens meiner Wurzel mehrmals während des Essens wiederholt werden. Eingelegter Kren ist zwar kommerziell erhältlich, aber echte Liebhaber von Euch wissen, dass die frische Wurzel bei weitem überlegen ist.

Meine stechenden flüchtigen Inhaltsstoffe sind nicht hitzebeständig; daher verwendet man mich nur selten für warme Gerichte, und wenn, dann fügt man mich erst kurz vor dem Servieren zu. In Österreich werde ich frisch gerieben (oder eingelegt) oft mit geriebenen Äpfeln gemischt (saure Sorten sind dabei vorzuziehen oder Ihr fügt etwas Zitronensaft dazu) und als pikante Beilage zu gebratenem oder gekochtem Fleisch serviert. Bei kalten Buffets bin ich besonders beliebt. Diese Mischung (Apfelkren) ist im Kühlschrank einen Tag haltbar, ohne ihre Schärfe merklich zu verlieren. Um die Dunkelfärbung des Apfelbreis bei längerem Stehen zu vermeiden, könnt Ihr die grob geschnittenen Äpfel auch kurz dämpfen und pürieren, bevor Ihr meine Wurzel zusetzt.

Meerrettichbl TenII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAuch meine jungen Blätter kann man als leicht scharfe Zutat zu Salatmischungen oder zu Gemüsegerichten nutzen. Selbst meine süßlich-scharfen Blüten dienen als essbare Dekoration.

Radieschencreme mit Kräutern

200 g Creme fraiche, 100 ml Schlagsahne, 10-12 Radieschen, ½ Beet Kresse, 1-2 EL Meerrettich, 1-2 EL klein gehackte frische Kräuter der Saison, 1 EL Zitronensaft, Kelten-Kräutersalz, frischer Pfeffer.

Die Sahne steif schlagen. Die Radieschen fein würfeln. Die Creme fraiche mit den zerkleinerten Radieschen, der abgezupften Kresse, dem Meerrettich, den gehackten Kräutern verrühren, zum Schluss die Sahne zufügen und mit dem Zitronensaft und den Gewürzen abschmecken. Zu Eiern oder als Dipp servieren.

Pikante Mayonnaise mit Zwiebeln

125 ml Mayonnaise, ½ kleine Zwiebel, 2 EL Meerrettich, 2 EL Kapern, 1 EL klein geschnittener Schnittlauch, 1 EL Limetten- oder Zitronensaft, 1 EL Senf, 1-2 Spritzer Worcestersauce

Die Zwiebel reiben oder ganz fein würfeln, die Kapern je nach Größe eventuell vierteln. Die Mayonnaise mit der geriebenen Zwiebel, dem Meerrettich, den Kapern, dem Schnittlauch, dem Saft, dem Senf und der Worchestersauce verrühren. Nach Geschmack mit Meersalz abschmecken.

Übrigens, die Spreewälder Spirituosenmanufaktur in Laubsdorf bei Cottbus hat zusammen mit der Spreewaldmosterei Jank in Burg einen Meerrettichlikör auf den Markt gebracht. So gibt es meinen pikanten Geschmack nun auch zum Trinken.

Und im fränkischen Baiersdorf gibt es das “schärfste” Museum der Welt! Hier könnt Ihr einen Einblick in die traditionelle Meerrettichfabrikation bekommen. Beim Besuch des Museums könnt Ihr Euch an Geschichten und Dokumentationen rund um mich und an den scharfen Produkten aus mir erfreuen.

Gedicht zum Meerrettich

In der kalten Jahreszeit

halte stets ich ihn bereit

Meerrettich die Abwehr stärkt

wie nach dem Genuss man merkt

Atemwege werden frei

lecker schmeckt er noch dabei

Dämpfe beißen Keime weg

jagen sie in ihr Versteck

Köstlich ist die weiße Creme

frisch gerieben angenehm

Sauce zu gekochtem Rind

und gemacht ist sie geschwind

Butter wird gut heißgemacht

und man schütte mit Bedacht

Kölln Schmelzflocken, s’wird gerührt

Duft nach Nuss uns schon verführt

ne Tasse Milch, ne Tasse Brühe

wird angegossen ohne Mühe

und rechtsrum bis die Sauce sämig

man rührt Minuten bis sie cremig

fein wird der Meerrettich gerieben

der Zentimeter etwa sieben

man hebt den scharfen Brei nun unter

und wird von dem Geruch schon munter

Ich möchte noch zum Schluss erwähnen

beim Reiben fließen viele Tränen

es ist wie oft in unserem Leben

erst geht’s durch’s Tal bevor wir schweben!

Christina Dittwald

KW 48: Senf

Senfpflanze-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWenn Ihr jetzt im Herbst noch blühende, gelbe Äcker entdeckt, handelt es sich nicht um Rapsfelder, wie im Frühling, sondern das auf dem Acker bin ich, der weiße oder schwarze Senf. Ihr kennt mich als Gewürzpflanze und einen der Grundstoffe des Senfgewürzes bzw. der Senfpaste. Warum wachse ich jetzt auf den Äckern? – Nun, ich werde oft als bodenbedeckende Zwischenfrucht im Spätsommer auf den Äckern ausgesät, um die Auswaschung von Nährstoffen zu verhindern. Meine weitverzweigten Wurzeln machen den Boden außerdem schön feinkrümelig. Vielfach verbleiben meine Pflanzen als Gründüngung zur Humusanreicherung über Winter auf dem Acker und werden später in den Boden eingearbeitet. Meine lat. Bezeichnung: Sinapis alba/ Brassica für mich als weißer Senf und Brassica nigra für meinen Bruder, den schwarzen Senf. Wir kommen beide aus der Familie der Kreuzblütler. Zur Namensherkunft: Die Bezeichnung Weißer Senf bezieht sich auf meine weißen Samenkörner. Ich werde auch Gelbsenf genannt, in Bezug auf meine gelben Blüten.

Beschreibung:

SenfblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWir wachsen beide als einjährige krautige Pflanze und können Wuchshöhen von bis zu 120 cm (mein Bruder sogar bis zu 200 cm) erreichen. An unseren kantigen, verzweigten Stängeln sitzen formenreich gegliederte, gezähnte, rau behaarte Laubblätter.

Die oberen Laubblätter sind gestielt und fiederspaltig geteilt bis gefiedert. Im Unterschied zum Schwarzen Senf (Brassica nigra), dessen Stängel glatt und rund sind, sind meine Stängel kantig, gefurcht und borstig behaart. Meine Blüten sind in einem lockeren Blütenstand angeordnet. Die zwittrigen Senfbl TenII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBlüten sind vierzählig und leuchtend gelb. Unsere normale Blütezeit liegt am Ende des Frühsommers. Nach der Befruchtung stehen meine Schoten waagerecht vom Stängel ab. Die reifen Schoten meines Bruders, des schwarzen Senfs, stehen dagegen nahezu senkrecht und liegen eng am Stängel an. Sie enthalten vier bis acht rundliche Samen. Ich bin im Wesentlichen eine  Kulturpflanze, die im Mittelmeerraum beheimatet ist. Außerhalb  von Äckern komme ich nur unbeständig als Ruderalpflanze vor.

Meine Inhaltsstoffe

sind  u.a.: Senföl, Senfölglykoside, Ätherische Öle, Vitamin C, Histidin, Schleim und Zink. Meine reifen Samen enthalten etwa 30 % Öl und 2 bis 2,5 % Sinalbin. Dieses Sinalbin gehört  zu den Senfölglykosiden und sorgt für meine Schärfe. Die Wirkungsweise wird als hautreizend, bakterienabtötend, entzündungshemmend und schmerzlindernd beschrieben.

Als Gewürz von schweren Speisen rege ich die Verdauung an und helfe somit, die Nahrung zu verdauen, wirke  gegen Blähungen und Verstopfung. Durch die Schärfe meiner Senfölglycoside und der ätherischen Öle kann ich  außerdem die Atemwege befreien, was jetzt in der Erkältungszeit sehr willkommen ist. Ihr könnt mich als  scharfen Senf essen, um Eure verstopfte Nase frei zu bekommen und die Nebenhöhlen bei Nebenhöhlenentzündung  desinfizieren.

SenfknospenII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksmedizin werden meine  frisch gemahlenen und mit Wasser zu einem Brei verrührte Samen äußerlich für Umschläge verwendet. Bei der milderen Senfkompresse wird ein Tuch in Senftee getränkt, ausgedrückt und dann aufgelegt. Diese Senfkompresse ist milder in der Wirkung als der Breiumschlag. Käufliches Fertig-Senfpflaster (Apotheke)  ist meist schwächer als ein Breiumschlag. Alle Arten von Senfpflaster werden wegen ihrer hautreizenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften angewendet. Die Durchblutung wird hierbei nicht nur direkt in der Haut, sondern auch im darunterliegenden Gewebe verstärkt. Daher können Entzündungsprozesse in Euren Gelenken und Euren inneren Organen durch die Erwärmung und Durchblutung positiv beeinflusst werden. Kinder unter 6 Jahren  und  Personen mit Nierenerkrankungen sollten jedoch nicht mit Senfpflastern behandelt werden. In einer Untersuchung soll übrigens festgestellt worden sein, dass meine Blätter (die in der  traditionellen lokalen Mittelmeerdiät enthalten sind) eine potentielle Anti-Diabetes-Wirkung besitzen.

Geschichte

Ich  wurde schon vor 3000 Jahren in China als Gewürz geschätzt. Über Kleinasien gelangte ich nach Griechenland, wo ich im 4. Jahrhundert v. Chr. als Heilmittel bekannt wurde. Das erste überlieferte Rezept  zur Senfzubereitung verfasste wohl der Römer Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. Im 8. Jahrhundert werde ich  in einer Schrift Karls des Großen erstmals in Mitteleuropa erwähnt und wurde – von arabischen Pflanzungen in Spanien aus verbreitet – an den europäischen Tafeln bald zu einem wichtigen Gewürz. So ernannte meines Wissens Papst Johannes XXII., der ausschließlich in Avignon und nicht in Rom residierte, einen seiner Neffen zum Grand moutardier du Pape – zum „Großen päpstlichen Senfbewahrer“.

Ich und der Meerrettich waren über Jahrhunderte die einzigen scharfen Gewürze, die europäischen Köchen zur Verfügung standen.  Erst im 13. Jahrhundert gesellte sich der Pfeffer und im 15. Jahrhundert der Chili zu uns scharfen Gesellen.

Semfbl Ten-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheHildegard von Bingen spricht ausdrücklich von meinem Bruder, dem Schwarzen Senf.  Ich wurde dagegen wohl gern in den südlichen Zonen angebaut.  Hildegard von Bingen meinte der Senf sei empfindlichen und kranken Menschen nicht zuträglich und empfahl seine nutzlosen Stoffe mit Wein oder Essig auszuziehen.

In Deutschland wird bereits seit 1726 der Düsseldorfer ABB-Senf hergestellt und ist somit die älteste deutsche noch existierende Senfmarke, die heute noch vom Düsseldorfer Unternehmen Löwensenf industriell hergestellt wird.

In der Küche:

In Indien werden meine Blätter und Stängel mit Zwiebeln und Knoblauch gekocht und mit Naan-Brot gegessen oder wie Spinat zubereitet. Meine  frischen, scharf schmeckenden Blätter können in kleinen Mengen prima Salaten oder Eintopfgerichten beigemengt werden. Sie würzen auch Wurst-, Quark- und Eiergerichte.

SenfvariationenII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDie verwendete Senfsaat entscheidet über die Schärfe von Senfpaste. Das heißt, je mehr braune Senfsaat, die ja schärfer ist als meine Samen, verwendet wird, desto schärfer ist das Endprodukt Senf. Senf wird in fünf Grundsorten unterschieden: mild, mittelscharf, scharf, extrascharf und süß. Sobald Senf mit Luft in Berührung kommt, trocknet er aus und verliert an Schärfe, da sich die Senföle verflüchtigen. Scharfe Senfsorten werden bei längerer Lagerung somit immer milder. Deshalb sollten geöffnete Senfgläser immer gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Ihr könnt Euch Euren eigenen Senf anrühren oder gekauften Senf weiter verfeinern. Verrührt dafür einen neutralen Senf mit verschiedenen gehackten Kräutern oder feingeriebenen Meerrettich, Honig, Ingwer, ätherischen Ölen, Wein oder Sherry, Eurer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Nach einigen Tagen könnt Ihr einen neuen Geschmack entdecken. Senfpulver lässt sich leicht in Soßen einrühren und als Gewürz unter Gerichte mischen.

In der Küche könnt Ihr zu vielen Gerichten Euren Senf dazugeben. Er schmeckt zu Getreide- und Gemüsegerichten, Fleisch- und Fischgerichten und pur zu Brat- oder Bockwurst, Käse, Backkartoffeln oder auch als Brotaufstrich. Buttermischungen, Salatsoßen, warme Soßen und Dips bekommen durch Senf einen gewissen Pepp. Da die Senföle sich nicht nur durch Luft verflüchtigen, sondern auch durch Wärme, sollten die Gerichte nach dem Würzen mit Senf nur noch kurz erhitzt werden. Aus Senfkörnern können unproblematisch würzige Sprossen gezogen werden. Sie eignen sich zum Überstreuen für Salate, Brotaufstriche, Soßen und Dips. Lasst Ihr die Sprossen länger wachsen erhaltet Ihr Senfgrün, das ähnlich wie Kresse verwendet werden kann. Doch nicht nur meine Körner sind genießbar. Kreative Köche verwenden meine jungen Blätter und bereiten damit aromatische Salate und Gemüsegerichte, so wie es auch in anderen Ländern üblich ist, zu.

Senfquark

Zutaten: 250 g Magerquark, 2 EL Senf, Meersalz, Kubebenpfeffer

Zubereitung: Quark mit Senf glatt rühren und mit Kubebenpfeffer und etwas Meersalz würzen. Schmeckt zu Gemüsestreifen, Gemüsepfanne oder zu Pellkartoffeln. Nach Belieben noch etwas gehackte Kräuter der Saison unterrühren.

Es gibt den Spruch: „Humor ist unser Senf des Lebens“

Und zum Schluss noch ein Gedicht zu Senf:

Die Wurst wird in der Pfanne verrückt,

wird sie nicht mit Senf geschmückt,

das Schnitzel kocht vor Wut,

nur Senf macht‘s wieder gut,

die Frikadellen wollen streiken gehen,

wenn sie Senf nicht wieder sehen,

selbst der Hot Dog kann nicht mehr,

gib den Senf schnell wieder her,

auch Kartoffeln im Salat,

ohne Senf total apart,

drum kauf ich nur den einen,

mit frisch verdienten Scheinen,

dann hab ich in der Küche Ruh,

Senfmühle Monschau, das schaffst nur du!

Martin Tretow

KW 47: Gefleckte Taubnessel

Gefleckte-TaubnesselII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) bin eine Pflanzenart, die zur Gattung der Taubnesseln innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse gehört. Ich bin ich nicht mit der Brennnessel verwandt, obwohl meine Blätter so ähnlich aussehen und ich auch die Bezeichnung Nessel im Namen habe. Namensgebend sowohl für meinen wissenschaftlichen als auch für meinem deutschen Trivialnamen gilt meine gefleckte Unterlippe. Die Gattung der Taubnesseln (Lamium) umfasst wohl 25 bis 30 Arten.

Volkstümliche Namen von mir und meinen Geschwistern: Ackernessel, Bienensaug, Blumennessel, Saunessel, Falsche Brennessel, Honigblom, Kuckucksnessel, Milder Nessel und Zahme Nessel.

Ich bin sehr variabel im Aussehen und wachse als ausdauernde krautige Pflanze und nur selten als einjährige Sommerpflanze. Meine Wuchshöhe schwankt zwischen 20 und 80 cm. Ich bilde grüne oberirdische und bleiche unterirdische Ausläufer. Mein Stängel ist oft unten kahl, oben jedoch spärlich abstehend weiß behaart. Er ist nur am Grunde verzweigt, hohl und typisch vierkantig und manchmal rot angelaufen.

Gefleckte-TaubnesselzweigII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine kreuzweise gegenständig angeordneten Laubblätter sind dunkelgrün gefärbt und bilden in ihrer Blattmitte, besonders im Winter, einen weißlichen Längsstreifen oder sogar weißliche Flecken aus. Meine unteren Blätter sind länger gestielt als die oberen. Diese Anpassung benötige ich an ungünstige Lichtbedingungen, denn ich gedeihe auch gut im Halbschatten. Die Blattform variiert von eiförmig-dreieckig bis herzförmig, der Blattrand weist eine grobe doppelte Zähnung auf.

Meine Hauptblütezeit ist April bis Oktober.

Gefleckte-Taubnesselbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine purpurnen Lippenblüten werden in den Blattachseln der oberen Blattpaare gebildet und sind dort zu zwei bis acht Blüten zusammengefasst in Scheinquirlen angeordnet. Von diesen Scheinquirlen bilde ich gewöhnlich drei bis acht Etagen übereinander. Meine Blüte enthält Kelch und Krone. Der grüne Kelch fällt durch 5 ähnlich große Zähne auf. Die tiefrosa bis purpurn gefärbte Krone wird etwa 2bis 3 cm lang, dabei weist meine Kronröhre eine charakteristische Aufwärtskrümmung auf. Damit unterscheide ich mich auch gut von meinen Geschwistern, wie z.B. der roten oder der stängelumfassenden Taubnessel. Die Oberlippe ist helmförmig gestaltet, die dreizipfelige Unterlippe besitzt ein auffälliges Fleckenmuster, das meinen Befruchtern den Weg zum Nektar weist. Meine vier Staubblätter pro Blüte, zwei längere und zwei kürzere, neigen sich gewöhnlich zusammen. An der Basis der Krohnröhre biete ich zuckerreichen Nektar (42 %), der gewöhnlich nur langrüsseligen Insekten zugänglich ist. Vielleicht hast auch Du schon als Kind meine hübschen Blüten ausgezupft und sie an der Kronröhre ausgesaugt. Falls noch kein tierischer Bestäuber seine Arbeit verrichtet hat, schmeckt mein Nektar schön süß.  Als meine typischen Bestäuber liebe ich Hummeln. Erdbienen beißen meine Kronröhre bisweilen seitlich an, um an den Nektar zu gelangen. Als Nektarräuber dienen sie leider nicht der Bestäubung. Beim Einkriechen von Hummeln in die Kronröhre meiner Blüte verschiebt sich die Oberlippe meine Blüte gelenkartig nach hinten. Narbe und Staubbeutel berühren so nacheinander den Rücken des brummenden Bestäubers.

Meine kleinen Früchte, die Klausen, werden gewöhnlich von Ameisen, die vom ölhaltigen Anhängsel angelockt werden, aufgegriffen und verschleppt. Sie übernehmen dadurch die Arbeit, mich weiter auszubreiten. Ich kann mich aber auch selbst ausbreiten: Durch den bei Fruchtreife trocken werdenden Kelch werden in der Fruchtwand Spannungen erzeugt, so dass eine Selbstausstreuung meiner Samen stattfindet. Außerdem verbreite ich mich auch über meine Ausläufer.

Gefleckte-Taubnesselbl Te2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch mag frische bis feuchte Ruderalstellen und so findet man mich im Halbschatten von Gebüschen und Hecken, an Waldsäumen, Mauern und Straßengräben sowie in frischen Laubwäldern. Ich bin von der Ebene bis in Höhenlagen von etwa 2000 Meter anzutreffen.

Meine Inhaltsstoffe:

Mineralien, wenig ätherisches Öl, Iridoide (sekundäre Pflanzenstoffe), Flavonoide, Glykoside, Saponine, Schleim- und Gerbstoffe.

Für Heilanwendungen wird insbesondere meine Schwester, die Weiße Taubnessel, genutzt. Es ist jedoch anzunehmen, dass auch ich ähnliche Inhaltsstoffe und Eigenschaften aufweise. Leider wurde das noch nie genauer untersucht.

Allgemein wird der Taubnessel eine Wirkung als auswurfförderndes Mittel bei Erkrankungen der Atemwege zugesprochen. Auch bei Verdauungsstörungen, wie z.B. Blähungen sollen wir helfen. Mit Tee getränkte Umschläge werden bei Hautschwellungen, Beulen, Krampfadern und Gichtknoten empfohlen. Außerdem wirken wir schwach harntreibend und entzündungshemmend. Diese entzündungshemmende Wirkung wird hauptsächlich gegen Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut genutzt.

Der kräuterkundige Pfarrer Künzle empfiehlt alle Taubnesselsorten und spricht den verschiedenen Arten die gleiche Heilwirkung zu: Nach der Blütenfarbe, so meint er, unterscheiden wir die weiße, die rotgefleckte und die goldene. „Alle Sorten haben die Kraft zu kühlen, Fieber, innere Hitze und Brand zu stillen. Tee von den Blättern und Blüten der Taubnessel ist daher heilsam bei Durchfall, Blasenentzündung, Blutfluss und Ruhr. Das Teekraut ist 10-15 Minuten zu sieden.“

Er empfiehlt auch ein Taubnesselöl, das ähnlich wie das Johanniskrautöl hergestellt wird: Frische Blüten mit gutem Öl übergießen und 8-10 Tage in der Sonne ziehen lassen. Das abgefilterte Öl soll bei inneren und äußeren Verletzungen, wie das Johanniskrautöl, wertvolle Dienste leisten.

Auch Maurice Mességué, ein französischer Heilkräuterkundiger, spricht den verschiedenen Taubnesseln im Wesentlichen die gleiche Heilwirkung zu. In erster Linie verwendet er die Blüten und Blütenkronen der Nesseln. Sie seien harntreibend, blutreinigend, kräftigend, erfrischend und haben blutstillende Eigenschaften. Waschungen mit dem Tee können bei Verbrennungen und anderen Hautverletzungen hilfreich sein.

Hildegard von Bingen erwähnt uns Taubnesseln unter den Namen „Binsuga“ (Bienensaug) und meinte dazu, dass wir die Fröhlichkeit fördern.

Wer sie genießt, lacht gern,

da ihre Wärme auf die Milz einwirkt

und so das Herz erweitert

(Hildegard von Bingen)

Gefleckte Taubnessel in der Küche:

Gefleckte-Taubnessel-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine jungen Sprosse und Blätter können als gehaltvolles Wildgemüse verzehrt werden. Sie schmecken am Besten vor der Blüte (ca. Februar bis April) Ich eigne mich deshalb auch für Anpflanzungen in naturnahen Gärten und werde zu diesem Zweck auch in zahlreichen Kultursorten, z. B. mit schön panaschierten Blättern, gezogen.

Auch bereits blühende Triebspitzen passen in Rohkostsalate, z.B. in Kombination mit Schafs- oder Ziegenkäse. Meine Triebspitzen eignen sich auch prima für Gemüsesuppen oder in Kombination mit Spinat. Meine Blüten ergeben eine tolle essbare Dekoration für die verschiedensten Speisen und können auch eine leckere Haustee-Mischung ergänzen. ergeben leckere Gemüsechips und sind eine ausgezeichnete Beigabe in Bratlingen.

Rezept Spinat-Wildkräutersuppe

1 Zwiebel, 450 g tiefgefrorener Blattspinat, 1 Handvoll Wildkräuter der Saison, Öl zum Anbraten, 1 El Mehl, 2 l Gemüsebrühe, Meersalz, Pfeffer, Muskatnussblüte (Macis), Creme fraiche, Kernmix für Salate.

Die Zwiebel putzen, würfeln und andünsten, die klein geschnittenen Wildkräuter hinzugeben, dann das Mehl darüber streuen und leicht anbräunen. Mit der Brühe ablöschen und den Spinat zufügen, zirka 10-15 Minuten köcheln lassen, dann mit den Gewürzen abschmecken und pürieren. Servieren mit einem Klecks Creme fraiche und 1 kleinem Löffel Kernmix.

Zum Abschluss ein Gedicht über die Taubnesseln:

“Am Straßenrand bedeckt mit Staub,

blüht eine Nessel, die ist taub.

Sie blüht bei Sonnenschein und Frost,

mühselig, aber doch getrost. Dereinst,

am Tage des Gerichts

(sie hört von den Posaunen nichts)

wird Gott ihr einen Boten schicken.

Der wird die taube Nessel pflücken

und in den siebten Himmel bringen.

Dort hört auch sie die Engel singen.”

Heinrich Waggerl

KW 46: Franzosenkraut

FranzosenkrautII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin’s, das Franzosenkraut, zwar zart und unauffällig, so dass viele mich übersehen – aber ich bin da und ich melde mich jetzt zu Wort.

Man hat mir auch andere Namen gegeben, wie z.B. Knopfkraut (klingt doch niedlich), aber auch Gartenpest oder Teufelskraut (diese weisen darauf hin, dass ich oft als typisches Gartenunkraut betrachtet werde). Der Name Knopfkraut hängt mit den Franzosen zusammen, denn meine Blüte ähnelt den früheren Knöpfen an französischen Uniformen.

Hier in Deutschland gibt es zwei Sorten Franzosenkraut. Mich, das eher kahle kleinblütige Knopfkraut und das behaarte Knopfkraut. Dieses verdankt seinen Namen den längeren Drüsenhaaren an der Blütenhülle und zusätzlichen Haaren an Blättern und Stielen.

Galinsoga parviflora ist meine lateinische Bezeichnung. Dabei stammt „Galinsoga“ vom Namen des spanischen Arztes und Intendanten des Königlichen Gartens in Madrid Mariano Martinez de Galinsoga (1766-1797). „Parviflora“ kommt von lat. parvus = klein und lat. florus = blütig und bedeutet kleinblütig (wie passend!).

Franzosenkrautzweig-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch werde leider als typisches „Unkraut“ bezeichnet und deshalb oft bekämpft. Ich wachse gern auf frischen bis mäßig frischen, nährstoffreichen, aber vorzugsweise kalkarmen, humosen, lockeren und sandigen Lehmböden. Also findet man mich in Gärten, an Äckern oder an offenerdigen Weg- und Straßenrändern.

Ich bin einjährig und keime erst im späten Frühling, wenn es warm genug ist, denn ich komme nicht aus Frankreich, wie mein Name vermuten lässt, sondern ursprünglich aus Südamerika, eigentlich Kolumbien, wo ich auf der Hochebene im Dorf Guasca (Boyacá) sehr verbreitet bin. Du kannst mich also als Weltenbummler bezeichnen, denn ich stamme wie die Tomaten, Kartoffeln und der Mais aus Südamerika.

Man bezeichnet mich deshalb als Neophyt. Ursprünglich wurde ich Ende des 18. Jahrhunderts in botanischen Gärten angepflanzt, bald jedoch wegen meiner schmackhaften Blätter auch in landwirtschaftliche Kultur genommen. Weil ich mich sehr stark verbreitete und dies zeitlich mit den Feldzügen von Napoleon zusammenfiel, kamen die Franzosen zu Unrecht in Verruf, mich eingeschleppt zu haben. Heute habe ich mich über ganz Europa und große Teile Asiens verbreitet und in Frankreich nennt man mich bezeichnenderweise „Russenkraut“.

Franzosenkrautbl TterII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch kann 20-60 cm hoch werden und bilde weiche, eher kahle Stängel aus denen sich gegenständige, eiförmige, grob gesägte Blätter entwickeln. Meine Blüten sind winzige Knöpfchen (knapp 0.5 cm), bestehend aus einem Körbchen mit kleinen gelben Röhrenblüten und 5 weißen Kronblättchen. Jedes dieser Kronblättchen besitzt 3 kleine Zipfel. Bei meinen Blüten herrscht fast ausschließlich Selbstbestäubung. Meine Blütezeit: Juni bis Oktober und manchmal sogar November. – Jedenfalls bis zum ersten Frost. Ich kann es auf bis zu 3 Generationen in einem Jahr bringen. Meine Früchte sind winzige schmale Achäne mit flugfähigem Pappus, aber ich kann pro Pflanze bis zu 100.000 Samen produzieren! Und diese Samen haben es in sich! Sie können bis 10 Jahre auf eine günstige Witterung warten und dann keimen. Auf Feldern oder in Gärten wachse ich gern und werde von vielen Bauern und Gärtnern verflucht, aber zum Glück lasse ich mich durch meine üppige Samenbildung und meine Widerstandskraft nicht so einfach aus den Beeten vertreiben.

Mein Bruder (lat. Galinsoga ciliata), das behaarte Knopfkraut ist an seinen Stängeln und Blättern mit feinen oder zottigen Härchen überzogen. Sein Beiname ciliata bedeutet übrigens „bewimpert“.

Meine Inhaltsstoffe:

Franzosenkrautbl TenII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheEisen, Eiweiß, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Phosphor, Schleimstoffe, Vitamin A, Vitamin C. Ich strotze also vor wichtigen Inhaltsstoffen und kann deshalb schon fast mit der wertvollen Brennnessel mithalten, die leider weitaus besser erforscht wurde. Mein Eisengehalt ist außergewöhnlich hoch, so kann ich helfen einem Eisenmangel vorzubeugen.

Aufgrund meiner Inhaltsstoffe schätzen mich auch viele Vögel, Nagetiere oder Insekten als Nahrungsmittel. Ich kann auch als Viehfutterpflanze verwendet werden. Da ich wohl eindeutig Insekten fördere und damit zur biologischen Vielfalt im Garten beitrage, können mit mir eventuell weniger Probleme mit Blattläusen auftreten. Also solltet Ihr mich wohl in Maßen im Garten stehen lassen. Außerdem bin ja ein wertvolles Mitglied der essbaren Wildkräuter.

Eigenschaften und Verwendung

Meine Eigenschaften auf den menschlichen Organismus sollen blutdruckregulierend, blutreinigend und kräftigend sein. Somit kann bei Magen-Darm-Beschwerden, Leberschwäche, hohem Blutdruck und Anämie ein Tee aus meinem Kraut helfen. Dazu einen Esslöffel meiner frischen oder getrockneten Blüten und Blätter mit 250 ml kochendem Wasser aufgießen und nach 10 Minuten abseihen.

Aber, leider habe ich hier zu Lande kaum eine Bedeutung als Heilkraut. Das kommt auch daher, dass ich ja noch nicht so lange hier zuhause bin. In meiner ursprünglichen Heimat in Südamerika diene ich als Heiltee bei verschiedenen Leiden, wie z.B. auch bei der Krebstherapie und zur Regenerierung nach langen Krankheiten. Mir wird auch eine blutstillende Wirkung nachgesagt.

Franzosenkrautbl Ten2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch kann Euch Kraft und Energie geben, um auch schwere Zeiten gut zu überstehen (wie passend gerade jetzt!).

In der Homöapathie soll ich bei Grippe und grippalen Infekten helfen.

In der Küche

Ich bin sehr vital und enthalte viel Eiweiß. Von mir kann das gesamte oberirdische Grün mit den Blüten geerntet werden. Später im Jahr, wenn meine unteren Stängel und Blätter faserig werden, sollten nur die oberen Triebspitzen von mir verwendet werden.

So lasse ich mich sehr vielfältig nutzen, z.B. als Salatzutat, für Pesto, als oder mit Spinat, in Smoothies und als Gewürz über Suppen und Gemüse.

Wildkräuterpesto mit Franzosenkraut

Ca. 50 g Wildkräuter, wie Franzosenkraut, Giersch, Löwenzahn, Schafgarbe, Vogelmiere und Brennnessel, 2 EL Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, 1 Knoblauchzehe, 75-100 ml Olivenöl, etwas Meersalz, frischer Pfeffer, 50 g Parmesan.

Die Wildkräuter waschen, trocknen und fein schneiden. Zusammen mit den Kernen, dem Knoblauch, Öl, Meersalz und Pfeffer pürieren. Den frisch geriebenen Käse unterrühren und das fertige Pesto abschmecken. In kleine Twist-off-Gläser abfüllen, eine dünne Schicht Öl darüber gießen, gut verschließen und kühl lagern.

KW 45: Wegwarte

Wegwarte-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin die Wegeleuchte oder Wegwarte und habe im Laufe der Zeit noch andere Namen bekommen, wie z.B. Blaue Distel, rauer Heinrich, Zichorie, Sonnenwirbel, blaue Sonnenwende, verzauberte Jungfrau, Zigeunerblume und faule Magd.

Ich gehörte zu den Pflanzen für eine Blumenuhr. Meine Blüten öffnen sich früh morgens um fünf Richtung Osten der Sonne zu und schließen sich bereits am späten Vormittag um elf Uhr. Dadurch erklären sich auch die Namen Faule Magd oder Faule Gretel.

Mein lateinischer Name ist Cichorium Intybus. Der Gattungsname Cichorium davon leitet sich von griech. ,kichorion’ ab, bestehend aus griech. ,kio’ (= ich gehe) und ,chorion’ (= Feld). Damit wird deutlich, dass ich gerne an Feldwegen stehe.

In der Zeit vor Linné hieß ich Intybus, abgeleitet von Griech. ,entybon’ (= Endivie). In der Tat ist die leicht bittere Endivie (Cichorium endivia L.), die Ihr gern in der kalten Jahreszeit als Salat nutzt, mit mir nahe verwandt. Auch der Chicorée (C. intybus var. foliosum) gehört in unseren engen Verwandtschaftskreis. Im Gebrauch ist auch noch eine weitere Cichorium-Art, C. intybus var. Sativa. Von Ihr wird die Wurzel geröstet als Kaffeeersatz verwendet  („Zichorienkaffee”).

Wegwartenbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin eine mehrjährige bzw. ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen zwischen bis zu 150 cm erreichen kann. Meist bleibe ich jedoch mit 50 bis 80 cm Höhe deutlich kleiner. Nach oben bin ich sparrig verzweigt und im Boden mit einer langen, tiefreichenden Pfahlwurzel verankert.  Meine Stängel sind auffallend behaart und haben eine eher kantige Form. Meine Blätter sind 10-30 cm lang, meine Grundblätter sind schrotsägeförmig, meine oberen Blätter dagegen länglich-lanzettlich geformt. Meine zahlreichen hellblauen, selten weißen Blütenköpfe sitzen zu einzeln oder zu mehreren Wegfwartenbl TterII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheendständig oder seitlich an meinen steifen Stielen. Meine Blütezeit kann von Juli bis September oder auch noch darüber hinaus dauern. Meine auffallend schönen Korbblüten können einen Durchmesser von bis zu 6 cm erreichen. Ich bilde allerdings nur Zungenblüten aus und jede einzelne davon läuft am äußeren Ende in 5 Zacken aus.

Ab September bilden sich aus meinen Blüten die für unsere Pflanzenfamilie (Korbblütler) typischen Achänenfrüchte mit gerippter und langgezogener Form.

In Europa bin ich heimisch, außerdem findet man mich in größeren Wildbeständen in Westasien und Nordafrika. In China und Amerika werden meine Verwandten als wichtige Futterpflanze kultiviert.

WegwartenzweigII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMan findet mich eher an trockenen, seltener an mittelfeuchten Standorten. Ich besiedele vor allem Wegränder (daher auch der Name), Randbereiche von landwirtschaftlichen Feldern sowie Brachflächen und Ödland. An Standorten mit frisch aufgeschlossenen Böden sieht man mich häufig als Pionierpflanze.

Geschichte und Sagen

Um mich ranken sich viele Bräuche und Rituale der Sympathiemedizin, bei der abergläubische Elemente mit heilkräftigen Anwendungen verknüpft wurden. Bereits in vorkeltischer Zeit wurde ich verehrt und  galt als Verkörperung der Vegetationsgöttin. Der Legende nach war ich die Frau des Sonnengottes, nach dem ich mit meinen blauen Augen Ausschau hielt, während er am Himmel seine Bahn zog. Der Sonnengott besaß die Gestalt eines Hirsches. Mit einem Hirschgeweih ausgegrabene Kollegen von mir sollen deshalb die stärksten Wirkungen aufweisen.

Am Johannistag in einem besonderen Ritual mit einem goldenen Werkzeug ausgegrabene Wurzeln von mir galten als Unglück abwehrend.

Wurzeln von mir, unter das Kopfkissen gelegt, halfen auch einen Dieb im Traum zu entlarven.

Eine alte Sage beschreibt meine Blüten als die blauen Augen eines verwandelten Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartet.

Ich werde auch mit einigen Liebeszaubern in Verbindung gebracht. Um sich etwa die Treue des Ehemanns zu sichern mischten eifersüchtige Frauen pulverisierte Wegwarte in das Essen Ihres Gemahls.

Um die Aufmerksamkeit eines Mannes zu gewinnen sollte ich als Zutat in Zaubertränken dienen.

Anwendung

Paracelsus empfiehlt mich bereits als schweißtreibend, Kneipp bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen. In der Pflanzenheilkunde werde ich zur Stimulierung und zur Heilung von Milz, Leber und Galle eingesetzt, aber auch zur allgemeinen Reinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet.

Volkstümliche Anwendungen umfassen Appetitanregung, Stimulierung der Sekretion von Verdauungssäften und abführende Wirkungen. Zur arzneilichen Behandlung von Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden habe ich in Deutschland eine positive Bewertung.

Die Kommission E hat mich zur Behandlung von  Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden benannt.

Meine Wurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann meine Wurzel bei leichten Verdauungsbeschwerden wie, z.B.  Völlegefühl, Blähungen und verzögerter Verdauung sowie bei zeitweilig auftretender Appetitlosigkeit angewendet werden.

Dafür einen Tee aus 2 bis 4 g fein geschnittener Wegwartenwurzel mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Min. abseihen.

Ich spiele auch in der Bach-Blütentherapie eine Rolle. Als achte Pflanze in der Reihe soll ich vor allem gegen vielerlei negative Gefühle wie Egoismus, Selbstaufopferung, Selbstmitleid oder Gefühlsterror helfen.

Inhaltsstoffe

Mein Bitterwert liegt zwischen 700 und 900. Er ist zwar deutlich höher als ähnlich genutzte Bitterstoffpflanzen, wie z.B. Löwenzahn, gilt aber dennoch als vergleichsweise mildes Bittermittel.

Einige meiner Bitterstoffe, wie z.B. die Stoffe Lactucin und Lactucopicrin haben darüber hinaus schmerzlindernde bzw. schmerzstillende Eigenschaften. Neben Bitterstoffen enthalte ich noch Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe. Bei letzterem sind besonders die Pentosane hervorzuheben, die eine heparinähnliche Wirkung auslösen und somit die Blutgerinnung hemmen können.

In der Küche

Wegwartenbl Te2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Wildform lässt sich in der Küche ebenso vielseitig einsetzen, wie meine Zuchtformen (z.B. Chicoree). Verwendung finden sowohl meine Blätter, meine Blüten als auch meine Wurzel.

Meine Blätter können vor allem im Frühjahr eine delikate Zutat für knackige Salate bilden. Sie sind leicht bitter, haben eine angenehm milden Geschmack und liefern viele wertvolle Mineralien. Kurz vor bis nach der Blüte werden meine Blätter zunehmend bitterer. Dann lassen sich z.B. als Spinatersatz verwenden. Dafür sollten meine Blätter aber etwa 2-3 Stunden vorher in Wasser eingelegt werden, um Bitterstoffe auszuschwemmen.

Meine hübsch anzusehenden Blüten eignen gut zum Garnieren von Wildkräutersalaten und Obstkompott oder Obstsalaten. Oder Ihr könnt sie auch kandieren.

Für den so genannten Zichorienkaffee, der in wirtschaftlich angespannten Zeiten gern als Ersatzkaffee getrunken wird, werden meine Wurzeln zunächst geerntet und dann getrocknet. Im Anschluss wird die getrocknete Wurzel zerkleinert und geröstet. Zum Trockenrösten in der Pfanne eine eher geringere Temperatur wählen. Nach dem Rösten können die Wurzelteile gemahlen und als Kaffee aufgebrüht werden.

Meine Titel:

Ich wurde bereits 2005 zum „Gemüse des Jahres“ und 2009 zur „Blume des Jahres“ gewählt. Dann folgte dieses Jahr die Benennung zur „Heilpflanze des Jahres 2020“.

Gedicht: Wegwarte

Es steht eine Blume,

Wo der Wind weht den Staub,

Blau ist ihre Blüte,

Aber grau ist ihr Laub.

Ich stand an dem Wege,

Hielt auf meine Hand,

Du hast deine Augen

Von mir abgewandt.

Jetzt stehst du am Wege,

Da wehet der Wind,

Deine Augen, die blauen,

Vom Staub sind sie blind.

Da stehst du und wartest,

Daß ich komme daher,

Wegewarte, Wegewarte,

Du blühst ja nicht mehr.

(Hermann Löns)

KW 44: Walnuss

WalnussbaumII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheHier bin ich, die königliche Walnuss bzw. der Walnussbaum. Ich bin zwar einer der letzten Bäume, die im Frühjahr austreiben, habe keine auffälligen Blüten oder sonst etwas Aufregendes. Außerdem bin ich der erste kahle Baum im Herbst, auch wieder ohne auffällige Herbstfärbung meiner Blätter und ohne farbige Früchte. Meine Kätzchenblüten im Frühjahr sind auch unauffällig – und meine Früchte im Herbst sind leider auch keine Zierde. Zu allem Überfluss sagen manche Menschen ich hätte einen untersetzten plumpen Habitus. Aber! Ich habe mindestens zwei Dinge von allerhöchster Qualität zu bieten: das edelste Holz und die besten aller Nüsse. Außerdem bekomme ich durch meine silbrige Rinde und meine knorrigen Äste ein charakteristisches Aussehen. Und dass ich die Blätter nur so kurz trage, ist gerade von Vorteil wenn ich von Euch als Hausbaum gepflanzt werde: Im Frühjahr werfe ich erst Schatten, wenn Ihr Euch welchen wünscht, und im Herbst lasse ich die Sonne dann schon wieder durch meine Krone, wenn sie schwächer und für Euch angenehm wird. Ich bin also der ideale und unübertroffene Hausbaum für Euch. Im Einzelstand komme ich da am besten zur Geltung.

Meine lat. Bezeichnung ist Juglans regia, das leitet sich von Jovis glans ab, was in Deutsch Jupiter-Eichel bedeutet und Regia bedeutet königlich. Ich bin also adelig und darauf sehr stolz. Jupiter war der Göttervater der alten Römer und Herrscher über Blitz und Donner. Das deutsche Wort Walnuss soll allerdings von der altrömischen Bezeichnung, Nux gallica, die gallische Nuss, abgeleitet worden sein. Ins Mitteldeutsche übertragen wurde daraus dann die Wälisch Nuss. Denn wälisch galt als Adjektiv für alles Romanische. Später wurde daraus dann die Bezeichnung Walnuss. Ich besitze eine eigene Pflanzenfamilie, die Walnussgewächse. Eigentlich komme ich aus Mittelasien. Über den Mittelmeerraum kam ich schließlich nach Mitteleuropa. Ich wachse bevorzugt in milden Gegenden, da meine Blüten ziemlich frostempfindlich sind. Ich mag es nicht, wenn es zu meiner Blütenzeit zirka Ende April noch Frost gibt. Ich kann ein stattlicher Baum werden, bis zu 25 m hoch und zirka 150- 200 Jahre alt werden.

WalnusszweigII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine männlichen Blüten sind dicke Kätzchen, während meine zirka 4 Wochen später erscheinenden weiblichen Blüten unscheinbar und kugelförmig sind. Die Bestäubung übernimmt der Wind.

Meine einzelnen Blätter sind oval und wachsen in so genannten Fiedergruppen mit 5-9 Einzelblättern. Beim Austreiben sind sie rotbraun gefärbt, daran kann man mich und meine Brüder um diese Zeit schon von weitem gut erkennen. Im Laufe des Sommers werden sie etwas lederartig. Wenn man sie zerreibt, riechen sie würzig.

WalnussfruchtII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBis zum Herbst entwickeln sich aus meinen Blüten die bekannten und beliebten Walnüsse.  Ursprünglich waren meine Nüsse ziemlich klein, nur 2 cm groß. Ich wurde aber – wie Äpfel, Birnen und Maronen – von Euren Vorfahren schon seit Jahrtausenden auf größere Früchte gezüchtet. Diese werden von einer harten, hellbraunen Schale geschützt und die wiederum sitzen in fleischigen grünen Außen-Schalen. Beim Reifeprozess platzt die grüne Außenschale von selbst auf. Diese grünen Außenschalen enthalten einen Farbstoff, mit dem Ihr unter anderem auch Haare dunkel färben könnt.

Ich scheide mit meinen grünen Anteilen ein Glykosid aus, das sich bei Freisetzung in die Substanz Juglon verwandelt. Mit diesem Wirkstoff verhindere ich das Pflanzenwachstum in meiner unmittelbaren Umgebung. Es ist also wie eine Art Unkrautbekämpfungsmittel und verhindert so auch, dass sich andere Bäume in meiner Nähe breit machen können. Durch die Ausdünstungen meiner Blätter soll ich auch Fliegen und anderes lästiges Getier fernhalten.

Meine Inhaltsstoffe:

Gerbstoffe, Gerbsäure, Tannine, Bitterstoffe, Flavonoide, Juglon und ätherisches Öle

Verwende Pflanzenteile von Euch Menschen: Meine unreifen und natürlich die reifen Nüsse, die Nussschalen, Nusskämben und meine Blätter. Dadurch gibt es auch verschiedene Sammelzeiten: Für die grüne Nüsse und die Blätter: zirka Juni.  Für die reifen Nüsse: Herbst.

Grüne Nüsse

Meine unreifen, grünen Nüsse werden auf vielfache Weise von Euch benutzt, z.B. für  Likör mit Zimt, Vanille und Honig. Auch kandiert werden die grünen Nüsse gerne oder zu so genannten schwarzen Nüssen zubereitet. Meine grünen Nüsse sollen Eure Verdauung und Eure Leber stärken und das Blut reinigen. Die Durchblutung Eures Körpers soll verbessert werden – eine Wirkung die vermutlich im Zusammenhang mit der gefäßfördernden Wirkung auch meiner reifen Nüsse steht. Meine unreifen Nüsse könnt Ihr meistens kurz vor dem Johannistag Ende Juni ernten. Ihr solltet sie noch mit einer Nadel komplett durchstechen können. Meine später harten Nussschalen sind in diesem Stadium noch weich.

Reife Nüsse

Walnussfrucht2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Früchte weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit Eurem menschlichen Gehirn auf. Die Signaturenlehre geht davon aus, dass Pflanzen durch ihre Form und Farbe anzeigen, für welche Körperteile und Bereiche sie besonders wirksam sind und für welche Krankheiten sie nutzbar sind. So erklärt sich, dass meine Wirkstoffe die menschliche Leistungsfähigkeit aktivieren, die Kreativität und die Konzentrationsfähigkeit fördern und Eure Gehirnfunktionen unterstützen sollen.

Entscheidend hierfür ist das pflanzliche Eiweiß, die ungesättigten Fettsäuren, Vitamine wie das A, C und E und der B-Komplex und Mineralstoffe wie Calcium, Zink, Eisen und Magnesium.

Deshalb sind für Euch meine reifen Nüsse im Herbst besonders wertvoll.  Der regelmäßige Genuss von Walnüssen soll die Elastizität Eurer Blutgefäße fördern und somit gegen Arteriosklerose und deren Folgen wirken. Die Wirkungsweise wurde erst vor relativ kurzer Zeit von spanischen Wissenschaftlern herausgefunden. Vermutlich sind Substanzen, die den Omega-3-Fettsäuren ähneln, verantwortlich für diese Gefäßfördernde Wirkung. Somit soll der Verzehr von Walnüssen indirekt dadurch das Risiko senken, an Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken.

Auch das aus meinen Nüssen gewonnene Walnussöl ist sehr gesund und wertvoll. Es enthält wertvolle Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Diese halten Nerven und Hirn gesund und sollen das Herzinfarktrisiko senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Walnussöl auch bei einem erhöhten Cholesterinspiegel, da die ungesättigten Fettsäuren diesen positiv beeinflussen können.

In der französischen Küche wird mein Öl von Feinschmeckern sehr geschätzt.

Walnuss-Blätter

WalnussblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der traditionellen Pflanzenheilkunde werden meine Blätter besonders häufig angewendet. Aufgrund ihres  Gehalts an Gerbstoffen haben sie eine ausgeprägte adstringierende Wirkung. Dadurch können  sie bei Problemen des Verdauungssystems und gegen Hautentzündungen helfen. Meine Blätter können sowohl als Tee, als auch äußerlich benutzt werden.

Für einen Tee (es werden 1-3 Tassen täglich empfohlen) übergießt man 1-2 TL Walnussblätter mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen. Dann abseihen und in kleinen Schlucken trinken.  Anschließend abseihen und in kleinen Schlucken trinken.

Walnussblätter-Tee oder verdünnte Tinktur kann auch in Form von Umschlägen, Bädern oder Waschungen bei Hautentzündungen, Ekzemen und Schuppenflechten lindernd wirken.

Nusskämben

Tees oder Tinkturen aus meinen Nusskämben (die holzigen Leisten zwischen meinen Nusshälften)  sollen Euer Herz stärken und sollen sich zur begleitenden Behandlung von Herzrhythmus-Störungen eignen. Hierzu 4-5 dieser Nusskämben für eine Tasse Tee verwenden und diesen Aufguss 10 Minuten ziehen lassen.

Täglich werden hiervon 2-3 Tassen empfohlen.

Bei den Bachblüten iH stehe ich unter dem Namen “Walnut” für den Neuanfang.

2008 wurde ich zum „Baum des Jahres“ gekürt.

Walnüsse oder Walnussöl in der Küche

Waln SseII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWalnüsse schmecken im Ganzen, gemahlen oder gehackt in Desserts, als Backzutat, aber auch in asiatischen Gerichten und Gemüse- oder Obstsalaten, als Zutat für Füllungen, Pasteten und Käse.

Mein Speiseöl eignet sich für die kalte Küche, sehr als Salatöl, für Gemüsearten wie Sellerie und Spargel, zu Fisch, in Suppen und zu Gebäck, Desserts sowie weiteren Süßspeisen wie z.B. auch Eis.

Walnuss-Gremolata

100 g Walnüsse, 80 g Parmesan, abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone oder Limette, 1 EL gehackte frische Kräuter (z.B. Majoran, Feldthymian und/oder Basilikum) etwas Kelten-Kräutersalz

Walnüsse hacken und fettfrei in einer Pfanne anbräunen. Mit der geriebenen Zitronen- oder Limettenschale, dem Parmesankäse und dem gehackten Kräutern verrühren. Mit Kelten-Kräutersalz abschmecken.

Passt super zu Pasta, Suppen und Tomatengerichten.

Herbstlicher Salat

400 g Rotkohl, 400 g Knollensellerie, 2 Äpfel, 2 Orangen, 100 g Walnusskerne, 3 EL Olivenöl, 2 EL Walnussöl, Saft einer Zitrone, Kräutersalz, Pfeffer, Kräuter nach Geschmack

Rotkohl und Sellerie fein hobeln, die Apfel entkernen und in feine Spalten schneiden, alles gut vermengen. Das Dressing vorbereiten und über die Salatzutaten geben. Die Orangen filetieren und mit den Walnusskernen über den Salat geben.

Walnüsse in der Kosmetik

Kosmetische Verwendung: Mein Extrakt wird zum Tönen Eurer Haare verwendet. Er kann dazu in Shampoos, Spülungen, Haarkuren und Farbfestiger eingesetzt werden.

Durch den hohen Linolsäuregehalt ist Walnussöl auch in der Hautpflege beliebt: Es zieht besonders schnell in die Haut ein und macht sie geschmeidig. So Kann auch trockene, irritierte, rissige und/oder lichtgeschädigte Haut wieder glatt und gesund werden.

Passender Witz:

Brokkoli: Komisch, ich sehe aus wie ein Baum.

Pilz: Ich sehe aus wie ein Regenschirm.

Walnuss: Wow, ich sehe aus wie ein Gehirn.

Banane: Können wir bitte das Thema wechseln.

Gedicht: Die Walnuss

Die kleine Walnuss sehr begehrt,

von jedem gerne mal verzehrt,

die findet man zur Herbsteszeit,

dann ist zu knacken sie bereit.

Manchmal musst Dich nach ihr bücken,

manchmal auch vom Baum sie pflücken,

sie ist ein wahrer Hochgenuss,

den man einfach haben muss.

(Nicole Pulver)

KW 43: EsskastanieKastanienbaumII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Ich bin die Esskastanie oder auch Edelkastanie mit dem lateinischen Namen Castanea sativa. Einige der Volksnamen meiner Früchte: Chesten, Keschten, Köschten, Maronen, zahme Kastanie.

Jetzt im Herbst werde ich überall in der Pfalz mit Kastanienfesten, einem Kastanienwanderweg und sogar einer gekührten Kastanienkönigin geehrt.
Heimisch bin ich eigentlich nur südlich der Alpen. Vermutlich schon zur Römerzeit hat man mich in die Gebiete nördlich der Alpen eingeführt und dort in den Weinbauregionen eingebürgert, wo ich mich auch recht wohl fühle.

Auch wenn es mein Name nahelegt: Ich habe mit der Rosskastanie, abgesehen von ähnlich ausschauenden Früchten, wenig gemein. Während ich eng mit Buchen und Eichen verwandt bin, gehört die Rosskastanie wie die Ahorne zu den Seifenbaumgewächsen.

KastanienastII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch gehöre zu den Sommergrünen Bäumen, werde sehr stattlich und fast 30 m hoch. Meine schöne Krone ist kegelig oder gewölbt und meist sehr regelmäßig, so wie man eben gern einen Baum malt. Meine jungen Zweige sind kantig, kahl, grünbraun und heller punktiert. Meine Borke ist dunkelbraun und wird im Laufe der Zeit stark längsrissig.

Meine Blätter sind wechselständig, einfach, gleichmässig gesägt, länglich und spitzig. Auf der Oberseite sind sie glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite hellgrün und auf beiden Seiten kahl. Als Südländerin bin ich etwas spätfrostempfindlich. Um regelmäßig reife Früchte hervorzubringen, ist für mich auch eine gewisse Jahres-Wärmemenge nötig. Die Weinbaugebiete sind deshalb für mich von Vorteil. Meine Blüten zeigen sich als lange, blassgelbe männlichen Blütenstände ab zirka Ende Mai und verströmen einen bezaubernden Duft. Meine kleinen weiblichen Blüten öffnen sich erst anderthalb Wochen später.

Die Hauptwirkstoffe meiner Früchte: Viel Kalium, sowie weitere Mineralien, wie z.B. Calcium, Magnesium, Phosphor, Eisen, Kupfer, Natrium, Mangan, Zink.

Kastanienfrucht1II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDaneben enthalten meine Früchte viele wertvolle Vitamine wie die Vitamine A, B1, B2, B3, B5 und C. Des weiteren sind die Omega-3-Fettsäure, die Palmitinsäure, und weitere 9 seltene Fettsäuren zu nennen. Ihr seht also ich bin für die menschliche Ernährung sehr wertvoll. Durch den hohen Stärkegehalt meiner Früchte und die geringen Eiweisswerte wird auch eine sehr gute Verdaulichkeit ermöglicht. Wertvolle Kohlenhydrate sind Energielieferanten der Natur vom Feinsten, denn sie sind Gehirnnahrung und fördern einen guten Schlaf, wenn Ihr meine Früchte abends zu Euch nehmt.

Neben meinen köstlichen Früchten wurde auch mein gesamte Baum als Rohstofflieferant geschätzt. Mein Holz wurde bereits von den Griechen für den Schiffsbau verwendet und das im Holz enthaltene Tanninextrakt eignete sich hervorragend zum Gerben von Leder. Auch im Zeichen der Gesundheit wurde ich früher hoch angesehen. Meine Früchte dienten zur Linderung bei Kopfschmerzen, Gicht, Milzbeschwerden, Herz- und Magenbeschwerden. Meine Blätter können auch heute noch als Tee (2 TL Blätter pro Tasse) Bei Bronchitis, Hals-Rachen-Entzündungen u.ä. genutzt werden.

Baumheilkunde

Hildegard von Bingen schrieb hierzu:” Aber ein Mensch, der aus seinem Holz einen Stock macht und diesen in seiner Hand trägt, so dass die Hand dadurch warm wird, dem werden aus dieser Erwärmung die Adern und alle Kräfte des Körpers gestärkt.”
Das Verweilen bei der Edelkastanie soll helfen, zur inneren Ruhe und Gelassenheit sowie zur inneren Quelle der Heilung zu finden. Schon den Duft des Holzes tief eingeatmet soll das ruhelose Denken mindern und Gesundheit und Geborgenheit schenken.

Das Bachblütenmittel Sweet Chestnut soll gut für Menschen sein, die absolut verzweifelt sind, und vor dem totalen Zusammenbruch stehen.

Nach der chin. Heilkunde wirke ich zusammenziehend, trocknet innere Nässe, ohne auszutrocknen, halte Qi und Körperflüssigkeit im Inneren und habe heilende Wirkung auf die Haut und Schleimhäute, einschließlich der Lunge.

Auch als Räuchermittel werde ich gern eingesetzt, um zu lehren mit dem Kopf zu fühlen und mit dem Herzen zu denken. In der Esoterik heißt es ich lehre fröhlich und heiter zu sein.

Auch mein Holz ist sehr wertvoll. Neben der Möbelproduktion wurde es auch bevorzugt zur Herstellung von Rebenpfählen sowie zur Produktion von Fässern und im Schiffbau genutzt, da es weitgehend resistent gegen Nässe und Fäulnis ist. Dies kommt durch den hohen Gerbstoffgehalt.

KastanienblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheTraditionell wurden im Herbst meine abgefallenen Blätter als Streu sowohl als Dünger oder Einstreu in Stallungen verwendet. Meine Blüten sind außerdem als Bienenweide bedeutend. Ich bin wichtigste Trachtpflanze vor allem an der Bergstraße (Odenwald) und im Pfälzer Wald. Der Honig aus meinen Blüten hat einen interessanten herben Geschmack.

Im Jahr 2018 wurde ich als Baum des Jahres gekürt.

Maronen in der Küche

Das Püree aus meinen Maronen ist eine typisch ungarische Spezialität, es ist aber auch in Österreich (unter dem Namen Kastanienreis), oder Kroatien (als „kesten pire“) verbreitet. Aus dem Püree lassen sich beispielsweise auch schmackhafte Kuchen herstellen. Die Herstellung einer süßen Krem aus dem Fruchtmark ist aber auch in anderen Anbaugebieten (beispielsweise Südfrankreich) und der Schweiz (sog. Vermicelles) verbreitet. Korsika ist bekannt für sein Kastanienmehl, aus dem Suppe und eine Art Polenta hergestellt werden können. Eine mit Honig gesüßte Maronipaste ist auch sehr Kastanienfrucht2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wochebeliebt. In Deutschland und Österreich werden meine Früchte oft geröstet auf Weihnachtsmärkten angeboten. Des Weiteren finden sie auch Verwendung als Füllung von gebratenem Geflügel oder als gekochte Beilage statt Kartoffeln.
In den italienischen Alpentälern sowie in den Regionen der Schweiz, die klimatisch so begünstigt waren, dass Kastanienbäume dort gedeihen konnten, galten sie früher als Nahrungsmittel, mit denen man auch Zeiten von Missernten überstehen konnte.

Kürbis-Kastanien-Gemüse

800 g Hokkaido, 200 g gegarte Maroni, 5 kleine Zwiebeln, 6 kleine Thymianzweige und 2 Rosmarinzweige,  etwas Butter, 200 ml Gemüsebrühe, Vital-Kräutersalz, Pfeffer, etwas Ingwerpulver und Muskatnussblüte.

Den Thymian waschen und trocken schütteln. Den Kürbis würfeln, in kochendem Salzwasser 5 Minuten blanchieren und abtropfen lassen.  Die Zwiebeln schälen und in Ringe schneiden, die Maroni halbieren. Die Butter schmelzen, darin die Zwiebeln glasig braten, dann den Kürbis, die Maronen sowie die Kräuterzweige zugeben. Mit der Brühe ablöschen und zirka 15 Minuten dünsten. Mit den Gewürzen abschmecken.

Kosmetik

Meine Blüten und Blätter als Tee oder als Wasser (mit etwas Alkohol konserviert) können in der Körperpflege zu leicht gerbenden und hautstraffenden Waschungen dienen. Irritierte und leicht entzündete Haut soll sich bei regelmäßiger Anwendung beruhigen.

Den Spruch „Die Kastanien aus dem Feuer holen“, um eine unangenehme Aufgabe für jemanden anderen zu übernehmen, kennen wohl die meisten. Er beruht wohl auf einer Fabel von La Fontaine. In dieser lässt sich ein Affe geröstete Kastanien von einer Katze aus dem Feuer holen, um sie selbst zu verspeisen.

Passende Gedichte

An vollen Büschelzweigen,

Geliebte, sieh’ nur hin!

Laß dir die Früchte zeigen

Umschalet stachlig grün.

Sie hängen längst geballet,

Still, unbekannt mit sich,

Ein Ast, der schaukelnd wallet

Wiegt sie geduldiglich.

Doch immer reift von Innen

Und schwillt der braune Kern,

Er möchte Luft gewinnen

Und säh die Sonne gern.

Die Schale platzt und nieder

Macht er sich freudig los;

So fallen meine Lieder

Gehäuft in deinen Schoß.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Er ließ sich wohl jedes Jahr von seiner Mutter eine Kiste voller Maronen schicken.

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Jetzt ist’s Zeit, wenn du nach Hause gehst,

Dass du etwas bei den kleinen Öfen stehst,

Dass du schaust, wie dort die Funken sprühen

Und Kastanien auf dem Schüttelroste glühen.

Leg die kalten Hände um die Tüte aus Papier,

Spür das Feuer, fühl die Brände, bleib ein wenig hier.

“Kauft Maroni!” Koste nur, wie in ihnen Sommer glüht!

Deine Hände werden wärmer, und der Ofen singt und sprüht

(Rudolf Stibill)

KW 42: Wein

Weinberg-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, die Weinrebe (Vitis vinifera) gehöre zur Gattung der Rebe (Vitis) . Inzwischen habe ich ein reifes Alter erreicht, denn ich wurde vor etwa 7000 Jahren in einem Gebiet um Palästina, Syrien und der Ägäis aus der Wilden Weinrebe gezüchtet. Entgegen der Kulturform ist meine wilde Form zweihäusig und fremdbestäubt.  Meine Beeren wurden durch die Züchtungsmaßnahmen immer größer und süßer.

Wir Weinreben-Arten wachsen als immer- oder sommergrüne, kletternde Sträucher oder sogar Lianen. Unsere Blätter sind fünflappig und grob gezähnt und sind oft im Herbst durch die rötliche Färbung hübsch anzuschauen. Unsere Blüten stehen in länglichen oder rispenförmigen Blütenständen. Die Bezeichnung als Traube ist botanisch eigentlich falsch. Weinblatt-rot-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDie Weinbeeren, also unsere Früchte sind fleischige, kugelige Beeren, die zwei bis vier Samen enthalten. Wir Reben können eine Gesamthöhe von 2- bis zu 10 m! erreichen.

Unsere Blütezeit ist von Mai bis Juni.

Der Schwerpunkt unserer natürlichen Verbreitung liegt in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel, aber es gibt uns auch in den Tropen und Subtropen von Asien, Afrika und Polynesien.

Unsere Inhaltsstoffe:

Weintrauben-hell-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheGerbstoffe, Weinsäure, Apfelsäure, Bernsteinsäure, Wachs, Zucker, Vitamine und Mineralien. Unseren reifen Trauben werden  blutbildende, blutreinigende, stärkende und aufbauende Eigenschaften nachgesagt. Sie wirken anregend auf Niere und Darm. Unreife Trauben  sollen wohl angeblich Kopf- und Magenschmerzen lindern.

Welche Teile werden von uns verwendet? – Fast alles: Blätter, Trauben und Traubenkerne, sowie auch daraus gewonnener Traubenzucker.

Geschichte:

Wir Weinreben gehören zu den ältesten Kulturpflanzen, denn bereits 5000 v. Chr. lässt sich im Südkaukasus (heute Georgien) sowie in der vorderasiatischen Landschaft Sumer (heute südlicher Irak) erstmals der Anbau von Weinreben nachweisen. Heutzutage werden wir  zu verschiedenen Nutzungszwecken angebaut. Allem voran sind die Produktion von Wein, Tafeltrauben und Rosinen zu nennen. Doch auch für die Herstellung von pharmazeutischen und kosmetischen Produkten sind unsere Rebblätter bedeutsam. Schon die Klosterheilkundlerin Hildegard von Bingen wusste um unsere Heilkraft . Für ihre wirksamen Tinkturen verwendete sie oft als Hauptbestandteil Rotwein, denn die Kraft der Trauben erhöhte die Wirkung der Gesundheitstränke erheblich. Yves Rocher empfiehlt einen Aufguss aus unseren  Blätter bei Gicht, Harnverhalten, Gelbsucht, Durchfall und Blutungen.  Traubensaftkuren hält er als vorteilhaft bei Fettleibigkeit, nervösen Krankheiten, Leberleiden, Rheuma, Herzinsuffizienz und Störungen in Zusammenhang mit den Wechseljahren. Ein Absud aus getrockneten Trauben werden von ihm bei Leiden der Atemwege empfohlen.

Weintrauben-blau-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAllgemein soll Rotwein eher kräftigend und zusammenziehend wirken, Weißwein eher stärkend und harntreibend.

Weintraubensaft als Kompresse (10 Min. Einwirkzeit) entspannt und stärkt die Haut und hellt sie leicht auf.

Anwendungen für unsere Weinrebenblätter:

Spezialisten von uns, so genannte Färberreben, enthalten als Wirkstoffe Flavonoide, überwiegend Quercetin-Glycoside und Kaempferol-3-glucosid. Die rote Färbung kommt durch die Anthocyane. Daneben treten Polyphenole auf. Ein als Arzneimittel zugelassener Trockenextrakt aus roten Weinrebenblättern dient zur Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen, wie zum Beispiel Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Ödeme. Die medizinische Verwendung von Weinlaub hat bereits eine lange Geschichte, die schon mit dem römischen Arzt Galenos beginnt.

Extrakte aus Traubenschalen

Weinbl Tter-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDie Wirkstoffe Resveratrol und oligomere Proanthocyanidine (OPC) sind vor allem in den Schalen der roten Traubensorten enthalten. Resveratrol soll  ein antikanzerogenes Potential aufweisen und  Herz und Blutgefäße schützen. Traubenschalenextrakte sind in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten, in denen OPC als Antioxidans und Radikalfänger wirken sollen.

Extrakte aus Traubenkernen

Traubenkernextrakte enthalten ca. 80 % oligomere Proanthocyanidine (OPC) neben anderen Polyphenolen. Sie werden wegen der erhofften antioxidativen Wirkung in Nahrungsergänzungsmitteln als sog. Schutzstoffe für das cardiovaskuläre System  eingesetzt. Zudem sollen diese Extrakte in Kosmetika als indirekter UV-Schutz dienen.

Nun ein passendes herbstliches Gericht: Kürbis-Traubengemüse

2 kleine Zwiebeln, 1 EL Butter, 500 g Kürbisfleisch, 100 ml Gemüsebrühe, 100 ml heller Traubensaft, je 200 g helle und blaue kernlose Weintrauben, Meersalz, Pfeffer, abgerebelter Thymian

Zwiebeln würfeln, in heißer Butter andünsten, Kürbiswürfel zufügen, auch andünsten. Mit der Brühe und dem Traubensaft ablöschen, 10 Minuten garen. Trauben halbieren, dazu fügen und heiß werden lassen. Mit Meersalz, Pfeffer und Thymian würzen.

Zum Schuss noch eine Aussage zum Wein…

Wer Wein trinkt, schläft gut,

wer gut schläft, sündigt nicht,

wer nicht sündigt, wird selig,

wer also Wein trinkt, wird Selig.

Shakespeare

…und ein Witz:

Unterhaltung im Bahnabteil:

“Auf was kauen Sie denn da ständig herum?”

“Auf Traubenkernen.”

“Und wozu soll das gut sein?”

“Es fördert die Intelligenz.”

“Aha, können Sie mir auch vier Stück geben?”

“Gerne. Vier Stück kosten acht Euro.”

Der Fahrgast zahlt und bekommt die Kerne.

Nach einer Weile des Kauens meint er:

“Für acht Euro hätte ich mir aber jede Menge Trauben kaufen können!”

“Sehen Sie, die Kerne wirken schon!”

KW 41: Hopfen

Hopfenbusch1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheJetzt dränge ich mich mit meinem einprägsamen lateinischen Namen in den Vordergrund: Humulus Lupulus, der Hopfen. Ich gehöre zur Familie der Hanfgewächse und bin zweihäusig, d.h. man findet mich entweder als weibliche oder als männlich Pflanze. Meine weibliche Form findet Ihr Menschen allerdings wesentlich brauchbarer, denn nur die weiblichen Blüten werden zu den bekannten und geschätzten Hopfenzapfen.

Bei mir handelt es sich um ein ausdauerndes Schlinggewächs mit rechtsdrehenden Stängeln, die durch Kletterhaare rau sind. Damit kann ich mich hervorragend an Gerüsten, Zäunen oder anderen Pflanzen festhalten und weiter nach oben hangeln. Meine Blätter sind langgestielt, 3- bis 5-lappig und ebenfalls rau. Meine Gesamthöhe kann ich bis auf 6 m hochschrauben. Meine männlichen Blüten sind in den Blattachseln zu finden und sind Trugdolden mit kleinen unscheinbaren grünlich-weißen Blüten. Die weiblichen Blütenstände stehen in kleinen Zäpfchen und vergrößern sich später zu den so genannten Hopfenzapfen.

Hopfenbl Te-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch fühle mich auf Böden mit höherer Bodenfeuchte, wie z.B. in Auwäldern oder an Bächen, aber auch am Waldrand sehr wohl. Im Frühjahr treibe ich aus meinem Wurzelstock sehr zahlreich mit vielen, dünnen, rauen Stängeln aus.

Seit einigen Jahren gewinnt die Ernte von meinen ersten Trieben, dem so genannten Hopfenspargel wieder an Bedeutung. Hierbei werden je nach Witterung in den Monaten März und April meine weißen, frisch ausgetriebenen Sprösslinge aus der Erde gegraben und regional als Spezialität angeboten. Die sehr kurze Saison und die zeitaufwändige Ernte machen Hopfenspargel zu einer der teuersten angebauten Gemüsesorten hier.

Hopfenbusch-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Inhaltsstoffe:

Bitterstoffe, Harze, Humulon und Lupulon, ätherisches Öl, Mineralstoffe und Flavonoide. Damit ist meine Wirkungsweise eigentlich klar: Besonders das ätherische Öl und weitere Heilstoffe üben eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem aus. Die Sinne werden beruhigt und die körperliche Unruhe gemildert. Zubereitungen aus meinen Hopfenzapfen werden als leichtes Einschlaf- und Beruhigungsmittel genutzt. Im Handel sind Hopfenextrakte als Fertigarzneimittel erhältlich, oft auch in Zusammenstellung mit anderen pflanzlichen Sedativa wie z.B. Baldrian.

Hopfenblatt-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDer hohe Gehalt an Bitterstoffen wirkt appetitanregend, magen- und darmkräftigend. Somit kann ich bei nervösem Durchfall, nervösen Darmleiden, Blähungen und Darmkrämpfen hilfreich sein.  Außerdem enthalte ich geringe Mengen an östrogenwirksamen Stoffen, u.a. das zu den Flavonoiden gehörende Hopein. Dies sollen bei starken Biertrinkern zur Folge haben, dass die Brustdrüsen wachsen, der Bauch sich rundet und der sexuelle Trieb gedämpft wird. Das erste Bier wurde in Klöstern gebraut und man geht deshalb davon aus, dass die Mönche den Hopfen beimischten, um ihre sexuelle Lust einzudämmen. Frauen dagegen können die pflanzlichen Hormone bei Wechseljahresbeschwerden helfen. So habe ich mich bei nächtlichem Schwitzen und zur Beruhigung bei starkem Herzklopfen  bewährt. Auch eine antimikrobielle und tuberkulostatische Wirkung sollen meine Hopfenzapfen haben. In der Aromatherapie werden meine Hopfenblüten oder -zapfen als „Aromakissen“ oder Hopfenauszüge als Badezusatz verwendet.

Wohl aus diesen genannten Gründen wurde ich zur Arzneipflanze des Jahres 2007 gekürt.

Meine Bedeutung erreichte ich ursprünglich durch die Tatsache, dass meine Bitterstoffe beim Bierbrauen aufgrund ihrer bakteriziden Wirksamkeit wesentlich zur Haltbarkeit beitrugen. Meine antiseptische Kraft wurde bereits 1153 n. Chr. von Hildegard von Bingen beschrieben mit den Worten „putredines prohibet in amaritudine sua“ (seine Bitterkeit verhindert die Fäulnis).

Hopfenzapfen-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheInzwischen werde ich in Kultursorten landwirtschaftlich angebaut. Die wichtigsten und bekanntesten deutschen Anbaugebiete sind z.B. die Hallertau in Bayern, das Schussental zwischen Tettnang und Ravensburg in Baden-Württemberg und die Region um Spalt in Mittelfranken. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Bitterhopfensorten und Aromahopfensorten. Letztere sind dadurch charakterisiert, dass ihr Bitterungspotential deutlich geringer ist. Meine Inhaltsstoffe wirken beim Bierbrauen zusätzlich beruhigend, konservierend und schaumstabilisierend. 95 % des in Deutschland angebauten Hopfens wird vom Deutschen Hopfenwirtschaftsverband vermarktet und verarbeitet.

Die ältesten schriftlichen Quellen zu meinem Anbau stammen aus dem frühen Mittelalter. Angeblich wurde der Hopfenanbau erstmals im Jahre 736 n. Chr. bei Geisenfeld in der Hallertau erwähnt.  Konkrete Quellen existieren für die Jahre 768, 822 und 859 bis 875.

Man glaubt es kaum, in vielen alten Bibliotheken diene ich als Schutz vor Feuchtigkeit und Ungeziefer. Dafür legt man Hopfendolden hinter den Büchern aus. Diese regulieren die Luftfeuchtigkeit, und ihre ätherischen Öle halten Insekten fern. Diese (Schutz-) Dolden müssen allerdings alle paar Jahre ausgewechselt werden.

Hopfen in der Küche

Im Frühling haben meine zarten Sprossen einen leicht nussigen Geschmack. Gekocht und zubereitet werden sie wie Spargel. Deshalb lassen sich Hopfensprossen für alle Gerichte verwenden, für die man auch Spargel nehmen kann.

Getrocknete Hopfenzapfen können in der Küche z.B. auch im Brot verwendet werden:

Gewürzbrot

250 g Weizenmehl, 150 g Dinkel-Vollkornmehl, ½ Würfel frische Hefe, 1 TL Honig, 100 ml Brottrunk, 1-2 TL Lavendel, je 1 TL Hopfen, Fenchelsamen, Anissamen und grobes Meersalz. Die Hefe in 150 ml warmes Wasser bröckeln, den Honig zufügen und gut verrühren, 15 Minuten ruhen lassen, bis es schäumt. Das Vollkornmehl mit 100 g Weizenmehl in eine Schüssel geben, eine Mulde formen. Da hinein die Hefemischung geben, den Brottrunk zufügen und alles zu einem flüssigen Teig verrühren. Zugedeckt über Nacht gehen lassen. Dann die Gewürze mörsern und mit den restlichen 150 g Mehl unter den Teig mischen und alles gut verkneten. Dann erneut 1 Stunde gehen lassen und danach einen Brotlaib formen und auf ein mit Backpapier belegten Backblech legen und wieder ½ Stunde gehen lassen. Mit Wasser benetzen und im vorgeheizten Backofen bei 230 Grad zirka 40 Minuten backen, Zwischendurch immer wieder mit Wasser benetzen.

Zum Schluss ein paar Sprüche zu Hopfen:

Hopfen & Malz. Gott erhalts

Hopfen & Bier, das rate ich mir

Hopfen & Glück ist ganz schick

Hopfen und Schaum, das ist ein Traum.

Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.

Die schönste Blume, ich sag es dir, ist die auf einem Glase Bier.

Zwischen Leber und Milz passt noch immer ein Pils

Wilhelm Busch:

“Die erste Pflicht der Musensöhne,

ist, dass man sich ans Bier gewöhne.”

KW 40: Wiesen-Flockenblume

FlockenblumeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheNun bringe ich wieder ein wenig Farbe ins Spiel. Auf abgemähten Wiesen findet Ihr mich jetzt wieder teilweise neu erblühend. Auf die Wiesen gehöre ich auch hin, denn ich bin die Wiesen-Flockenblume oder auch Gewöhnliche Flockenblume. Auf den ersten Block ähneln meine Blüten der Kornblume, allerdings sind meine Blüten nicht blau sondern magenta. Auch unser Laub ist verschieden ausgestaltet, denn ich habe nicht so schmale Blätter wie die Kornblume. Allerdings gehören wir zur gleichen Pflanzenfamilie, der großen Familie der Korbblütler. Meinen deutschen Namen verdanke ich wohl meinem bevorzugten Lebensraum sowie meinen zerzupft aussehenden Blüten und den borstigen Fruchtanhängseln.

Flockenblumenbl Te-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Lateinische Bezeichnung ist Centaurea jacea.

Wir Flockenblumen sind nach dem Zentaur (ein Kentaurus) benannt, einem Fabelwesen der griechischen Sagenwelt, der mit unseren Blättern Wunden geheilt haben soll. Kentauren besitzen den Kopf, dem Rumpf und die Arme eines Mannes und den Körper und die Beine eines Pferdes. Sie werden als aufbrausend und lüstern, aber auch als heilkundig beschrieben. Das dürfte wohl die Verbindung zu unseren Pflanzennamen sein. Auf die Heilkraft bezieht sich auch der Artname „jacea“, der wohl eine Verbindung der griechischen Wörter für „Veilchen“ und „heilen“ herstellt. Offenbar sahen die Griechen uns Flockenblumen als „heilendes Veilchen“.

In der Region Walsaschaff heiße ich »irrerich Köpp«, was sich von »iterücken« (Wiederkäuen, vom Mittelhochdeutschen »ite« als »wieder«) ableiten soll. Ich verhelfe also dem Vieh zum Wiederkäuen.

Flockenblume-seitlichII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch wachse krautig, horstbildend und breite mich gern und gut weiter aus. Für die Bepflanzungen von Flächen bin ich also ideal. Meine aufrechten Blütenstiele wachsen aus dem Grün empor und verleihen mir ein besonders attraktives Aussehen. In Deutschland komme ich überall vor, ich bin in Europa und Asien heimisch. Nach Nordamerika wurde ich verschleppt, habe mich dort aber nicht weit ausgebreitet. Auch in Australien und Neuseeland wachse ich, bin aber dort selten zu finden. Ich gedeihe gut auf eher trockenen Standorten mit lehmigen Böden. Als Standort bevorzuge ich Halbtrockenrasen, Wiesen, Weiden und Wegränder mit lehmigen Böden.

Flockenblumenbl TterII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBeschreibung: Ich erreiche eine Wuchshöhe von 30 bis 70, manchmal auch 100 cm und bin mehrjährig. Meine oberen Blätter sind ungeteilt, wechselständig sitzend und etwas herablaufend. Die unteren Blätter sind buchtig bis fiederspaltig, gräulich und kurzbehaart sowie gestielt. In meinen Blütenkörben, die zwischen zwei und vier Zentimeter breit werden befinden sich 60 bis 100 kleine Röhrenblüten. Sie sind violett gefärbt, dabei sind die äußeren Blüten meistens auffällig verlängert. Meine Blütezeit: Juni bis Oktober. Die Hüllblätter meiner Blütenkörbchen stehen dicht schuppenförmig in 6–8 Reihen. Meine äußeren Hüllblätter sind sehr speziell: eiförmig bis lanzettlich, glänzend dunkelbraun mit gefransten, weißen oder braunen Anhängseln. Die mittleren und inneren sind geschlitzt, unregelmäßig gezähnt, gelappt oder ganzrandig. Die gesamte Hülle hat einen Durchmesser von 1,5–1,8 cm, ist ei- bis glockenförmig oder halbkugelig. Meine Früchte sind etwas platte braune Nüsschen. Sie können auch ohne Pappus durch den Wind verbreitet werden. Hauptsächlich erfolgt eine Zufallsverbreitung durch Weidetiere neben der Verbreitung durch Ameisen. Meine Art ist sehr variabel und gilt als unzureichend erforscht. Wir bilden gern Hybriden, besonders mit der Schwärzlichen Flockenblume (Centaurea nigrescens).

Ich kann auch mit den stärker wachsenden Skabiosen-Flockenblumen verwechselt werden, doch sind deren Blüten größer und von violetterer Farbe. Deren Blätter sind tief und gefiedert geformt. Meine Blätter sind vollkommen glatt oder manchmal leicht gezahnt.

Meine Inhaltsstoffe:

Gerbstoffe, Flavonoide, Farbstoffe und Bitterstoffe. Die Wirkung ist damit wohl harntreibend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Besonders früher wurde ich gern zu Wundheilung eingesetzt.

Bei Verdauungsstörungen für einen Tee 2 gehäufte TL getrocknete Blüten mit ¼ l kochendem Wasser aufgießen, 1-2 Std. ziehen lassen und danach abseihen. Drei bis vier Mal täglich 1 EL Tee 15 Min. vor dem Essen einnehmen. Auch bei Durchfall soll ich hilfreich wirken. Dann 1 Tasse Tee aus 3 Blüten kochen und trinken.

Meine Blätter wurden aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe früher als Hopfenersatz beim Bierbrauen eingesetzt. Außerdem bin ich zum Färben von Naturfasern geeignet.

In der Küche

Essbar sind von mir die Blätter, Triebspitzen und die Blüten. Meine Blätter und Triebspitzen werden wegen des bitteren Geschmacks aber nur maßvoll als zusätzliche Würze in der Küche verwendet.

Rezept für bunte Blütenkäsebällchen

250 g Magerquark, 40 g geriebener Parmesan, etwas Masala-Kräutersalz, Pfeffer, gemahlener Bockshornklee, je 1 Handvoll gelbe, rosa oder rote und blaue Blüten. Sehr gut geeignet sind auch Blüten von Gewürzpflanzen, wie z.B. Schnittlauch, Thymian, Majoran, Basilikum und Senf.

Zuerst den Magerquark gut abtropfen lassen In der Zwischenzeit die Blüten ggf. vorsichtig abspülen, dann gut abtupfen und farblich sortiert in Teller geben. Den Quark mit dem Parmesan verrühren und mit den Gewürzen abschmecken. Mit einem Teelöffel jeweils eine kleine Menge abstechen, zur Kugel rollen und in den Blüten wenden.

Ich biete wertvolle Nahrung für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Weil ich dies vom Frühsommer bis in den Herbst hinein tue, sind meine Blüten für viele Schmetterlingsarten eine wertvolle Futterquelle. Zu den Arten, die mich aufsuchen, gehören z.B. der Hauhechelbläuling, der Kleine Kohlweißling, das Große Ochsenauge, das Schachbrett und der Braune Waldvogel. Als Raupenfutterpflanze spiele ich keine so große Rolle, lediglich die Raupen einiger Nachtfalterarten nutzen mich als Futterpflanze. Ich bin auch Bestandteil der Saatgutmischungen “Blühende Landschaft” und “Veitshöchheimer Bienenweide”.

Ein Gedicht über mich darf zum Schluss nicht fehlen:

Die Wiesen-Flockenblumen

Auf der grünen Bienenweide,

ist jetzt Sommer-Flöckchenzeit,

denn auf jedem Flecken Heide,

stehen Flöckchen weit und breit.

Viele kleine, dicke Brummer,

tauchen in die Blütenpracht,

schlürfen Nektar, ohne Kummer,

bis der Mond die „Betten“ macht.

Zarte, lila-rosa Flöckchen,

schließen mit dem Abendlicht,

ihre watteweichen Röckchen,

wiegen sie in Zuversicht.

Jeden neuen, frühen Morgen,

mit dem ersten Sonnenkuss,

werden Bienen sie umsorgen,

bis zum Heiden-Sommerschluss.

Gabriela Bredehorn

KW 39: Wiesen-Labkraut

Wiesenlabkraut-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheJetzt im Spätsommer, wo viele Kräuter durch die wiederholte Mahd nicht mehr so recht ins Auge fallen bin ich, das Wiesen-Labkraut noch gut auf den Wiesen zu finden. Ich bin ein recht robustes, ausdauerndes Kraut und wachse einfach nach dem Abmähen wieder nach. Mein lateinischer Name ist Galium mollugo und ich gehöre zur Familie der Rötegewächse, zu der auch der bekannte Waldmeister gehört.

Mein Bruder, das Weiße Labkraut (Galium alba) ähnelt mir sehr und ist an den gleichen Standorten zu finden. Deshalb werden wir gern verwechselt haben aber eine verschieden hohe Chromosomenanzahl. Das kann ja nicht jeder so einfach auf der Wiese nachzählen, deshalb interessiert bestimmt der Hauptunterschied von uns beiden: Die Größe der Blüten und die Länge der Blütenstiele variieren bei uns. Das Weiße-Labkraut (album) hat Einzelblüten mit 3 – 4 mm Durchmesser auf einem bis 3 mm langen Blütenstiel. Ich hingeben (mollugo) habe zwar nur einen Blütendurchmesser von nur 2 – 3 mm, aber dafür ist mein Blütenstiel länger als 3 mm. Meine kleinen zarten weißen Einzelblüten sind in langgezogenen Rispen angeordnet. Voll erblüht verziere ich die Wiesen mit weißen Wolken und mit einem zarten Honigduft. Meine Blütezeit: Anfang Mai bis Ende September. Für die Blütenbestäubung sind überwiegend Käfer, Fliegen, Schwebfliegen, Wespen und bestimmte Bienen zuständig. Meine Trockenfrüchte zerfallen in zwei Wiesenlabkrautbl Tter-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheeinsamige Teilfrüchte, sind eiförmig und leicht gerunzelt. Sie verbreiten sich durch den Wind, kleben oder kletten sich an Kleintiere oder werden gefressen und dadurch verbreitet.  Ich bilde einen vierkantigen Stängel aus, der mit in Etagen mit kleinen schmalen Blättern in Quirform besetzt ist. Meine Gesamthöhe kann bis 80 cm betragen.

Wiesenlabkrautbl Te2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWo fühle ich mich wohl? – Auf Wiesen, an Wegrändern, generell auf nährstoffreichem Boden, in lichten Wäldern und an Hecken.

Weitere Volksnamen von mir: Grasstern (klingt das nicht hübsch?), Weißes Waldstroh und Maria Bettstroh. Mancherorts wurden Labkräuter eben als Maria Bettstroh bezeichnet, weil mit den getrockneten Pflanzen auch Matratzen gefüllt wurden.

Der Name Rötegewächse erklärt sich daraus, dass man meine Wurzeln und die von verwandten Labkräutern zum Rotfärben von Wolle einsetzte. Der Namensteil Lab in unserem Namen kommt von unserer Fähigkeit Milch für die Käseherstellung gerinnen zu lassen. Meine Schwester, das echte Labkraut mit zarten, duftenden, gelben Blüten enthält von unserer Familie den größten Anteil an diesem Enzymen.

Wiesenlabkraut2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Inhaltsstoffe:

viel Kieselsäure, Gerbstoffe, organische Säuren,  Flavonoide und wenig ätherische Öle.

In der Volksheilkunde wurde ich bei nervösen Störungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzerkrankungen sowie bei Lebererkrankungen, Störungen der Durchblutung, bei Hämorrhoiden und Erkrankungen der Venen genutzt. Heutzutage werde ich medizinisch nicht (mehr) eingesetzt.

In der Küche:

Meine frischen Spitzen schmecken leicht nach Erbsen. Aus diesem Grund werden sie und meine Blüten in der Kräuterküche für Salate, Wildgemüse, Gelees, Getränke und Süßspeisen verwendet. Fast das ganze Jahr über kann man meine Blätter und zarten Stängel finden und als Salatzutat oder für Smoothies nutzen.

Salat mit Wiesenlabkraut, Vogelmiere und Apfel

Gemischter Salat, je  1 Handvoll Wiesenlabkraut und Vogelmiere, 2-3 Äpfel, 1  Zwiebel, 1-2  EL Senf, 6 EL Frühlingserwachen-Essig, 7 EL Waldmeister- oder Distel-Öl, 1 Prise Zucker

Den gemischten Salat vorbereiten. Wiesenlabkraut und Vogelmiere waschen, trocken schleudern und in handliche Stücke schneiden, die Äpfel entkernen, klein schneiden und die Zwiebel fein würfeln.  Aus den Dressingzutaten eine Soße rühren und über den Salat geben.

Zum Abschluss noch ein Gedicht über mich:

Wiesen-Labkraut

Nicht nur um sich daran zu laben,

muss das Kraut den Namen haben,

sondern weil es Lab enthält,

was beim Käsen Milch vergällt.

Heute sieht mans meist auf Wiesen,

rot ist die Wurzel untendran,

weshalb man damit färben kann.

Tunkst du die Blüten über Nacht

in Sahne, wird sie süß gemacht.

Essbar sind Blatt, Blüte, Stiel

beruhigt die Nerven, macht agil.

Julia Schmidt

KW 36-38: Echte Goldrute

Goldrute-1II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch mach‘ diese Woche  gleich mit der gelben Blütefarbe weiter. Mein Name: Echte Goldrute oder lateinisch Solidago virgaurea und ich gehöre zur Familie der Korbblütler. Weitere Namen von sind Echte Goldrute, Allermacht-Heilkraut, Goldraute, Gülden-Wundkraut, Heilwundkraut, St.-Peter-Stab.  Mein  lateinischer Name Solidago setzt sich aus den Worten solidum agere zusammen, was festmachen, gesundmachen, heilen bedeutet. Früher wurde ich in erster Linie als Wundheilpflanze genutzt. Das beweist auch der deutsche Volksname Heidnisch Wundkraut. Eine weitere Bezeichnung als Unsegenkraut lässt darauf schließen, dass ich auch als Abwehrpflanze gegen Hexerei oder den Bösen Blick eingesetzt wurde.

Goldrute-3II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin keine kurzlebige, sondern eine ausdauernde Pflanze mit wechselständigen Blättern, die sehr variabel sind: Die unteren sind schmal eiförmig, die mittleren lanzettlich und die oberen lineal.  Meine Stängel sind unten oft gelbbraun überlaufen. Meine gelben Blüten stehen in mehreren gelben Körbchen in schlanker Traube oder Rispe. Die Blütenkörbchen sind im Durchmesser 1-2 cm und besitzen 6-12 Zungenblüten. Meine Gesamthöhe: 20 – 120 cm und meine Blütezeit reicht von Juli bis Oktober.

Wo findet Ihr mich? Nun eigentlich nicht so oft im Tiefland, sondern eher höher hinauf Richtung Schwarzwald. Gern in lichten Wäldern oder in Trockengebüsche und –rasen. Ich klettere auch auf Höhen bis zu 2500 m.

Wieso werde ich schon lange als Heilkraut  geschätzt?  Im Mittelalter, als die Urinschau in der ärztlichen Kunst eine wichtige Rolle spielte, entdeckte man meine Heilkräfte für die Nieren. Der Arzt und Botaniker Tabernaemontanus (1522-1590) schreibt in seinem viel gelesenen Kräuterbuch, dass „diss gülden Wundkraut eine sonderliche Krafft und Eigenschafft hat gegen den Stein und das Nierenwehe“, aber er empfiehlt mich auch zur Wundbehandlung. Angeblich soll mich auch Martin Luther verwendet haben, denn er war Zeit seines Lebens krank und gebrechlich, und seine Frau Katharina von Bora reichte mich ihm häufig in Form von Tee, den er gegen sein Blasenleiden einnahm. Der große Naturheilarzt Johann Gottfried Rademacher (1772-1850) war überzeugt, dass die Natur für jedes Organ ein spezifisches Heilkraut bereitstellt und erklärte mich zu der Nierenpflanze schlechthin – und als solche gelte ich bis heute und bin darauf sehr stolz!

Meine Inhaltsstoffe:

1-3 % Flavonoidglycoside,  Saponine, ätherische Öle, Phenylglycoside, Kaffeesäurederivate und Gerbstoffe.  Damit bewirke ich eine Leistungssteigerung der Nieren, wirke flüssigkeitsausschwemmend, entzündungshemmend  und krampflösend an der glatten Muskulatur. Außerdem schmerzlindernd, antibakteriell und immunmodulatorisch (unterstütze also das Immunsystem). Daraus ergeben sich für Euch folgende Indikationen: Zur Durchspülung sowie Vorbeugung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Reizblase, als Blasenpflege bei Kathederträgern, Harnsteinen und Nierengrieß. Zusätzlich bin ich förderlich als Begleittherapie bei rheumatische Beschwerden.

Goldrute-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWeil mein Tee außerdem die Schleimhäute abschwellen lässt, eignet er sich auch zum Gurgeln bei Halsschmerzen und bei chronischem, allergischem Schnupfen. Ich bin auch in vielen Venenmitteln enthalten, weil mein enthaltenes Flavonoid Rutin die Gefäßwände der Kapillaren schützt und abdichtet.

Es gibt aber auch Gegenanzeigen, nämlich Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.

Maria Treben empfiehlt Sitzbäder mit mir mit Zinnkraut und Thymian gemischt als Badezusatz bei Abgespanntsein. Dafür 100 g der  Kräuter 12 Stunden in 5 l kaltem Wasser einweichen, anschließend erwärmen und dem Badewasser zugeben. Darin 20 Minuten baden. Nach dem Kräuterpfarrer Johann Künzle heile ich zerquetscht und äußerlich aufgelegt  rasch Schnitt-, Stich- und Bisswunden. Als Gurgelwasser soll ich Anwendung finden bei Krupp, Kehlkopfentzündung, Halsleiden, Mundfäule und losen Zähnen. Als Tee empfiehlt er mich bei Fisteln, Halsentzündungen, Blasen-, Nieren- und Leberleiden, Durchfall, Zuckerkrankheiten und schwierigem Wasserlassen. Weil mein Tee sehr bitter ist, sollte man etwas Salbei, Silbermantel oder Wacholder beifügen. Oder 6 Handvoll Goldrutenblüten in 1 l Weißwein einlegen, 3 Tage ziehen lassen, dann abseihen. Bei Bedarf hiervon täglich 1 Glas trinken. Goldruten-Wein kann im Rahmen einer Kur für die Entgiftung und Förderung des Stoffwechsels eingenommen werden. Auch bei Problemen mit der Niere oder Blase kann Goldruten-Wein helfen.

Folgender Spruch weist auf meine entsprechenden Heilkräfte hin:

„Der Wasserfluß im Körper stockt.

Es drückt, es zwickt und schmerzhaft

bockt die Blase und der Niere eine.

Womöglich liegen dort auch Steine!

Da hilft Virgaurea die gute,

die ganz gemeine goldne Rute!“

In der Küche

Goldrute-4II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wochewerde ich kaum verwendet,  dennoch sind meine Samen, die Blütenköpfe sowie meine jungen Blätter essbar.  Meine Blüten sind eine interessante essbare Dekoration auf Speísen. Ein Beispiel:

Vogelmieren- und Goldrutensuppe

100 g Lauch, 2 kleine Zwiebeln, 2 EL Butter, 200 g Kartoffeln, 1 l Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, Meersalz, Pfeffer, 1 Tasse Vogelmierentriebe und 1 kleine Tasse Goldrutenblüten (es können auch die Blüten der Kanadischen Goldrute verwendet werden). Zwiebel und Lauch putzen und fein würfeln. Dann in Butter glasig andünsten. Die Kartoffeln schälen und in Würfel schneiden und mitdünsten. Mit der Brühe ablöschen und 15 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Vogelmierentriebe waschen und fein schneiden. Die Goldrutenblüten auszupfen. Beides nach dem Austeilen der Suppe in Teller direkt vor dem Essen darüber streuen.

Goldrute und Kosmetik:

Bei Insektenstichen 1 geh. TL Goldrute mit 1/4 Liter kochendem Wasser auf gießen und kurz ziehen lassen.  Dann ein Tuch mit dem Sud tränken und  dies auf die betroffenen Hautstellen auflegen oder die Hautpartien damit spülen.

Sonstiges:

Ich bin übrigens ein beliebtes Bienen- und Insektenkraut, da ich sehr viel Nektar  bilde und deshalb als ökologisch besonders wertvoll gelte. – Und ich eigne mich auch zum Färben von Wolle.

Meine Verwandten:

Kanadische-GoldruteII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDie Kanadische Goldrute (Solidago canadensis).

Sie besiedelt Brachland, Schuttplätze, Ufer, Auwälder in Mittel- und Osteuropa. Die ursprüngliche Heimat ist Nordamerika.

Die Riesengoldrute (Solidago gigantea)

Sie kommt an feuchteren Stellen vor, sie wurde ursprünglich als Zierpflanze angebaut;

Beide werden zwar zur Durchspülung monographiert, besitzen jedoch nicht meine entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkungen.

Zum Abschluss wieder ein Gedicht:

Die Goldrute

Schon weckt die leise, linde Klage

Glühheiß der Wind in Gras und Taub,

Da füllt die letzten Sommertage

Ein Wogen wie von goldnem Staub.

Von leichten Schritten kommt ein Knistern,

Ob aus dem fernen Höhenrauch,

Und heimlich webt mit süßem Flüstern

Die Königin um Busch und Strauch.

An jedem Zaun, in allen Ecken,

Aus allen Hecken glänzt ihr Haupt,

Als wollte sie das Leben wecken,

Das Mond um Mond ihr schon geraubt.

Ihr Zepter eine schlanke Rute:

Sie taucht es in den Sonnenbrand

Und sprengt mit träumerischem Mute

Den Goldstaub weithin übers Tand.

Und wo sie geht, blüht reich und golden

Die Krone nun am Szepter schwank;

Nicht duftig zart wie Frühlingsdolden,

Doch voll von süßem Frühlingsdrang.

Goldrute du, und mag’s wie Klage

Leis zitternd geh’n durch Gras und Laub,

Du füllst die hohen Sommertage

Noch mit der Freude goldnem Staub.

Johannes Rothensteiner

KW 35: Leinkraut

LeinkrautfeldII1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheNachdem sich nun schon längere Zeit weiß blühende Pflanzen vorgestellt haben, bin jetzt ich an der Reihe und bringe wieder ein wenig Farbe ins Spiel. Meine Lippenblüten sind gelb und durch einen orangegelben Schlund, der durch eine Ausstülpung der Unterlippe gebildet wird, normalerweise verschlossen. Meine Blütenkrone besitzt einen 10 bis 30 Millimeter langen, geraden bis schwach gebogenen gelben Sporn.

Die Unterlippe meiner Lippenblüte  ist durch ein federndes Gelenk an die Oberlippe gepresst kann so nur von Hummeln und größeren Wildbienen geöffnet werden. Deshalb nennt man meine Blüte auch „Kraftblume“. Die „auserwählten“ Insekten müssen weniger um meine Blüten kämpfen, was sie zu treuen Besuchern meiner Blüten macht. Wir beide profitieren davon: Meine Bestäuber haben das Exklusivrecht an meinem Nektar und mein Blütenstaub gelangt schneller und auch an die richtige Stelle. Einige Insekten, die aus eigener Kraft sonst nicht in der Lage wären meine Blüte zu öffnen, um an den Nektar zu gelangen, beißen unverschämterweise einfach ein Loch in die Spitze meines Blüten-Sporns und bedienen sich am Nektar, ohne einen Gegendienst zu erweisen.

Leinkraut-mit-HummelII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Hauptblütenzeit ist von Juni bis Oktober und ich bilde einen traubigen Blütenstand aus fünf bis dreißig! Lippenblüten. Besonders Hummeln lieben meine Lippenblüten.

Ich gehöre zur Familie der Wegerichgewächse (früher hat man mich der Familie der Braunwurzgewächse zugeordnet) und zur Gattung der Leinkräuter. Mein lateinischer Name ist Linaria vulgaris.  Meine Volksnamen: Frauenflachs, Gewöhnliches oder Gemeines Leinkraut und Kleines Löwenmaul. Vor allen Dingen kann jeder wohl den letzten Namen gut verstehen, denn ich sehe tatsächlich aus wie eine Miniaturausgabe des als alte Gartenpflanze bekannten Großen Löwenmauls (Antirrhinum majus).

Meine Samenreife erfolgt von Juli bis September; Als Porenkapseln sind sie Wind- und Tierstreuer. Meine flachen Samen breiten sich meistens als Segelflieger aus, aber auch Ameisen verbreiten sie weiter. Die Samenproduktion ist reichlich: Sie kann bis zu 32.000 Samen pro Pflanze betragen.  Meine ungestielten, kahlen, dünnen Laubblätter sind bei einer Länge von 2 bis 5 Zentimetern sowie einer Breite von 1,0 bis 1,5 Millimetern lanzettlich geformt und ein- bis dreinervig.

Wo fühle ich mich wohl? Ursprünglich kam ich von den Küstenregionen Mitteleuropas auf die von den Menschen durch Rodung geschaffenen Äcker. Hier fand ich für mich optimale Lebensbedingungen. Gern findet man mich an warmen Böschungen.  Manche zählen mich auch zu den Schuttpflanzen, denn ich liebe lockeren, steinigen und sandigen Boden.

Leinkrautbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Wuchshöhe: ca. 20 cm bis 40 cm, Einzelexemplare werden sogar bis 80 cm hoch. Ich bin mehrjährig und treibe so aus meinen Wurzeln jedes Jahr wieder neu aus.

Zu meinem Gattungsnamen Linaria,  als auch zu meiner deutschen Bezeichnung Leinkraut kam ich auf Grund der dem Lein ähnlichen Blätter. Die Kräuterbücher des 15. und 16. Jh. beschreiben mich und nennen als Hauptanwendungsgebiete Leber- und Milzleiden sowie Harn- und Stuhlverhalten. Im Volksglauben galt ich längere Zeit als Schutz gegen Hexenzauber und Verwünschungen für kleine Kinder. In vorchristlichen Zeiten wurden „unserer Frauen Bettkräuter“ gesammelt. Diese waren meistens der Göttin Freya geweiht. Sie sollten die Mutter und das Kind während der Geburt vor bösem Zauber beschützen. Ich gehörte auch dazu, wie Quendel, Thymian, Labkraut, Dost, Waldmeister, Kamille, Gundermann und Echter Ziest.

LeinkrautknospeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine bekannten Inhaltsstoffe; Flavonoide, Gerbstoffe, Vitamin C und Ameisensäure. Ich bin wohl auch essbar, dies ist aber weniger bekannt.  Meine jungen Triebe können wohl gegart werden und meine Samen könnten zur Ölgewinnung genutzt werden.

Anwendungen

Ich kann wohl bei Hämorrhoiden und Verstopfung helfen und die Harntätigkeit anregen. Äußerlich wird mein Absud (2 EL Kraut auf 250 ml Wasser) bei Hautunreinheiten, schlecht heilenden Wunden und Juckreiz angewendet.

Ich halte lästige Insekten fern und so wurde ich früher in der Landwirtschaft unter die Einstreu gemischt. Starke Abkochungen von mir in Milch dienten wohl als Fliegengift.

Mein gelbblühendes Kraut kann als Färbemittel genutzt werden und wurde früher unter anderem zur Blondfärbung der Haare genutzt.

Gedicht über das Leinkraut:

Spät im Sommer, im Herbst aber früh

treffe ich Löwenmäulchen – ich kenne sie

schon aus den ersten Kinderjahren.

Von diesen Blüten ja da waren

schnell kleine Sträußchen zusammen gepflückt.

Schon war die Mutter wieder etwas beglückt.

Überall an Wegrändern

standen sie oft dicht gedrängt,

aus steinigem Schutt heraus gezwängt,

suchten die Blumen gern das wärmste Licht.

Schattiges Dasein das mochten sie nicht.

Gestern fand ich auf einiger sonnigen Brache

dieses echte Leinkraut in üppigster Sprache.

Zwei große Kreise zwar nicht zirkelrund

machten die Wiese vieltausendfach bunt.

In ein helles Zitronengelb sind die Blüten getaucht.

Ein orangeroter Fleck wird scheinbar gebraucht,

um wilde Bienen und Hummeln anzulocken,

die zahlreich nun an den Mäulchen hocken.

Der Nektar und Pollen ist in der Tiefe verborgen.

Den kann man sich so einfach nicht besorgen.

Das Maul muss geöffnet werden

und zwar mit viel Kraft.

Eine kräftige Hummel das ganz gut schafft.

Für Bienen ist das schon ziemlich schwer.

Da bleibt der Rüssel öfter auch leer.

Manche Hummel kennt einen speziellen Trick

Der ist für die Blüte weniger chic.

Das Insekt beißt den Blütenboden einfach auf –

nimmt das Ende der Blüte einfach in Kauf.

Das Tier hat gelernt sich so zu bedienen.

Nektarerfolg ist damit beschienen.

Ich schaute noch einmal auf beide Blütenflecken

und konnte auf einmal noch etwas entdecken.

In einem Kreis fehlten die orangenen Stippen.

Die hatte der zweite Kreis auf all seinen Lippen.

Was war hier nur passiert – nur ein paar Meter getrennt?

Ob man das eine Mutation wohl schon nennt?

Früher hätte ich sofort geforscht und gesucht

Eine fehlende Lösung innerlich verflucht.

Heute bin ich gelassen und stelle nur fest,

dass die Natur ihr Geheimnis bei sich hier lässt.

Gerhard Laukötter

KW 33 + 34: MädesüßM Des Strauch-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Jetzt möchte aber auch ich einmal in den Genuss kommen, mich vorstellen. Ich bin nämlich das Mädesüß (Filipendula ulmaria) und gehöre zu den mehrjährigen Rosengewächsen. Mein Name hat nichts mit schönen Mädchen zu tun, die alten Germanen süßten ihren Met mit mir. Auch Wein, Bier und Bowle kann mit mir aromatisiert werden. Früher wurden meine Blüten in Bauernhäusern auf dem Boden verstreut und abends wieder zusammengekehrt. So hatte man den ganzen Tag ein schön duftendes Haus. Ich war deshalb auch die bevorzugte Aromapflanze der englischen Königin Elisabet.

Ich habe noch mehr Namen bzw. Synonyme, der schönste davon ist Wiesenkönigin, weil ich eine so imposante Pflanze bin. Weitere Bezeichnungen: Bienenkraut, Wiesengeißbart, Krampfkraut, Spierstaude und Ziegenbartkraut.

M Des Blatt-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDie lateinische Bezeichnung wurde an meine Wurzelknöllchen, die wie an Fäden hängen (filium = Faden und Pendulus = herabhängend) angelehnt. Ulmaria beschreibt die den Ulmen ähnliche Form meiner grünen Blätter. Abgeleitet von meinem Volksnamen „Spierstaude” entwickelte eine Arzneimittelfirma das “Aspirin”, weil ich  den fiebersenkenden, entzündungshemmenden und schmerzhemmenden Inhaltsstoff Salizylsäure besitze.

Ich bin also als pflanzliches Aspirin ein gutes Beispiel dafür, wie die Natur ein Vorbild und Ausgangsstoff für wichtige synthetische Arzneimittel sein kann. Früher hat man mich und auch die Weidenrinde, da wir beide Salicylsäure (meine Blüten enthalten mehr Salicylaldehyd als mein Kraut) enthalten, u.a. gegen Fieber, Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten eingesetzt. Einige Quellen berichten sogar über mich, dass mein Tee vor grippalen Infekten schützen und deren Beschwerden beim Ausbruch lindern kann. Denkt also auch spätesten im Herbst daran, dass man mich so vorbeugend nutzen kann. Mädesüßtee sollte stets ungesüßt getrunken werden.

Asthmatiker und Personen mit einer Überempfindlichkeit gegen Salicylate (z. B. Aspirin®) sollten mich nicht einnehmen. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit empfehle ich mich lieber nicht.

Weitere Inhaltsstoffe:

ätherische Öle (mein Geruch ist schon sehr speziell, entweder Ihr liebt oder Ihr verabscheut ihn), Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Die entsprechenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus: fiebersenkend, schweißtreibend, entzündungshemmend, schmerzlindert. Aufgrund der leicht harntreibenden Wirkung kann ich auch gut bei Rheuma und Gicht eingesetzt werden.

Bei Überdosierung  (als Tee oder Auszug, Tinktur…) entsteht aber durch ein ebenfalls enthaltenes, giftiges Glykosid ein Warn-Kopfschmerz. Also passt auf die Dosierung auf!

Auch Hildegard von Bingen kannte mich schon. Sie hatte mich in den Klostergärten kultiviert und nutzte mich für Umschläge gegen Schmerzen aller Art. Für die Behandlung von entzündlicher Haut oder Akne empfiehlt es sich Dampfbäder mit mir durchzuführen.

M Des Bl Te-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bilde zahlreiche gelblich-weiße Blüten in rispenförmiger Trugdolde aus, die stark duften. Mein Blütenstängel ist kantig und kahl. Bekomme ich viel Sonne ab, werden meine Stängel rötlich. Meine Blätter sind einfach unpaarig gefiedert und von unten weiß behaart. Nach der Blütezeit bilde ich kleine balgartige Nussfrüchte aus, die meistens zwei Samen enthalten. Die Früchte lassen sich im Oktober sammeln. Ich werde zwischen 50 und 200 cm hoch und mag feuchten Boden. Deshalb fühle ich mich an Uferregionen, an Gräben, Nassstellen in lichten Wäldern und Nasswiesen am Wohlsten. Ursprünglich stamme ich aus Mittel- und Osteuropa und war eine typische Pflanze in Auenwäldern. Gern bin ich flächenmäßig in oft höherer Anzahl anzutreffen. Meist bilde ich regelrechte pflanzensoziologische Gesellschaften mit Echtem Baldrian, Gilbweiderich, Sumpf-Schachtelhalm und Sumpf-Storchschnabel.

Ich bin ein außerordentlich wichtiges und beliebtes Wildkraut für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Meine Blüten produzieren viel Pollen, die vor allem im Juni und Juli oft eine wichtige Nahrung für Hummeln und Bienen darstellt.

Außerdem sind die Blätter eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Raupen des Mädesüß-Perlmuttfalter, einer Schmetterlingsart, die in Mitteleuropa leider immer seltener wird.

M Des Bl Ten-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch gehörte zu den heiligsten Pflanzen der Kelten und wurde zur Sonnenwende gepflückt und zur Abwehr negativer Energien in Haus und Stall aufgehängt. Gemeinsam mit der Mistel, der Wasserminze und dem Eisenkraut soll ich zu den wichtigsten Druidenkräutern gehört haben. Um Geister und Dämonen zu vertreiben wurde ich auch verbrannt. Wegen meinem Duft und der weiß-gelblichen Farbe meiner Blüten wurde ich der Weißen Göttin geweht. Die Kelten entlockten mir die Farben gelb, rosa, schwarz und grün zum Färben ihrer Kleidung. Angeblich werden einige schottische Tartans immer noch mit mir gefärbt. Gern rieben auch Imker mit mir ihre Bienenstöcke aus, um Krankheitserreger abzuwehren und besonders aromatischen Honig zu bekommen. Im menschlichen Kleiderschrank vertreibe ich Motten.

In der Küche:

Hier lasse ich mich vielseitig verwerten. Alle meine Pflanzenteile  sind grundsätzlich essbar, wobei vor allem die folgenden Verwendung finden:

Meine Blüten: Diese haben einen süßlich, mandelartigen und besonderen Geschmack und werden vor allem für süße Desserts wie Cremes, Sorbets oder Puddings aber auch für Getränke wie z.B. Limonaden und Sirups verwendet.

Meine Blätter: Junge Blätter im Frühling können als gesunde Zutat  in Salaten oder Suppen dienen. Der Geschmack meiner Blätter ist leicht würzig, nussig und medizinartig. Je älter die Blätter werden, umso mehr nimmt der würzige Geschmack zu und je härter werden meine Blätter. Frische, junge Blättchen sind am schmackhaftesten.

Auch meine süßen Wurzeln mit pastinakenähnlichen, aber auch gewöhnungsbedürftigen Geschmack lassen sich in Suppen oder gedünstet genießen.

Häufig werden meine Blüten für die Aromatisierung von selbst hergestellten Getränken oder für die Herstellung von Gelees verwendet. Sie verleihen vor allem süßen Speisen und Getränken einen feinen und gleichzeitig herben Geschmack. Auch Früchtekompotts, Puddings und sogar Eis lassen sich mit Mädesüßblüten perfekt aromatisieren.

Mädesüß-Blütensirup

1 kg Zucker in 1,5 l Wasser aufkochen und erkalten lassen. Zirka 10-12  Blütendolden (dabei die Stiele soweit wie möglich vorher abschneiden)  mit den Scheiben von 1-2 Bio-Zitronen und 30 g Zitronensäure in einen Steinguttopf geben, mit dem Sirup übergießen, Deckel auflegen und ca. 2-5 Tage kühl stellen. Jeden Tag einmal umrühren und dann abseihen, kurz aufkochen und heiß  in kleine Flaschen abfüllen.

Apfelkompott mit Mädesüß

500g Falläpfel, etwas Zitronensaft, ca. 200 ml Wasser, ca. 100 ml Mädesüßsirup, Zucker nach Geschmack

Die Äpfel putzen, klein schneiden und mit dem Wasser, dem Zitronensaft und dem Sirup in ca. 20 Minuten weichkochen. Gegen Ende der Garzeit mit Zucker abschmecken.

M Des Knospe-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheZum Abschluss zwei Gedichte über mich:

Gar heftig zieht’s das Knabenkraut

zu Mädesüß am Wegrand hin.

Es sieht die Pflanze schon als Braut,

im Namen steckt ein Mädchen drin.

Oh Knabenkraut, du armer Tropf,

nach meadow, Wiese, nennt sie sich.

Nichts Weibliches, kein Mädchenzopf,

nun Englisch spricht die Orchis nicht.

Ich rate dir, du Männerstolz,

versuche es mit Frauenschuh,

mit Frauenfarn im Unterholz,

doch lass das Mädesüß in Ruh.

Ingo Baumgartner

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Frauenmantel, Hirtentäschel,

Bärenklau und Klappertopf.

Engelwurz und Teufelskralle,

Reiherschnabel, Taubenkropf.

Rittersporn und Königskerze,

Knabenkraut und Mädesüß,

Lerchensporn und Wachtelweizen.

Buntes Blumenparadies.

Märchennamen, Märchendinge.

Wunderschöner Blumenwald,

für vieltausend kleine Wesen

ein geheimer Aufenthalt.

Hätte ich nicht die Menschengröße,

wär ich nicht so hoch und breit,

wollt ich wohnen unter Blumen

und dort leben allezeit.

Robert Louis Stevenson

KW 32: Schafgarbe

Schafgarbe-ganz-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Augenbrauen der Venus“  diesen schönen Namen hat man mir im Mittelalter gegeben. Meine zarten, filigranen Blätter, wohin würden sie besser passen, als in das schöne Gesicht der Göttin der Liebe, Schönheit und Anmut? Die nach Göttinnen benannten Pflanzen sind immer auch Heilmittel für Frauen. Mein Botanischer Name ist Achillea millefolium und ich gehöre zur Familie der Korbblütengewächse.

Synonyme für meinen Namen sind u.a. Achillenkraut, Frauenkraut, Frauendank, Blutstillkraut, Soldatenkraut, Wundkraut, Gänsezungen, Grillenkraut, Schafzunge, Tausendblatt.

Mein lateinischer Name bezieht sich auf den berühmten Helden der griechischen Sage, den Achilles. Beim Kampf um Troja wurde er von einem Pfeil  an der Ferse verwundert, genau an der Stelle, die Ihr heute noch Achillessehne nennt. Die Göttin Aphrodite  riet ihm daraufhin, seine Verletzung mit der Schafgarbe zu heilen.  Ich bin also eine der ältesten Heilpflanzen: In einem Grab in Shanidar im Iran, das die Ärchologen auf 60.000 Jahre vor unserer Zeit datiert haben, hat man die Blütenstaubkörner von 8 Heilpflanzen gefunden.  Auch ich war dabei, um die Toten auf ihrer letzten Reise zu begleiten.

Im 1. Jahrhundert wurde ich erstmals vom griechischen Arzt Dioscorides erwähnt, der meine heilende Kraft bei Kriegsverletzungen pries.

Schafgarbe-Bl Tter-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAus meinem kriechenden Wurzelstock entwickeln sich zuerst eine Blattrosette und danach dann die Blütentriebe. Mein Stängel ist innen markig, wenig behaart, trägt 2-3fach fiederschnittige Blätter und bildet im oberen Teil Blütenstände aus, die in einer Scheindolde angeordnet werden. Die  kleinen Röhrenblüten sind weiß bis schwach gelblich, die Zungenblüten  sind weiß oder leicht rosa. Meine Gesamthöhe kann sich von  20 cm bis auf  60 cm entwickeln. Meine Blütezeit ist zirka Juni bis Oktober.

Schafgarbenbl Te-rosaII1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWo fühle ich mich wohl? Auf Wiesen, an Weg- und Feldrändern. Ich stelle keine besonderen Ansprüche an den Boden.

Ich bin auch ein so genanntes Aromatisches Bittermittel. Denn ich enthalte u.a. Bitterstoffe, ätherisches Öl (Vorstufe des Azulens), Gerbstoffe, Flavonoide und verschiedene Mineralien (besonders Kalium). Und wirke deshalb appetitanregend  und verdauungsfördernd. Mein ätherisches Öl wirkt zusätzlich desinfizierend, entzündungswidrig und krampfstillend. Der hohe Kaliumgehalt regt die Nierentätigkeit an. Ich wirke blutstillend bei äußeren und inneren Blutungen (Soldatenkraut, Wundkraut).  Außerdem stärke ich das venöse Blutsystem, steigere den Rückstrom von venösen Blut zum Herzen und entlaste somit den Kreislauf und das Herz. Und ich stärke das nervöse Herz und beruhige die Nerven. – Also ich bin eigentlich für fast alles gut. Deshalb nutze mich fleißig bei auftretenden gesundheitlichen Problemen.

Ich war auch immer eine Pflanze des Kräuterbüschels, den die Frauen an Maria Himmelfahrt, am Tag der Göttin, weihen ließen. Mir werden auch viele spirituelle Kräfte zugeschrieben. So soll ich als Amulett den Teufel vertreiben und dunkle Mächte abhalten. Als Mittel für den Liebeszauber war ich dem Planeten Venus zugeordnet.

SchafgarbenknospeIII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAuch Hildegard von Bingen schätzte mich besonders  als Wundmittel. Noch heute kann man nach Hildegard schlecht heilende Wunden und Narben mit einem Sud aus meinen in Wasser gekochten Blättern behandeln. Mit diesem Sud kann man die Wunden auswaschen.

Maria Treben meint jede Frau sollte über das ganze Jahr verteilt immer mal wieder eine Tasse Schafgarben-Tee (1 geh. TL, ½ Min. ziehen lassen) schluckweise trinken.

Maurice Mességue meint ich sei  stärkend und beseitige Entzündungen und meine Blüten und Blätter seien ein gutes Tonikum für die Verdauungswege. Außerdem sei ich krampfstillend und beruhige das Herz und den Kreislauf. Nach ihm soll ich nervöse Beschwerden lindern und zur Regelung von unregelmäßigen Menstruationen beitragen.

Schafgarbe-ganz-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSebastian Kneipp empfiehlt mich bei Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkrämpfen, Magenentzündungen, Dickdarmentzündungen sowie bei Leberschwellung. „Schafgarbe im Leib, tut wohl jedem Weib“.

Rezepte für einen in der Volksheilkunde bewährten Tee bei Magen-, Darm- und Gallebeschwerden

2 geh. TL Kraut mit ¼ l kochendem Wasser übergießen und nach 15 Min abseihen. Mäßig warm 2-3 Tassen trinken.

Rezept für einen Herzwein aus der Volksheilkunde:

Je 2 Handvoll frische fein gehackte Schafgarbe und fein gehackte Melisse, 2 EL getrocknete, fein gehackte Baldrianwurzel, 1 Zimtstange, 1 l guter Rotwein.

Die Zutaten mit dem Wein ansetzen. 2 Wochen ziehen lassen, abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Bis zu 2 Likörgläschen täglich.

In der Küche:

Als kräftiges Gewürz für die Zubereitung fetter Speisen bin ich nur regional bekannt. Da fördere ich die Verdauung. Meine  jungen Blätter können als Grüngewürz für Salate, Suppen, Eintöpfe und Weichkäsezubereitungen genutzt werden.

Ein passendes Rezept für Schafgarbenbutter:

½ Paket Butter, 1 TL Mönchspfeffer, 1 EL fein geschnittene Schafgarbenblättchen, 1 gr. TL rosa Pfefferbeeren

Den Mönchspfeffer zusammen mit den rosa Pfefferbeeren anmörsern. Dann mit den fein geschnittenen Schafgarbenblättchen zur weichen Butter geben und alles gut verrühren. Eventuell mit etwas Meersalz abschmecken

In der Kosmetik:

Die keimhemmende und entzündungswidrige Wirkung macht mich zu einem Pflegemittel bei entzündeter, gereizter, fettiger und unreiner Haut. Ich kräftige die Haut, straffe und reinige sie.

Für eine Packung frische Blätter zerstampfen, den Brei auf die Gesichtshaut auflegen und 10-15 Minuten wirken lassen, dann abwaschen.

Auch Kompressen mit Schafgarbe eignen sich gut für die kosmetische Behandlung. Eine Kompresse mit Schafgarbentee tränken und auflegen.

Über Nacht  auf die Augen gelegt sollen meine Blätter helfen im Traum den zukünftigen Liebhaber zu sehen.

Der Spruch dazu lautet:

Die erste Schafgarbe finde ich hier.

Im Namen Jesu pflück ich sie mir

und wie Jesus Maria mit Liebe bedacht,

soll mein Herzallerliebster mir erscheinen

im Traum heute Nacht.

KW 30 + 31: Wilde Möhre

M HrenpflanzeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin laut dem Kosmos-Naturführer (Ihr werdet es kaum glauben!) einer der Stammeltern der Kulturmöhre (Karotte, Mohrrübe) und eine sehr alte Pflanze.

Mein lateinischer Name ist Daucus carota und ich gehöre zur Familie der Doldengewächse.

In den meisten meiner Blütendolden findet Ihr in der Mitte eine tiefrote bis schwarze Lockblüte, die Mohrenblüte, nach der ich auch benannt wurde. Diese Lockblüte kann im Gegensatz zu den anderen weißen Einzelblüten nicht befruchtet werden und ist steril. Sie M Hrenbl Te-BesuchII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wochedient den anfliegenden Insekten  als „Positionslicht“ und erleichtert eine gezielte Landung zur gewünschten Bestäubung. Lockblüten sind meistens auffallend bunt oder anders als die anderen Blüten einer Pflanze und gibt es auch bei anderen Blütenpflanzen aber niemals aber in so dunkler Farbe. – Ich bin halt etwas ganz Besonderes.

Ich bin eine überwiegend zweijährige Pflanze mit 2-3 fach gefiederten Blättern.  Im ersten Jahr bilde ich wM HrenblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheie viele Doldenblütler eine Blattrosette aus. Erst im 2. Jahr schieben sich dann die borstig behaarten Blütenstängel hoch. Meine  Blütendolden besitzen15-30 Strahlen, die Hüllblätter sind 3teilig oder fiederig, die Hüllchenblätter sind fiederteilig und dünnzipfelig.  Von unten angeschaut  erinnert meine Dolde ein wenig an Tortenspitze.  Meine Blütezeit: Mai bis September.

Mein voll erblühter Blütenstand ist flach und bildet damit einen idealen Landeplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Sandbienen und Käfer, die sich dann an meinen Pollen weiden.

Zur Fruchtreife, aber auch bei Regenwetter neige ich meine Doldenstrahlen vogelnestartig zusammen. Als Wintersteher bleibt mein oberirdischer Spross auch noch der M Hrenbl Te-reifII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheVegetationsperiode stehen. Meine länglichen Früchte zerfallen in jeweils 2 Teilfrüchte mit Stachelreihen, die sich gern an vorbeilaufenden Menschen und Tieren festhaken und mit auf Reisen gehen.

Meine Gesamtpflanzenhöhe kann sich bis auf über 1 m erstrecken.

Ich bin ein Tiefwurzler (bis 80 cm) und bilde eine verdickte Hauptwurzel aus. Anders als die Kulturmöhre hat meine Wurzel keine gelbe oder orange Farbe, da die färbenden Carotine fehlen.

Meine Laubblätter sind neben denen der Kulturmöhre die wichtigste natürliche Nahrungsquelle für die Raupen des wunderschönen Schwalbenschwanzes (nach der Bundesartenschutzverordnung von 2005 besonders geschützt) .

Ich kann sehr leicht mit extrem giftigen Pflanzen wie dem Wasserschierling und der Hundspetersilie verwechselt werden, aber auch mit den harmloseren Arten wie Kümmel, Gartenkerbel und Koriander. Also passt gut auf, wenn Ihr mich in der Natur sammeln wollt.

Wo findet man mich? Auf Wiesen, Halbtrockenrasen, an Rainen, Weg- und Straßenränder, gelegentlich auch in Wäldern.

Meine Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle, Vitamine (A, B1, B2 + C), Flavonoide und Mineralstoffe. Wirkungsweise: Wie bei der Kulturmöhre haben meine Inhaltsstoffe antibakterielle und antifungale Eigenschaften. Außerdem gelte ich als harntreibend. Früher wurden deshalb meine Samen als harntreibendes Mittel bei Blasen- und Nierensteinen genutzt. Man kann meine kleinen haarigen Samen einfach über Speisen streuen oder damit einen Tee aufgießen, er soll wohl auch menstruationsfördernd sein.

Die kräuterkundige Eva Aschenbrenner empfiehlt meine Nachfolgerin, die Kulturkarotte, als wichtiges Gemüse für die Augen, die Haut und die Knochen. Außerdem soll sie bei Parasiten im Darm helfen. Nach ihren Angaben soll roher Karottenbrei mit etwas Sahne oder Öl verfeinert werden. Über einige Monate sollten 2-3 Möhren über den Tag verteilt gegessen werden.          -

Der Kräuterpfarrer Johann Künzle meint, dass Rüben, Karotten, Möhren (also die Kulturpflanzen) nicht bloß gute milde und nahrhafte Speisen, sondern auch nützlichgegen alle Schwächen in Leber, Nieren Milz, Blase sind, weil sie harntreibend wirken Wasser, in dem Rübenkraut gekocht wurde soll ein ausgezeichnetes Gurgelwasser bei Zahnweh, Mundgeschwülsten und Mundfäule sein. Der Absud von Rübensamen soll ein ausgezeichnetes Gurgelwasser bei Kehlkopfentzündungen und Brustleiden sein.

Maurice Mességue sagt zur Kulturmöhre: Möhren machen Menschen liebenswürdig und Frauen schön und verhelfen ihnen zu schönen Schenkeln. Na, wenn das kein Grund ist künftig mehr Karotten zu essen! Er empfiehlt sie bei allgemeiner Schwäche, Blutarmut und bei durch Vitaminmangel bedingte Krankheiten. Kurzsichtige, besonders Kinder könnten wohl ihr Sehvermögen mit dem Karotin aus Möhren bessern. Karottensaft wirkt seiner Meinung nach harntreibend und entwurmend. Mit ein wenig Honig oder mit einer Zitronenscheibe würde er eine vorzügliche Arznei gegen Halsschmerzen und gegen Erschöpfung werden. Breiumschläge aus zerdrücktem Fruchtfleisch sollten direkt auf Geschwüre, Brandwunden und Ekzeme gelegt werden, aber mehrmals täglich gewechselt werden. Hand- und Fußbäder können aus dem Fruchtfleisch von 3 pürierten Möhren und 1 l Wasser hergestellt und 2-3mal täglich durchgeführt werden.

In der Küche:

M Hrenbl Te-jungII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheFunde bei jungzeitlichen Pfahlbauten weisen darauf hin, dass ich schon seit Urzeiten als Nahrungsmittel diente. Also eigne ich mich auch für die heutige Küche.  Meine Wurzel ist jedoch herber und lange nicht so zart und süß wie die der Gartenmöhre. So kann ich z.B. als Gemüsezugabe oder Suppeneinlage genutzt werden. Dafür sollte man aber meine Wurzeln im 1. Jahr, also wenn ich noch keine Blütenstände ausbilde sammeln. Danach wird meine Wurzel zu holzig.

Meine weißen, prächtigen Blüten sind  allem für Kräutertees geeignet. Die Blüten schmecken leicht süßlich, ähnlich wie Möhre und Anis. So eignen sie sich auch als essbare Dekoration für Süßspeisen oder für Salate. Man kann sie wie andere essbare Blüten auch in Teig ausbacken oder eingelegt als Vorspeise nutzen.

Passendes Rezept: Wilde und zahme Möhren

Kulturkarotten, Pastinaken und wenig Petersilienwurzeln oder Rote Beete stifteln und in wenig Gemüsebrühe knapp gar dünsten. Mit etwas gutem Pflanzenöl, wenig Chilipulver und Meersalz abschmecken. Dann von den Wilden Möhren einige abgezupfte Früchte kurz braten und darüber streuen. Zur Krönung Möhrenblütendolden in wenig Öl nur eine Minute kross ausbacken, abtropfen lassen und vor dem Servieren auflegen.

Wilde Möhre und Kosmetik:

Durch Wasserdampfdestillation  wird aus den zerkleinerten reifen Samen das ätherische Karottensamenöl gewonnen. Es  soll besonders hautpflegend, beruhigend auf gereizte und strapazierte Haut wirken und die Regeneration der Hautzellen unterstützen.

Gesichtsmaske mit ätherischem Karottenöl:

1 Esslöffel Heilerde, 2 Esslöffel Quellwasser oder frischer Karottensaft und 4 Tropfen ätherisches Karottensamenöl verrühren. Auf das Gesicht und den Hals auftragen, 15-20 Minuten einwirken lassen und danach gut abwaschen und nachpflegen.

Meersalz-Honig-Öl-Bad

250 g Meersalz, 150 ml Honig, 1 l Vollmilch, 2 EL Mandelöl, 1 EL Wildrosen-, Nachtkerzen- oder Arganöl, 5 Tropfen Karottensamenöl.

Den Honig und die Öle in der Milch auflösen. Zuerst das Meersalz ins Badewasser geben und auflösen. Zum Schluss die Milchmischung zugeben und alles gut vermischen.

Ich habe leider kein Gedicht über mich gefunden, nur eines über die Kulturmöhre:

Zwei Möhren steckten in der Erde,

auf dass ihr Körper größer werde,

damit in ein paar Sonnenwochen,

man kann ‘nen Möhreneintopf kochen.

Die eine dacht’ mit recht viel Frust:

„Auf Eintopf hab’ ich keine Lust!

Möcht’ lieber in ‘nen Smoothie rein,

da bleib ich roh und das schmeckt fein!

Zudem ist dieses sehr modern

und viele Menschen haben’s gern.“

Die and’re wollt’ auf einen Kuchen,

der wenig süß, doch sehr pikant.

Den möcht’ ich auch gern mal versuchen,

denn dies’ Gebäck ist kaum bekannt.

Sie träumten weiter, wurden

dick und süße, mit Flausen im Kopf,

wie’s so üblich, bei jungem Gemüse.

Schließlich war’n sie reif für die Ernte,

‘ne Gärtnerhand sie aus der Erde entfernte.

Man legte sie in eine Kiste am Boden,

zu den vielen, vielen ander’n Karotten.

Ach, sie waren alle so gleich –

und kamen – wohin? Ins Eintopf-Reich.

Heike Henning

Häschenwitze

Die berühmteste Frage aus Häschenwitzen:  ”Hattu Möhren?” kennst bestimmt auch Du. Mit Ausdauer und Querulanz bringt das Häschen in den 70iger Jahren seine Umwelt um den Verstand und die Zuhörer zum Lachen. Mit frechen Wortspielen beweist das Häschen Humor und seinen Sinn für besondere Pointen.  Der Ursprung dieser Witze soll wohl inder damaligen DDR  liegen, um sich über die dortige Mangelwirtschaft lustig zu machen.

Ein Beispiel:

Häschen sieht einem Dachdecker bei der Arbeit zu. Nach einer Weile fragt es den Dachdecker: “Haddu da oben Möhrchen?” Der Dachdecker schüttelt den Kopf. Im nächsten Augenblick rutscht er aus und  fällt dem Häschen direkt vor die Pfoten.Da beugt sich das Häschen über ihn und sagt voller Mitleid: “Hättest nicht so schnell kommen brauchen. Ich hab auch keine!”

KW 29: Baldrian

Baldrianbusch-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWenn ich in der Nähe blühe kann man mich schon sehr gut an meinem Geruch erkennen: süßlich und etwas sonderbar, eben sehr charakteristisch! Meine Wurzel riecht noch stärker, aber leider für viele nicht mehr angenehm. Aus diesem Grund hat man mich auch früher manchmal nicht besonders schmeichelhaft  Stinkwurzel oder Stinkwurz genannt.  Katzen jedoch mögen meinen Duft. Spezielles Spielzeug wird manchmal mit meinem Aroma versehen (Mein weiterer Name ist deshalb Katzenwurzel). Weitere Namen: Mondwurzel oder Mondkraut, Elfenkraut aber auch Vieh-, Ratten- und Hexenkraut.

Ich bin der Baldrian (Valeriana officinalis) und gehöre zur Familie der Baldriangewächse wie z.B. der Berg- und Felsenbaldrian oder der echte Speick (Valeriana celtica). Eine nahe Verwandte aus Indien, die Narde, erzeugt die Krönung unserer speziellen Düfte. Aus ihr wurde schon in der Antike das beste Nardenöl gewonnen, das in kleinen Alabasterfläschchen angeboten wurde.

Mein Name wurde wohl vom Lichtgott Balder, dem Sohn der germanischen Göttermutter Frigg abgeleitet. Der lateinische Name kommt wohl vom lateinischen „valeo“, ich fühle mich wohl.

BaldrianblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ein ausdauerndes, kräftiges Geschöpf mit gegenständigen, unpaarig gefiederten Blättern. Je weiter oben am Stängel die Blätter gebildet werden, desto schmaler sind die einzelnen Blattfiedern. Mein Stängel ist aufrecht, gefurcht und hohl. Meine endständigen Doldenrispen bestehen aus kleinen fünfzähligen Blüten in weiss bis zartrosa. Meine Blütezeit: Juni bis August. Meine Gesamthöhe zirka 60 bis 180! cm.

Ich liebe feuchte, halbschattige Standorte an Ufern, Gräben, Waldrändern und Gebüschen.

BaldrianwieseII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch gelte als Schutzkraut gegen Hexen und Teufel. Früher glaubte man nämlich, dass mein Geruch die Nasen der Hexen beleidigen würde und sie deshalb zur Umkehr zwingen würde.

Der passende Spruch „Baldrian und Dost und Dill, da kann die Hex‘ nicht wie sie will!“ Auch der Teufel sollte stets das Weite suchen, wenn das auserwählte Opfer Baldrian bei sich trug.

Brautleute trugen mich früher gern bei sich, weil ich Hexen und Unholde fernhalten sollte.

Den ersten Bädern von Neugeborenen wurde ich zugefügt, um diese vor Seuchen zu beschützen. Angeblich wurde ich auch von Wahrsagerinnen verwendet, um ihnen Hellsichtigkeit zu verleihen.

Baldrianbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheZu meinen Inhaltsstoffen gehören: wohl nicht zu überriechen: ätherisches Öl, dann Valerensäuren, Valepotriate, Fettsäuren und Flavonoide. Meine Wirkungsweise: beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, entspannend und nervenstärkend, aber gleichzeitig auch konzentrationssteigernd.

Geschichte:

Ich wurde bereits in der alten Zeit als Heilmittel verehrt. Schon bei den Hippokratinern spielte ich eine Rolle in der Frauenheilkunde und als Krampflöser. Hildegard von Bingen empfahl mich gegen Gichtschmerzen und die Kräuterkundigen des 16. Und 17. Jahrhunderts lobten meine lindernde Wirkung bei Atemnot, Sehschwäche, Kopfschmerzen und Husten. Dioskurides schätzte mich als erwärmendes, menstruationsförderndes und harntreibendes Mittel. Fabio Colonna, der unter Epilepsie litt stieß auf mich und wurde dadurch geheilt. Danach studierte er Botanik und verfasste ein Buch über meine Heilkräfte. Ich sollte auch zur Vorbeugung gegen die Pest dienen. Sebastian Kneipp sagte von mir, dass ich das Nervensystem beeinflusse und u.a. seelische Erregungszustände beruhige. Der Kräuterpfarrer Johann Künzle empfahl mich nicht nur bei nervösen Leiden, sondern auch um Harn zu treiben. Baldrianwein soll Leber, Milz und Galle reinigen und Steine austreiben. Gegen Gicht sollen warme Baldrianbäder wirksam sein. Da mir auch die Kraft zugesprochen wurde Liebe zu erwecken, verwendete man mich auch bei verschiedenen Liebeszaubern. Es hieß, wenn eine Frau mich am Körper trüge, würde es ihr nie an Liebhabern fehlen.

Man glaubt, der Rattenfänger von Hameln habe größere Mengen von mir bei sich gehabt und es sei mein Geruch gewesen, der die Ratten (Rattenwurzel) aus der Stadt lockte.

Als Tee 1 TL meiner klein geschnittenen Wurzel pro Tasse kalt ansetzen, 1 Stunde köcheln lassen und dann 2-3 Stunden neben dem Herd weiter ziehen lassen. Es sind auch diverse Rezepte für Mischtees (z.B. mit Hopfen, Melisse und/oder Passionsblume) mit mir bekannt.

In der Küche:

Baldrianblatt-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheHier finde ich weniger Anwendung als in der Heilkunde. Meine jungen Blätter können als Zusatz und/oder als Gewürz für Salate dienen.

Grüner Salat mit Badrianblättern

150 g junge Spinatblätter oder Blattsalat, eine kleine Handvoll junge Baldrianblätter, 2 hartgekochte Eier, 1 kleine Zwiebel, eine kleine Handvoll Kürbiskerne, Saft einer kleinen Zitrone, 3 EL Kürbiskernöl, etwas Senf, Meersalz, Pfeffer und 1 Prise Zucker.

Die Spinatblätter oder den Blattsalat und die Baldrianblätter waschen und putzen und in eine Schüssel geben. Die Eier in Scheiben schneiden und darüber geben. Die Zwiebel fein hacken und mit den anderen Zutaten zu einer Salatsoße rühren und über den Salat geben. Alles gut

Vermischen und zum Schluss mit Kürbiskernen bestreuen.

Meine süßlich duftenden Blüten können als essbare Deko verwendet werden.

Baldrianblüten-Wasser

Frische Blüten zusammen mit ein paar Scheiben ungespritzter Zitrone oder Limette in eine Karaffe geben, mit Wasser aufgießen und kühlen stellen. Nach 2-3 Stunden Ziehzeit testen, ob sich das Aroma genug entwickelt hat. Nach Geschmack mit etwas Honig süßen.

Zum Abschluss ein Gedicht über mich:

Es sprang ein einfältiger Jeck

wohl über uns’re Gartenheck’.

In seiner linken Hosentasche

befand sich eine kleine Flasche.

Die nahm und öffnete er leise

und goss den Inhalt tropfenweise

vor unsere Terrassentür.

Ich dachte :“Mein Gott – stinkt es hier!

Wer will denn hier die Kater locken,

dass sie vor uns’rer Türe hocken.“

Vergaß vielleicht der dumme Wicht:

kastrierte Kater lockt dies nicht.

Von Katzenjammer keine Spur,

gejammert habe ich hier nur.

Denn der Geruch von Baldrian

treibt mich hysterisch in den Wahn.

Zwar liegt er auch an meinem Bette,

jedoch in Form einer Tablette;

damit des Nachts ich komm’ zur Ruh,

hilft Baldrian mir oft im Nu.

… Und die Moral von dem Gedicht:

Vertraue dem Geruchssinn nicht!

Gabriele Förster-Wöbke

KW 28: Malve

RosenmalvenbuschII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDiese Woche dränge ich mich mit meinen zartrosa Blüten in den Vordergrund. Wer ich bin? – Nun die Rosenmalve (Malva alcea), auch Sigmarswurz oder spitzblättrige Malve genannt. Da mir meine Schwester, die Moschusmalve (Malva moschata) sehr ähnelt und wir kaum auseinander gehalten werden können spreche ich in diesem Text einfach für uns beide.

Wir gehören zur eigenen Familie, den Malvengewächsen. Hierin finden wir auch unsere Wilde-Malve-Bl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheweiteren Geschwister, die Wilde Malve (Malva sylvestris) mit ihren magentafarbenen Blüten, die zusätzlich mit dunklen Saftmalen geschmückt sind, die Wegmalve (Malva neglicta) mit ihren kleinen zartrosa bis hellblauen Blüten und die stolze Stockrose (Malva rosea), deren große Blüten in verschiedenen Farben Bauerngärten schmücken.

Wir heimischen Malven gelten mit unseren duftigen, zartrosa gefärbten Blüten als StockroseII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheInbegriff ländlicher Idylle. So waren wir schon in alten Nutz- und Bauerngärten zu Hause.

Unser Name ist wohl abgeleitet vom griechischen Malakos = weich oder entstand als Verbindung der lateinischen Wörter mollire (Erweichen) und alvus (Bauch), da wir auch bei Verstopfungen eingesetzt wurden.

Wir werden zirka 60-150 cm hoch und wachsen gern an Öd- und Schuttplätzen, an Wegesrändern und auf Äckern.

Wir bilden rauhaarige Stängel und 5 lappige, wechselständige Blätter. Diese können auch weiter oben noch fein gefiedert sein. Unsere Blütenstiele bilden sich in den oberen Wei E-MalveII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBlattachseln und tragen dann die rosafarbenen Blüten mit 5 Blütenblättern. Selten sind unsere Blüten weiß. Typisch für uns Malvengewächse ist, dass die Staubgefäße zu einer Röhre zusammengewachsen sind, die den Stempel umgibt. Aus den später entstehenden käseförmigen, schleimhaltigen Früchten wurde früher Kinderbrei (Papp) zubereitet. Da kommt unser weiterer Name Käsepappel wohl her. Unsere radähnlich runden, grünlichen Früchte sind in 12 bis 15 behaarte Segmente mit je einem Samenkorn aufgeteilt. Sie erinnern in der Form an ein Käselaibchen –so passt der Name Käsepappel auch deshalb zu uns. Die Samen haben einen Durchmesser von bis zu acht Millimeter.

MalvenblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch als Rosenmalve habe an den oberen Laubblättern tiefe handförmige Einschnitte. Die unteren Laubblätter sind rundlich bis nierenförmig und kaum geteilt.

Wir blühen, wenn man uns lässt, vom Juni bis in den Herbst und kommen auch mit kurzen Trockenphasen zurecht, da wir tief reichende Pfahlwurzeln ausbilden.

Wie andere Malven-Arten auch, wurde ich, die Rosen-Malve wegen ihres Schleimstoffgehalts früher in der Volksmedizin eingesetzt.

Dazu benutzte man meist unsere Blätter und Blüten. Wirksame Bestandteile meiner Blätter sind in erster Linie Schleimstoffe (5–12 %). Diese setzen sich aus Zuckermolekülen wie Galactose, Glucose und Glucuronsäure zusammen. In geringerer Menge enthalten sie auch Flavonoide. Meine Blüten weisen einen annähernd gleich hohen Schleimstoffgehalt wie meine Blätter auf. Zusätzlich enthalten sie Anthocyane, wie beispielsweise Malvin.

Die benannten Schleimstoffe legen sich als schützender Film über Schleimhäute und entfalten so eine beruhigende Wirkung. In der Pflanzenheilkunde werden meine Extrakte  bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums sowie des Magen-Darm-Bereichs eingesetzt. Auch im Zusammenhang mit Erkältungen und trockenem Reizhusten finden sie Anwendung. Da die Aufnahme anderer Arzneistoffe durch Malvenpräparate herabgesetzt werden kann, sollte zwischen der Einnahme malvenhaltiger Drogen und anderer Arzneimittel mindestens eine Stunde Abstand liegen.

Äußerlich werden meine Blätter zur Wundbehandlung in Form von Breiumschlägen oder Bädern angewendet und können auch Beschwerden durch Hämorrhoiden lindern. Bei trockener oder sogar entzündlicher Haut können meine Blätter als Badezusatz oder für Waschungen dienen.

Rosenmalve-Bl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSebastian Kneipp schrieb zu mir: „Unter den Blumen im Garten dürfen die Malven nicht fehlen. Als der gute Schöpfer ihre uns erfreuende Blüte malte, hat er mit der Farbe in jedes Blättchen einen Tropfen Heilsaft gegossen.“

In früheren Zeiten wurden mit meinen und den Blüten meiner Schwestern Rotwein und andere Lebensmittel eingefärbt.

In der Küche:

Meine schleimigen Laubblätter können roh oder gegart gegessen werden und besitzen einen milden Geschmack. Sie sind eine gute  Ergänzung zu anderen Blattsalaten. Mehr Blattwerk bietet da meine weitere Schwester, die Gemüsemalve (Malca verticillate): Sie hat zwar nur recht kleine helle Blüten, aber dafür wird sie bis 2 m hoch und bildet viele große am Rand leicht krause Blätter aus. Sie soll in China zu den ersten Gemüsearten gehören, die in Gärten angebaut wurden. „Malve im Gemüsegarten, lässt den Doktor draußen warten.“ Diese und auch meine Blüten werden roh gegessen und sind in jedem Salat eine schöne essbare Deko. Meine Samen können ebenfalls roh genossen werden, besonders wenn sie voll ausgereift sind, besitzen sie einen angenehm nussigen Geschmack.

Libanesische Vorspeise mit Malvenblättern

250 g Malvenblätter – Khibezeh, 2 kleine Zwiebeln, je 1 Prise Salz, Pfeffer und Paprikapulver, 1 Zitrone, 1 kleine Tasse Wasser

Malvenblätter waschen, den Stiel entfernen und kleinhacken. 1 Zwiebel schälen und feinhacken. Die zweite Zwiebel in Streifen schneiden und in etwas Öl braun rösten. Dann die Malvenblätter dazugeben. Alles gut vermischen und würzen. Das Wasser angießen und  ca. 15 Minuten ganz leicht köcheln lassen.

Mit Zitronensaft abschmecken und auf einen Teller geben und mit den gerösteten Zwiebeln servieren. Dazu wird Fladenbrot gereicht.

In der Hautpflege:

Hier lindern die in meinen Blüten und Blättern enthaltenen Schleimstoffe Spannungsgefühle von trockener Haut.

Das Rezept für eine Malven- und Lavendelmaske:

Je 1 EL Malven- und Lavendelblüten mit einer Tasse Wasser übergießen und nach dem 5-10 minütigen Ziehen abseihen. 2 EL hiervon mit 2 EL Quark und ein paar Tropfen Mandelöl verrühren. 20 Minuten auf dem Gesicht einwirken lassen, dann mit dem restlichen Aufguss abwaschen.

In der Blumensprache heißt es:

Ich schätze dich als meinen teuersten Freund.

Deine Schönheit macht dich stolz.

Wirst du dich nie erweichen lassen?

Charlotte de Latour schreibt der Malve “Anspruchslosigkeit” zu.

Zwei Gedichte zur Malve:

Wieder hab ich dich gesehen.

Blasse Malve! Blühst Du schon?

Ja, mich traf ein schaurig Wehen,

All mein Frühling welkt davon.

Bist du noch des Herbstes Rose,

Der gesunknen Sonne Kind,

Bist die starre, düftelose,

deren Blüten keine sind!“

Ludwig Uhland.

……………………………………………………………………..

Zarte Köpfchen, leuchend Farben,

dieser Anblick nicht gereut.

Konkurenz für edle Rose

blüht in meinem Garten heut´.

Damit sie auch unvergänglich

bleibet eine lange Zeit,

habe ich sie abgelichtet.

So sie nun mein Herz erfreut.

Sabine Brauer

KW 27: Nachtkerze

Nachtkerzenbl Te-gro -II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDiese Woche bin ich dran: Ich bin die Nachtkerze (Oenothera biennis) und gehöre zu einer eigenen Familie, die Nachtkerzengewächse.

Den Namen bekam ich, da meine Blüten erst zu Nacht hin aufblühen.  Meine Blüten öffnen sich abends gegen 18.00 Uhr und schließen sich 24 Stunden später wieder. Meine Bestäuber sind vorwiegend Nachtschmetterlinge. So lassen sich beispielsweise dasTaubenschwänzchen und der Mittlere Weinschwärmer beobachten, wie sie im Schwirrflug vor meinen Blüten stehen. Eine Schwärmerart trägt wegen ihrer Vorliebe für meinen Nektar sogar den Namen Nachtkerzenschwärmer. Dieser ist allerdings eher in Mittel- bis Südeuropa zuhause.

Manche bezeichnen mich auch sehr passend als Abendlicht oder Nachtstern. Auffällig ist, dass wir nachts blühenden Gewächse meist besonders helle Blüten haben; dunkle Blütenfarben werden in der Nacht “verschluckt” und wir würden von den Nachtfaltern deshalb nicht gefunden werden. Um diese Zeit ist es oft auch windstill, was den Duftgenuss noch steigern kann. So können auch Menschen, die erst spät abends von der Arbeit nach Hause kommen meinen Duft noch genießen.

Nachtkerzenrosette-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Biennis“ deutet  darauf hin, dass ich zweijährig bin, denn im ersten Jahr bilde ich lediglich eine überwinternde Rosette mit einförmigen, länglichen Blättern und erst im zweiten Jahr bilde ich Blütenstängel.

Mit volkstümlichen Namen werde ich auch Schinkenwurzel genannt – denn meine Wurzel wird durch Kochen rosafarben wie ein Schinken. Ein altes Sprichwort aus der frühen Neuzeit sagt dazu:  Ein Pfund der Nachtkerzenwurzel gibt mehr Kraft, als ein Kilo Ochsenfleisch.

Theophrast (350 v.Chr.) gab mir den wissenschaftlichen Namen: „Oinos“ (Wein) und „thera“ (Jagd oder wildes Tier) deuten an, dass ich entweder süchtig nach Wein mache (?) oder die Folgen übermäßigen Weingenusses lindere. Nach alten Überlieferungen soll ich wilde Tiere zu zähmen können, wenn ich mit Wein benetzt werde (Naja, wenn das mal stimmt).

Nachtkerzenbusch-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin also eine zweijährige Pflanze, die sich gern selbst aussäht. Meine hellgelben großen Blüten (3-8 cm im Durchmesser!) bilden sich einzeln in den Achseln der oberen Blätter. Mein Stängel ist aufrecht und verzweigt sich manchmal. Die deutlich kleineren Stängelblätter als die Rosettenblätter haben nur einen kurzen Stiel. Charakteristisch für meine unbehaarten Blätter sind die Blattnerven. Der Hauptnerv, der vom Blattgrund bis zum Blattstiel verläuft ist rötlich gefärbt, wohingegen die verlaufenden Nervenbahnen eher farblos sind.

Im Anschluss meine Blütezeit (Juni bis September) entwickeln sich aus meinen Blütenständen längliche Fruchtknoten, aus denen sich bis zu 5 cm lange und vierkantige Kapselfrüchte bilden. Jede Frucht enthält jeweils zwei Fruchtfächer in der bis zu 200 (!)Samen sitzen. Diese Samen sind meist dunkelbraun gefärbt. Da ich pro Blühzyklus übrigens mehr als 20.000 Samen produzieren kann, erklärt sich auch die Tatsache, dassich mich über kurze Zeiträume schnell ausbreiten kann. Ich kann eine Höhe von 50 bis zu 150 cm erreichen.

Ursprünglich stamme ich aus Nordamerika. Etwa Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ich dann auf dem Seeweg nach Europa eingeschleppt und fand als Zierpflanze schnell meinen Weg in viele Gärten. Da ich viele Lebensräume besiedeln kann, war ich dann innerhalb kurzer Zeit an vielen Orten Europas wild anzutreffen. Ich bin also ein klassischer Neophyt, also eine Pflanze, die durch menschlichen Einfluss heute andere Erdteile besiedelt. Gern siedele ich an Böschungen und Rainen, im Bahnschotter auf Kiesflächen und im Ödland.

In der Pflanzensymbolik stehe ich sowohl für Unbeständigkeit als auch für stille Liebe.

Heilwirkungen

Schon bevor ich als „blinder Passagier“ an Bord eines Frachtschiffs nach Europa kam, hatten die amerikanischen Ureinwohner die vielfältigen Heilwirkungen von mir entdeckt. Sie zerstampften meine ölhaltigen Samen zu einem Brei und behandelten damit Hautkrankheiten und Geschwüre. Aus meinen blühenden Sprossenspitzen wurde zudem ein krampflösender Aufguss bei Magen-Darm-Problemen angesetzt.

Die Inhaltsstoffe meiner wertvollen Samen:  Fettes Öl mit mehrfach ungesättigten essenziellen Fettsäuren, 60-80 % Linolsäure, 8-14 % Linolensäure, Vitamin E. Daraus erklärt sich auch die kannte Wirkungsweise: entzündungshemmend, immunmodulierend, Juckreiz lindernd. Die bekannten Indikationen: Neurodermitis (innere und äußere Anwendung), zur Pflege und Behandlung bei empfindlicher, trockener und alternder Haut. Innerlich auch bei Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems und bei rheumatischen Erkrankungen, PMS, Allergien u.s.w.

Nachtkerzenspitze-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheEin aus meinen Blättern und Stängeln bereiteter Tee wird auch als Mittel gegen Erkältungen der oberen Luftwege empfohlen. Er soll schleim- und krampflösend sowieberuhigend wirken und bei Husten, Keuchhusten und Bronchitis hilfreich sein. Ein aus meinen Blüten gewonnener Sirup lindert wohl Hustenkrämpfe und Asthmaanfälle.

In der Volksmedizin werde ich auch bei schmerzhaften Regelbeschwerden, zur Beruhigung hyperaktiver Kinder oder zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte eingesetzt.

Der Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl mich u.a. für rückfettende Bäder mit meinem Samenöl. Die innerliche Anwendung von Nachtkerzen- und Borretschöl, entschlackende Tees (Brennnessel, Birke, Löwenzahn) und begleitende Anwendungen, wie Entspannungsübungen, rückfettende, alkalifreie Seifen bei Problemhäuten. Ich werde also in vielerlei Hinsicht inzwischen als Heilpflanze geschätzt.Gegenanzeigen gelten nur bei innerer Anwendung bei Säuglingen und Kleinkinder unter 1 Jahr. Auch in der Schwangerschaft sollte Mittel mit mir nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewandt werden.

In der Küche:

Nachtkerzenwurzeln sollen geschmacklich der Schwarzwurzel sehr ähnlich sein. Die Zubereitungsart ist hier identisch. Die Nachtkerzenblätter hingegen haben einen leicht würzigen und herben Geschmack, der an einer Mischung aus Mangold und Spinat erinnert. Die Blätter (vor der Blüte gesammelt) können sowohl als Gemüse gekocht oder auch roh zubereitet werden. Meine Blüten duften angenehm und entfalten einen leicht süßlichen Geschmack. Sie können deshalb  u.a. auch zur essbaren Deko von Salaten oder von Süßspeisen genutzt werden. Auch meine Blütenknospen können gesammelt werden und z.B. wie Zucchiniblüten frittiert werden.

Meine wertvollen Samen können als Mitzutat  in Gebäck Verwendung finden oder im Mörser zerkleinert oder einer in einer Pfeffermühle gemahlen und über Müsli und Salat gestreut werden.

Ein passendes Rezept soll nicht fehlen:

Hüttenkäse mit  Sonnenblüten

200 g Hüttenkäse, 3 EL gehackter frischer Fenchel, 2 EL Sonnenblumenkerne, 1 EL goldener Leinsamen, 1 EL Nachtkerzensamen, ½ TL Meersalz, goldene Sommerblüten (auch Nachtkerzenknospen) zum Garnieren.

Den Hüttenkäse mit den Sonnenblumenkernen, dem angemörserten goldenem Leinsamen und Nachtkerzensamen sowie dem Meersalz verrühren und mit den Blüten verzieren.

Nachtkerzen und Hautpflege

Nachtkerzenöl: 1 Handvoll Nachtkerzenblüten leicht ausschütteln, in eine Flasche mit großer Öffnung füllen und mit Olivenöl auffüllen. Zirka 3-4 Wochen ausziehen lassen, dann abseihen und in eine dunkle Flasche füllen.

Dieses Öl soll bei unreiner Haut oder entzündeten Hautstellen helfen oder zum Massieren müder Glieder geeignet sein.

Nachtkerzenbl Te-2-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine engen Verwandten sind die  Kleinblütige Nachtkerze (Oenthera parviflora) Die Blüten sind nur etwa 2-3,5 cm im Durchmesser und sattgelb.

… und die rosa Nachtkerze (Oenothera speciosa). Diese Nachtkerze bildet dichte, flache Horste und große Schalenblüten, die ausgesprochen lange und reichhaltig in zartem Rosa blühen. Als besonders dekorative Schwester von mir ist sie in Gärten als Zierpflanze sehr geschätzt.

Zum Abschluss noch 2 Gedichte:

Die Nachtkerze

Leuchtend gelb erfreut sie uns

Ihr Duft ist feinst von Süß

Ein wenig nach Vanille

Die Pracht entfaltet sie zur Nacht

Wenn’s dunkel wird und stille

Die meisten Menschen ahnen nicht

Wozu der ganze Putz

Da man doch zu Bette geht

Für Schwärmer, Eulen, Spanner

Damit auch deren Welt sich dreht

Wenn’s hell wird ist die Pracht vorbei

Die Blüten hängen schlapp herab

Sie fallen welkend nieder

Die Knospen schlafen in den Tag

Doch dunkelts,

Dann leuchtets, duftets wieder.

Phil Sternpark

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Nachtkerzen

Sobald die Sonn’ im West versinkt,

und Tau auf Abendfluren blinkt,

bleich wie das Mondlicht aus der Fern

oder ihr beigesellter Stern

tun sich aufs Neu dem Abendtau

zarte Nachtkerzenblüten auf;

Einsiedlern gleich scheu’n sie das Licht,

gönnen dem Tag ihr Blühen nicht.

Die Nacht, blind ihren zarten Küssen,

wird nie von ihrer Schönheit wissen.

So blühn sie bis ans End’ der Nacht.

Wenn dann der neue Tag erwacht

verblühn sie, ziehen sich zurück,

sobald das Licht trifft ihren Blick.

Aus dem Englischen von Bertram Kottmann

KW 26: Königskerze

K Nigskerze-ganz-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSchaut her, ich bin ein stattliches, majestätisches Sommergewächs. Darauf weist auch schon mein Name hin: Königskerze. Ich wachse bis zu 2 m kerzengerade in den Himmel, blühe mit leuchtendgelben rundlichen Blüten und bin deshalb nicht zu übersehen. Meine Blüten (2-4 cm im Durchmesser!) besitzen 5 Blütenblätter, die im unteren Bereich verwachsen sind, die 2 oberen sind etwas kleiner als die 3 unteren und alle außen feinwollig behaart. Auffällig behaart sind auch die 3 kurz gestielten Staubblätter. Die 2 lang gestielten Staubblätter sind dagegen kahl. Meine behaarten Staubblätter täuschen einen größeren Vorrat an Pollen vor, als tatsächlich vorhanden ist. Damit wirken meine Blüten attraktiver für hungrige Insekten. Das leicht „wollige“ Aussehen meiner gesamten Blüten hat zum Namen Wollblume geführt.

K Nigskerzenrosette-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ein zweijähriges Gewächs, d.h. im ersten Jahr bilde ich eine Rosette aus wollig-filzig behaarten länglichen Blättern. Im 2. Jahr schiebe ich dann einen geraden kräftigen Stängel in den Himmel, der nach und nach sehr viele Blüten tragen soll. Durch die herablaufenden Blätter wirken meine Stiele teilweise geflügelt. Meine Knospen öffnen sich zuerst an dem Hauptstängel spiralförmig von unten nach oben. Später bilde ich Seitentriebe, hier bilde ich ebenfalls dichtsitzende Blüten bis zur Spitze.

So bilde ich nach und nach wohl bis zu tausend Blüten und bis zu 700.000 Samen. Für die Insektenwelt bin ich als Kinderstube, Nahrungsquelle und Versteck von großer Bedeutung und deshalb sehr wertvoll in naturnahen Gärten.

Ich gehöre zur Familie der Braunwurzgewächse und habe eine Menge Synonyme, wie z.B: Brennkraut, Fackelblume, Himmelsbrand, Donnerkerze, Marienkerze und Wollkraut.

K Nigskerzenbusch-1II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheKönigskerze und Fackelblume weisen auf die frühere Verwendung von mir als Fackel hin: Hierzu wurde ich mit Pech und Teer bestrichen und angezündet. Die Legende besagt, dass mit dieser „Fackel“ verirrten Seelen der Weg nach Hause gezeigt werden sollte. Die Namen Donnerkerze und Himmelsbrand kamen zustande, da man hoffte mit mir Unwetter abwenden zu können. Amulette aus meiner Wurzel sollten vor bösen Kräften und Unholden schützen (Unholdpflanze).

Meine Schwester die kleine Königskerze ist auch als Wetterpflanze bekannt. Neigt sich ihr Blütenstiel nach Westen, wird es regnen. Deutet er nach Osten, kann man Sonnenschein erwarten. Bildet sie im ersten Jahr eine Blattrosette, deren Blätter im unteren Teil sehr dicht beieinandersitzen, soll das ein Anzeichen für frühen Schneefall im Winter sein. Liegen die Blätter am oberen Teil der Rosette eng beisammen, wird es erst zum Jahresbeginn schneien.

K Nigskerzenspitze-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, als  Großblütige Königskerze, gehöre als Mittelpunkt immer in den traditionellen Kräuterbusch, der an Maria Himmelfahrt am 15.08. gesammelt, gebunden und anschließend geweiht wird.

Wo fühle ich mich besonders wohl? – Nun, auf Industriebrachen, Bahndämmen, Straßenrändern und ruderalen Flächen.

Meine Inhaltsstoffe:

Saponine, Schleim, Flavone, Aucubin, ätherische Öle. Meine Wirkungen: antibakteriell, antiviral, auswurffördernd, entzündungshemmend, reizmildernd, schleimhautschützend, schleimlösend, schmerzstillend.

Der 5-Kräuter-Brusttee hat sich bereits im Altertum bewährt: jeweils 20 g Wollblume, Huflattich, Eibisch, Malve, Märzveilchen mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und zur Hustenlinderung und Förderung des Auswurfs mehrmals täglich schluckweise trinken.

Geschichtliches

Hippokrates empfahl mich für Wundbehandlungen. Die in mir enthaltenen Saponine sollen für Fische giftig sein. Laut Aristoteles betäubt mein in ein Gewässer gestreute Samen die Fische und erleichtert so den Fischfang durch die betäubende Wirkung.

Hildegard von Bingen erwähnt mich als wullena als Heilmittel für Halsschmerzen, bei Heiserkeit und gegen ein „traurig Herz“. Leonard Fuchs empfahl u.a. zerriebene Blätter gegen Verbrennungen und – mit Honig gemischt – zur Heilung von Geschwüren und Wunden.

In der Phytotherapie werde ich, als Wollkraut oder Wollblume bezeichnet, als schleimlösendes Mittel bei Erkältungen verwandt.

1999 wurde ich (die großblütige Königskerze = Verbascum densiflorum) als Heilpflanze des Jahres gekürt.

Von Juni bis August können meine schönen großen gelben Blüten vormittags geerntet werden. Sie lassen sich frisch oder getrocknet zur Bereitung von Hausteemischungen verwenden. Gekocht können meine Blüten für ein sanftes Aroma und als goldgelber Farbgeber für Sirup, Limonaden oder Spirituosen genutzt werden. Der Pfarrer Kneipp empfahl zur Stärkung des Herzes eine kräftige Fleischbrühe mit meinen goldgelben Blüten zu veredeln.  Als besonders wirksam hielt er das aus meinen Blüten gewonnene Öl bei „Harntröpfeln“. Weitere Anwendungen dieses Öls: Hämorrhoiden, Neuralgien und Ohrenentzündungen.

Verwandte:

K Nigskerze-wei II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAndere bekannte Mitglieder meiner Verbascum-Familie : Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) mit kleineren Blüten (1-2 cm Durchmesser), die mehlige Könisgskerze  (Verbascum lychnites) mit gelben oder weißlichen Blüten, hier sind die Blätter oberseits fast kahl und unterseits mehlig, die hübsche schwarze Königskerze (Verbascum nigrum) deren Blüten wollige, purpurfarbene Staubfäden besitzen und die K Nigskerze-schwarz-2-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWindblumen-Königskerze (Verbascum phlomoides), die gestielte Grundblätter aufweist und wenig geflügelte Hauptstiele. Verwechslungen sind aus heilkundlicher Sicht nicht von Bedeutung, da die Eigenschaften weitgehend übereinstimmen.

Achtung, empfindliche Personen können bei Berührung mit leicht allergischen Hauterscheinungen reagieren.

In der Küche:

Königskerzen-Butter

1 Handvoll Königskerzenblüten, ½ Packung weiche Butter, etwas Honig.

Die Staubblätter von den Königskerzenblüten entfernen, grob zerkleinern und mit etwas Honig unter die weiche Butter rühren. Kühl stellen.

Zucchinisahnesuppe mit Königskerzenblüten

1 kg Zucchini, 1 kleine Zwiebel, 1 kleine Knoblauchzehe, etwas frisch geriebenen Ingwer, 1 ½ l Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, etwas Masala-Kräutersalz, Pfeffer, Muskatnussblüte, frische Königskerzenblüten (+ ev. Ringelblumenblüten) zum Garnieren.

Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und in kleine Würfel schneiden, Die Zucchini putzen und klein schneiden. Die Zwiebel- und Knoblauchwürfel in etwas Olivenöl andünsten, die Zucchini zugeben, dann mit der Brühe ablöschen. Zirka 10-15 Minuten sanft köcheln, dann die Suppe pürieren, mit der Sahne auffüllen und mit den Gewürzen abschmecken. Zum Schluss mit den Blüten garnieren.

Königskerzenwein für gute Laune

1 kleine Handvoll getrocknete Königskerzenblüten oder 1 große Handvoll frische Blüten, 1 TL Fenchel, 1 Flasche Weißwein und 2 EL Honig.

Die Blüten mit dem Weißwein und dem angemörserten Fenchel aufkochen und nach dem leichten Abkühlen den Wein mit Honig süßen. Abseihen und in eine Flasche füllen.

Passende Gedichte dürfen zum Abschluss nicht fehlen:

Königskerz‘ auf der Heide

geht in blaßgrüner Seide,

reckt die Arme zum Himmel auf,

trägt einen Leuchter mit Lichtern drauf.

In der Nacht, in der Sommernacht,

leuchtet hell ihrer Kerzen Pracht;

dann halten in dem goldnen Schein

die Elfchen ihren Ringelreihn.

Wer hat’s gesehen? Zwei Wandersleut’

berichten darüber hocherfreut,

ein Käfer und eine Grille;

die kamen spät des Weges daher,

sahen den Tanz und staunten sehr

und hielten sich mäuschenstille.

Johannes Trojan (1837-1915)

………………………………………………

Hinter der Hecke gut versteckt,

hab ich sie letztes Jahr entdeckt.

Wie sie bei mir gelandet ist

ist heut noch ein Rätsel für mich

Durch ihre gold’ne Blütenpracht

ist die Neugier in mir erwacht

Was könnt das für ‘ne Pflanze sein

an der Insekten sich erfreun

Drum habe ich mich schlau gemacht,

und mir Gewissheit gleich verschafft.

Sie wurde Königskerze genannt

Den Namen sie dem Ausseh’n verdankt

Sie trägt den Namen nicht umsonst

denn majestätisch und gekonnt

steht sie im Garten kerzengrad

sie zu entfernen wär zu schad’

Als Heilpflanze heut sehr begehrt

fand sie einen besond’ren Wert

Sie, das Symbol für langes Leben

Darf gern in meinem Garten stehen.

Karin Grandchamp

KW 24 + 25: Lavendel

Lavendel6-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Oh, wie bin ich glücklich, nicht zu den unzähligen Blüten zu gehören,

die einfache  Gartenbeete schmücken.

Ich laufe nicht Gefahr, in gewöhnliche Hände zu fallen,

an einem Ort bedeutungsloser Unterhaltung zu enden.

Anders als es meine Pflanzenschwestern gewöhnt sind,

lässt mich die Natur fern von Bächen wachsen.

Ich verabscheue bearbeitete Erde und kultiviertes Land.

Ich bin wild. Fern der Gesellschaft ist meine Heimat

die Wildnis und die Einsamkeit, denn ich möchte mich nie und nimmer

unters Volk mischen!

Da mich niemand aussät und mich niemand anbaut,

bin ich keinem zu Dank verpflichtet. Frei…ich bin frei!“

Bereits in dem Märchen aus 1001 Nacht wurden mir diese Zeilen gewidmet.

Als Heilpflanze bin ich allerdings schon lange sehr geschätzt, und jetzt wurde mir wurde die Ehre zuteil, zur Arzneipflanze dieses Jahres (2020) gekürt zu werden.

Der Ursprung meines Namens: Der mittellateinische Name “Lavandula” ist dem lateinischen lavare = waschen angelehnt, weil man mich gern dem Waschwasser oder Bädern zusetzte.

Der echte (wilde) Lavendel gedieh von Blicken geschützt unter den brennenden Strahlen der Sommersonne auf den Kämmen und Hügeln der provenzalischen Berge. Von den Schafen wurde er verschmäht, aber von den Schäfern als Allheilmittel betrachtet.

Lange Zeit war ich nur eine Wildpflanze, ein Teil der Landschaft und wurde von niemandem wirklich groß beachtet. Vor Ende des 19. Jahrhunderts sind schriftliche Überlieferungen über Anwendungen mit mir eine Rarität. Mein Siegeszug begann erst ab dem Jahr 1870.

Die Parfümhersteller von Grassé holten meine Ahnen von den  windigen Bergkämmen in erreichbare Hochebenen und betrieben als erste den Anbau von Lavendel. Nach und nach begann man sich meine Ahnen zunutze zu machen.

Die Parfümhersteller verwendeten sie als Bestandteil  für Eau de Cologne und einer Vielzahl anderer Duftwässer und stellten sie damit in eine Reihe mit den stolzen Blüten der Rose und der Lilie.

Der Kaiser Napoleon Bonaparte trug zu meinem Triumphzug bei, da er sich täglich mit einem der allerersten Eau de Cologne, das natürlich Lavendel enthielt, frisch machte und parfümierte.

Die Bauern des 19. Jahrhunderts pflückten meine Ahnen in ungefähr 1000 m Höhe immer nach dem 14. Juli, kurz bevor die Blüten abfielen. Das Pflücken war Familiensache. Dazu wurde der Lavendel büschelweise mit der Sichel geerntet und zuerst in einen Schurz und dann in ein großes Stück Stoff gelegt. Ein kleiner zerlegbarer Destillationsapparat, der Alambic, wurde auf dem Rücken eines Esels oder Maultiers mitgeführt. Die kürbisförmige Destillierblase aus Kupfer wurde mit einem Gemisch aus den zerkleinerten Blüten und Wasser gefüllt. Das notwendige Feuer wurde direkt unter der Destillierblase, die zwischen Steinen aufgestellt wurde, angezündet. Die parfümierten Dämpfe wurden in einem konischen Hut über der Blase aufgefangen. In feinen Rohren kühlte sich der Dampf wieder ab und kondensierte als Ätherisches Öl.

Lavendelhecke-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDas Pflücken und Transportieren des Lavendels  an den steinigen Hängen war harte Arbeit. Aus diesem Grund begann man den Lavendel in Dorfnähe auf Feldern in den charakteristischen langen Reihen anzubauen. Nach und nach verdrängte der kultivierte Anbau das Pflücken des wilden Lavendels. In den Höhen wurde der wilde Berglavendel immer stärker vernachlässigt, so eroberten Sträucher und Kiefern diesen Raum und zwangen den wilden Lavendel teilweise zum Rückzug.

Lavandin

Der Lavandin, eine natürliche Hybride (Eine Kreuzung zwischen Eltern zwei verschiedenen Arten bzw. Unterarten) des wilden Lavendels aus den Hochlagen mit dem Speiklavendels (Lavandula spica) aus den Niederungen, war schon immer in den mittleren Höhenlagen zu finden. Der Lavandin ist robuster als meine Vorfahren, aber sein weniger feines Öl wurde von den Parfümherstellern nicht so hoch geschätzt. Dies änderte sich jedoch mit der Erfindung der Waschmaschine. In den 1930er Jahren suchten die Waschmittelhersteller nach einem Mittel um den Geruch des übel riechenden Waschpulvers zu überdecken.  Sowohl die ätherischen Öle des wilden Lavendels, als auch die des Speiklavendels hätten sich geeignet, aber die mageren Ernten hätten niemals dafür gelangt. So kam ein Händler aus der Nähe des Mont Ventoux  auf die Idee die Blüten des Lavandins zu destillieren.

Der Anbau dieser Sorte, die neben ihrem hohen Ertrag gut auf Böden in tieferen Lagen gedeiht, erlebte ab den 50iger Jahren einen Aufschwung. Heute hat der Lavandin, zu Unrecht Lavendel genannt, seinen festen Platz in der Provence gefunden. Er färbt weite Felder in tiefes Violett. Der echte Lavendel ist in hohen Lagen verblieben.

Die duftende Seele des Lavendels

Auch wenn sich die Destillationsmethoden im Laufe der Zeit sehr verändert haben und auf hohen Ertrag getrimmt wurden, meine Blüten zu destillieren heißt, ihre Seele einzufangen.

Die Ernte findet zirka von Anfang Juli bis Mitte August statt. Wenn mehr als die Hälfte der Blüten geöffnet ist, ist der Ölgehalt am Höchsten. Mit der Schneidemaschine werden Bündel von blühenden Stängeln abgeschnitten. Diese Bündel werden getrocknet, dabei ändert sich die Farbe, sie geht von malvenfarbig ins gräuliche

Die Destillation ist ein mechanisches Verfahren der Ölgewinnung bei Duftpflanzen. Einem Druckbottich, der mit Blüten oder Lavendelbündeln gefüllt ist, wird unter Druck Wasserdampf zugeführt. Hitze und Druck zusammen lassen die kleinen Ölbehältnisse in den Pflanzen platzen und der Wasserdampf leitet die Ölmoleküle aus dem Bottich über den Schwanenhals des Alambics. Die Mischung aus Wasserdampf und ätherischem Öl wird über eine Rohrschlange, ein langes Kupferrohr, das in kaltes Wasser getaucht ist, abgekühlt und ergießt sich in einen Behälter. Hier trennen sich Öl und Wasser aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichte auf natürliche Weise. Das leichtere Öl schwimmt oben und kann dann abgefüllt werden.

Bei der Destillation wird aus 200 kg echtem Lavendel weniger als 2 Liter  duftendes Öl destilliert.

Das verwendete Wasser wird nun zum Hydrolat oder Blütenwasser und enthält noch einen kleinen Anteil Restöl und die wasserlöslichen Wirkstoffe der Pflanze.

Lavendel-21-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bzw. andere Lavendelarten gediehen ursprünglich nur in trockenen und sonnigen Ländern. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurden wir von  Botanikern und Gärtnern bis in Länder gebracht, deren Klima uns nicht wirklich angenehm war. Wir passten uns aber immer wieder an und so kam es dazu, dass England heute als Wiege des Gartenlavendels gilt.

Ich  gehöre zu den Lippenblütlern, wie Thymian, Rosmarin, Ysop und viele andere Gewürzpflanzen und blühe je nach Höhenlage ab Ende Juni bis in den August. Mein ährenförmiger Blütenstand ist kurz und  trägt viele winzige Blüten. Die Farbe schattiert zwischen blassblau und violett und manchmal auch in malve. Mein  ätherisches Öl verbirgt sich in den Zellen der Blütenkelche,  die von mikroskopisch kleinen feinen Härchen ummantelt sind. Meine Blätter sind schmal und länglich.

Königin Victoria aus dem 19. Jahrhundert war eine begeisterte Anhängerin von mir und damit bemühten sich auch die Untertanen diesen Duft zu verströmen. Der English Lavender war geboren. Henrietta Maria, die Gemahlin von König Charles I, brachte Kosmetika vom europäischen Festland an den englischen Hof und damit die Idee, Seife mit meinem Öl zu parfümieren, Duftpotpourris herzustellen und zum Waschen und Baden  Lavendelwasser zu benutzen. Lavendelverkäuferinnen wurden Teil des englischen Straßenbildes und sie forderten einen hohen Preis für ihre Ware. Anscheinend wurden die Damen viktorianischer Zeit niemals des Lavendelduftes überdrüssig. Doch gerade diese besondere Vorliebe trug zum Niedergang dieser Popularität im beginnenden 20. Jahrhundert bei. Man begann ihn als Duft alter Damen zu betrachten. Das änderte sich wieder mit der Einführung der Naturkosmetikprodukte. Hier spiele ich  aufgrund meiner desinifizierenden und pflegenden Eigenschaften eine große Rolle.

Meine Inhaltsstoffe

Ich bin eine wissenschaftliche sehr gut erforschte Heilpflanze. Bis heute hat man etwa 200 verschiedene Inhaltsstoffe entdeckt, und es sieht so aus, als wenn noch weitere entdeckt werden könnten.

Doch Lavendel ist nicht gleich Lavendel. Unsere wirksamen Bestandteile variieren je nach Sorte, Anbaugebiet, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren.

Zu den Inhaltsstoffen meiner Blüten gehören das ätherische Lavendelöl, Cumarine, Flavonoide und Gerbstoffe. Mein Tee ist in der Regel gut verträglich. Die Einnahme meines Ätherischen Öls kann zu Aufstoßen, Übelkeit und allergischen Hautreaktionen führen. Kapseln werden aber sehr empfohlen bei innerer Unruhe, Nervosität und Angstzuständen.

Man versuchte mit mir in alten Zeiten z.B. auch die Ansteckung bei Seuchen zu verhindern. Besonders während der großen Pest von 1665 in London. Zur Desinfizierung der Räume wurde mit mir geräuchert.

Die römischen Soldaten waren von meiner Heilkraft so überzeugt, dass sie mich zur Behandlung von Kriegsverletzungen mit auf ihre Feldzüge nahmen. Im 16. Jahrhundert war Königin Elisabeth I. von England eine überzeugte Anhängerin von mir. Sie trank große Tassen Lavendeltee  gegen ihre häufige Migräne.

Die Anekdote „Der Essig der vier Diebe“  erzählt von 4 Ganoven, die bewusst Pestkranke überfielen, ohne sich dabei vor Ansteckung zu fürchten. Sie verrieten, dass sie ihre Körper mit einer Mixtur auf der Basis von Gewürzpflanzen, wie Lavendel, Rosmarin, Wermut Salbei, Minze und Raute einrieben. Auch Handschuhmacher, die ihre Waren mit Lavendel parfümierten sollen zu Zeiten der Cholera vor dieser Krankheit geschützt gewesen sein.

Jüngere Studien zur meiner Wirksamkeit bestätigen die traditionellen Anwendungen.  Ich wirke antiseptisch, wundheilend, entzündungshemmend, antirheumatisch, entgiftend, Insekten abweisend, beruhigend, Schlaf fördernd… Ich bin völlig unschädlich, die äußere Anwendung birgt kein bekanntes Risiko.

Ein Aufguss aus meinen Blüten,  Melisseblättchen und Majoran ist ideal nach der Mahlzeit, denn er wirkt verdauungsfördernd. Jeweils 1 TL pro Pflanze nehmen und das Ganze 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

Mein ätherisches Öl ist auch das Antistress-Öl schlecht hin: Einige Tropfen der Essenz des wilden Lavendels im Bereich der Handgelenkinnenseite einmassieren und die entspannende Wirkung genießen!

Ein entspannendes Massageöl kann auf der Grundlage von Mandel-, Sonnenblumen- oder Olivenöl hergestellt werden. Dafür je 5-10  ml Basisöl  2-3 Tropfen ätherisches Öl anwenden.

Lavendel in der Schönheitspflege

In der Welt der Schönheitspflege bin ich Synonym für Reinheit, Frische und Sonnenlicht und wirke belebend und erheitere die Sinne. Lavendelwasser reinigt die Haut, kann gut als erfrischendes Tonic verwendet werden und man kann mit Lavendelessig kleine Hautunreinheiten behandeln. Eine Spülung mit Lavendelwasser gibt Glanz ins das Haar.

Lavendel in der Küche

Lavendelkekse-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten sollten vorsichtig wie ein Gewürzkraut in der Küche verwendet werden, da ich ansonsten Gerichte mit mir sehr dominant schmecken. In getrockneter Form ist  die Blüte für alle Gerichte geeignet,  aber im Sommer sollte man nicht auf frisch geschnittene Blüten von mir verzichten. Meine Aromen können auf vielfältige Weise eingefangen werden.

Zum Beispiel kann man die Blüten einige Minuten in heißer Milch oder Sahne ziehen lassen. Nach 3 Minuten das erste Mal kosten, danach abseihen und weiter verwenden.

Man kann meine Blüten auch direkt als Würzmittel einsetzen. Bei Fleisch (z.B. Lamm, Kaninchen oder Hühnchen) fügt man meine Blüten beim Ablöschen dazu und kompensiert den süßen Geschmack z.B. mit etwas Essig.

Für sommerliche Grillgerichte passt eine Mischung aus 4/5 Thymianblüten und 1/5 Lavendelblüten, die noch mit Olivenöl und Zitronenzesten vervollständigt werden kann.

Hier noch zwei Rezepte mit mir:

Ofenkartoffeln mit Lavendel und Rosmarin

800 g kleine Kartoffeln, 2 EL Rapsöl, 1 TL Lavendelblüten, 1 EL frische Rosmarinnadeln, 1 TL grobes Meersalz, 1 Knoblauchzehe, nach Geschmack Parmesanhobel

Die Kartoffeln waschen, ev. bürsten und halbieren oder vierteln. Die Rosmarinnadeln etwas kleiner hacken, den Knoblauch zerkleinern und in einer Schüssel zusammen mit dem Öl, dem Meersalz und den Lavendelblüten verrühren. Die Kartoffeln untermischen und dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei zirka 190 Grad Umluft zirka 30 Minuten garen. In den letzten 5 Minuten nach Geschmack noch Parmesanhobel über die Kartoffel geben.

Gorgonzola-Creme mit Lavendel

50 g Walnuss- oder andere Nusskerne, 3 Stängel Thymian, 150 g cremiger Gorgonzola, 2 EL saure Sahne, 1 TL Lavendelhonig (ersatzweise ein anderer flüssiger Honig), 1/2 TL getrocknete Lavendelblüten.

Die Walnusskerne grob hacken. Thymian waschen, trocken tupfen und die Blättchen von den Stängeln streifen. Gorgonzola mit saurer Sahne und Lavendelhonig cremig rühren. Mit Walnüssen und Thymian verrühren und mit Lavendelblüten und Thymianblättchen bestreuen.

Zum Abschluss noch 2 weitere Gedichte über mich:

Lavendeltraum

Blau soweit das Auge reicht.

Warme Luft über endlose Felder streicht.

Zart und warm strömt es hervor.

Düfte steigen betäubend empor.

Schwirrende Bienen, summende Hummeln

Sich über den Duftfeldern tummeln.

Mit Pollen und süßem Nektar beladen

Kehren sie heim in ihren Schragen.

Blütensammler kommen mittags daher,

Schneiden die blauen Ähren schwer.

Dann trocknen sie in lauer Luft,

Geben unseren Schränken und Laden Duft.

Andere wandern in Gläser hinein,

Übergossen mit viel Alkohol rein.

Sie destillieren in Wärme und Licht,

Geben ab die zarten Öle – welch Gedicht.

Feine Damen trugen das Tüchlein wohl

Benetzt mit den Düften am Busen voll.

Oma kannte es als Lavendel Uralt.

Ich erinnere gerne ihre Gestalt.

Heute schnitt ich die blauen Blüten,

Damit sie mir den Schlaf behüten.

Als zartes Gewürz in Salat oder Tee

Sei mir gegrüßt Lavendelfee.

Ein Allheilmittel bist du nicht,

Aber ich widme dir dies Gedicht.

Ich bitte , bleib uns weiter treu,

Damit sich stets an dir das Herz erfreu.

Heidemarie Opfinger

Lavendel

Berauschen könnt ich mich

an dir du schönes Lila!

Wer auch so denkt

und fühlt wie ich

der weiss jetzt

sicherlich

wovon ich hier

so schwärm und sprich!

Ja natürlich, gut erkannt

kommt alle her und angerannt

um euch jetzt zu berauschen…

am duftend lilaschön Lavendel!!!

Bruni Rentzing

KW 23: Linde

Linde-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBevor ich mich hier genauer vorstelle ist als erstes zu klären, bin ich eine Sommer- oder eine Winterlinde? – Denn hier in Deutschland sind wie beide heimisch. Wie unterscheiden wir uns?

Wir Sommerlinden (lat. Tilia platyphyllos)  haben größere Blätter als unsere Schwestern, die Winterlinden (lat. Tilia cordata), allerdings nicht so reichhaltige Blütenstände. Ich blühe zirka 14 Tage früher, als die Winterlinde. Wir beide sind sommergrün und haben wechselständige, meist herzförmige und gesägte Blätter. Wir Sommerlinden haben nicht nur etwas größere Blätter sondern an der Unterseite kleine weißliche Haarbüschel im Innenwinkel der Blattnerven. Die Blätter der Winterlinde sind meist etwas dunkler grün und besitzen an der Unterseite ein kleines Büschel rotbrauner Haare. Unsere grünlichen Blüten stehen in Trugdolden und besitzen ein zungenförmiges, hellgrünes Fruchtblatt, das später als Flugorgan für die Samen dient. Lindenbl Tter1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAus den Blüten entstehen kleine einsamige Nüsschen. Wir Linden können sehr alt werden, vermutlich 1000 Jahre und älter und eine Größe von bis zu 40 m erreichen. “Die Linde kommt 300 Jahre, steht 300 Jahre und vergeht 300 Jahre“ ist ein alter Spruch. Wir Sommerlinden blühen von Juni bis Juli, die Winterlinden fangen, wie schon erwähnt, zirka 2 Wochen später an Blüten zu bilden und unsere Blüten sind prima Bienenweiden. So summt und brummt es zu dieser Zeit in unseren Kronen. Imker nennen uns deswegen auch gern Trachtbäume.

Aufgrund unserer weichen, biegsamen Rinde erhielten wir unseren Namen, denn indogermanisch bedeutet „lentos, lint“ biegsam und weich. Sie wurde als Bast verwendet. Der Arzt Lonitzer sagte im 16. Jahrhundert: „Die Linde hat den Namen von der Lindigkeit“, denn die Menschen fanden alles an der Linde mild, weich, eben lind.

Lindenbl Tter2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWir Linden waren seit jeher fester Bestandteil des sozialen Lebens der Menschen. Wir waren Friedens-, Treue-, Gerechtigkeitssymbol und Schwurbaum und gelten als heilige Bäume sowie als Symbol für Gastfreundschaft. Als Baum der Freija (aufgrund der herzförmigen Blätter) wurde uns Linden nachgesagt, wir könnten die Wahrheit ans Licht bringen. Deshalb wurden unter unserer Krone lange Zeit Gerichtsverhandlungen abgehalten. Die dort gesprochenen Urteile galten oft als unanfechtbar und wurden mit dem Spruch „judicum sub tilia“ urkundlich bezeichnet. Unser Name lockt zur Einkehr bei der Lindenwirtin und als Name für eine populäre Fernsehserie „Lindenstraße“ In unzähligen Orts- und Straßennamen von Lindau bis Lindenberg ist unser Name versteckt. Auch zahlreiche Namen, wie z.B. Linda, Gerlinde,  Rosalinde und Belinda, leiten sich von uns Lindenbäumen ab. In Schweden waren Linden als „Schutzbäume“ üblich. Die Namen Linné, Tiliander und Lindelius sind von dem der Linde abgeleitet. Es hieß, dass mit dem Aussterben dieser Familien auch die entsprechenden Hausbäume abstarben. Der Siegfried aus der Nibelungensage konnte ja nur aufgrund der Tatsache ermordet werden, weil ein Lindenblatt während seines Bades in Drachenblut auf seine Schulter fiel und ihn damit an dieser Stelle verwundbar machte.

Wir Linden  gelten als die meist besungene Bäume. Wir zieren viele Bilder und Wappen. Für die Germanen waren wir der Baum der Liebenden, der Fruchtbarkeit und des Wohlstandes. Unser weiches Holz eignet sich gut zum Schnitzen, deshalb schufen Künstler Marienbilder und Heiligenfiguren hieraus.  Lindenzweige über der Tür sollen Schutz bringen, Rinde des Lindenbaumes in der Tasche getragen sollte vor Vergiftungen schützen, und die Blätter und Blüten unter dem Kopfkissen sollten ruhigen, tiefen Schlaf bringen. Im keltischen Baumkreis sind wir dem Zeitraum vom 11. Bis 20.3. und 13. Bis 22.9. zugeordnet.

Ich, als Sommerlinde wurde bereits im Jahr 1991 zum Baum des Jahres gekürt. Meine Schwester, die Winterlinde erst 2016.

Lindenbl Ten-2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksheilkunde werden überwiegend unsere Blüten verwendet. Sie enthalten u.a. Schleim, Flavonoide, ätherisches Öl und Gerbstoffe. Damit sollen sie auf den menschlichen Organismus schweißtreibend, reizlindernd, auswurffördernd, schwach krampflösend, leicht beruhigend und schlaffördernd sowie abwehrsteigernd wirken.

Somit sind unsere Indikationen: Als schweißtreibendes Mittel bei fieberhaften Erkältungen, Husten und zur Steigerung der Abwehrkräft.

Hildegard von Bingen vermerkte über uns nur, dass wir sehr heilsam seien. Maria Treben empfiehlt ein Lindenblüten-Vollbad für Kinder, die unruhig schlafen. Eva Aschenbrenner empfiehlt Lindenblüten auch für einen Kaltwetter-Tee oder ebenfalls für ein Bad. Sebastian Kneipp beschreibt Lindenblütentee ebenfalls als schweißtreibend, schwach krampflösend und leicht fiebersenkend und empfiehlt ihn auch als Inhalationsmittel. Lindenblütentee mit Lindenblütenhonig gesüßt ergibt ein beliebtes Heilmittel bei Kinderhusten.

Tee-Rezept bei Erkältungskrankheiten und trockenem Reizhusten :

1 TL getrocknete Blüten mit 1 Tasse siedenden Wasser überbrühen und abgedeckt 7 Minuten ziehen lassen. Bis zu 5 x täglich eine Tasse möglichst heiß trinken.

Auch für Voll- und Fußbäder geeignet.

Tee-Rezept zur Reizlinderung bei Husten:

1 TL getrocknete Blüten  mit 1 Tasse kaltem Wasser übergießen und abgedeckt 30 Minuten ziehen lassen, 2-3 Tassen täglich schluckweise trinken.

Die Linde in der Küche

Unsere jungen Lindenblätter sind im Frühjahr besonders zart und eignen sich daher für verschiedene Gerichte. Salate, Suppen, Aufläufe. Die Blättchen beinhalten Schleimstoffe, die gut bindende Eigenschaften, z.B. in der Suppe, aufweisen. Später werden die Blätter derber. Dann ist es ratsam sie zu trocknen und fein zu mahlen. Im 2. Weltkrieg soll eine Mischung aus Gerstenmehl und zu Pulver zerstoßenen Lindenblättern als „reine verte“ (Grüne Königin) verwendet worden sein.

Käse-Lindenblätter-Röllchen

Zutaten:  200 g Goudakäse in Scheiben 20 junge Lindenblätter, Tomatenmark, 4 EL Distel- oder Walnussöl, 2 EL Apfelessig, Vital-Kräutersalz, etwas Mönchspfeffer und 1 Prise Zucker

Die Käsescheiben dünn mit Tomatenmark bestreichen. Lindenblätter auflegen und aufrollen. Diese in Röllchen schneiden und jeweils mit einem Zahnstocher feststecken. Aus den restlichen Zutaten eine Marinade rühren. Die fertigen Röllchen auf Lindenblätter legen mit der Marinade beträufeln.

Lindenblüten-Honig

1 Tasse Lindenblüten in ein Glas flüssigen Honig geben und gut verrühren. Bereits nach 24 Stunden hat der Honig dieses leckere Aroma angenommen!

Lindenblüten für die Schönheit

Dass Lindenblütentee schweißtreibend wirkt ist vielen Menschen bekannt. Interessanterweise verhindert ein Bestandteil des ätherischen Öls der Lindenblüten, das Farnesol, aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung, dass Körperschweiß unangenehm riecht. Aus diesem Grund ist dieser Wirkstoff in vielen Deodorants enthalten.

Linden – Pflege und Schönheit für die Augen

Schon Hildegard von Bingen empfiehlt zum Schlafen frische Lindenblätter auf die Augen zu legen, um sie zu klären und zu reinigen.

Lindenblütenwasser zur Gesichtspflege wird wie Tee hergestellt. Hierzu kann man einfach den Rest aus der Kanne nutzen. Mit Rosenwasser vermischt wirkt es noch harmonisierender und kann wie ein Tonic verwendet werden. Mit etwas Alkohol versehen, verlängert sich die Haltbarkeit. Eingefüllt in eine kleine Sprühflasche kann es gerade im Sommer leicht gekühlt die Haut erfrischen. Das kann auch angespannte und gereizte Gesichtshaut leicht beruhigen.

Auch als letzte Spülung nach der Haarwäsche macht dieser Tee die Haare geschmeidig und entspannt die Kopfhaut.

Die kühlende Wirkung der Linde kann auch das Brennen von erhitzter Haut nach zu viel Sonne lindern. Hier können Umschläge mit kaltem Lindenblütentee ausgesprochen wohltuend wirken.

Ein Spruch zur Linde »Hat die Linde starken Duft, dann liegt Regen in der Luft!«

Gedicht von J.Fr. von Eichendorff:

Bei einer Linde

Seh’ ich dich wieder, du geliebter Baum,

In dessen junge Triebe

Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum

Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?

Wie anders ist seitdem der Äste Bug,

Verwachsen und verschwunden

Im härt’ren Stamm der vielgeliebte Zug,

Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!

Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du,

Und nichts an mir wollt’ weilen,

Doch meine Wunde wuchs – und wuchs nicht zu,

Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.

KW 22: Margerite

Margeritenfeld-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWenn man mich lässt, mache ich meinem Namen alle Ehre: „Wucherblume“! Auf Wiesen, die regelmäßig gemäht werden breite ich mich nämlich teppichartig aus. Ich mag Waldwiesen, Halbtrockenrasen und nährstoffarme Böden.

Die Farbe meiner den Blütenkopf umgebenden Blütenblättchen gab mir den lateinischen Namen: Leucanthemum. Dieser leitet sich von den griechischen Wörtern „leukos“ weiß und „anthemon“ Blüte ab. Der Zusatz „vulgare“ ist im Sinne von gemein zu verstehen und weist darauf hin, dass ich in ganz Mitteleuropa am weitesten verbreitet bin.

Der Name Margerite geht zurück auf lat. margarīta ‘Perle’, aus gleichbedeutend griechisch margarī́tēs, einem orientalischen Lehnwort.

Ich gehöre zur Familie der Korbblütengewächse, wie auch die Kamille oder das Gänseblümchen. Wir ähneln uns äußerlich sehr, unterscheiden uns jedoch in der Größe. Wir sind klassische Orakelblumen: Die Blütenblätter werden eins nach dem anderen abgezupft, um die ewige Frage zu beantworten: “Er liebt mich, er liebt mich nicht…“

Margerite-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ausdauernd, d.h. ich wachse jedes Jahr wieder aus meiner Wurzel. Meine Blütenkörbchen stehen einzeln am Ende des Stängels oder an den selten vorhandenen Ästen. Meine Blüten habeneinen Durchmesser von 3-5 cm.  Meine Stängelblätter sind schmal eiförmig bis lineal, grob gezähnt, die obersten aber fast ganzrandig. Ich blühe von Mai bis Oktober werde bis 90 cm hoch.

Zum Johannistag (Sommersonnenwende) spielte ich früher neben anderen Johanniskräutern, wie z.B. Arnika, Beifuss, Eisenkraut, Königskerze… eine Rolle. Der Johannistag  galt als “Tag der Heilkräfte”, an man die “Johanniskräuter”  sammelte und damit einen Johannisstrauß band, in dessen Mitte unbedingt die Königskerze gehörte. Diese Johannissträuße oder auch –kränze wurden u.a. auch vor das Haus gehängt, um vor bösen Geistern und Dämonen zu beschützen.

Früher gehörte ich zusätzlich auch in den Kräuterbuschen, der an Maria Himmelfahrt (15.08.) gebunden und anschließend gesegnet wurde. In den alten Bauernstuben wurde dieser Kräuterbusch in den Herrgottswinkel gehängt. War er dann schön trocken, zupfte man einige Kräuter ab, zerrieb sie, vermischte sie eventuell mit Weihrauch und verräucherte sie.

Übrigens soll ein Margeritenstrauß im Haus Harmonie, Klarheit und Freude schaffen. Unsere Blüten unters Kopfkissen gelegt sollen das Unheil fernhalten. Unter Freunden ist ein Margeritenstrauß ein schöner Gruß, denn ich stehe für Natürlichkeit und unverfälschtes Glück. Unter Liebenden sollte ich aber nicht verschenkt werden – hier hinterfrage ich die Gefühle des anderen.

Im alten Griechenland war ich der Göttin Aphrodite geweiht, im Christentum der Jungfrau Maria, deren Tränen ich symbolisieren sollte.

Margerite-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMargerite – ist auch ein ausgesprochen seltener Vorname für Mädchen. Zumindest in Deutschland wird der Name Margerite nur sehr selten vergeben.  Die französische Form des Vornamens Margarete ist Marguerite und bedeutet so viel wie die “Edle” oder die “Elegante” oder auch die “Blühende”.

Wir Margeriten sind auch beliebte Zierpflanzen, werden als Garten- oder Kübelpflanzen geschätzt, aber auch als Schnittblumen verkauft. Heute werden gezüchtete Verwandte von mir nicht nur in unterschiedlichsten Farben (gelb, rosa, rot, violett), sondern auch in gefüllter Form in den Gartenfachmärkten unter dem Sammelbegriff Strauchmargeriten angeboten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gaben wir den Margeritentagen ihren Namen. Sie wurden von Vereinigungen organisiert, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die Kinderkrankenpflege in den örtlichen Krankenhäusern zu verbessern. Die Margerite wurde dabei gewählt, weil sie symbolisch als „weiße Blume der Barmherzigkeit“ galt.

An diesen Tagen wurden die Straßen mit uns festlich geschmückt und zu wohltätigen Zwecken wurden Kunstblumen in Form von Margeriten verkauft. Solche Blumentage (z.B. auch der Kornblumen- oder Heckenrosentag) fanden in verschiedenen deutschen Städten in den Jahren ab 1910 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs statt.

Meine Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Harze, Tannine und meine Heilwirkung: krampflösend und beruhigend, insbesondere auf gereizte Schleimhäute. Ich werde wenig verwendet, obwohl ich als Krampflöser bei Darmkoliken und Menstruationsbeschwerden nützlich sein kann. Ebenso wirke ich wohl beruhigend bei Husten und Asthma. Kräutertees von mir sollen harn- und schweißtreibend wirken.

Margeriten-mit-Schmetterling-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Bachblütenessenz wird zur Aufhellung der Stimmung empfohlen.

In der Küche

Die gezupften weißen Strahlenblüten dienen als essbare Dekoration für würzige Aufstriche, Salate oder Suppen. Meine Blütenknospen können als Antipasti in Würzöl oder in Essig als Kapernersatz eingelegt werden. Meine jungen Blätter sind roh essbar. Sie können für Salate aber auch für Gemüsegerichte , wie z.B. mit Spinat  genutzt werden. Essbar soll auch meine Wurzel, sein, ihr Geschmack erinnert wohl an den von Steckrüben.

Rezept für einen exotischen Fruchtsalat mit bunten Blüten (u.a. auch Margerite)

1 Papaya, 1 Mango, 1 kleine Ananas oder Melone, 2-3 Nektarinen oder Pfirsiche, 1 kleine Handvoll bunte Blüten, ½ Tasse Apfel- oder Orangensaft, Zitronenverbene- oder Blütenzucker nach Geschmack.

Die Früchte schälen, putzen und in kleine Stückchen schneiden. Alles vermischen. Den Apfel- oder Orangensaft nach Geschmack mit Zitronenverbene- oder Blütenzucker süßen, über das Obst gießen und zirka ½ Stunde ziehen lassen. In der Zwischenzeit die bunten Blütenblätter vom Stiel zupfen und vor dem Servieren über den Salat streuen.

Anmerkung:

Ich bin nicht giftig, aber fast alle meine Pflanzenteile können bei Berührung mit der Haut von empfindlichen Personen Kontaktallergien auslösen.

Ein schöner Spruch zur Margerite:

Oft braucht es nur einen Sonnenstrahl, um das Dunkel zu erhellen

Auch diese Margeriten hier am Wegesrand, sie klingen wie eine Melodie

Und schon schwingt die Seele in schöner Harmonie.

Ein Gedicht von Franz Christian Hörschläger:

Kennst du das Spiel der Margerite,

das Spiel der Liebe, kennst du das?

Dabei nimmst du ihr Blüt’ um Blüte,

du quälst sie aber nicht zum Spaß.

“Sie liebt mich”, ach “Sie liebt mich nicht”,

bedeuten wohl im Fallen

die weißen Boten, stilles Glück

den frisch Verliebten mitzuteilen.

Wie es um ihre Lieb’ bestellt,

liegt nicht an einem fernen Stern,

es zeigt sich, wenn das letzte fällt…

Ei, sieh’, sie hat mich wirklich gern !

KW 21: Hundsrose

Hundsrose-Busch-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Schaut her, blühe ich nicht in einem schönen zarte Rosa? – Wer ich bin? – Nun mein Name weißt so gar nicht auf meine so hübschen Blumen hin: Hunds-Rose (Rosa canina), vielfach auch nur einfach Hundsrose, Hagrose oder Heckenrose. Ich bin mit Abstand die häufigste wild wachsende Rosenart in Mitteleuropa.

„Canina“ heißt so viel wie hundsgemein, deshalb hat mein Volksname „Hundsrose“ nichts mit Hunden zu tun, sondern bedeutet, dass man mich überall finden kann, da ich weit verbreitet bin.

Weshalb beschäftigen sich denn Botaniker so intensiv mit uns Wildrosen?

Wer typische Wildrosen, wie mich, aber auch meine Schwestern, wie z.B. die Wein-  und Bibernellrosen, aufmerksam anschaut, findet bei uns sehr verschiedene Blütenfarben. Neben Sträuchern, die rein weiß blühen, findet man zartrosa oder kräftig rosa blühende, ja gelegentlich fast rotblühende Sorten. Nicht nur das deutet darauf hin, dass es verschiedene Arten gibt, auch bei unseren Früchten, den Hagebutten lassen sich auffällige Unterschiede beobachten: Sie können kahl und glatt sein oder feine Borsten besitzen. Weitere wichtige Unterschiede: Die Behaarung der Blätter, der innere Aufbau der Hagebutten, die Wuchsform der Sträucher, die Stachelform und vieles mehr. Seit dem 19. Jahrhundert wurden diese Merkmale von Botanikern studiert und dabei allmählich erkannt, welche davon erblich sind.

Der Begriff Wildrosen kommt aus der Rosenzucht und bezeichnet eine Rosenklasse der nicht gekreuzten Formen der Gattung Rosen(Rosa). Wildrosen sind grundsätzlich Sträucher mit ungefüllten Blüten mit fünf Kronblätttern (Petalen).

Schaut man aus der Nähe in eine unserer Wildrosenblüten hinein…

Rosenbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche…so fallen in der Mitte der Blüte die zahlreichen gelben Staubblätter auf. Sie locken Insekten an, die den eiweißreichen Blütenstaub (Pollen) schätzen. Wir Wildrosen sind in dieser Hinsicht für die Insekten nützlicher als die gefüllten, edlen und stolzen Gartenrosen. Dort wurden durch Genveränderungen die Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt. Was die Züchter da hätscheln und pflegen, sind eigentlich Abnormitäten, allerdings sehr dekorative – wie auch ich zugeben muss.

Rosenbusch1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, also die Hundsrose, wachse als aufrechter, lockerer Strauch und bilde lange, bogig überhängende Äste und Zweige. Ich bin schnellwüchsig und werde meistens breiter als hoch (2-3 m). Meine Waffen, die Stacheln haben eine breite, herablaufende Basis und sind kräftig ausgebildet.

Meine Blätter sind siebenzählig gefiedert, von frischer, grüner Farbe und glänzend, allerdings auch derb und fest. Meine Blattstiele sind unbehaart,  aber oft mit Stieldrüsen und sicherförmigen Stacheln versehen. Meine  Fiederblättchen (Nebenblättchen, typisch für Rosengewächse) sind sehr variabel.

Rosenbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten stehen meinst einzeln, aber dafür zahlreich an den Sträuchern. Die einzelnen Blüten sind nur allerdings nur wenige Tage geöffnet. Der Durchmesser der Blüten beträgt meist 3,5 bis 4,5 cm. Der Blütenstiel ist ein bis zwei, selten bis drei cm lang. Nach der Blüte schlage ich meine Kelchblätter zurück und lasse sie fallen, so dass sie zur Fruchtreife nicht mehr da sind. Meine fünf Kronblätter sind hellrosa, selten weiß oder kräftig rosa.

Meine Früchte, die Hagebutten sind von der Gestalt sehr variabel, am häufigsten sind sie länglich- bis eiförmig.  Zur Reife sind sie rot und hart, häufig sind sie auch im Frühling noch am Strauch zu finden.

Wo bin ich zu finden? Ich wachse an Straßen- und Wegrändern, auf Weiden, in Hohlwegen, in Gebüschen, Waldsäumen, lichten Wäldern und am Strand. Ich gehöre zu den Pioniergehölzen und steige in den Alpen bis etwa 1500 m Höhe.

Als Zierstrauch habe ich leider keine Bedeutung. Für Rosenschulen bin ich  allerdings die wichtigste Rosenunterlage zur Veredelung von Rosen. Meine Hagebutten werden vielfältig verwendet, so auch für Tees, Hagebuttenmarmelade und für die Herstellung von Hagebuttenwein.

Hagebutten, wurden auch in alten Volksliedern besungen, wie z.B. “Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um… und “Sah ein Knab ein Röslein steh‘n”.

Wir einheimischen Wildrosenarten sind wichtige Futterpflanzen für über 100 Kleinlebewesen, wie Dutzende Kleinschmetterlinge und einigen Wildbienenarten. Auch für Vögeln sind wir ein beliebter Futterstrauch.

Ein berühmtes und sehr altes Exemplar von meiner Sorte ist der so genannte Tausendjährige Rosenstock in Hildesheim.

Allgemeines über uns Rosen:

Keine andere Blume ist so reich an Symbolik, wie wir Rosen. In den verschiedensten Religionen finden wir Bedeutung. Wir verkörpern das Leben, das Werden und Vergehen, sind Zeichen für Schönheit und Liebe. Im Altertum waren wir Sinnbild der Liebe und jugendlicher Schönheit. Aphrodite soll die Rose aus dem Blute des Adonis geschaffen haben. Auch die Römer verehrten die Rose.
Im christlichen Glauben spielen wir ebenfalls eine wichtige Rolle (z.B. beim Rosenkranz). Das Rot der Rose war auch ein Zeichen für Blut, daher entwickelte sich eine Doppelbedeutung der Rose, nämlich einerseits als Symbol für Liebe und Schönheit, andererseits als Zeichen für Verletzung und Tod.
Im alten Aberglauben schützen unsere dornigen Zweige und unsere Hagebutten vor Zauberei. Der Genuss von 3 Hagebutten am Weihnachtsabend, am Silvesterabend und am Neujahrstag soll gegen Unfälle und Krankheiten im neuen Jahr schützen.
Außerdem soll eine Wildrosenhecke ums Haus auch für einen ruhigen Schlaf sorgen, wie der Name Schlafdorn dies auch ausdrückt.  Auch im Märchen “Dornröschen” handelt es sich  um die Schlaf bringende Wirkung von uns Wildrosen. Den Namen Friggadorn (Friggas Dorn) erhielten die Wildrosen von Frigga (Odins Gemahlin und Göttin der Fruchtbarkeit und mütterlichen Liebe). Wir Wildrosen spielten früher auch eine wichtige Rolle bei Ritualen rund um die Geburt eines Kindes (Vergraben von Nabelschnur oder Nachgeburt unter einem Wildrosenstrauch): Die schöne  Farbe unserer Roseblüten soll sich dadurch auf das Kind übertragen.

Heilkraft

Früher wurden unsere Blätter, Blüten, Früchte und Samen gegen sehr viele Krankheiten eingesetzt. Unser Rosenöl galt schon beinahe als ein Allheilmittel.  Hildegard von Bingen empfahl den regelmäßigen Verzehr von Rosenblättern zur allgemeinen Stärkung von Herz und Psyche. Schon in mittelalterlichen Klöstern war bekannt, dass die Rose eine heilende, keimtötende und Insekten vertreibende Wirkung aufweist.

Die Inhaltsstoffe meiner Früchte: Viel Vitamin A und C, Kohlehydrate, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Pektine. Hagebutten sind auch für die Menschen ein großer Vitamin-C-Träger!

Vor allem durch ihren enormen Vitamin C-Gehalt sollen Hagebuttenzubereitungen eine deutliche Steigerung der Abwehrkräfte bewirken. Und dies ist in heutigen Zeiten ja sehr wichtig!  Vitamin C wird zusammen mit seinen natürlichen Begleitstoffen oft weit besser aufgenommen als der reine, isolierte Wirkstoff.

Rezept für einen Hagebuttentee: 2 Teelöffel zerkleinerte Hagebuttenschalen mit 1/4 Liter Wasser 10 Min. kochen lassen. Durch diese Kochzeit soll der Tee den höchsten Vitamin C-Gehalt erhalten, den er auch beim Stehen lassen über mehrere Stunden noch behalten soll.

Schon die Chinesen und Ägypter waren nicht nur von der Schönheit und vom Duft der Rosen bezaubert. Sie wussten schon um ihre Wirkung auch als Heilpflanze. Karl der Große setzte sie auf das Register für Klostergärten. Nutzt doch uns Rosen viel mehr für Euer Wohlbefinden und Eure Gesundheit. Psychologen haben wohl beobachtet, dass allein der Duft der Rose die Seele fröhlich stimmt, positive Gedanken fördert und die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus stärken kann. Forschungen zeigten, dass Rosenblüten die Vitamine A und C enthalten. Sie sollen beim Abbau stressbedingter Müdigkeit, bei Schultersteife und Schlaflosigkeit, Magenschmerzen und Nervosität helfen. Das Hydrolat (Rosenwasser) ist gut gegen Falten und geschwollene Lider und gut geeignet als Gesichtswasser, vor allem bei empfindlicher Haut.

Meine Petalen (Blütenblätter) können auch wunderbar in der Küche verwendet werden. Allerdings sollte man dann den unteren bitteren Teil entfernen. Konservieren lassen sich meine Blüten in Zucker, Öl oder Butter. Sie lassen sich auch gut kandieren.

Zwei Rezepte für Rosenbutter, einmal süß und einmal salzig:

250 g Süßrahmbutter mit 30-50 g Puderzucker verrühren, 1 EL Rosenwasser unterrühren, von einer Handvoll Duftrosenblätter den bitteren Teil entfernen und danach klein schneiden und unter die Butter heben.

250 g Sauerrahmbutter mit Meersalz, roten Pfefferkörnern, 1 Spritzer Zitronensaft und 1 TL Senf verrühren. Eine Handvoll Duftrosenblätter wie oben behandeln und unter die Butter rühren.

Heinrich Heine schrieb ein schönes Gedicht über die Rose:

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,

Umflattert sie tausendmal,

Ihn selber aber goldig zart

Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?

Das wüßt’ ich gar so gern.

Ist es die singende Nachtigall?

Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;

Ich aber lieb’ euch all?:

Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,

Abendstern und Nachtigall.

Wilhelm Busch, der bekannte Spötter, findet andere Zeilen:

,,Dass keine Rose ohne Dorn,

bringt mich nicht aus dem Häuschen.

Auch sag ich ohne jeden Zorn:

Kein Röslein ohne Läuschen.“

„Und doch hat unser Röschen, das feine,

Allerlei Kleine

Grillen und Räupchen

Unter dem zierlichen Häubchen”

Ein arabisches Sprichwort:

Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,

sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt”

Und ein Gedicht über die Hagebutten von Gabriela Bredehorn:

Die Heckenrose spendet Früchte,

im Scharlachrot am Wiesenrain.

Das weckt die ersten Schlemmersüchte,

der Herbst lädt prompt zur Ernte ein.

Die Nüsschen summen Erntelieder,

das hohe C ist nicht verstimmt.

“Canina” stärkt die matten Glieder,

wenn das Immun sich nicht benimmt.

Danach steht man bald auf der Matte,

dem Hagebüttchen sei der Dank.

Sie schmückt auch Beete und Rabatte,

den Trockenstrauß, ein Leben lang.

Der Herbstwind streut die schönen Düfte,

er ist bestimmt nicht hundsgemein.

Die Vögel kreisen durch die Lüfte,

im schönsten Hagebuttenschein.

KW20 Klatschmohn

DSC03444II1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheGefällt Dir mein rotes Leuchten?

Viele Synonyme beziehen sich auf meine klare Blütenfarbe: Blutblume, Feuerblume, Klatschrose, Kornrose und Klatschrosenmohn.

Aus meinen tiefroten Blütenblättern hat man früher rote Tinte hergestellt: Dazu meine Blütenblätter mit Essig übergießen, ein wenig Zitronensaft hinzufügen und für mehrere Stunden in die Sonne stellen.

Der Name  Klatschmohn kommt wohl daher, weil früher die Kinder meine Blütenblätter gern geklatscht haben.

Er liebt mich, er liebt mich nicht: Auch als Liebesorakel diente das Klatschen meiner Blütenblätter: Dafür werden die Mohnblütenblätter zu einem kleinen Ballon zusammengefaltet und auf eine Handfläche gelegt. Mit der anderen Hand klatscht man jetzt auf den Mohnblütenballon. Wenn die Luft laut entweicht, dann ist die Gegenliebe groß, falls es keinen rechten Laut gibt, so ist die Liebe wohl nur einseitig.

Im Französischen hieß der Hahn früher „cocorico“. Da meine Kronblätter genauso rot sind, wie ein Hahnenkamm, nimmt man an, dass mein französische Name  „coquelicot“ so entstanden ist.

DSC03471III-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch heiße lateinisch Papaver rhoeas, gehöre zur Familie der Mohngewächse, bin einjährig mit fiederbuchtigen Blättern. Meine zarten, schwankenden Blütenstiele sind abstehend borstig behaart. Aus meinen nickenden Knospen entwickeln sich die leuchtend roten, flachen Blütenschalen. Wenn sie sich entfalten, scheinen meine Blütenblätter wie aus hauchdünnem, knittrigem Seidenpapier  zu sein. Die einzelne Blüte steht leider nur 1-2 Tage, bevor sie verwelkt. Deshalb lohnt es sich auch nicht meine schönen Blüten für die Vase zu pflücken. Meine Blütenzeit reicht von Mai bis Juli, manchmal auch bis in den August, und ich werde von 20- 90 cm hoch. Somit beginne ich eigentlich bereits im Frühjahr zu blühen – trotzdem gelte ich als einer der auffallenden Sommerbegleiter. Sobald meine Blüten an Feldrändern und in Getreidefeldern blühen, beginnt endgültig die helle und warme Zeit des Jahres.

DSC03445III-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten sind hauptsächlich in den Vormittagsstunden geöffnet, dann kommen mich auch die Insekten fleißig besuchen. Nachmittags fangen sie dann schon an zu verblühen. Aber ich bilde ständig neue Blüten aus und so habe ich Bienen und anderen befruchtenden Insekten stets etwas zu bieten. Ich habe zwar keinen Nektar, aber dafür große Mengen an grünen Pollen.

Es ist sogar eine Bienenart nach mir benannt worden: Die Mohn-Mauerbiene. Sie bevorzugt genau die Umgebung, die ich auch mag und ist zur gleichen Zeit besonders aktiv. Diese Biene gilt inzwischen als vom Aussterben bedroht. Sie nutzt nicht nur meinen Pollen als Nahrung, sondern auch meine Blütenblätter als Kinderstube für Ihren Nachwuchs: Mit Teilen von den Blütenblättern polstert sie ihr Nest aus.

Wie die meisten Ackerkräuter stamme ich ursprünglich nicht aus Mitteleuropa. Ich komme aus dem wärmeren Mittelmeerraum. Mit dem Getreideanbau kam ich dann während der Jungsteinzeit hierher. Heute bin ich auf der ganzen Welt verbreitet.

Mein Lebensrhythmus

ist gut an den des Getreides angepasst, denn ich bin ein so genannter Lichtkeimer und benötige deshalb jedes Jahr immer wieder offene Flächen, wie z.B. bei Getreideäckern. Aus meiner Sicht wurde leider inzwischendie Saatgutreinigung immer besser – so dass immer weniger meiner feinen Mohnsamen mit dem Getreide zusammen ausgesät werden. Außerdem werden die Äcker durch die genutzten Pestizide immer “Unkraut”-ärmer. Die konventionelle Landwirtschaft raubt mir und meinen Mitstreitern (Kornblume, Kamille…) den Lebensraum. Als Blume des Jahre 2017 nehme ich deshalb eine Stellvertreterrolle ein. Ich stehe für zahlreiche bedrohte Ackerwildpflanzen und damit für den Verlust der bunten Vielfalt auf den Feldern.

Da ich gern an Stellen wachse, wo Erde frisch bewegt wurde, säume ich oft in großer Menge neue Straßen und Autobahnen.

Ich bin ein Symbol

für Fruchtbarkeit, Schlaf, Vergessen, Tod und Versuchung. Auch meine antike Symbolik war eher düster: Ich war bei den Griechen der Unterweltsgöttin Persephone geweiht. Der Gott des Schlafes, Hyphnos, wurde gern mit meinen Blüten in der Hand dargestellt. Früher sollte man meine Blüten nicht über die Hausschwelle hineinbringen, dann sollte ich der Liebe Unglück bringen.

Im englischsprachigen Raum trägt man mich als Boutonniére am Revers, um an die gefallenen Soldaten zu erinnern. Der Ursprung ist das Gedicht „In Flanders Fields“, indem meine roten Blüten an das vergossene Blut der Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnert. Gleichzeitig entsteht die Hoffnung, dass das Leben weitergeht.

Da ich in meinen Blüten zwar winzige Samenkörner, die aber in großer Zahl (2.000-5.000) produziere, gelte ich auch als Fruchtbarkeitssymbol. So war ich auch der Muttergöttin Demeter geweiht. Brautpaare wurden daher auch mit viel Mohn überschüttet, damit der Kindersegen groß wurde.

Meine wichtigen Inhaltsstoffe: Rhoeadin und andere, jedoch wenig gefährliche Alkaloide, ein roter Farbstoff, organische Säuren, Gerbstoffe, Saponine, Bitterstoffe.

Meine Wirkungsweise: schleimlösend, hustenstillend, beruhigend und schmerzlindernd. In der Schulmedizin werde ich nicht verwendet.

Klatschmohn4-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksheilkunde dagegen finden ansehen meine Blütenblätter immer noch Anwendung in Form eines Sirups gegen Husten und Unruhezustände kleiner Kinder.

Mein Tee wird gegen Schmerzzustände empfohlen und auch als Schlaftee gepriesen. Die Inhaltsstoffe des Schlafmohns, wie etwa Morphin und Papaverin besitze ich hingegen nicht, deshalb kann man mich auch nur als schwach giftig.

In der Kosmetik

kann man einen Aufguss aus 15 g Kronblättern in einem ½ l Wasser nach dem Erkalten als Gesichtswasser verwenden. Mit Alkohol konserviert kann es auch jeden Tag als erfrischendes Tonic eingesetzt werden. Es erfrischt auch gut bei müden, irritierten  Augen.

In der Küche

setzt man eigentlich nur die Samen meines Bruders, des Schlafmohns,  ein. Sie eignen sich hervorragend zum Backen. Kennst Du Mohnkuchen, Mohnstriezel, Mohnschnecken und Germknödel mit Mohn? Mmh… Auch das Mohnbrötchen gehört für viele auf den Frühstückstisch. Erhältlich sind Blaumohn, Graumohn und Weißmohn. Blaumohn ist der herbe, kräftigere Typ und Graumohn eher zarter und eignet sich deshalb wunderbar für Desserts mit Mohn. Der Weißmohn ist seltener zu finden und soll eher nussig schmecken. Generell enthalten die Mohnsamen viel Calzium, Vitamin B, Aminosäuren sowie Magnesium und Kalium.

Ein passendes Rezept:

Frischkäse mit zweierlei Mohn

250 g Frischkäse, 3 EL Creme fraiche, 1-2 EL Puderzucker, 1 Prise Salz, 2 EL Mohnsaat (möglichst frisch gemörsert), 1 Handvoll Mohnblüten

Alles gut vermengen und zum Schluss die Mohnblütenblätter mit dem Pürierstab unterrühren.

Ein bekannter Verwandter ist der Kalifornische Mohn (Eschscholzia california). Er ist eine zu unserer Familie gehörende Zierpflanze, die aus Amerika kommend, hier eingebürgert wurde. Sie ist die Nationalblume Kaliforniens, wo sie der deutsche Arzt und Botaniker J.F.Eschscholtz erstmalig entdeckte. Sie wird wegen ihrer goldfarbenen Blüte auch „Gold-Poppy“ oder „Goldmohn“ genannt.

Hier noch 3 Gedichte über mich:

Ein Augenblick hat da geglüht

In einer blauen Hügelwelt

Bei einer Amsel Sehnsuchtton

Ein großes, grünes Roggenfeld,

Und drinnen feuerroter Mohn.

Wie ein Laternlein jede Blüt,

Und brennen röter als der Tag.

Ein Augenblick hat da geglüht,

Der lang noch nicht erlöschen mag.

Max Dauthendey (1867-1918)

Mohnblumen

Mit roten Feldmohnblumen

hatt’ ich dein Haar geschmückt,

die roten Blumenblätter

die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen

beim Abendsonnenschein,

und als die Nacht hereinbrach,

da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen

und seh’ die Dunkelheit sprühn,

vor meinen träumenden Augen

purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns (1866 – 1914)

Die Blütenblätter flattern leicht im Wind,

weil sie so zart und empfindsam sind.

Die rauen Stängel trägen ihre Blüten,

so stolz, als wollten sie einen Schatz behüten.

In der Nacht oder bei Regenwetter,

schließen sich die Blütenblätter.

Ich liebe ihn, den roten Mohn,

bin immer wieder fasziniert davon.

Er erfreut uns im Garten, auf der Wiese, am Feld,

nur schade, dass er sich nicht lang hält.

Ich pflücke ihn nicht und lasse ihn stehen,

in der Natur blüht er so wunderschön.

Gudrun Nagel-Wiemer

KW 19: Wiesensalbei

WiesensalbeibuschII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSeht nur her… leuchte ich nicht in einem prächtigen Blau? –

Und wer bin ich? – Richtig, der Wiesensalbei (Salvia pratensis).

Nach meiner Farbe nennt man mich auch Blauer Heinrich, Blauer Storch oder Tintenblume. Ich bin ein Mitglied der Familie der Lippenblütler. Wie man uns erkennt? – Nun, unser Kelch ist glockenförmig (5 miteinander verwachsene Kelchblätter) und unsere Blütenblätter sind verwachsen und bilden die „Lippenblüte“ (2 Ober-, 3 Unterlippen). Wir besitzen 4 Staubblätter (2 kurze und 2 lange). Die Staubblätter und Griffel sind dabei so gelenkig, so dass sie sich beim Einführen eines Rüssels, z.B. einer Hummel, herabkrümmen und den Hinterleib der Bestäuber mit Pollen stempeln (Schlagbaummechanismus). Unser Nektar ist nur langrüsseligen Insekten zugänglich; der Hebelmechanismus kann nur von Hummeln, seltener von anderen Bienen, betätigt werden. Möchte sich jemand diesen raffiniWiesensalbeibl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheerten Mechanismus beim nächsten Spaziergang live anschauen: ein Grashalm genügt. Damit leicht in eine meiner Blüten drücken und schon senken sich die Staubfäden in Erwartung einer bestäubenden Hummel herab.

Die Blüten der Lippenblütler stehen in Quirlen oder Halbquirlen angeordnet, in den Achseln von den so genannten Tragblättern. Unsere Blätter sind immer gegenständig und die Stiele vierkantig. Viele Mitglieder unserer Familie bilden ätherische Öle aus und sind deshalb in der Heilkunde und der Küche sehr beliebt, wie z.B. der Rosmarin, der Thymian und mein großer Bruder, der Garten- oder Gewürzsalbei (Salvia officinalis).

Ich zähle leider nicht zu den Heilkräutern, da mein Gehalt an ätherischen Ölen niedrig ist und bin auch kulinarisch ohne Bedeutung. Das ist sehr bedauerlich. Meine Blütenfarbe ist allerdings ein großer Pluspunkt. Die ausgezupften Blüten bilden eine tolle essbare Deko. Aber auch meine weiteren Salbeibrüder, die als Gartenpflanzen geschätzt werden, wie z.B. der  Steppensalbei (Salvia nemorosa) oder der Silberweiße Salbei (Salvia argentea) werden nicht in der Heilkunde verwendet. Das tröstet doch sehr, ich bin da nicht allein. Wir stehen alle im Schatten unseres großen Bruders, dem Gartensalbei. Als Heilpflanzen gelten neben meinem großen Bruder Salvia officinalis lediglich wenig weitere Salbei-Arten: Der dreilappige Salbei (Salvia triloba) wird ähnlich wie S. officinalis verwendet.

Der aus dem südöstlichen Mittelmeerraum stammende Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) ist aufgrund seines Muskataromas  in der Parfümindustrie und der Aromatherapie von Nutzen. Den Namen bekam er von Winzern, die früher mit seiner Hilfe ihren Rheinwein in hochwertigeren Muskatellerwein verwandelten.

Der Name Salvia unseres  Pflanzenclans wurde von dem lateinischen salvare = heilen abgeleitet.

Wiesensalbeibl TterII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBeschreibung meines Äußeren:  Meine Rosetten- und Stängelblätter sind alle runzlig. Ich bilde einen krautigen, vierkantigen Stängel aus. Die Blüten sitzen zu 4-8 in 6-20 Stockwerken. Sie sind 2-2,5 cm lang und blauviolett, selten hellblau, rosa oder fast weiß. Die Oberlippe ist breit sichelförmig. Meine Früchte sindSpaltfrüchte, die in 4 Klausen zerfallen. Meine Pflanzenhöhe: 30– 60 cm und meine Blütezeit kann von April bis August reichen.

Wo fühle ich mich besonders wohl?  Auf sonnigen Trockenrasen, an Rainen und wie mein Name schon sagt auf Wiesen. Gern findet man mich auch an Böschungen in der Nähe von Wasser, z.B.  an Rheindämmen.

Wiesensalbei-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Wurzeln reichen oft weit über ein Meter tief in die Erde und stellen damit meine Wasserversorgung auch auf trockenen Standorten sicher. Ich liebe die Sonne. Ein Wachsüberzug meiner ledrigen Blätter und die dichte Behaarung minimiert meinen Wasserverbrauch. Auch meine Fähigkeit, aktiv die Blattstellung mit der Wanderung der Sonne im Tagesverlauf zu verändern, um die Sonnenstrahlung optimal nutzen zu können, zeichnet mich aus.

Meine Inhaltsstoffe: Leider nur wenig ätherische Öle und Bitterstoffe (Salvin), außerdem Gerbstoffe und Flavonoide. Die bescheidene Heilwirkung ist antibakteriell, entzündungshemmend und verdauungsfördernd. Wie gesagt, ich habe deshalb leider nur geringe Heilkräfte, die ansonsten ähnlich sind wie beim Arzneisalbei. Trotzdem kann man mich zum Gurgeln bei Hals- und Rachenerkrankungen und als Kompresse auf Wunden verwenden. Schon Maria Treben schätzte mich im Wiesensalbei-Essig, mit dem man über längere Zeit hindurch Bettlägerige wohltuend massieren kann, um damit ein Aufliegen zu verhindern.

Kräuterkundige behandeln nur meinen Bruder, den echten Salbei, den man aber nur in angemessenen Dosen verwenden soll. Schwangere und Kleinkinder sollten auf die Verwendung meines kräftigen Bruders verzichten.

In der Küche:

Mich kann man auch als Küchenkraut verwenden. Ich würze aber viel weniger intensiv als mein starker Bruder, der  Gartensalbei. Meine Pflanzenstängel enthalten einen süßen Saft, was mir den alten Namen „Süßle“ eingebracht hat.

Hier ein passendes Rezept: Wiesensalbei mit neuen Kartoffeln

8-12 Kartoffeln (je nach Größe) waschen, eventuell die Schale mit der Gemüsebürste abreiben, in dicke Scheiben schneiden, 2-3 Süßkartoffeln genauso vorbereiten.
200 g durchwachsener Speck (oder in der vegetarischen Version Rauchtofu), 1  Knoblauchzehe, Olivenöl,  1 EL Kräuter der Provence, Pfeffer, Kräutersalz, eine Hand voll Wiesensalbeiblätter und Blüten

Eine Auflaufform mit Olivenöl auspinseln. Die Kartoffelscheiben mit den klein geschnittenen Salbeiblättern, dem gewürfeltem Speck (Räuchertofu), einem Schuss gutem Olivenöl, dem fein geschnittenen Knoblauch  und den Kräutern der Provence vermischen und in die Form geben.  Mit Pfeffer und Kräutersalz bestreuen.  Die Auflaufform in den auf 230 Grad vorgeheizten Backofen schieben, die Temperatur auf 200 Grad verringern und den Auflauf zirka 20-30 Minuten garen. Falls gewünscht kann  der Auflauf kurz vor Garzeitende mit geraspeltem Bergkäse betreut werden.
Zum Servieren mit Wiesensalbeiblüten überstreuen.
Geschmacksintensiver ist dieser Auflauf mit Salbei aus dem Garten.

Eine Bauernregel besagt: Salbei in gutem Bier und Wein, wird keinem Menschen schädlich sein. (Diese Aussage passt auch toll zum Muskateller-Salbei)

Salbei:” Wohl dem, der dieses gute Kraut, in seinem Garten angebaut. Denn Salbeiblätter Tee und Saft ganz kerngesunde Zähne schafft.”

In alten Kräuterbüchern wird gefragt:

Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?

Ein englisches Sprichwort sagt:

Eat sage in may and you’ll live for aye! (Iss Salbei im Mai und du wirst leben für immer und ewig!)

Blaue Blüten

sind relativ selten in der Natur zu finden und deshalb etwas Besonderes. Die für diesen Farbton verantwortlichen Farbstoffe aus der Gruppe der Anthocyane sollen sich mit der Temperatur verändern. Bei Kühle wirken blaue Blüten reiner und strahlender, bei Hitze nimmt der Rotanteil zu und die Farbe schlägt in Richtung Violett um und verblasst etwas. Die meisten blauen Blumen im Flachland tragen daher eher blauviolette Farbtöne.

Blau soll mit Abstand die beliebteste Farbe der Deutschen sein. Das kühle Blau steht für Freiheit, Ferne und Sehnsucht.  Und in welcher Vielfalt an Farbtönen kann es uns erfreuen! In der Epoche der Romantik galt die blaue Blume als Symbol für das Unerreichbare, einen Ort der Sehnsucht. In Sagen und Gedichten wird sie immer wieder als Motiv aufgegriffen und hat sich wohl nicht zuletzt deshalb in den Köpfen der Menschen als eine seltene Schönheit festgesetzt.

Ein passendes Gedicht vom Schriftsteller Joseph von Eichendorff:

Ich suche die blaue Blume,

Ich suche und finde sie nie,

Mir träumt, dass in der Blume

Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe

Durch Länder, Städt und Au’n,

Ob nirgends in der Runde

Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,

Hab lang gehofft, vertraut,

Doch ach, noch nirgends hab ich

Die blaue Blum geschaut.

KW 18: Sauerampfer

Fr-Sauerampfer2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMein Name ist sehr passend: Sauerampfer, denn ich schmecke sauer. Weitere Bezeichnungen sind: Salatampfer, Sauergras, Sauerknöterich, Säuerling und Sauerklee.

Bei dem Namen Sauerampfer handelt es sich um einen Pleonasmus (Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter, wie z.B. weißer Schimmel), denn das Wort Ampfer leitet sich aus dem Germanischen ab und bedeutet scharf oder sauer. Somit heiße ich eigentlich „Sauer-sauer“, aber das macht ja nichts, denn Sauer macht ja bekanntlich lustig!

Meine lateinische Bezeichnung ist Rumex acetosa und ich gehöre zur Familie der Knöterichgewächse.

Ich bin in Mittel- und Westeuropa zuhause und breite mich schnell und flächendeckend aus. Mittlerweile kann man mich auch in anderen Regionen, wie den USA oder Vorderasien, finden. Am wohlsten fühle ich mich auf nährstoffreichen Wiesen und an Wegesrändern. Deshalb bin ich zurzeit oft zu sehen.

Meine Inhaltstoffe: u. a. Oxalsäure, Gerbstoffe, Vitamin C und Provitamin A.

Die Oxalsäure wurde erstmals 1769 im Sauerklee entdeckt. Diese heimische Pflanze weist einen relativ hohen Gehalt an Oxalsäure auf. Der wissenschaftliche Name Oxalis acetosella geht auf die oxalsauren Salze zurück (griech. oxys = sauer / halis = Salz / acetosellus = säuerlich). Unter der Bezeichnung „Kleesalz (Kaliumhydrogenoxalat)“ ist die Oxalsäure auch bekannt, da sie unter diesem Namen früher  als Fleckentfernungsmittel aber auch als Beiz- und Bleichmittel von Bedeutung war. Außerdem ist Kleesalz das Standartpoliermittel für Marmor.

Oxalsäure ist in höherer Konzentration gesundheitsschädlich, ist aber auch in geringeren Konzentrationen in anderen Lebensmitteln enthalten (z.B. Rhabarber, mit dem ich verwandt bin und in Schwarztee).

Oxalsäure kann mit Kalzium zu Kalziumoxalat reagieren. Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Veranlagung zu Nierensteinen sollten deshalb nur geringe Mengen Oxalsäure zu sich nehmen.

Meine glatten und länglichen Blätter sind abhängig vom Gehalt der Oxalsäure dunkelgrün bis rötlich gefärbt. Je mehr Oxalsäure eingelagert ist, umso rötlicher werden sie.

Wie bei Rhabarber gilt bei mir der 24. Juni als der letzte Erntetag. Ab diesem Datum nimmt die Konzentration der Oxalsäure, die mir den bitterlichen Geschmack verleiht, zu.

Sauerampferblatt-klein-e1588003084326-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Einzelblätter wachsen aus der Blattrosette am langen Stiel und haben charakterische Pfeilspitzen. Damit bin ich gut von anderen Pflanzen zu unterscheiden. Die Stängelblätter  sind dagegen sitzend am Stängel angebracht. Meine Blüten sind unscheinbar grünlich, leicht rot überlaufen und die späteren dreikantigen Früchte dann leuchtend rot.

Ich wirke leider giftig bei Pferden, vor allem aber bei Schafen, aber auch bei Rindern und Kühen.

Da ich als Vertreter der Ampfer-Arten auch in hohem Maß Vitamin C enthalte, war ich in der Vergangenheit auch ein Mittel gegen Skorbut. Diese Krankheit wird durch Vitamin-C-Mangel verursacht.

Deshalb nahmen Seefahrer auf ihren Reisen Sauerampfer als Nahrung zu sich, z.B. eingelegt, im Eintopf oder in der Suppe. Die antiken Griechen und Ägypter und später auch die Europäer des Mittelalters nahmen mich, um fettreiche, schwere Speisen besser zu verdauen zu können. Im Mittelalter hat man mir besonders auf den britischen Inseln eine fiebersenke Wirkung zugesprochen. Außerdem haben früher die auf dem Feld arbeitenden Bauern frische Sauerampferblätter gegen den Durst gegessen.

Sauerampferbl Te-II-klein1-e1588003201136-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksmedizin

nutzte man mich bei Appetitlosigkeit, Harnverhalten, zur Blutreinigung und bei Unterleibsbeschwerden.

“Wer ihn esset, der bekommet einen gesunden Magen und das bringet die Lust” heißt es in einem alten Kräuterbuch.

Pfarrer Kneipp schrieb über mich: “Sauerampfer ist nicht nur ein gutes Heilmittel, sondern auch eine vorzügliche Kost für Kranke, da er das Blut reinigt und verbessert”.

Hildegard von Bingen schrieb jedoch, dass ich den Menschen traurig mache und den Eingeweiden schade.

Maurice Mességue beschreibt mich als erfrischend, harntreibend, fiebersenkend, appetitanregend, blutreinigend und kräftigend. Er empfiehlt mich gegen alle Beschwerden des Harnsystems und des Verdauungstraktes. Äußerlich schätzt er mich gegen Hautleiden, wie Flechten, Akne und Abszesse.

In der Küche

werde ich auch gerne unter Spinat gemischt, da ich mich ähnlich zubereiten lasse und dem Gericht einen würzigeren Geschmack verleihe. Salaten, Suppen und Soßen gebe ich ein frisches, leicht säuerliches Aroma.

Im Frühjahr sollten Sie unbedingt mit mir mal eine Suppe kochen. Diese passt z.B. sehr gut in die Fastenzeit oder zu einer Frühlingskur. Am Gründonnerstag gehöre ich übrigens zwingend in die traditionelle Suppe. In Russland kocht man in der Saison gern eine Suppe mit Sauerampfer, Kartoffeln und Eiern, die auch Grüner Borschtsch genannt wird.

Sauerampferbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine rötlichen Blütenstände sind als essbare Deko eine besondere Augenweide.

Ich gehöre auch in die typische Frankfurter Grüne Soße. Jedes Jahr feiert Frankfurt das Grüne Soße Festival und ich bin dabei einer der Ehrengäste. Leider wurde dieses Jahr der Termin  dank Corona auf Anfang Oktober verlegt. Was heißt denn aber in diesem Zusammenhang:  BKSKSPP? – Das ist keine neue Boyband, sondern sind die Anfangsbuchstaben der 7 Kräuter, die unbedingt in die Grüne Soße müssen: Borretsch, Kerbel, Schnittlauch, Kresse, Sauerampfer, Pimpinelle und Petersilie.

In der Kosmetik kann meine reinigende Wirkung mit einer Kompresse für fettige und unreine Haut nutzen. Dafür 1 Handvoll von mir mit 250 ml Wasser aufkochen und 5 Minuten leicht simmern lassen. Absieben und mit diesem Sud eine Stoffwindel o.ä. tränken und auf das zuvor gereinigte Gesicht auflegen. Einwirkzeit: 5 Minuten.

Joachim Ringelnatz hat ein Gedicht über mich geschrieben:

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm

Stand zwischen Bahngeleisen,

Machte vor jedem D-Zug stramm,

Sah viele Menschen reisen

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,

Schwindsüchtig und verloren,

Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,

Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nah‘n.

Der arme Sauerampfer

Sah Eisenbahn um Eisenbahn,

Sah niemals einen Dampfer.

Ein weiteres Gedicht kommt von Ewald Patz:

Rötlich färben sich die Wiesen

Wenn der Sauerampfer blüht

Und im Licht der Abendsonne

ein Flammenmeer erglüht

Lautlos sinkt die rote Sonne

In den weiten Wiesen dort

Ist am Horizont verschwunden

Und für ein paar Stunden fort

am nächsten Morgen taucht sie wieder auf und spendet Licht

erneut der rote Zauber Märchenhaft ins Auge sticht.

Und es gibt eine Komödie aus der DDR, in dem ich eine Rolle spiele: Karbid und Sauerampfer (1963, Laufzeit 81 Minuten).

Meine engen Verwandten: Der kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), der ähnlich wie ich genutzt werden kann und unsere allseits ungeliebten großen Brüder: Krauser und stumpfblättriger Ampfer (Rumex crispus und Rumex obtusifolius), die selbst vom Vieh verschmäht werden und vom Bauern meistens als Unkraut, z.B. mit dem „Ampher-Wuzi“ bekämpft werden.

Zum Abschluss wieder ein passendes Rezept zum Genießen:

Gefüllte kleine Kräutertomaten:

12 kleine Tomaten, 1 kleine Handvoll gemischte Frühlingskräuter (Sauerampfer, Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut, Giersch, Löwenzahn…), 200 g Schmand, 1-2 Frühlingsziwebeln, 1 Knoblauchzehe, Kelten-kräutersalz, Pfeffer, Zitronensaft, Honig.

Zwiebeln und Knoblauch hacken und zusammen mit den grob geschnittenen Kräutern im Schmand pürieren. Die Creme mit Zitronensaft, Kräutersalz, Pfeffer und eventuell Honig abschmecken, in die ausgehöhlten Tomaten füllen und diese auf Sauerampferblättern anrichten. Mit Frühlingsblüten garnieren und genießen.

KW 17: Spitzwegerich

Wegerich-1-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWo immer Menschen mit weißer Hautfarbe gewandert sind, da findet Ihr auch mich, den Spitzwegerich, der „fürstliche Wegbegleiter“. Denn „rich bzw. rik“ heißt: Fürst, Herrscher. Die Indianer Nordamerikas nannten mich und ich glaube auch meinen Bruder, den Breitwegerich, „Fußstapfen des weißen Mannes“, weil sich unsere schleimhaltigen Samen mit ihrer klebrigen Außenschicht an Räder und Fußsohlen geheftet haben und wir uns deshalb auch in ihrem Land verbreiten konnten. Das griechische Wort „plantago“ heißt übersetzt „Fußsohle“ und weist auf die Verwendung meines Bruders und seiner Blätter bei Wanderungen hin; da schützen sie die Fußsohlen vor und bei Blasen.

Ich bin stolz auf meine Inhaltsstoffe:

Schleimstoffe, Aucubin – wirkt antibiotisch, Bitterstoffe, die appetit- und gallefördernd, mild abführend, gegen Blähungen und ausgleichend wirken, Kieselsäure, wirkt gewebsfestigend, Flavonoide, Vitamin C und Mineralstoffe.

Ich bin schon lange als große Hustenpflanze bekannt. Durch meine Inhaltsstoffe wirke ich schleimlösend, hustenreiz- und entzündungshemmend, antibakteriell, und werde bei Bronchitis, Husten (vor allem bei Kindern) und Asthma verwendet. Ein Spruch aus alter Zeit lautet:

„Iss Wegerich, spitz oder breit, so kriegst du

keinen Husten wenn es schneit.“

Tee-Rezepte:

Bei Husten kann ich als Tee zubereitet werden: Zur Reizmilderung ist ein Kaltauszug wirksam: 1 Teelöffel Kraut mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzten und 30 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und trinken. Zur Schleimlösung – bei Bronchitis – wirkt ein Infus besser: 1 Teelöffel Kraut mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und trinken.

Wegericht-4II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSehr gut und beliebt gerade bei Kindern ist auch der Erdkammern-Sirup, der wie folgt mit mir zubereitet wird:

Frische zerkleinerte Blätter werden im Wechsel mit Honig in ein gut zu verschließendes Glas geschichtet. Meine Blätter müssen zum Schluss vollständig mit Honig bedeckt sein. Danach wird das Glas fest verschlossen und in ein 50 cm tiefes Loch im Garten für 3 Monate eingegraben. In der Erde bei gleichbleibender Temperatur kann der Honig meine wertvollen Inhaltsstoffe besonders gut lösen und aufnehmen. Nach 3 Monaten den dünnflüssig gewordenen Honig abseien und bei Bedarf täglich 3 bis 5 Teelöffel einnehmen. Natürlich kann heutzutage für die Zubereitung auch der kühle Keller genutzt werden.

Ein passendes, tolles Gesicht über mich von Martina Wiemers:

„Ist müde mal der Wandersmann,

Spitzwegerich ihm helfen kann.

Leg seine Blätter in den Schuh,

dann fühlt der Fuß sich wohl im Nu.

Auch Wunden lässt er schneller heilen,

sollt dich ein Unglück mal ereilen.

Trink ihn als Tee, hast du mal Husten,

dann kannst gleich viel leichter  pusten.

Zwickt mal der Magen und der Darm,

hält er als Wickel diese warm.

Er lindert auch den Wespenstich,

der unscheinbare Wegerich

Wächst überall, auch an der Straße,

hilft selbst bei Warzen auf der Nase“

Ich bin ein Tausendsassa und kann noch viel mehr: Nutze mich zur Blutreinigung im Frühjahr, z.B. für eine Teekur oder als Grüngewürz an Salate, Soßen und Suppen, in wilden Smoothies, Quark, Kräuterbutter und anderen Brotaufstrichen.

Meine Blüten und Fruchtstände, aber auch die von meinem Bruder, dem Breitwegerich, schmecken leicht champignonartig. Man kann sie roh als Snack knabbern, über Salate geben oder süß-sauer als Kapernersatz einlegen. Bei meinem Bruder ist allerdings das Champignon-Aroma nicht so stark ausgeprägt, wie bei mir.

Unsere Samen schmecken nussig. Da sie sehr ölhaltig sind, kann man aus ihnen ein wertvolles Speiseöl pressen. Unter Survival-Experten gelten unsere Samen sogar als wichtige Notnahrung. In Wasser gelegt quellen meine Samen

ähnlich stark auf wie Chiasamen und Flohsamenschalen und weisen auch ganz ähnliche Wirkungen auf.

Wegerich-3-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBei Wunden wirke ich zusammenziehend, antibakteriell, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd, ich fördere die Selbstheilungskräfte.

„Wie mit Goldfäden näht der Wegerichsaft den klaffenden Riss zu, und wie an Gold sich nie Rost ansetzt, so flieht den Spitzwegerich jede Fäulnis und faules Fleisch.“ sagte schon Pfarrer Kneipp. Noch im 2. Weltkrieg behandelten Ärzte mangels Antibiotika infizierte Wunden mit Zubereitungen von mir.

Da mein Saft gemäß der Volksheilkunde selbst auf frische, blutende Wunden aufgebracht werden kann, man nennt mich deshalb auch „Jodtinktur der Wiesen und Felder“. Bei Insektenstichen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand und juckenden Hautveränderungen wirke ich schmerzstillend, juckreiz- und entzündungshemmend. Dazu werden meine Blätter in der Handfläche zerrieben, bis der grüne Pflanzensaft austritt – dieser kann vorsichtig auf die Wunde getupft werden.

Es kann auch ein Tee mit mir zubereitet werden. Tauche nach 10 Minuten Ziehzeit ein Leintuch darin ein, wringe es aus und lege es als Umschlag an..

Wann ist meine beste Erntezeit?   -

Nun man kann mich den ganzen Sommer über sammeln. Besonders wirksam bin ich jedoch kurz vor der Blüte.

Früher hieß es Spitzwegerich ist das Heilkraut für  Männer, der Breitwegerich ist für Frauen besonders heilkräftig.

Hier noch ein Gedicht in Mundart von Christl Fischer:.

„Der Wegerich mal spitz, mal breit

Er wachst auf jeder guaten Wiesen,

wo Gras und Bleamal richtig sprießen,

bloß mag er ned recht Sumpf und Moor,

denn trockne Böden ziagt er vor.

Der Wegerich, ob spitz, ob breit,

is hochgeschätzt seit alter Zeit

ois Heilpflanzen und Medizin

für außen und für innadrin.

Für wehe Füaß, de arg zerschunden,

auf alle schmerzhaft bösen Wunden

zerquetschte Blattl drüberlegen,

so bringt der Wegerich vui Segen.

Spitzwegerichsaft, eikocht, dick,

wia Sirup auf den ersten Blick,

der wirkt ois Medizin ganz herrlich,

bei starkem Huasten unentbehrlich.“

Im alten Neunkräutersegen (oder -zauber), der wohl bereits 800 oder 900 nach Christi auf altenglisch verfasst wurde, tauche ich übrigens auch auf:

„Und du, Wegerich, der Kräuter Mutter,

nach Osten geöffnet, im Innern mächtig;

über dir knarrten Wagen, über dir weinten Frauen,

über dir schrieen Bräute, über dir schnaubten Stiere.

Allen hast du widerstanden, und dich widersetzt;

ebenso widerstehe dem Gift und der Ansteckung

und dem Übel, das über Land fährt.“

Und zum Schluss ein Rezept: Wildkräuterbutter

125 g  Butter, 125 g Frischkäse, Kräutersalz, Pfeffer, etwas geriebene Zitronenschale, Je 5 Blätter vom Spitzwegerich, Bärlauch, Gänseblümchen, Giersch, je 3 Blätter von Schafgarbe, etwas wilder Schnittlauch. Zum Verzieren Blüten vom Löwenzahn, Gänseblümchen, Bärlauch.

Alle Kräuter klein schneiden und mit der weichen Butter, dem Frischkäse und den Gewürzen mischen. Die Wildkräuterbutter mindestens 1 Stunde durchziehen lassen und vor dem Servieren mit Blüten verzieren.

KW 16: Wiesen-Schaumkraut

Wiesenschaumkraut2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheJetzt im April, verleihe ich Wiesen eine schöne zartrosa Schaumkrone und bekomme dadurch auch jede Menge Aufmerksamkeit. – Wer ich bin? – Nun mein Name leitet sich von genau dieser Aussage ab, ich bin das Wiesen-Schaumkraut, lateinisch: Cardamine pratensis.

An meinen Stängeln und Blättern findet man recht häufig kleine Schaumnester – den sogenannten “Kuckucksspeichel”. Dieser Schaum wird erzeugt von den Larven der Schaumzikade.

Die Larven dieser Zikaden pumpen aus der Atemhöhle Luftbläschen in eine eiweißhaltige Flüssigkeit. Diese scheiden sie aus ihrem After aus. Dieser Schaum erhält die für die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur, schützt aber auch die darin sitzende Larve vor Feinden.

Im Frühjahr begegnet man diesem Erscheinungsbild des Öfteren. Der Volksmund spricht auch von „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“, daher die volkstümliche Bezeichnung „Kuckucksblume“.

Für die Raupen des Aurorafalters bin ich eine der wichtigsten Futterpflanzen. Die Falter legen ihre Eier an der Blattunterseite ab. Auch die Falter nutzen meine Blüten als Nektarquelle.

Ich besitze während meiner Blütezeit von April bis Mai 4 zartlilafarbene Blütenblätter und gehöre deshalb zur Familie der Kreuzblütengewächse. Meine Blüten wachsen in Trauben und haben jeweils ebenso vier Kelchblätter. Davon sind 2 sackartig nach unten verlängert und dienen als Honigbehälter. Nach meiner Blüte entwickelt sich der Griffel zu einer langen, schmalen Schote, die durch eine Scheidewand in zwei Fächer aufgeteilt wird. In jedem Fach bilden sich kleine Samen. Das sieht auch wie bei einer Erbse, ist nur viel kleiner.

Wiesenschaumkraut-Rosette-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine grundständigen Blätter bilden eine Rosette und sehen durch ihre rundlichen Einzelblättchen anders aus, als die Stängelblättchen. Diese sind schmal, länglich und ganzrandig.

Mein Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis zur arktischen Klimazone in Nordasien und Nordamerika, dadurch zähle ich zu den häufigen mitteleuropäischen Pflanzen.

Meine wichtigsten Inhaltsstoffe sind Ätherische Öle (Senföl),  Bitterstoffe, Glucosinolate, Glykoside, Mineralstoffe (Kalium, Magnesium, Schwefel), Spurenelemente (Eisen) und Vitamine (Vitamin C).

Mein Tee wird in der Volksmedizin gegen Rheuma und andere Schmerzzustände verwendet. Die Heilwirkungen beruhen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken.

Teebereitung: 2 TL Kraut – mit 1/4 l heißem Wasser übergießen – nach 10 Min. abseihen. Tägl. mehrere Tassen (warm) trinken.

Hier kommt ein schönes Gedicht über mich, auf das ich besonders stolz bin:

“Die Wiese schäumt! Nein, nicht vor Wut, es geht ihr ganz besonders gut!

Der Lenz ist da, hat sie geküsst, als ob er sie beschenken müsst,

hat er sie lila eingeschäumt, davon hat sie schon lang geträumt.

Sie räkelt sich im zarten Kleid, doch ziert’s sie nur für kurze Zeit.

Nun, nächstes Jahr zieht – Gottseidank- ein Neues sie aus ihrem Schrank,

und kleidet sich behänd, in zartem Lila, wie man’s kennt.

Es protzt nicht grad, das feine Kleid, durchscheinend, schmal, nicht extra weit,

ist dieser Stoff von guter Qualität, sonders für die Fastenzeit-Diät.

Heilsames gar, man glaubt es kaum, birgt in sich diesem Wiesenschaum:

Frühjahrsmüde macht er fit, bringt Anregung für Leber, Nieren mit,

Reinigt auch das Blut nach dem Verzehr recht gut.

Obwohl so zart das Kleid der Cardamine, trägt es darinnen Vitamine.

Mineralien, Eisen, Senfölglycoside in diesen Zeiten Abwehrkräfte dienen.

So ist der frühe Wiesenkuss ein absoluter Hochgenuss.

Drum möchtest Du ihn nutzen und täglich im Salat verputzen.

Der Schöpfer hat für dies Geschenk gedacht, dass er der Wiese Frühjahrs-Freuden macht.

Womöglich hat er gar geträumt? Sah schon, wie diese Wiese schäumt,

wohlwissend s’ist ja nicht vor Wut, -

Denn…Es geht der Wiese ganz besonders gut. (Marianne Knörr-Groß)

Ich habe eine Verwandte, die viele leider gar nicht gern in ihren Beeten sehe: Das Garten-Schaumkraut (lat. Cardamine hirsuta). Man nennt es auch Behaartes Schaumkraut durch die Behaarung der Blättchen. Die zarten, kleinen Blüten sind weiß.  Die ehemals seltene Art hat sich zwischen etwa 1975 und 1985 in wintermilden Lagen in Deutschland fast explosionsartig ausgebreitet. Es wurde wahrscheinlich über Baumschulen und Gärtnereien eingeschleppt uns ist heutzutage in ganz Europa verbreitet. Die sich aus den Blüten bildenden Schoten können bis zu 2 cm lang werden und stehen aufrecht. Sind sie reif, so springen sie bei Berührung auf und verteilen dadurch den Samen im gesamten Umkreis.

Seine Inhaltsstoffe: ein hoher Gehalt an Vitamin C, Bitterstoffen und Senfölglykosiden

Wirkungsweise:  Dem Behaarten-Schaumkraut wird eine blutreinigende, harntreibende, verdauungs- und durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben. Durch die Senfglykoside und zahlreichen Bitterstoffe werden Leber und Gallentätigkeit angeregt. Die Pflanzen wirken krampflösend und verdauungsfördernd und werden auch oft bei rheumatischen Beschwerden, Husten und Asthma eingesetzt. In der Volksmedizin Verwendung als Blutreinigungsmittel bzw. homöopathisch bei Magenkrämpfen.

Als Nährpflanze: Das Behaarte Schaumkraut kann als Salat beziehungsweise als Salatgewürz mit leicht scharf-bitterem Geschmack genutzt werden

Zum Abschluss hier ein schönes Märchen über mich, das Wiesen-Schaumkraut:

Wiesenschaumkraut-2-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheVon einem himmlischen Durcheinander und von „Schäumen“ und Träumen (von Anita Buchriegler)

Im Himmel war die Hölle los. Die Wolkenreiter jagten kreuz und quer übers Firmament, die Blitze spielten Zielschießen, das Mondkalb ist, nachdem es in großen Sprüngen herumgehopst ist, ratz fatz über die Milchstraße hinunter gerutscht, durch die Himmelspforte gepurzelt und schlussendlich mit einem herzhaften Plumps in Petrus‘ großem Regenfass gelandet, das natürlich umgekippt ist und alles überschwemmt hat. Zu allem Unglück kam noch ein blubbernder Schaumteppich hinzu. Denn auch die große Schachtel mit dem Putzzeug, das die Englein jeden Morgen brauchen, um die Sternenkinder nach der langen Nacht wieder blitzeblank zu polieren, bevor sie sie schlafen legen – auch die war umgekippt, sodass sich der ganze Inhalt in die Wasserlachen aus dem großen Regenfass ergossen hatte. Und wer war Schuld an dem ganzen Schlamassel? Natürlich wieder mal das kleine Engelchen Flocke und sein Freund – das Bengelchen Stups, dessen Flügel eh schon jeden Tag ein weiteres Stückerl schrumpften. „Huuuuuhhh“, heulte Flocke verzweifelt. „Sieh nur deine Flügelstümpfchen an! Jetzt sind sie bald ganz weg und dann fliegst du raus aus dem Himmel, Huuuhhh! Du weißt doch was Petrus gesagt hat. Dann geht es ab mit dir in die Hölle, wo die Teufelsgroßmutter schon auf dich wartet. Huuuhhhh. Was sollen wir bloß machen!“ Noch bevor Stups antworten konnte, wurden die beiden von Petrus‘ schweren Schritten unterbrochen. Erzürnt zog er die kleinen Lauser an den Ohren hinter ihrem Versteck – einem großen Wolkenhaufen, den ihre Freunde aus dem Wolkenkindergarten blitzschnell geformt hatten – hervor.

Was habt ihr denn jetzt schon wieder angestellt? Ihr habt ja den ganzen Himmel in pures Chaos verwandelt! Seht euch diese Unordnung an! Überall rinnen Wasser und Schaum herum, mein großes Regenfass ist so leer, dass die Menschen dort unten nicht wissen wohin mit dem vielen Regen – dafür werden sie bald eine Dürre ertragen müssen, die sich gewaschen hat! Die Sternenkinder sind putzmunter und wieder voller Sternenstaub und bis wir Blitze, Wolkenreiter und das Mondkalb eingefangen haben, wird es noch eine Weile dauern – ganz zu schweigen von der Milchstraße! Das Mondkalb hat bei seiner Rutschpartie eine breite Spur gezogen. Die Sternenforscher auf der Erde sind völlig aus dem Häuschen. Die glauben der Weltuntergang stünde bevor. Da heißt es schnell mit einem großen Flederwisch drüber kehren und den Schaden wiedergutmachen. Wie habt ihr das alles bloß fertig gebracht? Mit hängenden Flügeln und tränennassen Gesichtern, beichteten die beiden Unglücksraben von der Wette die Stups vorgeschlagen hatte: Er wollte wissen, wer der schnellste hier im Himmel ist und hat mit Mondkalb, Blitzkindern und den Wolkenreitern ein Wettrennen veranstaltet. Vor lauter Spaß und Übermut ist die Sache dann allerdings etwas aus dem Ruder geraten.

„Diesmal bist du wohl zu weit gegangen, Stups!“, mahnte Petrus mit ernst erhobenem Zeigefinger. „Sieh nur, deine Flügel sind kaum mehr zu sehen! Du hast nur mehr klitzekleine Stümpfchen dran! Und der große Krampus da unten, macht sich auch schon bereit um dich abzuholen. Das einzige was dich jetzt noch retten kann, wäre eine gute Tat. Ob du die allerdings so schnell vollbringen kannst bezweifle ich, denn das Christkind ist schon auf dem Weg hierher um sich die Sache anzusehen. Bis es soweit ist, könnt ihr zwei euch jedenfalls nützlich machen und den Himmel wieder in Ordnung bringen. Denn der Frühjahrsputz war ja eigentlich gerade erst abgeschlossen.

Flocke und Stups machten sich traurig an die Arbeit. Sie kehrten die großen Schaumpfützen über den Wolkenrand hinunter, sodass alles auf die Erde triefte, putzten die Sternenkinder, um sie wieder ins Bett zu bringen und taten ihr Bestes um alles nach bestem Wissen und Gewissen in Ordnung zu bringen. Vielleicht würde das Christkind dann doch noch einmal ein Auge zudrücken. Just in dem Moment, als sie fertig waren, ertönten die himmlischen Posaunen und das Christkind erschien mit Petrus im Schlepptau.

„Kommt einmal mit, ihre drei, ich will euch etwas zeigen!“, sprach das himmlische Kind und machte sich auf in Richtung Himmelspforte. Als sie sich vor der goldenen Himmelstür über den Wolkenrand beugten und auf die Erde hinunterspähten, konnten sie ihren Augen kaum trauen. Dort wo noch vor kurzem die saftig-grünen Frühlingswiesen sprießten, war jetzt lauter blasslila Schaum zu sehen. „Potz Blitz! Was habt ihre denn nun schon wieder ange…!“, wollte Petrus weiterschimpfen, wurde dann aber vom Christkind unterbrochen.

„Es sind nur Blumen, Petrus!“, sprach das himmlische Kind mit sanfter, glockenheller Stimme. „Der Schaum, den ihr auf die Erde gekehrt habt, hat sich durch euer Bemühen in Blumen verwandelt. Was meint ihr, wie sollen wir sie nennen?“ „Wiesenschaumkraut“, hauchte Flocke ehrfurchtsvoll. „Ja, nennen wir es Wiesenschaumkraut. Es sieht einfach wundervoll aus!” stimmte auch Stups überwältigt mit ein. „Wiesenschaumkraut… Ja, dieser Name gefällt auch mir”, freute sich das Christkind. „Aber der Name ist nicht das einzige Wunderbare an eurer Pflanze. Dieser wunderschöne Schaumteppich wird künftig auch den größten Zweiflern fröhliche Frühlingslaune ins Herz zaubern. Durch seinen kresseartigen Geschmack und seinen hohen Vitamin-C Gehalt wird es den Menschen außerdem ein gesundes Frühlingsmahl sein!“

„Guck mal, Stups, deine Flügel sind gewachsen!“, jauchzte Flocke plötzlich voller Freude. Ich glaube jetzt kannst du sogar richtig fliegen – genau wie ein richtiger großer Engel. Da fiel Stups dem Christkind um den Hals und flüsterte: „Danke du liebes Christkind! Ich verspreche dir, ab jetzt werde ich ein richtiges Engerl sein!“ Und was war das? Ein kleines schwarzes etwas, das wie ein B geformt war, kullerte über den Wolkenrand und plumpste schnurstracks in die Hölle hinunter – geradewegs in Teufelsgroßmutters großen Suppentopf hinein.

Und- nicht zu vergessen ein passendes Rezept:

Wiesenschaumkrautbutter

250 g Butter mit 1 Handvoll frischem, klein geschnittenem Wiesenschaumkraut und 1 EL Zitronensaft verrühren, mit Salz und Pfeffer (rosa Pfefferkörner wirken besonders dekorativ) abschmecken.

KW 15: Veilchen

Veilchenbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Ich bin das herzige Veilchen und besitze eine eigene Pflanzenfamilie: Die Veilchengewächse. Meine 5 Blütenblätter sind in einem so wunderschönen Blauton, dass diese Farbnuance nach mir benannt wurde: Veilchenblau oder auch Violett. Was ich ganz toll finde: mit diesem Namen wurde übrigens auch eine wunderschöne, nicht stechende Kletterrose benannt. Im Gegensatz dazu nennt man mich manchmal auch Blauröschen. Auch als Frauenname wurde und wird mein lateinischer Name Viola geschätzt. In Amerika gibt es übrigens eine ganze Reihe von Wohnorten, die Viola heißen.

Ich bin klein, zu mir muss man sich herablassen. Ich komme nicht zu Euch hinauf. – Denn ich bin zurückhaltend, bescheiden, demütig. Fast so, als schäme ich mich für meinen großartigen Duft und meine zarte Schönheit.

Diese Bedeutung kennt wohl jeder, denn wer hat nicht einen dieser Sprüche in seinem Poesiealbum stehen:

Sei wie das Veilchen im Moose,

bescheiden, sittsam und rein

und nicht wie die stolze Rose,

die immer bewundert will sein.

————————————-

Ein Häuschen aus Rosen,

aus Veilchen die Tür.

Ein Herz voller Liebe,

das wünsch ich dir!

————————————-

So bescheiden wie die Veilchen im Grase stehn,

so bescheiden sollst du durchs Leben gehn.

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Meine Symbole sind also Bescheidenheit, Demut, Jungfräulichkeit, Frühling, Hoffnung, Treue und Liebe.

Winston Churchill (1874-1965) begründete seine Vorliebe für mich damit, daß ich seine Bescheidenheit symbolisierte.

Veilchen-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheGärtner würden das vielleicht nicht unbedingt unterschreiben, denn ich bin sehr zäh, setze mich sogar im Rasen durch und verbreite mich schon sehr. Dabei lass ich mir wie andere Frühlingsblüher durch Ameisen helfen, die meine Samen verteilen. An schattigen Standorten fühle mich in ganz Europa am Wohlsten!

Es gibt aber viele Dinge auf die ich besonders stolz bin:

Ein Fussballverein aus Florenz spielt mit violetten Trikots. Es wird vermutet, dass die Vereinsfarben der Fiorentina per Zufall entstanden sind. Die ursprünglich weiß-roten Trikots verfärbten sich – nach einer Legende – violett, nachdem sie in einem Fluss gewaschen worden waren.

Nach einer Legende wuchs ich übrigens erstmals an der Stelle, wo der Sänger Orpheus seine Laute niedergelegt hatte.

So kam es zu einem Zusammenhang mit dem Namen von Musikinstrumenten, wie z.B. Violine für Geige.

Die Alternativbezeichnung der Bratsche ist Viola.

Ich habe auch einen Bezug zur närrischen Zeit, denn nicht nur im Gladbacher Karneval nennt man den Faschingsdienstag auch Veilchen-Dienstag.

Ich passe auch hervorragend nach Bischweier, denn eine knorpelige Süßkirsche trägt meinen Namen.

Auch der berühmte Heinz Ehrhardt hat mich wohl in einem kurzen Gedicht verewigt:

“Auf der Wiese steht ein Veilchen,

kommt `ne Kuh und grast ein Weilchen. Armes Veilchen! – Aus.”

In Europa wurde ich um 1900, und ganz besonders im viktorianischen England, eine Zeitlang zur Modepflanze. Veilchensträuße dekorierten angeblich das Knopfloch fast jedes Büroangestellten. Dann kam ich ein wenig aus der Mode, aber nicht ganz, denn Robert Stolz schrieb Anfang des 19. Jahrhunderts folgendes Lied, das zu einem zweiteiligen Singspiel gehört:

Wenn die kleinen Veilchen blühen

bin ich wieder bei dir – bei dir

und wenn die Schwalben nachhause ziehen

dann klopf ich leis an deine Tür

Wenn die kleinen Veilchen blühen

wie ein blaues Gesicht – so licht

und schimmert wieder der weiße Flieder

dann bin ich wieder bei dir.

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Ich habe als Liebespflanze eine lange Tradition.

Die Griechen besaßen angeblich eigene Veilchengärtchen und nannten mich “Blume der Liebe”.

Während ich in früheren Zeiten  als Symbol für Reinheit, Unschuld und Demut galt, wurde ich im Mittelalter zum häufig gebrauchten Liebesboten. – Und die Botschaft lautete:

“Nichts ist süßer, als die verborgene Liebe”.

Zum heutigen Valentinstag passt diese romantische Geschichte:

In Frankreich soll es im 19. Jahrhundert einen Mann gegeben haben, der eigens einen Veilchengarten anlegte, um seiner Geliebten jeden Tag einen Veilchenstrauß zukommen lassen zu können – und das 30 Jahre lang.

Veilchenduft wirkt verführerisch! Das wusste schon der Gott Vulcanus. Er hatte sich über alle Maßen in Venus verliebt, die ihn aber wegen seiner hässlichen Gestalt abwehrte. Da griff der vor Liebesqualen geplagte Gott zu einer List. Er rieb sich den ganzen Körper mit Veilchen ein und erschien so bei seiner abweisenden Geliebten. Betört ließ sich Venus auf ein Liebespiel ein.

Mein Duft soll in heiklen Situationen für einen klaren Kopf sorgen; In der Aromatherapie soll er Aggressionen dämpfen und schlaffördernd wirken.

Auch Lale Andersen hat über mich gesungen:

Kleiner Strauss aus Veilchen

Am himmelblauen Kleidchen,

Nur du bist schuld daran,

Dass eine Liebe begann.

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Jedes Jahr kündige ich immer wieder gern den kommenden Frühling an:

Eine griechische Sage berichtet, daß, wenn die Frühlingsgöttin Persephone wieder aus der Unterwelt emporsteigt, um die Fluren neu zu beleben, unter ihren Schritten Veilchen aufblühen. Deshalb bedachte man die Frühlingsgöttin früher mit Veilchenkörben.

Heute noch werden zu ihrem Andenken in der Bretagne am Karfreitag Veilchen ausgesät, um mit diesem Osterbrauch den Frühling herbeizulocken.

Aber ich bin nicht nur schön und betörend, ich bin auch gesund und heilend und vor allem wohlschmeckend! -

Bin ganz zart und weich und doch so stark. Meine Blätter und Blüten lindern Husten, Heiserkeit und Bronchitis. Zwei oder drei Löffel Veilchensirup eingenommen, sollten schon früher die brennende Hitze von Fieber löschen, Ruhe und Schlaf bringen, die Brust lösen und besonders den Kindern gegen den Husten dienen.

Gerade meine ersten Brüder und Schwester im Frühjahr sollen besondere Heilkraft haben. Wahrscheinlich geht darauf auch das Veilchenfest zurück, das unter dem Herzog Leopold VI. (1198-1230) entstanden sein soll: Wer das erste Veilchen in den Donauauen fand, bedeckte es mit seinem Hut und verständigte den Herzog, der mit dem ganzen Hofstaat und Musikanten auszog, dieses Veilchen zu begrüßen. Die Leute tanzten im Kreis um den Hut und sangen ein Frühlingslied dazu.

Hierzu auch zwei  passende Gedichte:

Wenn gen Nord‘ die Gänse ziehen

Werden bald die Veilchen blühen.

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Kahl sind noch die Wegesränder

Langsam sprießt das erste Grün

Und dazwischen kleine Veilchen

Seht am Wegrand sie erblühn

Frühlingsboten sind sie wieder

Blühn sie erst so ist er nah

Winter ist davon gezogen

Schnee und Eis sind nicht mehr da

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Veilchenbrote-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheFrüher wurde ich noch viel mehr in der Küche genutzt.

Meine Blüten geben Farbe ab und sind hübsch anzusehen, deshalb werde ich sowohl als Farbgeber (z.B. für Essig und Likör), wie auch als Gewürz verwendet.  Die Römer würzten mit mir Geflügel, in England wurden Fleisch und Salate mit mir verziert. Die Verwendung zu Marmeladen und Säften war früher weit verbreitet.

König Karl II schätzte in seiner Kindheit die Halspastillen, die aus Veilchenblütensirup angefertigt wurden.

Bleiben wir bei den gekrönten Häuptern:

Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sissi, (1837-1898) schwärmte für Veilchen-Sorbet und kandierte Veilchen.

Den Vogel schoss allerdings Kaiser Nero (37-68 n. Chr.) ab! Er ließ durch Staffettenläufer Gletschereis aus den Alpen nach Rom bringen und mischte dies mit Veilchenblüten. Doch wehe, wer nur mit geschmolzenem Eis zurück kam – der war ein toter Mann.

Die Veilchenwurzel ist eine altbewährte Zahnhilfe für Babys. Hier handelt es sich allerdings nicht um meine Wurzel, sondern um das Rhizom der Schwertlilie. Diese Beißwurzel enthält schmerzlindernde Inhaltsstoffe, die freigesetzt werden, wenn das Baby darauf herumkaut. Bei Zahnungsbeschwerden empfehlen daher noch viele Hebammen Veilchenwurzeln.

Das Wort Veilchen hat aber noch eine ganz andere Bedeutung, die auch wohl jeder kennt:

Das blaue Veilchen am Auge!

Das Veilchen blau, fast nicht erkannt

steht einsam dort am Wegesrand

Es steht dort wo es hingehört

nicht im Gesicht wo es nur stört.

Hierzu gibt es ein Lied von Heinz Ehrhardt:

Linkes Auge blau, rechtes Auge blau

Und das alles wegen einer einz‘gen Frau.

Zum Abschluss noch ein Rezept für einen

Schlüsselblumen-Veilchen-Hustentee

20 g Schlüsselblumen mit Kelch, 10 g Veilchenblüten, 20 g Gänseblümchenblüten, 20 g Spitzwegerichblätter und 30 g Fenchelsamen, frisch gemörsert, vermengen.

1 El dieser Mischung mit ¼ l Kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Wenn er etwas abgekühlt ist Honig hinzugeben und so heiß wie möglich trinken.

KW 14: LöwenzahnL Wenzahn-24-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Ja, ich bin der Löwenzahn, ein Kind der Korbblütler-Familie und besitze in meiner buttergelben Scheinblüte viele kleine einzelne Zungenblüten.

Jedes Kind kennt mich. Im Frühling verwandele ich die Wiesen in ein Meer mit gelben Schaumkronen. Die Bienen lieben meine frühen Blüten und stürzen sich mit Begeisterung auf meinen süßen Nektar.

Nach dem Verblühen bin ich dann auch sehr großzügig mit meinen vielen kleinen puscheligen Kindern und schicke sie stets liebevoll in Eure gepflegten Gärten, damit dort auch wilde Kräuter wachsen und nicht nur diese kultivierten, edlen und hochgezüchteten Geschöpfe.

Jetzt möchte ich aber Euch aber noch unbedingt davon überzeugen was für eine wertvolle Wildpflanze ich bin!

Seit dem Mittelalter haben mich viele Kräuterkundige hoch geschätzt. So wurde ich bei Leber- und Gallenleiden, bei Gicht, Rheuma, Diabetes und sogar bei Augenleiden und Ekzemen empfohlen.

Heute wird hauptsächlich meine stoffwechselanregende Wirkung in Frühjahrs- und Blutreinigungskuren geschätzt. Also denkt jetzt im beginnenden Frühjahr an mich und meine tollen Inhaltsstoffe.

Sie können Euch helfen, die Frühjahrsmüdigkeit zu überwinden und Euch auch beim Abspecken unterstützen.

Im Garten werde ich dagegen fast immer heftig bekämpft. Och…

Dagegen wehre ich mich jedesmal heftig. Bleibt beim Jäten auch nur ein klitzekleiner Rest Wurzel in der Erde, zeige ich meinen starken Überlebenswillen und treibe schon bald wieder neu aus. In der Küche bin ich so vielfältig verwendbar – wenn ich schon als “Un-kraut” gejätet werde, dann – werft mich bitte nicht weg, sondern esst mich auf!

Ich werde so wenig geschätzt und bin deswegen manchmal ganz traurig! – Ohhhhhh…

Darüber wurde sogar ein Gedicht geschrieben:

Armer gelber Löwenzahn,

wirst als Unkraut abgetan,

wärst Du rar wie Orchideen,

fänd Dich jeder wunderschön!

Aber kommen wir zu einem anderen Thema:

Kaum einer anderen Pflanze hat man so viele Namen gegeben, wie mir, z.B.:

Milchblume, wegen meines weißen Pflanzensaftes

Butterblume, wegen meiner Blütenfarbe

Kuhblume, Saublume und Hahnenspeck, weil mich das liebe Vieh besonders lecker findet

Pissblume oder Bettnässer, wegen meiner harntreibenden Wirkung,

die Franzosen sagen Pissenlit zu mir (das hört sich halt schöner an – meint aber dasselbe)!

Ringelstöckchen, da sich mein Stängel, wenn man ihn längs aufschneidet und in Wasser taucht so schön ringelt.

Aber wie bin ich zu meinem Namen Löwenzahn gekommen? –

Dazu folgende kleine Geschichte:

Es begab sich einmal vor langer Zeit, im heißen Land Afrika, dass direkt vor dem König der Tiere, dem Löwen, ein kleiner Fallschirm landete.
Nun ist es aber so, das wissen wir alle, dass sich große Tiere nicht um so kleine Dinge kümmern.
Und deshalb schaute der König der Tiere den Fallschirm nicht einmal an.
Am Fallschirm hing ein Samen. Und dieser fiel lautlos in den gelben Wüstensand.
Zur selben Zeit begann es zu regnen. Das kommt in der Wüste sehr selten vor.
Und weil der Samen nun Wasser bekam, begann er zu keimen und es wuchs daraus eine wunderschöne gelbe Blume.
Jetzt freute sich König Löwe: In seinem Reich blühte eine Blume,
die so gelb wie die Sonne am Himmel war!
Jeden Tag roch der Löwe daran, obwohl sie gar nicht so gut duftete.
Doch wie staunte er, als eines Morgens die gelbe Blume verschwunden war.
Stattdessen sah der Löwe eine weiße Seifenblase auf dem Blumenstängel.
“Ob die vielleicht riecht?”, überlegte er.
Und schon steckte der König der Tiere seine Nase hinein. Ach, wie das kitzelte! Der Löwe musste niesen.
Und wenn ein Löwenkönig niest, dann ist das etwas ganz Gewaltiges.
Haaa-haaa-haatschiiii!
Der Löwe riss beim Niesen sein Maul weit auf und es brach ein richtiger Sturm los.
So ein Sturm, dass die weiße „Seifenblase“ in tausend Stücke zersprang. Das heißt: Sie zerfiel in viele kleine Fallschirme.
Die wurden von dem gewaltigen Löwenniesen hoch in die Luft gewirbelt.
Gerade in diesem Augenblick kam ein Fuchs des Weges.
Der hatte an diesem Tag seine Brille zu Hause vergessen.
Und deshalb konnte er nicht genau erkennen, was da bei dem Löwen passierte.
Weil er aber ein altes Plappermaul war, erzählte er allen Tieren, die ihm begegneten, folgende Geschichte:
“Dem König der Tiere sind alle Zähne aus dem Maul gefallen!
Ich hab es mit eigenen Augen gesehen!”
Natürlich hörte eines Tages auch der Löwe von dieser Lügengeschichte.
Aber wie schon gesagt: Große Tiere kümmern sich nicht um kleine
Dinge und auch nicht um kleine Geschichten.
König Löwe hat nur gebrummt, der Fuchs könnte ja vorbei kommen, wenn er keine Angst hätte…
Seitdem aber werde ich, da ich meinen Samen mit Fallschirmen in die große weite Welt hinausschicke, Löwenzahn genannt!

Hierzu gibt es auch ein Gedicht:

Meinen Namen Löwenzahn
sieht man mir ganz deutlich an.
Blätter spitz wie Löwenzähne
und dazu die gelbe Mähne.

Ich bin wie ein Löwe stark.
Wachs auf Wiesen und im Park,
blüh im Garten ungebeten,
man versucht mich auszujäten.

Aber sie sind alle dumm,
denn so schnell bringt mich nichts um.
Wachs am Wegrand und auf Rasen,
meine Schirmchen kann man blasen.
Schweben dann wie Federn nieder,
und im Frühjahr wachs ich wieder.

Welche Inhaltsstoffe besitze ich denn, die so wertvoll für Euch sind?

Nun, meine Blüten enthalten viel Vitamin und Magnesium, aber auch Calzium, Phosphor und Mangan. In den grünen Blütenteilen ist mehr Eisen enthalten. Außerdem liefern meine Blüten Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A.

Meine Blätter enthalten viel Natrium und Kalium (deshalb auch die harntreibende Wirkung), Bitterstoffe (wirken verdauungsfördernd), auch Vitamin C und B-Vitamine, sowie Kalzium.

Der Bitterstoff Taraxacin ist hauptsächlich in meiner Wurzel und älteren Blättern enthalten. Er fördert die Produktion der Verdauungssäfte.

In der Küche kann man mich sehr vielfältig verwenden. Aus meinen frischen Blättern kann man einen vitaminreichen, belebenden, wenn auch bitteren Salat bereiten. Oder meine Blätter als Gemüse einsetzen, z.B. wie Spinat kochen oder zu Kräutersuppen, Kräutersoßen, Kräuterbutter und Dips gebrauchen. Meine Knospen eignen sich ebenfalls als Gemüse und schmecken toll in Butter gebraten oder unter Rührei gemischt. Aus meinen Blüten kann man einen leckeren Löwenzahnhonig oder –sirup herstellen. Aus meinen Wurzeln lässt sich ein gesunder und nach Bohnenkaffee schmeckender Kaffeeersatz bereiten. –

Also lasst Eurer Kreativität freien Lauf und kocht Gerichte aus mir und mit mir. Es soll nicht Euer Schaden sein!

Meine Blüten schließen und öffnen sich, je nach Tageszeit und Witterung. Nach mehreren Tagen Blütezeit sind sie verblüht und meine Hüllblätter schließen sich ein letztes Mal. Von außen sieht es so aus, als ob ich schlafe, aber im inneren passiert so viel: Nach einigen Tagen öffnen sich meine Hüllblätter noch einmal und heraus kommt eine weiße, kuschelige Wunderkugel! Die Pusteblume! Alle meine kleinen gelben Blüten haben sich in Früchte mit haarigen Flugschirmen verwandelt. Der Wind trägt sie mit sich fort und so heißen sie Schirmflieger.

Sind alle fortgeflogen, ist jedem klar, dass man für mich in manchen Gegenden noch Namen, wie Mönchkopf, Pfaffenkopf und Pfaffenplatte gefunden hat.

Heinz Erhardt hat dazu ein schönes Gedicht geschrieben:

L Wenzahn-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheLöwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er lässt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.

Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in derselben
zwei Versprengte dieser Truppe.

2. Verblühter Löwenzahn
(von Josef Guggenmos)
Wunderbar
Stand er da im Silberhaar
Aber eine Dame,
Anette war ihr Name,
machte ihre Backen dick,
machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht,
blies ihm fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze
Zurück mit einer Glatze.

Kinder lieben meine Pusteblume. Sie wollen immer wissen, wohin meine kleinen Faltschirmchen fliegen.

Früher orakelten vor allem Mädchen mit mir. Je nachdem wie viele Früchte nach dem Pusten noch stehen blieben, so viele Jahre sollte es noch bis zur Hochzeit dauern.

Oder ist der Fruchtboden nach dem Auspusten weiß, dann kommt man in den Himmel, ist er schwarz ins Fegefeuer.

Kann man alle Früchte auf einmal wegpusten, dann ist man ein Glückskind. Schafft man es nach dem 3. Pusten werden die Wünsche weit fortgetragen und gehen in Erfüllung.

Zum Schluss noch ein Rezept, was auch gut zum kommenden Osterfest passt:

Gefüllte Eier mit Schnittlauch und Löwenzahn

Für 4 Personen

4 hartgekochte Eier, 100 g Quark, Schnittlauch, 50 g Löwenzahnblätter, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer, 8 kleine Kräuteräste zum Garnieren

Die hartgekochten Eier halbieren, das Eigelb entfernen. Schnittlauch und Löwenzahn waschen, abtropfen lassen und fein hacken. Das Eigelb mit Quark, Senf, Salz, Pfeffer und den gehackten Kräuter gut verrühren und in die Eihälften füllen. Mit einer kleinen Blüte garnieren.

- oder da es immer noch recht kalt ist haben Sie vielleicht auch Appetit auf eine

Grünkohlsuppe mit Löwenzahn und Brennnessel

500 g Grünkohl, 1 kl. Handvoll junge Löwenzahnblätter und Brennnesselspitzen, 200 g Kartoffeln, 200 g Pastinaken, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 2 EL Öl, 1,5 – 2 l Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, Kräutersalz, Pfeffer, eine Prise Zucker. Topping: 50 ml Sahne, 1 EL Senf, dunkle Senfkörner.

Zwiebel und Knoblauch putzen, Kartoffel und Pastinaken schälen und alles würfeln. Grünkohl waschen, trocknen, die harten Rippen entfernen und die Blätter in Streifen schneiden. Öl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch andünsten, dann Kartoffeln und Pastinaken zufügen und andünsten. Grünkohl und die gewaschenen und klein geschnittenen Wildkräuter zufügen und zugedeckt ca. 5 Minuten dünsten. Die Brühe zugießen und alles ca. 15-20 Minuten garen. Die Sahne zufügen, würzen und pürieren. Für das Topping die Sahne leicht anschlagen, mit dem Senf verrühren und als Klecks auf die Suppenteller geben. Mit Senfkörnern bestreuen.

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