Neue Rubrik: Pflanze der Woche

KW 32: Schafgarbe

Schafgarbe-ganz-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Augenbrauen der Venus“  diesen schönen Namen hat man mir im Mittelalter gegeben. Meine zarten, filigranen Blätter, wohin würden sie besser passen, als in das schöne Gesicht der Göttin der Liebe, Schönheit und Anmut? Die nach Göttinnen benannten Pflanzen sind immer auch Heilmittel für Frauen. Mein Botanischer Name ist Achillea millefolium und ich gehöre zur Familie der Korbblütengewächse.

Synonyme für meinen Namen sind u.a. Achillenkraut, Frauenkraut, Frauendank, Blutstillkraut, Soldatenkraut, Wundkraut, Gänsezungen, Grillenkraut, Schafzunge, Tausendblatt.

Mein lateinischer Name bezieht sich auf den berühmten Helden der griechischen Sage, den Achilles. Beim Kampf um Troja wurde er von einem Pfeil  an der Ferse verwundert, genau an der Stelle, die Ihr heute noch Achillessehne nennt. Die Göttin Aphrodite  riet ihm daraufhin, seine Verletzung mit der Schafgarbe zu heilen.  Ich bin also eine der ältesten Heilpflanzen: In einem Grab in Shanidar im Iran, das die Ärchologen auf 60.000 Jahre vor unserer Zeit datiert haben, hat man die Blütenstaubkörner von 8 Heilpflanzen gefunden.  Auch ich war dabei, um die Toten auf ihrer letzten Reise zu begleiten.

Im 1. Jahrhundert wurde ich erstmals vom griechischen Arzt Dioscorides erwähnt, der meine heilende Kraft bei Kriegsverletzungen pries.

Schafgarbe-Bl Tter-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAus meinem kriechenden Wurzelstock entwickeln sich zuerst eine Blattrosette und danach dann die Blütentriebe. Mein Stängel ist innen markig, wenig behaart, trägt 2-3fach fiederschnittige Blätter und bildet im oberen Teil Blütenstände aus, die in einer Scheindolde angeordnet werden. Die  kleinen Röhrenblüten sind weiß bis schwach gelblich, die Zungenblüten  sind weiß oder leicht rosa. Meine Gesamthöhe kann sich von  20 cm bis auf  60 cm entwickeln. Meine Blütezeit ist zirka Juni bis Oktober.

Schafgarbenbl Te-rosaII1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWo fühle ich mich wohl? Auf Wiesen, an Weg- und Feldrändern. Ich stelle keine besonderen Ansprüche an den Boden.

Ich bin auch ein so genanntes Aromatisches Bittermittel. Denn ich enthalte u.a. Bitterstoffe, ätherisches Öl (Vorstufe des Azulens), Gerbstoffe, Flavonoide und verschiedene Mineralien (besonders Kalium). Und wirke deshalb appetitanregend  und verdauungsfördernd. Mein ätherisches Öl wirkt zusätzlich desinfizierend, entzündungswidrig und krampfstillend. Der hohe Kaliumgehalt regt die Nierentätigkeit an. Ich wirke blutstillend bei äußeren und inneren Blutungen (Soldatenkraut, Wundkraut).  Außerdem stärke ich das venöse Blutsystem, steigere den Rückstrom von venösen Blut zum Herzen und entlaste somit den Kreislauf und das Herz. Und ich stärke das nervöse Herz und beruhige die Nerven. – Also ich bin eigentlich für fast alles gut. Deshalb nutze mich fleißig bei auftretenden gesundheitlichen Problemen.

Ich war auch immer eine Pflanze des Kräuterbüschels, den die Frauen an Maria Himmelfahrt, am Tag der Göttin, weihen ließen. Mir werden auch viele spirituelle Kräfte zugeschrieben. So soll ich als Amulett den Teufel vertreiben und dunkle Mächte abhalten. Als Mittel für den Liebeszauber war ich dem Planeten Venus zugeordnet.

SchafgarbenknospeIII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAuch Hildegard von Bingen schätzte mich besonders  als Wundmittel. Noch heute kann man nach Hildegard schlecht heilende Wunden und Narben mit einem Sud aus meinen in Wasser gekochten Blättern behandeln. Mit diesem Sud kann man die Wunden auswaschen.

Maria Treben meint jede Frau sollte über das ganze Jahr verteilt immer mal wieder eine Tasse Schafgarben-Tee (1 geh. TL, ½ Min. ziehen lassen) schluckweise trinken.

Maurice Mességue meint ich sei  stärkend und beseitige Entzündungen und meine Blüten und Blätter seien ein gutes Tonikum für die Verdauungswege. Außerdem sei ich krampfstillend und beruhige das Herz und den Kreislauf. Nach ihm soll ich nervöse Beschwerden lindern und zur Regelung von unregelmäßigen Menstruationen beitragen.

Schafgarbe-ganz-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSebastian Kneipp empfiehlt mich bei Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkrämpfen, Magenentzündungen, Dickdarmentzündungen sowie bei Leberschwellung. „Schafgarbe im Leib, tut wohl jedem Weib“.

Rezepte für einen in der Volksheilkunde bewährten Tee bei Magen-, Darm- und Gallebeschwerden

2 geh. TL Kraut mit ¼ l kochendem Wasser übergießen und nach 15 Min abseihen. Mäßig warm 2-3 Tassen trinken.

Rezept für einen Herzwein aus der Volksheilkunde:

Je 2 Handvoll frische fein gehackte Schafgarbe und fein gehackte Melisse, 2 EL getrocknete, fein gehackte Baldrianwurzel, 1 Zimtstange, 1 l guter Rotwein.

Die Zutaten mit dem Wein ansetzen. 2 Wochen ziehen lassen, abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Bis zu 2 Likörgläschen täglich.

In der Küche:

Als kräftiges Gewürz für die Zubereitung fetter Speisen bin ich nur regional bekannt. Da fördere ich die Verdauung. Meine  jungen Blätter können als Grüngewürz für Salate, Suppen, Eintöpfe und Weichkäsezubereitungen genutzt werden.

Ein passendes Rezept für Schafgarbenbutter:

½ Paket Butter, 1 TL Mönchspfeffer, 1 EL fein geschnittene Schafgarbenblättchen, 1 gr. TL rosa Pfefferbeeren

Den Mönchspfeffer zusammen mit den rosa Pfefferbeeren anmörsern. Dann mit den fein geschnittenen Schafgarbenblättchen zur weichen Butter geben und alles gut verrühren. Eventuell mit etwas Meersalz abschmecken

In der Kosmetik:

Die keimhemmende und entzündungswidrige Wirkung macht mich zu einem Pflegemittel bei entzündeter, gereizter, fettiger und unreiner Haut. Ich kräftige die Haut, straffe und reinige sie.

Für eine Packung frische Blätter zerstampfen, den Brei auf die Gesichtshaut auflegen und 10-15 Minuten wirken lassen, dann abwaschen.

Auch Kompressen mit Schafgarbe eignen sich gut für die kosmetische Behandlung. Eine Kompresse mit Schafgarbentee tränken und auflegen.

Über Nacht  auf die Augen gelegt sollen meine Blätter helfen im Traum den zukünftigen Liebhaber zu sehen.

Der Spruch dazu lautet:

Die erste Schafgarbe finde ich hier.

Im Namen Jesu pflück ich sie mir

und wie Jesus Maria mit Liebe bedacht,

soll mein Herzallerliebster mir erscheinen

im Traum heute Nacht.

KW 30 + 31: Wilde Möhre

M HrenpflanzeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin laut dem Kosmos-Naturführer (Ihr werdet es kaum glauben!) einer der Stammeltern der Kulturmöhre (Karotte, Mohrrübe) und eine sehr alte Pflanze.

Mein lateinischer Name ist Daucus carota und ich gehöre zur Familie der Doldengewächse.

In den meisten meiner Blütendolden findet Ihr in der Mitte eine tiefrote bis schwarze Lockblüte, die Mohrenblüte, nach der ich auch benannt wurde. Diese Lockblüte kann im Gegensatz zu den anderen weißen Einzelblüten nicht befruchtet werden und ist steril. Sie M Hrenbl Te-BesuchII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wochedient den anfliegenden Insekten  als „Positionslicht“ und erleichtert eine gezielte Landung zur gewünschten Bestäubung. Lockblüten sind meistens auffallend bunt oder anders als die anderen Blüten einer Pflanze und gibt es auch bei anderen Blütenpflanzen aber niemals aber in so dunkler Farbe. – Ich bin halt etwas ganz Besonderes.

Ich bin eine überwiegend zweijährige Pflanze mit 2-3 fach gefiederten Blättern.  Im ersten Jahr bilde ich wM HrenblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheie viele Doldenblütler eine Blattrosette aus. Erst im 2. Jahr schieben sich dann die borstig behaarten Blütenstängel hoch. Meine  Blütendolden besitzen15-30 Strahlen, die Hüllblätter sind 3teilig oder fiederig, die Hüllchenblätter sind fiederteilig und dünnzipfelig.  Von unten angeschaut  erinnert meine Dolde ein wenig an Tortenspitze.  Meine Blütezeit: Mai bis September.

Mein voll erblühter Blütenstand ist flach und bildet damit einen idealen Landeplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Sandbienen und Käfer, die sich dann an meinen Pollen weiden.

Zur Fruchtreife, aber auch bei Regenwetter neige ich meine Doldenstrahlen vogelnestartig zusammen. Als Wintersteher bleibt mein oberirdischer Spross auch noch der M Hrenbl Te-reifII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheVegetationsperiode stehen. Meine länglichen Früchte zerfallen in jeweils 2 Teilfrüchte mit Stachelreihen, die sich gern an vorbeilaufenden Menschen und Tieren festhaken und mit auf Reisen gehen.

Meine Gesamtpflanzenhöhe kann sich bis auf über 1 m erstrecken.

Ich bin ein Tiefwurzler (bis 80 cm) und bilde eine verdickte Hauptwurzel aus. Anders als die Kulturmöhre hat meine Wurzel keine gelbe oder orange Farbe, da die färbenden Carotine fehlen.

Meine Laubblätter sind neben denen der Kulturmöhre die wichtigste natürliche Nahrungsquelle für die Raupen des wunderschönen Schwalbenschwanzes (nach der Bundesartenschutzverordnung von 2005 besonders geschützt) .

Ich kann sehr leicht mit extrem giftigen Pflanzen wie dem Wasserschierling und der Hundspetersilie verwechselt werden, aber auch mit den harmloseren Arten wie Kümmel, Gartenkerbel und Koriander. Also passt gut auf, wenn Ihr mich in der Natur sammeln wollt.

Wo findet man mich? Auf Wiesen, Halbtrockenrasen, an Rainen, Weg- und Straßenränder, gelegentlich auch in Wäldern.

Meine Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle, Vitamine (A, B1, B2 + C), Flavonoide und Mineralstoffe. Wirkungsweise: Wie bei der Kulturmöhre haben meine Inhaltsstoffe antibakterielle und antifungale Eigenschaften. Außerdem gelte ich als harntreibend. Früher wurden deshalb meine Samen als harntreibendes Mittel bei Blasen- und Nierensteinen genutzt. Man kann meine kleinen haarigen Samen einfach über Speisen streuen oder damit einen Tee aufgießen, er soll wohl auch menstruationsfördernd sein.

Die kräuterkundige Eva Aschenbrenner empfiehlt meine Nachfolgerin, die Kulturkarotte, als wichtiges Gemüse für die Augen, die Haut und die Knochen. Außerdem soll sie bei Parasiten im Darm helfen. Nach ihren Angaben soll roher Karottenbrei mit etwas Sahne oder Öl verfeinert werden. Über einige Monate sollten 2-3 Möhren über den Tag verteilt gegessen werden.          -

Der Kräuterpfarrer Johann Künzle meint, dass Rüben, Karotten, Möhren (also die Kulturpflanzen) nicht bloß gute milde und nahrhafte Speisen, sondern auch nützlichgegen alle Schwächen in Leber, Nieren Milz, Blase sind, weil sie harntreibend wirken Wasser, in dem Rübenkraut gekocht wurde soll ein ausgezeichnetes Gurgelwasser bei Zahnweh, Mundgeschwülsten und Mundfäule sein. Der Absud von Rübensamen soll ein ausgezeichnetes Gurgelwasser bei Kehlkopfentzündungen und Brustleiden sein.

Maurice Mességue sagt zur Kulturmöhre: Möhren machen Menschen liebenswürdig und Frauen schön und verhelfen ihnen zu schönen Schenkeln. Na, wenn das kein Grund ist künftig mehr Karotten zu essen! Er empfiehlt sie bei allgemeiner Schwäche, Blutarmut und bei durch Vitaminmangel bedingte Krankheiten. Kurzsichtige, besonders Kinder könnten wohl ihr Sehvermögen mit dem Karotin aus Möhren bessern. Karottensaft wirkt seiner Meinung nach harntreibend und entwurmend. Mit ein wenig Honig oder mit einer Zitronenscheibe würde er eine vorzügliche Arznei gegen Halsschmerzen und gegen Erschöpfung werden. Breiumschläge aus zerdrücktem Fruchtfleisch sollten direkt auf Geschwüre, Brandwunden und Ekzeme gelegt werden, aber mehrmals täglich gewechselt werden. Hand- und Fußbäder können aus dem Fruchtfleisch von 3 pürierten Möhren und 1 l Wasser hergestellt und 2-3mal täglich durchgeführt werden.

In der Küche:

M Hrenbl Te-jungII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheFunde bei jungzeitlichen Pfahlbauten weisen darauf hin, dass ich schon seit Urzeiten als Nahrungsmittel diente. Also eigne ich mich auch für die heutige Küche.  Meine Wurzel ist jedoch herber und lange nicht so zart und süß wie die der Gartenmöhre. So kann ich z.B. als Gemüsezugabe oder Suppeneinlage genutzt werden. Dafür sollte man aber meine Wurzeln im 1. Jahr, also wenn ich noch keine Blütenstände ausbilde sammeln. Danach wird meine Wurzel zu holzig.

Meine weißen, prächtigen Blüten sind  allem für Kräutertees geeignet. Die Blüten schmecken leicht süßlich, ähnlich wie Möhre und Anis. So eignen sie sich auch als essbare Dekoration für Süßspeisen oder für Salate. Man kann sie wie andere essbare Blüten auch in Teig ausbacken oder eingelegt als Vorspeise nutzen.

Passendes Rezept: Wilde und zahme Möhren

Kulturkarotten, Pastinaken und wenig Petersilienwurzeln oder Rote Beete stifteln und in wenig Gemüsebrühe knapp gar dünsten. Mit etwas gutem Pflanzenöl, wenig Chilipulver und Meersalz abschmecken. Dann von den Wilden Möhren einige abgezupfte Früchte kurz braten und darüber streuen. Zur Krönung Möhrenblütendolden in wenig Öl nur eine Minute kross ausbacken, abtropfen lassen und vor dem Servieren auflegen.

Wilde Möhre und Kosmetik:

Durch Wasserdampfdestillation  wird aus den zerkleinerten reifen Samen das ätherische Karottensamenöl gewonnen. Es  soll besonders hautpflegend, beruhigend auf gereizte und strapazierte Haut wirken und die Regeneration der Hautzellen unterstützen.

Gesichtsmaske mit ätherischem Karottenöl:

1 Esslöffel Heilerde, 2 Esslöffel Quellwasser oder frischer Karottensaft und 4 Tropfen ätherisches Karottensamenöl verrühren. Auf das Gesicht und den Hals auftragen, 15-20 Minuten einwirken lassen und danach gut abwaschen und nachpflegen.

Meersalz-Honig-Öl-Bad

250 g Meersalz, 150 ml Honig, 1 l Vollmilch, 2 EL Mandelöl, 1 EL Wildrosen-, Nachtkerzen- oder Arganöl, 5 Tropfen Karottensamenöl.

Den Honig und die Öle in der Milch auflösen. Zuerst das Meersalz ins Badewasser geben und auflösen. Zum Schluss die Milchmischung zugeben und alles gut vermischen.

Ich habe leider kein Gedicht über mich gefunden, nur eines über die Kulturmöhre:

Zwei Möhren steckten in der Erde,

auf dass ihr Körper größer werde,

damit in ein paar Sonnenwochen,

man kann ‘nen Möhreneintopf kochen.

Die eine dacht’ mit recht viel Frust:

„Auf Eintopf hab’ ich keine Lust!

Möcht’ lieber in ‘nen Smoothie rein,

da bleib ich roh und das schmeckt fein!

Zudem ist dieses sehr modern

und viele Menschen haben’s gern.“

Die and’re wollt’ auf einen Kuchen,

der wenig süß, doch sehr pikant.

Den möcht’ ich auch gern mal versuchen,

denn dies’ Gebäck ist kaum bekannt.

Sie träumten weiter, wurden

dick und süße, mit Flausen im Kopf,

wie’s so üblich, bei jungem Gemüse.

Schließlich war’n sie reif für die Ernte,

‘ne Gärtnerhand sie aus der Erde entfernte.

Man legte sie in eine Kiste am Boden,

zu den vielen, vielen ander’n Karotten.

Ach, sie waren alle so gleich –

und kamen – wohin? Ins Eintopf-Reich.

Heike Henning

Häschenwitze

Die berühmteste Frage aus Häschenwitzen:  ”Hattu Möhren?” kennst bestimmt auch Du. Mit Ausdauer und Querulanz bringt das Häschen in den 70iger Jahren seine Umwelt um den Verstand und die Zuhörer zum Lachen. Mit frechen Wortspielen beweist das Häschen Humor und seinen Sinn für besondere Pointen.  Der Ursprung dieser Witze soll wohl inder damaligen DDR  liegen, um sich über die dortige Mangelwirtschaft lustig zu machen.

Ein Beispiel:

Häschen sieht einem Dachdecker bei der Arbeit zu. Nach einer Weile fragt es den Dachdecker: “Haddu da oben Möhrchen?” Der Dachdecker schüttelt den Kopf. Im nächsten Augenblick rutscht er aus und  fällt dem Häschen direkt vor die Pfoten.Da beugt sich das Häschen über ihn und sagt voller Mitleid: “Hättest nicht so schnell kommen brauchen. Ich hab auch keine!”

KW 29: Baldrian

Baldrianbusch-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWenn ich in der Nähe blühe kann man mich schon sehr gut an meinem Geruch erkennen: süßlich und etwas sonderbar, eben sehr charakteristisch! Meine Wurzel riecht noch stärker, aber leider für viele nicht mehr angenehm. Aus diesem Grund hat man mich auch früher manchmal nicht besonders schmeichelhaft  Stinkwurzel oder Stinkwurz genannt.  Katzen jedoch mögen meinen Duft. Spezielles Spielzeug wird manchmal mit meinem Aroma versehen (Mein weiterer Name ist deshalb Katzenwurzel). Weitere Namen: Mondwurzel oder Mondkraut, Elfenkraut aber auch Vieh-, Ratten- und Hexenkraut.

Ich bin der Baldrian (Valeriana officinalis) und gehöre zur Familie der Baldriangewächse wie z.B. der Berg- und Felsenbaldrian oder der echte Speick (Valeriana celtica). Eine nahe Verwandte aus Indien, die Narde, erzeugt die Krönung unserer speziellen Düfte. Aus ihr wurde schon in der Antike das beste Nardenöl gewonnen, das in kleinen Alabasterfläschchen angeboten wurde.

Mein Name wurde wohl vom Lichtgott Balder, dem Sohn der germanischen Göttermutter Frigg abgeleitet. Der lateinische Name kommt wohl vom lateinischen „valeo“, ich fühle mich wohl.

BaldrianblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ein ausdauerndes, kräftiges Geschöpf mit gegenständigen, unpaarig gefiederten Blättern. Je weiter oben am Stängel die Blätter gebildet werden, desto schmaler sind die einzelnen Blattfiedern. Mein Stängel ist aufrecht, gefurcht und hohl. Meine endständigen Doldenrispen bestehen aus kleinen fünfzähligen Blüten in weiss bis zartrosa. Meine Blütezeit: Juni bis August. Meine Gesamthöhe zirka 60 bis 180! cm.

Ich liebe feuchte, halbschattige Standorte an Ufern, Gräben, Waldrändern und Gebüschen.

BaldrianwieseII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch gelte als Schutzkraut gegen Hexen und Teufel. Früher glaubte man nämlich, dass mein Geruch die Nasen der Hexen beleidigen würde und sie deshalb zur Umkehr zwingen würde.

Der passende Spruch „Baldrian und Dost und Dill, da kann die Hex‘ nicht wie sie will!“ Auch der Teufel sollte stets das Weite suchen, wenn das auserwählte Opfer Baldrian bei sich trug.

Brautleute trugen mich früher gern bei sich, weil ich Hexen und Unholde fernhalten sollte.

Den ersten Bädern von Neugeborenen wurde ich zugefügt, um diese vor Seuchen zu beschützen. Angeblich wurde ich auch von Wahrsagerinnen verwendet, um ihnen Hellsichtigkeit zu verleihen.

Baldrianbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheZu meinen Inhaltsstoffen gehören: wohl nicht zu überriechen: ätherisches Öl, dann Valerensäuren, Valepotriate, Fettsäuren und Flavonoide. Meine Wirkungsweise: beruhigend, angstlösend, schlaffördernd, entspannend und nervenstärkend, aber gleichzeitig auch konzentrationssteigernd.

Geschichte:

Ich wurde bereits in der alten Zeit als Heilmittel verehrt. Schon bei den Hippokratinern spielte ich eine Rolle in der Frauenheilkunde und als Krampflöser. Hildegard von Bingen empfahl mich gegen Gichtschmerzen und die Kräuterkundigen des 16. Und 17. Jahrhunderts lobten meine lindernde Wirkung bei Atemnot, Sehschwäche, Kopfschmerzen und Husten. Dioskurides schätzte mich als erwärmendes, menstruationsförderndes und harntreibendes Mittel. Fabio Colonna, der unter Epilepsie litt stieß auf mich und wurde dadurch geheilt. Danach studierte er Botanik und verfasste ein Buch über meine Heilkräfte. Ich sollte auch zur Vorbeugung gegen die Pest dienen. Sebastian Kneipp sagte von mir, dass ich das Nervensystem beeinflusse und u.a. seelische Erregungszustände beruhige. Der Kräuterpfarrer Johann Künzle empfahl mich nicht nur bei nervösen Leiden, sondern auch um Harn zu treiben. Baldrianwein soll Leber, Milz und Galle reinigen und Steine austreiben. Gegen Gicht sollen warme Baldrianbäder wirksam sein. Da mir auch die Kraft zugesprochen wurde Liebe zu erwecken, verwendete man mich auch bei verschiedenen Liebeszaubern. Es hieß, wenn eine Frau mich am Körper trüge, würde es ihr nie an Liebhabern fehlen.

Man glaubt, der Rattenfänger von Hameln habe größere Mengen von mir bei sich gehabt und es sei mein Geruch gewesen, der die Ratten (Rattenwurzel) aus der Stadt lockte.

Als Tee 1 TL meiner klein geschnittenen Wurzel pro Tasse kalt ansetzen, 1 Stunde köcheln lassen und dann 2-3 Stunden neben dem Herd weiter ziehen lassen. Es sind auch diverse Rezepte für Mischtees (z.B. mit Hopfen, Melisse und/oder Passionsblume) mit mir bekannt.

In der Küche:

Baldrianblatt-2II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheHier finde ich weniger Anwendung als in der Heilkunde. Meine jungen Blätter können als Zusatz und/oder als Gewürz für Salate dienen.

Grüner Salat mit Badrianblättern

150 g junge Spinatblätter oder Blattsalat, eine kleine Handvoll junge Baldrianblätter, 2 hartgekochte Eier, 1 kleine Zwiebel, eine kleine Handvoll Kürbiskerne, Saft einer kleinen Zitrone, 3 EL Kürbiskernöl, etwas Senf, Meersalz, Pfeffer und 1 Prise Zucker.

Die Spinatblätter oder den Blattsalat und die Baldrianblätter waschen und putzen und in eine Schüssel geben. Die Eier in Scheiben schneiden und darüber geben. Die Zwiebel fein hacken und mit den anderen Zutaten zu einer Salatsoße rühren und über den Salat geben. Alles gut

Vermischen und zum Schluss mit Kürbiskernen bestreuen.

Meine süßlich duftenden Blüten können als essbare Deko verwendet werden.

Baldrianblüten-Wasser

Frische Blüten zusammen mit ein paar Scheiben ungespritzter Zitrone oder Limette in eine Karaffe geben, mit Wasser aufgießen und kühlen stellen. Nach 2-3 Stunden Ziehzeit testen, ob sich das Aroma genug entwickelt hat. Nach Geschmack mit etwas Honig süßen.

Zum Abschluss ein Gedicht über mich:

Es sprang ein einfältiger Jeck

wohl über uns’re Gartenheck’.

In seiner linken Hosentasche

befand sich eine kleine Flasche.

Die nahm und öffnete er leise

und goss den Inhalt tropfenweise

vor unsere Terrassentür.

Ich dachte :“Mein Gott – stinkt es hier!

Wer will denn hier die Kater locken,

dass sie vor uns’rer Türe hocken.“

Vergaß vielleicht der dumme Wicht:

kastrierte Kater lockt dies nicht.

Von Katzenjammer keine Spur,

gejammert habe ich hier nur.

Denn der Geruch von Baldrian

treibt mich hysterisch in den Wahn.

Zwar liegt er auch an meinem Bette,

jedoch in Form einer Tablette;

damit des Nachts ich komm’ zur Ruh,

hilft Baldrian mir oft im Nu.

… Und die Moral von dem Gedicht:

Vertraue dem Geruchssinn nicht!

Gabriele Förster-Wöbke

KW 28: Malve

RosenmalvenbuschII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDiese Woche dränge ich mich mit meinen zartrosa Blüten in den Vordergrund. Wer ich bin? – Nun die Rosenmalve (Malva alcea), auch Sigmarswurz oder spitzblättrige Malve genannt. Da mir meine Schwester, die Moschusmalve (Malva moschata) sehr ähnelt und wir kaum auseinander gehalten werden können spreche ich in diesem Text einfach für uns beide.

Wir gehören zur eigenen Familie, den Malvengewächsen. Hierin finden wir auch unsere Wilde-Malve-Bl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheweiteren Geschwister, die Wilde Malve (Malva sylvestris) mit ihren magentafarbenen Blüten, die zusätzlich mit dunklen Saftmalen geschmückt sind, die Wegmalve (Malva neglicta) mit ihren kleinen zartrosa bis hellblauen Blüten und die stolze Stockrose (Malva rosea), deren große Blüten in verschiedenen Farben Bauerngärten schmücken.

Wir heimischen Malven gelten mit unseren duftigen, zartrosa gefärbten Blüten als StockroseII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheInbegriff ländlicher Idylle. So waren wir schon in alten Nutz- und Bauerngärten zu Hause.

Unser Name ist wohl abgeleitet vom griechischen Malakos = weich oder entstand als Verbindung der lateinischen Wörter mollire (Erweichen) und alvus (Bauch), da wir auch bei Verstopfungen eingesetzt wurden.

Wir werden zirka 60-150 cm hoch und wachsen gern an Öd- und Schuttplätzen, an Wegesrändern und auf Äckern.

Wir bilden rauhaarige Stängel und 5 lappige, wechselständige Blätter. Diese können auch weiter oben noch fein gefiedert sein. Unsere Blütenstiele bilden sich in den oberen Wei E-MalveII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBlattachseln und tragen dann die rosafarbenen Blüten mit 5 Blütenblättern. Selten sind unsere Blüten weiß. Typisch für uns Malvengewächse ist, dass die Staubgefäße zu einer Röhre zusammengewachsen sind, die den Stempel umgibt. Aus den später entstehenden käseförmigen, schleimhaltigen Früchten wurde früher Kinderbrei (Papp) zubereitet. Da kommt unser weiterer Name Käsepappel wohl her. Unsere radähnlich runden, grünlichen Früchte sind in 12 bis 15 behaarte Segmente mit je einem Samenkorn aufgeteilt. Sie erinnern in der Form an ein Käselaibchen –so passt der Name Käsepappel auch deshalb zu uns. Die Samen haben einen Durchmesser von bis zu acht Millimeter.

MalvenblattII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch als Rosenmalve habe an den oberen Laubblättern tiefe handförmige Einschnitte. Die unteren Laubblätter sind rundlich bis nierenförmig und kaum geteilt.

Wir blühen, wenn man uns lässt, vom Juni bis in den Herbst und kommen auch mit kurzen Trockenphasen zurecht, da wir tief reichende Pfahlwurzeln ausbilden.

Wie andere Malven-Arten auch, wurde ich, die Rosen-Malve wegen ihres Schleimstoffgehalts früher in der Volksmedizin eingesetzt.

Dazu benutzte man meist unsere Blätter und Blüten. Wirksame Bestandteile meiner Blätter sind in erster Linie Schleimstoffe (5–12 %). Diese setzen sich aus Zuckermolekülen wie Galactose, Glucose und Glucuronsäure zusammen. In geringerer Menge enthalten sie auch Flavonoide. Meine Blüten weisen einen annähernd gleich hohen Schleimstoffgehalt wie meine Blätter auf. Zusätzlich enthalten sie Anthocyane, wie beispielsweise Malvin.

Die benannten Schleimstoffe legen sich als schützender Film über Schleimhäute und entfalten so eine beruhigende Wirkung. In der Pflanzenheilkunde werden meine Extrakte  bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums sowie des Magen-Darm-Bereichs eingesetzt. Auch im Zusammenhang mit Erkältungen und trockenem Reizhusten finden sie Anwendung. Da die Aufnahme anderer Arzneistoffe durch Malvenpräparate herabgesetzt werden kann, sollte zwischen der Einnahme malvenhaltiger Drogen und anderer Arzneimittel mindestens eine Stunde Abstand liegen.

Äußerlich werden meine Blätter zur Wundbehandlung in Form von Breiumschlägen oder Bädern angewendet und können auch Beschwerden durch Hämorrhoiden lindern. Bei trockener oder sogar entzündlicher Haut können meine Blätter als Badezusatz oder für Waschungen dienen.

Rosenmalve-Bl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSebastian Kneipp schrieb zu mir: „Unter den Blumen im Garten dürfen die Malven nicht fehlen. Als der gute Schöpfer ihre uns erfreuende Blüte malte, hat er mit der Farbe in jedes Blättchen einen Tropfen Heilsaft gegossen.“

In früheren Zeiten wurden mit meinen und den Blüten meiner Schwestern Rotwein und andere Lebensmittel eingefärbt.

In der Küche:

Meine schleimigen Laubblätter können roh oder gegart gegessen werden und besitzen einen milden Geschmack. Sie sind eine gute  Ergänzung zu anderen Blattsalaten. Mehr Blattwerk bietet da meine weitere Schwester, die Gemüsemalve (Malca verticillate): Sie hat zwar nur recht kleine helle Blüten, aber dafür wird sie bis 2 m hoch und bildet viele große am Rand leicht krause Blätter aus. Sie soll in China zu den ersten Gemüsearten gehören, die in Gärten angebaut wurden. „Malve im Gemüsegarten, lässt den Doktor draußen warten.“ Diese und auch meine Blüten werden roh gegessen und sind in jedem Salat eine schöne essbare Deko. Meine Samen können ebenfalls roh genossen werden, besonders wenn sie voll ausgereift sind, besitzen sie einen angenehm nussigen Geschmack.

Libanesische Vorspeise mit Malvenblättern

250 g Malvenblätter – Khibezeh, 2 kleine Zwiebeln, je 1 Prise Salz, Pfeffer und Paprikapulver, 1 Zitrone, 1 kleine Tasse Wasser

Malvenblätter waschen, den Stiel entfernen und kleinhacken. 1 Zwiebel schälen und feinhacken. Die zweite Zwiebel in Streifen schneiden und in etwas Öl braun rösten. Dann die Malvenblätter dazugeben. Alles gut vermischen und würzen. Das Wasser angießen und  ca. 15 Minuten ganz leicht köcheln lassen.

Mit Zitronensaft abschmecken und auf einen Teller geben und mit den gerösteten Zwiebeln servieren. Dazu wird Fladenbrot gereicht.

In der Hautpflege:

Hier lindern die in meinen Blüten und Blättern enthaltenen Schleimstoffe Spannungsgefühle von trockener Haut.

Das Rezept für eine Malven- und Lavendelmaske:

Je 1 EL Malven- und Lavendelblüten mit einer Tasse Wasser übergießen und nach dem 5-10 minütigen Ziehen abseihen. 2 EL hiervon mit 2 EL Quark und ein paar Tropfen Mandelöl verrühren. 20 Minuten auf dem Gesicht einwirken lassen, dann mit dem restlichen Aufguss abwaschen.

In der Blumensprache heißt es:

Ich schätze dich als meinen teuersten Freund.

Deine Schönheit macht dich stolz.

Wirst du dich nie erweichen lassen?

Charlotte de Latour schreibt der Malve “Anspruchslosigkeit” zu.

Zwei Gedichte zur Malve:

Wieder hab ich dich gesehen.

Blasse Malve! Blühst Du schon?

Ja, mich traf ein schaurig Wehen,

All mein Frühling welkt davon.

Bist du noch des Herbstes Rose,

Der gesunknen Sonne Kind,

Bist die starre, düftelose,

deren Blüten keine sind!“

Ludwig Uhland.

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Zarte Köpfchen, leuchend Farben,

dieser Anblick nicht gereut.

Konkurenz für edle Rose

blüht in meinem Garten heut´.

Damit sie auch unvergänglich

bleibet eine lange Zeit,

habe ich sie abgelichtet.

So sie nun mein Herz erfreut.

Sabine Brauer

KW 27: Nachtkerze

Nachtkerzenbl Te-gro -II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDiese Woche bin ich dran: Ich bin die Nachtkerze (Oenothera biennis) und gehöre zu einer eigenen Familie, die Nachtkerzengewächse.

Den Namen bekam ich, da meine Blüten erst zu Nacht hin aufblühen.  Meine Blüten öffnen sich abends gegen 18.00 Uhr und schließen sich 24 Stunden später wieder. Meine Bestäuber sind vorwiegend Nachtschmetterlinge. So lassen sich beispielsweise dasTaubenschwänzchen und der Mittlere Weinschwärmer beobachten, wie sie im Schwirrflug vor meinen Blüten stehen. Eine Schwärmerart trägt wegen ihrer Vorliebe für meinen Nektar sogar den Namen Nachtkerzenschwärmer. Dieser ist allerdings eher in Mittel- bis Südeuropa zuhause.

Manche bezeichnen mich auch sehr passend als Abendlicht oder Nachtstern. Auffällig ist, dass wir nachts blühenden Gewächse meist besonders helle Blüten haben; dunkle Blütenfarben werden in der Nacht “verschluckt” und wir würden von den Nachtfaltern deshalb nicht gefunden werden. Um diese Zeit ist es oft auch windstill, was den Duftgenuss noch steigern kann. So können auch Menschen, die erst spät abends von der Arbeit nach Hause kommen meinen Duft noch genießen.

Nachtkerzenrosette-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Biennis“ deutet  darauf hin, dass ich zweijährig bin, denn im ersten Jahr bilde ich lediglich eine überwinternde Rosette mit einförmigen, länglichen Blättern und erst im zweiten Jahr bilde ich Blütenstängel.

Mit volkstümlichen Namen werde ich auch Schinkenwurzel genannt – denn meine Wurzel wird durch Kochen rosafarben wie ein Schinken. Ein altes Sprichwort aus der frühen Neuzeit sagt dazu:  Ein Pfund der Nachtkerzenwurzel gibt mehr Kraft, als ein Kilo Ochsenfleisch.

Theophrast (350 v.Chr.) gab mir den wissenschaftlichen Namen: „Oinos“ (Wein) und „thera“ (Jagd oder wildes Tier) deuten an, dass ich entweder süchtig nach Wein mache (?) oder die Folgen übermäßigen Weingenusses lindere. Nach alten Überlieferungen soll ich wilde Tiere zu zähmen können, wenn ich mit Wein benetzt werde (Naja, wenn das mal stimmt).

Nachtkerzenbusch-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin also eine zweijährige Pflanze, die sich gern selbst aussäht. Meine hellgelben großen Blüten (3-8 cm im Durchmesser!) bilden sich einzeln in den Achseln der oberen Blätter. Mein Stängel ist aufrecht und verzweigt sich manchmal. Die deutlich kleineren Stängelblätter als die Rosettenblätter haben nur einen kurzen Stiel. Charakteristisch für meine unbehaarten Blätter sind die Blattnerven. Der Hauptnerv, der vom Blattgrund bis zum Blattstiel verläuft ist rötlich gefärbt, wohingegen die verlaufenden Nervenbahnen eher farblos sind.

Im Anschluss meine Blütezeit (Juni bis September) entwickeln sich aus meinen Blütenständen längliche Fruchtknoten, aus denen sich bis zu 5 cm lange und vierkantige Kapselfrüchte bilden. Jede Frucht enthält jeweils zwei Fruchtfächer in der bis zu 200 (!)Samen sitzen. Diese Samen sind meist dunkelbraun gefärbt. Da ich pro Blühzyklus übrigens mehr als 20.000 Samen produzieren kann, erklärt sich auch die Tatsache, dassich mich über kurze Zeiträume schnell ausbreiten kann. Ich kann eine Höhe von 50 bis zu 150 cm erreichen.

Ursprünglich stamme ich aus Nordamerika. Etwa Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ich dann auf dem Seeweg nach Europa eingeschleppt und fand als Zierpflanze schnell meinen Weg in viele Gärten. Da ich viele Lebensräume besiedeln kann, war ich dann innerhalb kurzer Zeit an vielen Orten Europas wild anzutreffen. Ich bin also ein klassischer Neophyt, also eine Pflanze, die durch menschlichen Einfluss heute andere Erdteile besiedelt. Gern siedele ich an Böschungen und Rainen, im Bahnschotter auf Kiesflächen und im Ödland.

In der Pflanzensymbolik stehe ich sowohl für Unbeständigkeit als auch für stille Liebe.

Heilwirkungen

Schon bevor ich als „blinder Passagier“ an Bord eines Frachtschiffs nach Europa kam, hatten die amerikanischen Ureinwohner die vielfältigen Heilwirkungen von mir entdeckt. Sie zerstampften meine ölhaltigen Samen zu einem Brei und behandelten damit Hautkrankheiten und Geschwüre. Aus meinen blühenden Sprossenspitzen wurde zudem ein krampflösender Aufguss bei Magen-Darm-Problemen angesetzt.

Die Inhaltsstoffe meiner wertvollen Samen:  Fettes Öl mit mehrfach ungesättigten essenziellen Fettsäuren, 60-80 % Linolsäure, 8-14 % Linolensäure, Vitamin E. Daraus erklärt sich auch die kannte Wirkungsweise: entzündungshemmend, immunmodulierend, Juckreiz lindernd. Die bekannten Indikationen: Neurodermitis (innere und äußere Anwendung), zur Pflege und Behandlung bei empfindlicher, trockener und alternder Haut. Innerlich auch bei Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems und bei rheumatischen Erkrankungen, PMS, Allergien u.s.w.

Nachtkerzenspitze-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheEin aus meinen Blättern und Stängeln bereiteter Tee wird auch als Mittel gegen Erkältungen der oberen Luftwege empfohlen. Er soll schleim- und krampflösend sowieberuhigend wirken und bei Husten, Keuchhusten und Bronchitis hilfreich sein. Ein aus meinen Blüten gewonnener Sirup lindert wohl Hustenkrämpfe und Asthmaanfälle.

In der Volksmedizin werde ich auch bei schmerzhaften Regelbeschwerden, zur Beruhigung hyperaktiver Kinder oder zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte eingesetzt.

Der Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl mich u.a. für rückfettende Bäder mit meinem Samenöl. Die innerliche Anwendung von Nachtkerzen- und Borretschöl, entschlackende Tees (Brennnessel, Birke, Löwenzahn) und begleitende Anwendungen, wie Entspannungsübungen, rückfettende, alkalifreie Seifen bei Problemhäuten. Ich werde also in vielerlei Hinsicht inzwischen als Heilpflanze geschätzt.Gegenanzeigen gelten nur bei innerer Anwendung bei Säuglingen und Kleinkinder unter 1 Jahr. Auch in der Schwangerschaft sollte Mittel mit mir nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewandt werden.

In der Küche:

Nachtkerzenwurzeln sollen geschmacklich der Schwarzwurzel sehr ähnlich sein. Die Zubereitungsart ist hier identisch. Die Nachtkerzenblätter hingegen haben einen leicht würzigen und herben Geschmack, der an einer Mischung aus Mangold und Spinat erinnert. Die Blätter (vor der Blüte gesammelt) können sowohl als Gemüse gekocht oder auch roh zubereitet werden. Meine Blüten duften angenehm und entfalten einen leicht süßlichen Geschmack. Sie können deshalb  u.a. auch zur essbaren Deko von Salaten oder von Süßspeisen genutzt werden. Auch meine Blütenknospen können gesammelt werden und z.B. wie Zucchiniblüten frittiert werden.

Meine wertvollen Samen können als Mitzutat  in Gebäck Verwendung finden oder im Mörser zerkleinert oder einer in einer Pfeffermühle gemahlen und über Müsli und Salat gestreut werden.

Ein passendes Rezept soll nicht fehlen:

Hüttenkäse mit  Sonnenblüten

200 g Hüttenkäse, 3 EL gehackter frischer Fenchel, 2 EL Sonnenblumenkerne, 1 EL goldener Leinsamen, 1 EL Nachtkerzensamen, ½ TL Meersalz, goldene Sommerblüten (auch Nachtkerzenknospen) zum Garnieren.

Den Hüttenkäse mit den Sonnenblumenkernen, dem angemörserten goldenem Leinsamen und Nachtkerzensamen sowie dem Meersalz verrühren und mit den Blüten verzieren.

Nachtkerzen und Hautpflege

Nachtkerzenöl: 1 Handvoll Nachtkerzenblüten leicht ausschütteln, in eine Flasche mit großer Öffnung füllen und mit Olivenöl auffüllen. Zirka 3-4 Wochen ausziehen lassen, dann abseihen und in eine dunkle Flasche füllen.

Dieses Öl soll bei unreiner Haut oder entzündeten Hautstellen helfen oder zum Massieren müder Glieder geeignet sein.

Nachtkerzenbl Te-2-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine engen Verwandten sind die  Kleinblütige Nachtkerze (Oenthera parviflora) Die Blüten sind nur etwa 2-3,5 cm im Durchmesser und sattgelb.

… und die rosa Nachtkerze (Oenothera speciosa). Diese Nachtkerze bildet dichte, flache Horste und große Schalenblüten, die ausgesprochen lange und reichhaltig in zartem Rosa blühen. Als besonders dekorative Schwester von mir ist sie in Gärten als Zierpflanze sehr geschätzt.

Zum Abschluss noch 2 Gedichte:

Die Nachtkerze

Leuchtend gelb erfreut sie uns

Ihr Duft ist feinst von Süß

Ein wenig nach Vanille

Die Pracht entfaltet sie zur Nacht

Wenn’s dunkel wird und stille

Die meisten Menschen ahnen nicht

Wozu der ganze Putz

Da man doch zu Bette geht

Für Schwärmer, Eulen, Spanner

Damit auch deren Welt sich dreht

Wenn’s hell wird ist die Pracht vorbei

Die Blüten hängen schlapp herab

Sie fallen welkend nieder

Die Knospen schlafen in den Tag

Doch dunkelts,

Dann leuchtets, duftets wieder.

Phil Sternpark

……………………………………………………….

Nachtkerzen

Sobald die Sonn’ im West versinkt,

und Tau auf Abendfluren blinkt,

bleich wie das Mondlicht aus der Fern

oder ihr beigesellter Stern

tun sich aufs Neu dem Abendtau

zarte Nachtkerzenblüten auf;

Einsiedlern gleich scheu’n sie das Licht,

gönnen dem Tag ihr Blühen nicht.

Die Nacht, blind ihren zarten Küssen,

wird nie von ihrer Schönheit wissen.

So blühn sie bis ans End’ der Nacht.

Wenn dann der neue Tag erwacht

verblühn sie, ziehen sich zurück,

sobald das Licht trifft ihren Blick.

Aus dem Englischen von Bertram Kottmann

KW 26: Königskerze

K Nigskerze-ganz-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSchaut her, ich bin ein stattliches, majestätisches Sommergewächs. Darauf weist auch schon mein Name hin: Königskerze. Ich wachse bis zu 2 m kerzengerade in den Himmel, blühe mit leuchtendgelben rundlichen Blüten und bin deshalb nicht zu übersehen. Meine Blüten (2-4 cm im Durchmesser!) besitzen 5 Blütenblätter, die im unteren Bereich verwachsen sind, die 2 oberen sind etwas kleiner als die 3 unteren und alle außen feinwollig behaart. Auffällig behaart sind auch die 3 kurz gestielten Staubblätter. Die 2 lang gestielten Staubblätter sind dagegen kahl. Meine behaarten Staubblätter täuschen einen größeren Vorrat an Pollen vor, als tatsächlich vorhanden ist. Damit wirken meine Blüten attraktiver für hungrige Insekten. Das leicht „wollige“ Aussehen meiner gesamten Blüten hat zum Namen Wollblume geführt.

K Nigskerzenrosette-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ein zweijähriges Gewächs, d.h. im ersten Jahr bilde ich eine Rosette aus wollig-filzig behaarten länglichen Blättern. Im 2. Jahr schiebe ich dann einen geraden kräftigen Stängel in den Himmel, der nach und nach sehr viele Blüten tragen soll. Durch die herablaufenden Blätter wirken meine Stiele teilweise geflügelt. Meine Knospen öffnen sich zuerst an dem Hauptstängel spiralförmig von unten nach oben. Später bilde ich Seitentriebe, hier bilde ich ebenfalls dichtsitzende Blüten bis zur Spitze.

So bilde ich nach und nach wohl bis zu tausend Blüten und bis zu 700.000 Samen. Für die Insektenwelt bin ich als Kinderstube, Nahrungsquelle und Versteck von großer Bedeutung und deshalb sehr wertvoll in naturnahen Gärten.

Ich gehöre zur Familie der Braunwurzgewächse und habe eine Menge Synonyme, wie z.B: Brennkraut, Fackelblume, Himmelsbrand, Donnerkerze, Marienkerze und Wollkraut.

K Nigskerzenbusch-1II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheKönigskerze und Fackelblume weisen auf die frühere Verwendung von mir als Fackel hin: Hierzu wurde ich mit Pech und Teer bestrichen und angezündet. Die Legende besagt, dass mit dieser „Fackel“ verirrten Seelen der Weg nach Hause gezeigt werden sollte. Die Namen Donnerkerze und Himmelsbrand kamen zustande, da man hoffte mit mir Unwetter abwenden zu können. Amulette aus meiner Wurzel sollten vor bösen Kräften und Unholden schützen (Unholdpflanze).

Meine Schwester die kleine Königskerze ist auch als Wetterpflanze bekannt. Neigt sich ihr Blütenstiel nach Westen, wird es regnen. Deutet er nach Osten, kann man Sonnenschein erwarten. Bildet sie im ersten Jahr eine Blattrosette, deren Blätter im unteren Teil sehr dicht beieinandersitzen, soll das ein Anzeichen für frühen Schneefall im Winter sein. Liegen die Blätter am oberen Teil der Rosette eng beisammen, wird es erst zum Jahresbeginn schneien.

K Nigskerzenspitze-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, als  Großblütige Königskerze, gehöre als Mittelpunkt immer in den traditionellen Kräuterbusch, der an Maria Himmelfahrt am 15.08. gesammelt, gebunden und anschließend geweiht wird.

Wo fühle ich mich besonders wohl? – Nun, auf Industriebrachen, Bahndämmen, Straßenrändern und ruderalen Flächen.

Meine Inhaltsstoffe:

Saponine, Schleim, Flavone, Aucubin, ätherische Öle. Meine Wirkungen: antibakteriell, antiviral, auswurffördernd, entzündungshemmend, reizmildernd, schleimhautschützend, schleimlösend, schmerzstillend.

Der 5-Kräuter-Brusttee hat sich bereits im Altertum bewährt: jeweils 20 g Wollblume, Huflattich, Eibisch, Malve, Märzveilchen mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und zur Hustenlinderung und Förderung des Auswurfs mehrmals täglich schluckweise trinken.

Geschichtliches

Hippokrates empfahl mich für Wundbehandlungen. Die in mir enthaltenen Saponine sollen für Fische giftig sein. Laut Aristoteles betäubt mein in ein Gewässer gestreute Samen die Fische und erleichtert so den Fischfang durch die betäubende Wirkung.

Hildegard von Bingen erwähnt mich als wullena als Heilmittel für Halsschmerzen, bei Heiserkeit und gegen ein „traurig Herz“. Leonard Fuchs empfahl u.a. zerriebene Blätter gegen Verbrennungen und – mit Honig gemischt – zur Heilung von Geschwüren und Wunden.

In der Phytotherapie werde ich, als Wollkraut oder Wollblume bezeichnet, als schleimlösendes Mittel bei Erkältungen verwandt.

1999 wurde ich (die großblütige Königskerze = Verbascum densiflorum) als Heilpflanze des Jahres gekürt.

Von Juni bis August können meine schönen großen gelben Blüten vormittags geerntet werden. Sie lassen sich frisch oder getrocknet zur Bereitung von Hausteemischungen verwenden. Gekocht können meine Blüten für ein sanftes Aroma und als goldgelber Farbgeber für Sirup, Limonaden oder Spirituosen genutzt werden. Der Pfarrer Kneipp empfahl zur Stärkung des Herzes eine kräftige Fleischbrühe mit meinen goldgelben Blüten zu veredeln.  Als besonders wirksam hielt er das aus meinen Blüten gewonnene Öl bei „Harntröpfeln“. Weitere Anwendungen dieses Öls: Hämorrhoiden, Neuralgien und Ohrenentzündungen.

Verwandte:

K Nigskerze-wei II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAndere bekannte Mitglieder meiner Verbascum-Familie : Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) mit kleineren Blüten (1-2 cm Durchmesser), die mehlige Könisgskerze  (Verbascum lychnites) mit gelben oder weißlichen Blüten, hier sind die Blätter oberseits fast kahl und unterseits mehlig, die hübsche schwarze Königskerze (Verbascum nigrum) deren Blüten wollige, purpurfarbene Staubfäden besitzen und die K Nigskerze-schwarz-2-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWindblumen-Königskerze (Verbascum phlomoides), die gestielte Grundblätter aufweist und wenig geflügelte Hauptstiele. Verwechslungen sind aus heilkundlicher Sicht nicht von Bedeutung, da die Eigenschaften weitgehend übereinstimmen.

Achtung, empfindliche Personen können bei Berührung mit leicht allergischen Hauterscheinungen reagieren.

In der Küche:

Königskerzen-Butter

1 Handvoll Königskerzenblüten, ½ Packung weiche Butter, etwas Honig.

Die Staubblätter von den Königskerzenblüten entfernen, grob zerkleinern und mit etwas Honig unter die weiche Butter rühren. Kühl stellen.

Zucchinisahnesuppe mit Königskerzenblüten

1 kg Zucchini, 1 kleine Zwiebel, 1 kleine Knoblauchzehe, etwas frisch geriebenen Ingwer, 1 ½ l Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, etwas Masala-Kräutersalz, Pfeffer, Muskatnussblüte, frische Königskerzenblüten (+ ev. Ringelblumenblüten) zum Garnieren.

Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und in kleine Würfel schneiden, Die Zucchini putzen und klein schneiden. Die Zwiebel- und Knoblauchwürfel in etwas Olivenöl andünsten, die Zucchini zugeben, dann mit der Brühe ablöschen. Zirka 10-15 Minuten sanft köcheln, dann die Suppe pürieren, mit der Sahne auffüllen und mit den Gewürzen abschmecken. Zum Schluss mit den Blüten garnieren.

Königskerzenwein für gute Laune

1 kleine Handvoll getrocknete Königskerzenblüten oder 1 große Handvoll frische Blüten, 1 TL Fenchel, 1 Flasche Weißwein und 2 EL Honig.

Die Blüten mit dem Weißwein und dem angemörserten Fenchel aufkochen und nach dem leichten Abkühlen den Wein mit Honig süßen. Abseihen und in eine Flasche füllen.

Passende Gedichte dürfen zum Abschluss nicht fehlen:

Königskerz‘ auf der Heide

geht in blaßgrüner Seide,

reckt die Arme zum Himmel auf,

trägt einen Leuchter mit Lichtern drauf.

In der Nacht, in der Sommernacht,

leuchtet hell ihrer Kerzen Pracht;

dann halten in dem goldnen Schein

die Elfchen ihren Ringelreihn.

Wer hat’s gesehen? Zwei Wandersleut’

berichten darüber hocherfreut,

ein Käfer und eine Grille;

die kamen spät des Weges daher,

sahen den Tanz und staunten sehr

und hielten sich mäuschenstille.

Johannes Trojan (1837-1915)

………………………………………………

Hinter der Hecke gut versteckt,

hab ich sie letztes Jahr entdeckt.

Wie sie bei mir gelandet ist

ist heut noch ein Rätsel für mich

Durch ihre gold’ne Blütenpracht

ist die Neugier in mir erwacht

Was könnt das für ‘ne Pflanze sein

an der Insekten sich erfreun

Drum habe ich mich schlau gemacht,

und mir Gewissheit gleich verschafft.

Sie wurde Königskerze genannt

Den Namen sie dem Ausseh’n verdankt

Sie trägt den Namen nicht umsonst

denn majestätisch und gekonnt

steht sie im Garten kerzengrad

sie zu entfernen wär zu schad’

Als Heilpflanze heut sehr begehrt

fand sie einen besond’ren Wert

Sie, das Symbol für langes Leben

Darf gern in meinem Garten stehen.

Karin Grandchamp

KW 24 + 25: Lavendel

Lavendel6-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche„Oh, wie bin ich glücklich, nicht zu den unzähligen Blüten zu gehören,

die einfache  Gartenbeete schmücken.

Ich laufe nicht Gefahr, in gewöhnliche Hände zu fallen,

an einem Ort bedeutungsloser Unterhaltung zu enden.

Anders als es meine Pflanzenschwestern gewöhnt sind,

lässt mich die Natur fern von Bächen wachsen.

Ich verabscheue bearbeitete Erde und kultiviertes Land.

Ich bin wild. Fern der Gesellschaft ist meine Heimat

die Wildnis und die Einsamkeit, denn ich möchte mich nie und nimmer

unters Volk mischen!

Da mich niemand aussät und mich niemand anbaut,

bin ich keinem zu Dank verpflichtet. Frei…ich bin frei!“

Bereits in dem Märchen aus 1001 Nacht wurden mir diese Zeilen gewidmet.

Als Heilpflanze bin ich allerdings schon lange sehr geschätzt, und jetzt wurde mir wurde die Ehre zuteil, zur Arzneipflanze dieses Jahres (2020) gekürt zu werden.

Der Ursprung meines Namens: Der mittellateinische Name “Lavandula” ist dem lateinischen lavare = waschen angelehnt, weil man mich gern dem Waschwasser oder Bädern zusetzte.

Der echte (wilde) Lavendel gedieh von Blicken geschützt unter den brennenden Strahlen der Sommersonne auf den Kämmen und Hügeln der provenzalischen Berge. Von den Schafen wurde er verschmäht, aber von den Schäfern als Allheilmittel betrachtet.

Lange Zeit war ich nur eine Wildpflanze, ein Teil der Landschaft und wurde von niemandem wirklich groß beachtet. Vor Ende des 19. Jahrhunderts sind schriftliche Überlieferungen über Anwendungen mit mir eine Rarität. Mein Siegeszug begann erst ab dem Jahr 1870.

Die Parfümhersteller von Grassé holten meine Ahnen von den  windigen Bergkämmen in erreichbare Hochebenen und betrieben als erste den Anbau von Lavendel. Nach und nach begann man sich meine Ahnen zunutze zu machen.

Die Parfümhersteller verwendeten sie als Bestandteil  für Eau de Cologne und einer Vielzahl anderer Duftwässer und stellten sie damit in eine Reihe mit den stolzen Blüten der Rose und der Lilie.

Der Kaiser Napoleon Bonaparte trug zu meinem Triumphzug bei, da er sich täglich mit einem der allerersten Eau de Cologne, das natürlich Lavendel enthielt, frisch machte und parfümierte.

Die Bauern des 19. Jahrhunderts pflückten meine Ahnen in ungefähr 1000 m Höhe immer nach dem 14. Juli, kurz bevor die Blüten abfielen. Das Pflücken war Familiensache. Dazu wurde der Lavendel büschelweise mit der Sichel geerntet und zuerst in einen Schurz und dann in ein großes Stück Stoff gelegt. Ein kleiner zerlegbarer Destillationsapparat, der Alambic, wurde auf dem Rücken eines Esels oder Maultiers mitgeführt. Die kürbisförmige Destillierblase aus Kupfer wurde mit einem Gemisch aus den zerkleinerten Blüten und Wasser gefüllt. Das notwendige Feuer wurde direkt unter der Destillierblase, die zwischen Steinen aufgestellt wurde, angezündet. Die parfümierten Dämpfe wurden in einem konischen Hut über der Blase aufgefangen. In feinen Rohren kühlte sich der Dampf wieder ab und kondensierte als Ätherisches Öl.

Lavendelhecke-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheDas Pflücken und Transportieren des Lavendels  an den steinigen Hängen war harte Arbeit. Aus diesem Grund begann man den Lavendel in Dorfnähe auf Feldern in den charakteristischen langen Reihen anzubauen. Nach und nach verdrängte der kultivierte Anbau das Pflücken des wilden Lavendels. In den Höhen wurde der wilde Berglavendel immer stärker vernachlässigt, so eroberten Sträucher und Kiefern diesen Raum und zwangen den wilden Lavendel teilweise zum Rückzug.

Lavandin

Der Lavandin, eine natürliche Hybride (Eine Kreuzung zwischen Eltern zwei verschiedenen Arten bzw. Unterarten) des wilden Lavendels aus den Hochlagen mit dem Speiklavendels (Lavandula spica) aus den Niederungen, war schon immer in den mittleren Höhenlagen zu finden. Der Lavandin ist robuster als meine Vorfahren, aber sein weniger feines Öl wurde von den Parfümherstellern nicht so hoch geschätzt. Dies änderte sich jedoch mit der Erfindung der Waschmaschine. In den 1930er Jahren suchten die Waschmittelhersteller nach einem Mittel um den Geruch des übel riechenden Waschpulvers zu überdecken.  Sowohl die ätherischen Öle des wilden Lavendels, als auch die des Speiklavendels hätten sich geeignet, aber die mageren Ernten hätten niemals dafür gelangt. So kam ein Händler aus der Nähe des Mont Ventoux  auf die Idee die Blüten des Lavandins zu destillieren.

Der Anbau dieser Sorte, die neben ihrem hohen Ertrag gut auf Böden in tieferen Lagen gedeiht, erlebte ab den 50iger Jahren einen Aufschwung. Heute hat der Lavandin, zu Unrecht Lavendel genannt, seinen festen Platz in der Provence gefunden. Er färbt weite Felder in tiefes Violett. Der echte Lavendel ist in hohen Lagen verblieben.

Die duftende Seele des Lavendels

Auch wenn sich die Destillationsmethoden im Laufe der Zeit sehr verändert haben und auf hohen Ertrag getrimmt wurden, meine Blüten zu destillieren heißt, ihre Seele einzufangen.

Die Ernte findet zirka von Anfang Juli bis Mitte August statt. Wenn mehr als die Hälfte der Blüten geöffnet ist, ist der Ölgehalt am Höchsten. Mit der Schneidemaschine werden Bündel von blühenden Stängeln abgeschnitten. Diese Bündel werden getrocknet, dabei ändert sich die Farbe, sie geht von malvenfarbig ins gräuliche

Die Destillation ist ein mechanisches Verfahren der Ölgewinnung bei Duftpflanzen. Einem Druckbottich, der mit Blüten oder Lavendelbündeln gefüllt ist, wird unter Druck Wasserdampf zugeführt. Hitze und Druck zusammen lassen die kleinen Ölbehältnisse in den Pflanzen platzen und der Wasserdampf leitet die Ölmoleküle aus dem Bottich über den Schwanenhals des Alambics. Die Mischung aus Wasserdampf und ätherischem Öl wird über eine Rohrschlange, ein langes Kupferrohr, das in kaltes Wasser getaucht ist, abgekühlt und ergießt sich in einen Behälter. Hier trennen sich Öl und Wasser aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichte auf natürliche Weise. Das leichtere Öl schwimmt oben und kann dann abgefüllt werden.

Bei der Destillation wird aus 200 kg echtem Lavendel weniger als 2 Liter  duftendes Öl destilliert.

Das verwendete Wasser wird nun zum Hydrolat oder Blütenwasser und enthält noch einen kleinen Anteil Restöl und die wasserlöslichen Wirkstoffe der Pflanze.

Lavendel-21-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bzw. andere Lavendelarten gediehen ursprünglich nur in trockenen und sonnigen Ländern. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurden wir von  Botanikern und Gärtnern bis in Länder gebracht, deren Klima uns nicht wirklich angenehm war. Wir passten uns aber immer wieder an und so kam es dazu, dass England heute als Wiege des Gartenlavendels gilt.

Ich  gehöre zu den Lippenblütlern, wie Thymian, Rosmarin, Ysop und viele andere Gewürzpflanzen und blühe je nach Höhenlage ab Ende Juni bis in den August. Mein ährenförmiger Blütenstand ist kurz und  trägt viele winzige Blüten. Die Farbe schattiert zwischen blassblau und violett und manchmal auch in malve. Mein  ätherisches Öl verbirgt sich in den Zellen der Blütenkelche,  die von mikroskopisch kleinen feinen Härchen ummantelt sind. Meine Blätter sind schmal und länglich.

Königin Victoria aus dem 19. Jahrhundert war eine begeisterte Anhängerin von mir und damit bemühten sich auch die Untertanen diesen Duft zu verströmen. Der English Lavender war geboren. Henrietta Maria, die Gemahlin von König Charles I, brachte Kosmetika vom europäischen Festland an den englischen Hof und damit die Idee, Seife mit meinem Öl zu parfümieren, Duftpotpourris herzustellen und zum Waschen und Baden  Lavendelwasser zu benutzen. Lavendelverkäuferinnen wurden Teil des englischen Straßenbildes und sie forderten einen hohen Preis für ihre Ware. Anscheinend wurden die Damen viktorianischer Zeit niemals des Lavendelduftes überdrüssig. Doch gerade diese besondere Vorliebe trug zum Niedergang dieser Popularität im beginnenden 20. Jahrhundert bei. Man begann ihn als Duft alter Damen zu betrachten. Das änderte sich wieder mit der Einführung der Naturkosmetikprodukte. Hier spiele ich  aufgrund meiner desinifizierenden und pflegenden Eigenschaften eine große Rolle.

Meine Inhaltsstoffe

Ich bin eine wissenschaftliche sehr gut erforschte Heilpflanze. Bis heute hat man etwa 200 verschiedene Inhaltsstoffe entdeckt, und es sieht so aus, als wenn noch weitere entdeckt werden könnten.

Doch Lavendel ist nicht gleich Lavendel. Unsere wirksamen Bestandteile variieren je nach Sorte, Anbaugebiet, Erntezeitpunkt und Destillationsverfahren.

Zu den Inhaltsstoffen meiner Blüten gehören das ätherische Lavendelöl, Cumarine, Flavonoide und Gerbstoffe. Mein Tee ist in der Regel gut verträglich. Die Einnahme meines Ätherischen Öls kann zu Aufstoßen, Übelkeit und allergischen Hautreaktionen führen. Kapseln werden aber sehr empfohlen bei innerer Unruhe, Nervosität und Angstzuständen.

Man versuchte mit mir in alten Zeiten z.B. auch die Ansteckung bei Seuchen zu verhindern. Besonders während der großen Pest von 1665 in London. Zur Desinfizierung der Räume wurde mit mir geräuchert.

Die römischen Soldaten waren von meiner Heilkraft so überzeugt, dass sie mich zur Behandlung von Kriegsverletzungen mit auf ihre Feldzüge nahmen. Im 16. Jahrhundert war Königin Elisabeth I. von England eine überzeugte Anhängerin von mir. Sie trank große Tassen Lavendeltee  gegen ihre häufige Migräne.

Die Anekdote „Der Essig der vier Diebe“  erzählt von 4 Ganoven, die bewusst Pestkranke überfielen, ohne sich dabei vor Ansteckung zu fürchten. Sie verrieten, dass sie ihre Körper mit einer Mixtur auf der Basis von Gewürzpflanzen, wie Lavendel, Rosmarin, Wermut Salbei, Minze und Raute einrieben. Auch Handschuhmacher, die ihre Waren mit Lavendel parfümierten sollen zu Zeiten der Cholera vor dieser Krankheit geschützt gewesen sein.

Jüngere Studien zur meiner Wirksamkeit bestätigen die traditionellen Anwendungen.  Ich wirke antiseptisch, wundheilend, entzündungshemmend, antirheumatisch, entgiftend, Insekten abweisend, beruhigend, Schlaf fördernd… Ich bin völlig unschädlich, die äußere Anwendung birgt kein bekanntes Risiko.

Ein Aufguss aus meinen Blüten,  Melisseblättchen und Majoran ist ideal nach der Mahlzeit, denn er wirkt verdauungsfördernd. Jeweils 1 TL pro Pflanze nehmen und das Ganze 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

Mein ätherisches Öl ist auch das Antistress-Öl schlecht hin: Einige Tropfen der Essenz des wilden Lavendels im Bereich der Handgelenkinnenseite einmassieren und die entspannende Wirkung genießen!

Ein entspannendes Massageöl kann auf der Grundlage von Mandel-, Sonnenblumen- oder Olivenöl hergestellt werden. Dafür je 5-10  ml Basisöl  2-3 Tropfen ätherisches Öl anwenden.

Lavendel in der Schönheitspflege

In der Welt der Schönheitspflege bin ich Synonym für Reinheit, Frische und Sonnenlicht und wirke belebend und erheitere die Sinne. Lavendelwasser reinigt die Haut, kann gut als erfrischendes Tonic verwendet werden und man kann mit Lavendelessig kleine Hautunreinheiten behandeln. Eine Spülung mit Lavendelwasser gibt Glanz ins das Haar.

Lavendel in der Küche

Lavendelkekse-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten sollten vorsichtig wie ein Gewürzkraut in der Küche verwendet werden, da ich ansonsten Gerichte mit mir sehr dominant schmecken. In getrockneter Form ist  die Blüte für alle Gerichte geeignet,  aber im Sommer sollte man nicht auf frisch geschnittene Blüten von mir verzichten. Meine Aromen können auf vielfältige Weise eingefangen werden.

Zum Beispiel kann man die Blüten einige Minuten in heißer Milch oder Sahne ziehen lassen. Nach 3 Minuten das erste Mal kosten, danach abseihen und weiter verwenden.

Man kann meine Blüten auch direkt als Würzmittel einsetzen. Bei Fleisch (z.B. Lamm, Kaninchen oder Hühnchen) fügt man meine Blüten beim Ablöschen dazu und kompensiert den süßen Geschmack z.B. mit etwas Essig.

Für sommerliche Grillgerichte passt eine Mischung aus 4/5 Thymianblüten und 1/5 Lavendelblüten, die noch mit Olivenöl und Zitronenzesten vervollständigt werden kann.

Hier noch zwei Rezepte mit mir:

Ofenkartoffeln mit Lavendel und Rosmarin

800 g kleine Kartoffeln, 2 EL Rapsöl, 1 TL Lavendelblüten, 1 EL frische Rosmarinnadeln, 1 TL grobes Meersalz, 1 Knoblauchzehe, nach Geschmack Parmesanhobel

Die Kartoffeln waschen, ev. bürsten und halbieren oder vierteln. Die Rosmarinnadeln etwas kleiner hacken, den Knoblauch zerkleinern und in einer Schüssel zusammen mit dem Öl, dem Meersalz und den Lavendelblüten verrühren. Die Kartoffeln untermischen und dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei zirka 190 Grad Umluft zirka 30 Minuten garen. In den letzten 5 Minuten nach Geschmack noch Parmesanhobel über die Kartoffel geben.

Gorgonzola-Creme mit Lavendel

50 g Walnuss- oder andere Nusskerne, 3 Stängel Thymian, 150 g cremiger Gorgonzola, 2 EL saure Sahne, 1 TL Lavendelhonig (ersatzweise ein anderer flüssiger Honig), 1/2 TL getrocknete Lavendelblüten.

Die Walnusskerne grob hacken. Thymian waschen, trocken tupfen und die Blättchen von den Stängeln streifen. Gorgonzola mit saurer Sahne und Lavendelhonig cremig rühren. Mit Walnüssen und Thymian verrühren und mit Lavendelblüten und Thymianblättchen bestreuen.

Zum Abschluss noch 2 weitere Gedichte über mich:

Lavendeltraum

Blau soweit das Auge reicht.

Warme Luft über endlose Felder streicht.

Zart und warm strömt es hervor.

Düfte steigen betäubend empor.

Schwirrende Bienen, summende Hummeln

Sich über den Duftfeldern tummeln.

Mit Pollen und süßem Nektar beladen

Kehren sie heim in ihren Schragen.

Blütensammler kommen mittags daher,

Schneiden die blauen Ähren schwer.

Dann trocknen sie in lauer Luft,

Geben unseren Schränken und Laden Duft.

Andere wandern in Gläser hinein,

Übergossen mit viel Alkohol rein.

Sie destillieren in Wärme und Licht,

Geben ab die zarten Öle – welch Gedicht.

Feine Damen trugen das Tüchlein wohl

Benetzt mit den Düften am Busen voll.

Oma kannte es als Lavendel Uralt.

Ich erinnere gerne ihre Gestalt.

Heute schnitt ich die blauen Blüten,

Damit sie mir den Schlaf behüten.

Als zartes Gewürz in Salat oder Tee

Sei mir gegrüßt Lavendelfee.

Ein Allheilmittel bist du nicht,

Aber ich widme dir dies Gedicht.

Ich bitte , bleib uns weiter treu,

Damit sich stets an dir das Herz erfreu.

Heidemarie Opfinger

Lavendel

Berauschen könnt ich mich

an dir du schönes Lila!

Wer auch so denkt

und fühlt wie ich

der weiss jetzt

sicherlich

wovon ich hier

so schwärm und sprich!

Ja natürlich, gut erkannt

kommt alle her und angerannt

um euch jetzt zu berauschen…

am duftend lilaschön Lavendel!!!

Bruni Rentzing

KW 23: Linde

Linde-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBevor ich mich hier genauer vorstelle ist als erstes zu klären, bin ich eine Sommer- oder eine Winterlinde? – Denn hier in Deutschland sind wie beide heimisch. Wie unterscheiden wir uns?

Wir Sommerlinden (lat. Tilia platyphyllos)  haben größere Blätter als unsere Schwestern, die Winterlinden (lat. Tilia cordata), allerdings nicht so reichhaltige Blütenstände. Ich blühe zirka 14 Tage früher, als die Winterlinde. Wir beide sind sommergrün und haben wechselständige, meist herzförmige und gesägte Blätter. Wir Sommerlinden haben nicht nur etwas größere Blätter sondern an der Unterseite kleine weißliche Haarbüschel im Innenwinkel der Blattnerven. Die Blätter der Winterlinde sind meist etwas dunkler grün und besitzen an der Unterseite ein kleines Büschel rotbrauner Haare. Unsere grünlichen Blüten stehen in Trugdolden und besitzen ein zungenförmiges, hellgrünes Fruchtblatt, das später als Flugorgan für die Samen dient. Lindenbl Tter1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheAus den Blüten entstehen kleine einsamige Nüsschen. Wir Linden können sehr alt werden, vermutlich 1000 Jahre und älter und eine Größe von bis zu 40 m erreichen. “Die Linde kommt 300 Jahre, steht 300 Jahre und vergeht 300 Jahre“ ist ein alter Spruch. Wir Sommerlinden blühen von Juni bis Juli, die Winterlinden fangen, wie schon erwähnt, zirka 2 Wochen später an Blüten zu bilden und unsere Blüten sind prima Bienenweiden. So summt und brummt es zu dieser Zeit in unseren Kronen. Imker nennen uns deswegen auch gern Trachtbäume.

Aufgrund unserer weichen, biegsamen Rinde erhielten wir unseren Namen, denn indogermanisch bedeutet „lentos, lint“ biegsam und weich. Sie wurde als Bast verwendet. Der Arzt Lonitzer sagte im 16. Jahrhundert: „Die Linde hat den Namen von der Lindigkeit“, denn die Menschen fanden alles an der Linde mild, weich, eben lind.

Lindenbl Tter2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWir Linden waren seit jeher fester Bestandteil des sozialen Lebens der Menschen. Wir waren Friedens-, Treue-, Gerechtigkeitssymbol und Schwurbaum und gelten als heilige Bäume sowie als Symbol für Gastfreundschaft. Als Baum der Freija (aufgrund der herzförmigen Blätter) wurde uns Linden nachgesagt, wir könnten die Wahrheit ans Licht bringen. Deshalb wurden unter unserer Krone lange Zeit Gerichtsverhandlungen abgehalten. Die dort gesprochenen Urteile galten oft als unanfechtbar und wurden mit dem Spruch „judicum sub tilia“ urkundlich bezeichnet. Unser Name lockt zur Einkehr bei der Lindenwirtin und als Name für eine populäre Fernsehserie „Lindenstraße“ In unzähligen Orts- und Straßennamen von Lindau bis Lindenberg ist unser Name versteckt. Auch zahlreiche Namen, wie z.B. Linda, Gerlinde,  Rosalinde und Belinda, leiten sich von uns Lindenbäumen ab. In Schweden waren Linden als „Schutzbäume“ üblich. Die Namen Linné, Tiliander und Lindelius sind von dem der Linde abgeleitet. Es hieß, dass mit dem Aussterben dieser Familien auch die entsprechenden Hausbäume abstarben. Der Siegfried aus der Nibelungensage konnte ja nur aufgrund der Tatsache ermordet werden, weil ein Lindenblatt während seines Bades in Drachenblut auf seine Schulter fiel und ihn damit an dieser Stelle verwundbar machte.

Wir Linden  gelten als die meist besungene Bäume. Wir zieren viele Bilder und Wappen. Für die Germanen waren wir der Baum der Liebenden, der Fruchtbarkeit und des Wohlstandes. Unser weiches Holz eignet sich gut zum Schnitzen, deshalb schufen Künstler Marienbilder und Heiligenfiguren hieraus.  Lindenzweige über der Tür sollen Schutz bringen, Rinde des Lindenbaumes in der Tasche getragen sollte vor Vergiftungen schützen, und die Blätter und Blüten unter dem Kopfkissen sollten ruhigen, tiefen Schlaf bringen. Im keltischen Baumkreis sind wir dem Zeitraum vom 11. Bis 20.3. und 13. Bis 22.9. zugeordnet.

Ich, als Sommerlinde wurde bereits im Jahr 1991 zum Baum des Jahres gekürt. Meine Schwester, die Winterlinde erst 2016.

Lindenbl Ten-2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksheilkunde werden überwiegend unsere Blüten verwendet. Sie enthalten u.a. Schleim, Flavonoide, ätherisches Öl und Gerbstoffe. Damit sollen sie auf den menschlichen Organismus schweißtreibend, reizlindernd, auswurffördernd, schwach krampflösend, leicht beruhigend und schlaffördernd sowie abwehrsteigernd wirken.

Somit sind unsere Indikationen: Als schweißtreibendes Mittel bei fieberhaften Erkältungen, Husten und zur Steigerung der Abwehrkräft.

Hildegard von Bingen vermerkte über uns nur, dass wir sehr heilsam seien. Maria Treben empfiehlt ein Lindenblüten-Vollbad für Kinder, die unruhig schlafen. Eva Aschenbrenner empfiehlt Lindenblüten auch für einen Kaltwetter-Tee oder ebenfalls für ein Bad. Sebastian Kneipp beschreibt Lindenblütentee ebenfalls als schweißtreibend, schwach krampflösend und leicht fiebersenkend und empfiehlt ihn auch als Inhalationsmittel. Lindenblütentee mit Lindenblütenhonig gesüßt ergibt ein beliebtes Heilmittel bei Kinderhusten.

Tee-Rezept bei Erkältungskrankheiten und trockenem Reizhusten :

1 TL getrocknete Blüten mit 1 Tasse siedenden Wasser überbrühen und abgedeckt 7 Minuten ziehen lassen. Bis zu 5 x täglich eine Tasse möglichst heiß trinken.

Auch für Voll- und Fußbäder geeignet.

Tee-Rezept zur Reizlinderung bei Husten:

1 TL getrocknete Blüten  mit 1 Tasse kaltem Wasser übergießen und abgedeckt 30 Minuten ziehen lassen, 2-3 Tassen täglich schluckweise trinken.

Die Linde in der Küche

Unsere jungen Lindenblätter sind im Frühjahr besonders zart und eignen sich daher für verschiedene Gerichte. Salate, Suppen, Aufläufe. Die Blättchen beinhalten Schleimstoffe, die gut bindende Eigenschaften, z.B. in der Suppe, aufweisen. Später werden die Blätter derber. Dann ist es ratsam sie zu trocknen und fein zu mahlen. Im 2. Weltkrieg soll eine Mischung aus Gerstenmehl und zu Pulver zerstoßenen Lindenblättern als „reine verte“ (Grüne Königin) verwendet worden sein.

Käse-Lindenblätter-Röllchen

Zutaten:  200 g Goudakäse in Scheiben 20 junge Lindenblätter, Tomatenmark, 4 EL Distel- oder Walnussöl, 2 EL Apfelessig, Vital-Kräutersalz, etwas Mönchspfeffer und 1 Prise Zucker

Die Käsescheiben dünn mit Tomatenmark bestreichen. Lindenblätter auflegen und aufrollen. Diese in Röllchen schneiden und jeweils mit einem Zahnstocher feststecken. Aus den restlichen Zutaten eine Marinade rühren. Die fertigen Röllchen auf Lindenblätter legen mit der Marinade beträufeln.

Lindenblüten-Honig

1 Tasse Lindenblüten in ein Glas flüssigen Honig geben und gut verrühren. Bereits nach 24 Stunden hat der Honig dieses leckere Aroma angenommen!

Lindenblüten für die Schönheit

Dass Lindenblütentee schweißtreibend wirkt ist vielen Menschen bekannt. Interessanterweise verhindert ein Bestandteil des ätherischen Öls der Lindenblüten, das Farnesol, aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung, dass Körperschweiß unangenehm riecht. Aus diesem Grund ist dieser Wirkstoff in vielen Deodorants enthalten.

Linden – Pflege und Schönheit für die Augen

Schon Hildegard von Bingen empfiehlt zum Schlafen frische Lindenblätter auf die Augen zu legen, um sie zu klären und zu reinigen.

Lindenblütenwasser zur Gesichtspflege wird wie Tee hergestellt. Hierzu kann man einfach den Rest aus der Kanne nutzen. Mit Rosenwasser vermischt wirkt es noch harmonisierender und kann wie ein Tonic verwendet werden. Mit etwas Alkohol versehen, verlängert sich die Haltbarkeit. Eingefüllt in eine kleine Sprühflasche kann es gerade im Sommer leicht gekühlt die Haut erfrischen. Das kann auch angespannte und gereizte Gesichtshaut leicht beruhigen.

Auch als letzte Spülung nach der Haarwäsche macht dieser Tee die Haare geschmeidig und entspannt die Kopfhaut.

Die kühlende Wirkung der Linde kann auch das Brennen von erhitzter Haut nach zu viel Sonne lindern. Hier können Umschläge mit kaltem Lindenblütentee ausgesprochen wohltuend wirken.

Ein Spruch zur Linde »Hat die Linde starken Duft, dann liegt Regen in der Luft!«

Gedicht von J.Fr. von Eichendorff:

Bei einer Linde

Seh’ ich dich wieder, du geliebter Baum,

In dessen junge Triebe

Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum

Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?

Wie anders ist seitdem der Äste Bug,

Verwachsen und verschwunden

Im härt’ren Stamm der vielgeliebte Zug,

Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!

Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du,

Und nichts an mir wollt’ weilen,

Doch meine Wunde wuchs – und wuchs nicht zu,

Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.

KW 22: Margerite

Margeritenfeld-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWenn man mich lässt, mache ich meinem Namen alle Ehre: „Wucherblume“! Auf Wiesen, die regelmäßig gemäht werden breite ich mich nämlich teppichartig aus. Ich mag Waldwiesen, Halbtrockenrasen und nährstoffarme Böden.

Die Farbe meiner den Blütenkopf umgebenden Blütenblättchen gab mir den lateinischen Namen: Leucanthemum. Dieser leitet sich von den griechischen Wörtern „leukos“ weiß und „anthemon“ Blüte ab. Der Zusatz „vulgare“ ist im Sinne von gemein zu verstehen und weist darauf hin, dass ich in ganz Mitteleuropa am weitesten verbreitet bin.

Der Name Margerite geht zurück auf lat. margarīta ‘Perle’, aus gleichbedeutend griechisch margarī́tēs, einem orientalischen Lehnwort.

Ich gehöre zur Familie der Korbblütengewächse, wie auch die Kamille oder das Gänseblümchen. Wir ähneln uns äußerlich sehr, unterscheiden uns jedoch in der Größe. Wir sind klassische Orakelblumen: Die Blütenblätter werden eins nach dem anderen abgezupft, um die ewige Frage zu beantworten: “Er liebt mich, er liebt mich nicht…“

Margerite-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch bin ausdauernd, d.h. ich wachse jedes Jahr wieder aus meiner Wurzel. Meine Blütenkörbchen stehen einzeln am Ende des Stängels oder an den selten vorhandenen Ästen. Meine Blüten habeneinen Durchmesser von 3-5 cm.  Meine Stängelblätter sind schmal eiförmig bis lineal, grob gezähnt, die obersten aber fast ganzrandig. Ich blühe von Mai bis Oktober werde bis 90 cm hoch.

Zum Johannistag (Sommersonnenwende) spielte ich früher neben anderen Johanniskräutern, wie z.B. Arnika, Beifuss, Eisenkraut, Königskerze… eine Rolle. Der Johannistag  galt als “Tag der Heilkräfte”, an man die “Johanniskräuter”  sammelte und damit einen Johannisstrauß band, in dessen Mitte unbedingt die Königskerze gehörte. Diese Johannissträuße oder auch –kränze wurden u.a. auch vor das Haus gehängt, um vor bösen Geistern und Dämonen zu beschützen.

Früher gehörte ich zusätzlich auch in den Kräuterbuschen, der an Maria Himmelfahrt (15.08.) gebunden und anschließend gesegnet wurde. In den alten Bauernstuben wurde dieser Kräuterbusch in den Herrgottswinkel gehängt. War er dann schön trocken, zupfte man einige Kräuter ab, zerrieb sie, vermischte sie eventuell mit Weihrauch und verräucherte sie.

Übrigens soll ein Margeritenstrauß im Haus Harmonie, Klarheit und Freude schaffen. Unsere Blüten unters Kopfkissen gelegt sollen das Unheil fernhalten. Unter Freunden ist ein Margeritenstrauß ein schöner Gruß, denn ich stehe für Natürlichkeit und unverfälschtes Glück. Unter Liebenden sollte ich aber nicht verschenkt werden – hier hinterfrage ich die Gefühle des anderen.

Im alten Griechenland war ich der Göttin Aphrodite geweiht, im Christentum der Jungfrau Maria, deren Tränen ich symbolisieren sollte.

Margerite-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMargerite – ist auch ein ausgesprochen seltener Vorname für Mädchen. Zumindest in Deutschland wird der Name Margerite nur sehr selten vergeben.  Die französische Form des Vornamens Margarete ist Marguerite und bedeutet so viel wie die “Edle” oder die “Elegante” oder auch die “Blühende”.

Wir Margeriten sind auch beliebte Zierpflanzen, werden als Garten- oder Kübelpflanzen geschätzt, aber auch als Schnittblumen verkauft. Heute werden gezüchtete Verwandte von mir nicht nur in unterschiedlichsten Farben (gelb, rosa, rot, violett), sondern auch in gefüllter Form in den Gartenfachmärkten unter dem Sammelbegriff Strauchmargeriten angeboten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gaben wir den Margeritentagen ihren Namen. Sie wurden von Vereinigungen organisiert, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die Kinderkrankenpflege in den örtlichen Krankenhäusern zu verbessern. Die Margerite wurde dabei gewählt, weil sie symbolisch als „weiße Blume der Barmherzigkeit“ galt.

An diesen Tagen wurden die Straßen mit uns festlich geschmückt und zu wohltätigen Zwecken wurden Kunstblumen in Form von Margeriten verkauft. Solche Blumentage (z.B. auch der Kornblumen- oder Heckenrosentag) fanden in verschiedenen deutschen Städten in den Jahren ab 1910 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs statt.

Meine Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Harze, Tannine und meine Heilwirkung: krampflösend und beruhigend, insbesondere auf gereizte Schleimhäute. Ich werde wenig verwendet, obwohl ich als Krampflöser bei Darmkoliken und Menstruationsbeschwerden nützlich sein kann. Ebenso wirke ich wohl beruhigend bei Husten und Asthma. Kräutertees von mir sollen harn- und schweißtreibend wirken.

Margeriten-mit-Schmetterling-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Bachblütenessenz wird zur Aufhellung der Stimmung empfohlen.

In der Küche

Die gezupften weißen Strahlenblüten dienen als essbare Dekoration für würzige Aufstriche, Salate oder Suppen. Meine Blütenknospen können als Antipasti in Würzöl oder in Essig als Kapernersatz eingelegt werden. Meine jungen Blätter sind roh essbar. Sie können für Salate aber auch für Gemüsegerichte , wie z.B. mit Spinat  genutzt werden. Essbar soll auch meine Wurzel, sein, ihr Geschmack erinnert wohl an den von Steckrüben.

Rezept für einen exotischen Fruchtsalat mit bunten Blüten (u.a. auch Margerite)

1 Papaya, 1 Mango, 1 kleine Ananas oder Melone, 2-3 Nektarinen oder Pfirsiche, 1 kleine Handvoll bunte Blüten, ½ Tasse Apfel- oder Orangensaft, Zitronenverbene- oder Blütenzucker nach Geschmack.

Die Früchte schälen, putzen und in kleine Stückchen schneiden. Alles vermischen. Den Apfel- oder Orangensaft nach Geschmack mit Zitronenverbene- oder Blütenzucker süßen, über das Obst gießen und zirka ½ Stunde ziehen lassen. In der Zwischenzeit die bunten Blütenblätter vom Stiel zupfen und vor dem Servieren über den Salat streuen.

Anmerkung:

Ich bin nicht giftig, aber fast alle meine Pflanzenteile können bei Berührung mit der Haut von empfindlichen Personen Kontaktallergien auslösen.

Ein schöner Spruch zur Margerite:

Oft braucht es nur einen Sonnenstrahl, um das Dunkel zu erhellen

Auch diese Margeriten hier am Wegesrand, sie klingen wie eine Melodie

Und schon schwingt die Seele in schöner Harmonie.

Ein Gedicht von Franz Christian Hörschläger:

Kennst du das Spiel der Margerite,

das Spiel der Liebe, kennst du das?

Dabei nimmst du ihr Blüt’ um Blüte,

du quälst sie aber nicht zum Spaß.

“Sie liebt mich”, ach “Sie liebt mich nicht”,

bedeuten wohl im Fallen

die weißen Boten, stilles Glück

den frisch Verliebten mitzuteilen.

Wie es um ihre Lieb’ bestellt,

liegt nicht an einem fernen Stern,

es zeigt sich, wenn das letzte fällt…

Ei, sieh’, sie hat mich wirklich gern !

KW 21: Hundsrose

Hundsrose-Busch-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Schaut her, blühe ich nicht in einem schönen zarte Rosa? – Wer ich bin? – Nun mein Name weißt so gar nicht auf meine so hübschen Blumen hin: Hunds-Rose (Rosa canina), vielfach auch nur einfach Hundsrose, Hagrose oder Heckenrose. Ich bin mit Abstand die häufigste wild wachsende Rosenart in Mitteleuropa.

„Canina“ heißt so viel wie hundsgemein, deshalb hat mein Volksname „Hundsrose“ nichts mit Hunden zu tun, sondern bedeutet, dass man mich überall finden kann, da ich weit verbreitet bin.

Weshalb beschäftigen sich denn Botaniker so intensiv mit uns Wildrosen?

Wer typische Wildrosen, wie mich, aber auch meine Schwestern, wie z.B. die Wein-  und Bibernellrosen, aufmerksam anschaut, findet bei uns sehr verschiedene Blütenfarben. Neben Sträuchern, die rein weiß blühen, findet man zartrosa oder kräftig rosa blühende, ja gelegentlich fast rotblühende Sorten. Nicht nur das deutet darauf hin, dass es verschiedene Arten gibt, auch bei unseren Früchten, den Hagebutten lassen sich auffällige Unterschiede beobachten: Sie können kahl und glatt sein oder feine Borsten besitzen. Weitere wichtige Unterschiede: Die Behaarung der Blätter, der innere Aufbau der Hagebutten, die Wuchsform der Sträucher, die Stachelform und vieles mehr. Seit dem 19. Jahrhundert wurden diese Merkmale von Botanikern studiert und dabei allmählich erkannt, welche davon erblich sind.

Der Begriff Wildrosen kommt aus der Rosenzucht und bezeichnet eine Rosenklasse der nicht gekreuzten Formen der Gattung Rosen(Rosa). Wildrosen sind grundsätzlich Sträucher mit ungefüllten Blüten mit fünf Kronblätttern (Petalen).

Schaut man aus der Nähe in eine unserer Wildrosenblüten hinein…

Rosenbl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche…so fallen in der Mitte der Blüte die zahlreichen gelben Staubblätter auf. Sie locken Insekten an, die den eiweißreichen Blütenstaub (Pollen) schätzen. Wir Wildrosen sind in dieser Hinsicht für die Insekten nützlicher als die gefüllten, edlen und stolzen Gartenrosen. Dort wurden durch Genveränderungen die Staubblätter in Blütenblätter umgewandelt. Was die Züchter da hätscheln und pflegen, sind eigentlich Abnormitäten, allerdings sehr dekorative – wie auch ich zugeben muss.

Rosenbusch1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch, also die Hundsrose, wachse als aufrechter, lockerer Strauch und bilde lange, bogig überhängende Äste und Zweige. Ich bin schnellwüchsig und werde meistens breiter als hoch (2-3 m). Meine Waffen, die Stacheln haben eine breite, herablaufende Basis und sind kräftig ausgebildet.

Meine Blätter sind siebenzählig gefiedert, von frischer, grüner Farbe und glänzend, allerdings auch derb und fest. Meine Blattstiele sind unbehaart,  aber oft mit Stieldrüsen und sicherförmigen Stacheln versehen. Meine  Fiederblättchen (Nebenblättchen, typisch für Rosengewächse) sind sehr variabel.

Rosenbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten stehen meinst einzeln, aber dafür zahlreich an den Sträuchern. Die einzelnen Blüten sind nur allerdings nur wenige Tage geöffnet. Der Durchmesser der Blüten beträgt meist 3,5 bis 4,5 cm. Der Blütenstiel ist ein bis zwei, selten bis drei cm lang. Nach der Blüte schlage ich meine Kelchblätter zurück und lasse sie fallen, so dass sie zur Fruchtreife nicht mehr da sind. Meine fünf Kronblätter sind hellrosa, selten weiß oder kräftig rosa.

Meine Früchte, die Hagebutten sind von der Gestalt sehr variabel, am häufigsten sind sie länglich- bis eiförmig.  Zur Reife sind sie rot und hart, häufig sind sie auch im Frühling noch am Strauch zu finden.

Wo bin ich zu finden? Ich wachse an Straßen- und Wegrändern, auf Weiden, in Hohlwegen, in Gebüschen, Waldsäumen, lichten Wäldern und am Strand. Ich gehöre zu den Pioniergehölzen und steige in den Alpen bis etwa 1500 m Höhe.

Als Zierstrauch habe ich leider keine Bedeutung. Für Rosenschulen bin ich  allerdings die wichtigste Rosenunterlage zur Veredelung von Rosen. Meine Hagebutten werden vielfältig verwendet, so auch für Tees, Hagebuttenmarmelade und für die Herstellung von Hagebuttenwein.

Hagebutten, wurden auch in alten Volksliedern besungen, wie z.B. “Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um… und “Sah ein Knab ein Röslein steh‘n”.

Wir einheimischen Wildrosenarten sind wichtige Futterpflanzen für über 100 Kleinlebewesen, wie Dutzende Kleinschmetterlinge und einigen Wildbienenarten. Auch für Vögeln sind wir ein beliebter Futterstrauch.

Ein berühmtes und sehr altes Exemplar von meiner Sorte ist der so genannte Tausendjährige Rosenstock in Hildesheim.

Allgemeines über uns Rosen:

Keine andere Blume ist so reich an Symbolik, wie wir Rosen. In den verschiedensten Religionen finden wir Bedeutung. Wir verkörpern das Leben, das Werden und Vergehen, sind Zeichen für Schönheit und Liebe. Im Altertum waren wir Sinnbild der Liebe und jugendlicher Schönheit. Aphrodite soll die Rose aus dem Blute des Adonis geschaffen haben. Auch die Römer verehrten die Rose.
Im christlichen Glauben spielen wir ebenfalls eine wichtige Rolle (z.B. beim Rosenkranz). Das Rot der Rose war auch ein Zeichen für Blut, daher entwickelte sich eine Doppelbedeutung der Rose, nämlich einerseits als Symbol für Liebe und Schönheit, andererseits als Zeichen für Verletzung und Tod.
Im alten Aberglauben schützen unsere dornigen Zweige und unsere Hagebutten vor Zauberei. Der Genuss von 3 Hagebutten am Weihnachtsabend, am Silvesterabend und am Neujahrstag soll gegen Unfälle und Krankheiten im neuen Jahr schützen.
Außerdem soll eine Wildrosenhecke ums Haus auch für einen ruhigen Schlaf sorgen, wie der Name Schlafdorn dies auch ausdrückt.  Auch im Märchen “Dornröschen” handelt es sich  um die Schlaf bringende Wirkung von uns Wildrosen. Den Namen Friggadorn (Friggas Dorn) erhielten die Wildrosen von Frigga (Odins Gemahlin und Göttin der Fruchtbarkeit und mütterlichen Liebe). Wir Wildrosen spielten früher auch eine wichtige Rolle bei Ritualen rund um die Geburt eines Kindes (Vergraben von Nabelschnur oder Nachgeburt unter einem Wildrosenstrauch): Die schöne  Farbe unserer Roseblüten soll sich dadurch auf das Kind übertragen.

Heilkraft

Früher wurden unsere Blätter, Blüten, Früchte und Samen gegen sehr viele Krankheiten eingesetzt. Unser Rosenöl galt schon beinahe als ein Allheilmittel.  Hildegard von Bingen empfahl den regelmäßigen Verzehr von Rosenblättern zur allgemeinen Stärkung von Herz und Psyche. Schon in mittelalterlichen Klöstern war bekannt, dass die Rose eine heilende, keimtötende und Insekten vertreibende Wirkung aufweist.

Die Inhaltsstoffe meiner Früchte: Viel Vitamin A und C, Kohlehydrate, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Pektine. Hagebutten sind auch für die Menschen ein großer Vitamin-C-Träger!

Vor allem durch ihren enormen Vitamin C-Gehalt sollen Hagebuttenzubereitungen eine deutliche Steigerung der Abwehrkräfte bewirken. Und dies ist in heutigen Zeiten ja sehr wichtig!  Vitamin C wird zusammen mit seinen natürlichen Begleitstoffen oft weit besser aufgenommen als der reine, isolierte Wirkstoff.

Rezept für einen Hagebuttentee: 2 Teelöffel zerkleinerte Hagebuttenschalen mit 1/4 Liter Wasser 10 Min. kochen lassen. Durch diese Kochzeit soll der Tee den höchsten Vitamin C-Gehalt erhalten, den er auch beim Stehen lassen über mehrere Stunden noch behalten soll.

Schon die Chinesen und Ägypter waren nicht nur von der Schönheit und vom Duft der Rosen bezaubert. Sie wussten schon um ihre Wirkung auch als Heilpflanze. Karl der Große setzte sie auf das Register für Klostergärten. Nutzt doch uns Rosen viel mehr für Euer Wohlbefinden und Eure Gesundheit. Psychologen haben wohl beobachtet, dass allein der Duft der Rose die Seele fröhlich stimmt, positive Gedanken fördert und die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus stärken kann. Forschungen zeigten, dass Rosenblüten die Vitamine A und C enthalten. Sie sollen beim Abbau stressbedingter Müdigkeit, bei Schultersteife und Schlaflosigkeit, Magenschmerzen und Nervosität helfen. Das Hydrolat (Rosenwasser) ist gut gegen Falten und geschwollene Lider und gut geeignet als Gesichtswasser, vor allem bei empfindlicher Haut.

Meine Petalen (Blütenblätter) können auch wunderbar in der Küche verwendet werden. Allerdings sollte man dann den unteren bitteren Teil entfernen. Konservieren lassen sich meine Blüten in Zucker, Öl oder Butter. Sie lassen sich auch gut kandieren.

Zwei Rezepte für Rosenbutter, einmal süß und einmal salzig:

250 g Süßrahmbutter mit 30-50 g Puderzucker verrühren, 1 EL Rosenwasser unterrühren, von einer Handvoll Duftrosenblätter den bitteren Teil entfernen und danach klein schneiden und unter die Butter heben.

250 g Sauerrahmbutter mit Meersalz, roten Pfefferkörnern, 1 Spritzer Zitronensaft und 1 TL Senf verrühren. Eine Handvoll Duftrosenblätter wie oben behandeln und unter die Butter rühren.

Heinrich Heine schrieb ein schönes Gedicht über die Rose:

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,

Umflattert sie tausendmal,

Ihn selber aber goldig zart

Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?

Das wüßt’ ich gar so gern.

Ist es die singende Nachtigall?

Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;

Ich aber lieb’ euch all?:

Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,

Abendstern und Nachtigall.

Wilhelm Busch, der bekannte Spötter, findet andere Zeilen:

,,Dass keine Rose ohne Dorn,

bringt mich nicht aus dem Häuschen.

Auch sag ich ohne jeden Zorn:

Kein Röslein ohne Läuschen.“

„Und doch hat unser Röschen, das feine,

Allerlei Kleine

Grillen und Räupchen

Unter dem zierlichen Häubchen”

Ein arabisches Sprichwort:

Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt,

sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt”

Und ein Gedicht über die Hagebutten von Gabriela Bredehorn:

Die Heckenrose spendet Früchte,

im Scharlachrot am Wiesenrain.

Das weckt die ersten Schlemmersüchte,

der Herbst lädt prompt zur Ernte ein.

Die Nüsschen summen Erntelieder,

das hohe C ist nicht verstimmt.

“Canina” stärkt die matten Glieder,

wenn das Immun sich nicht benimmt.

Danach steht man bald auf der Matte,

dem Hagebüttchen sei der Dank.

Sie schmückt auch Beete und Rabatte,

den Trockenstrauß, ein Leben lang.

Der Herbstwind streut die schönen Düfte,

er ist bestimmt nicht hundsgemein.

Die Vögel kreisen durch die Lüfte,

im schönsten Hagebuttenschein.

KW20 Klatschmohn

DSC03444II1-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheGefällt Dir mein rotes Leuchten?

Viele Synonyme beziehen sich auf meine klare Blütenfarbe: Blutblume, Feuerblume, Klatschrose, Kornrose und Klatschrosenmohn.

Aus meinen tiefroten Blütenblättern hat man früher rote Tinte hergestellt: Dazu meine Blütenblätter mit Essig übergießen, ein wenig Zitronensaft hinzufügen und für mehrere Stunden in die Sonne stellen.

Der Name  Klatschmohn kommt wohl daher, weil früher die Kinder meine Blütenblätter gern geklatscht haben.

Er liebt mich, er liebt mich nicht: Auch als Liebesorakel diente das Klatschen meiner Blütenblätter: Dafür werden die Mohnblütenblätter zu einem kleinen Ballon zusammengefaltet und auf eine Handfläche gelegt. Mit der anderen Hand klatscht man jetzt auf den Mohnblütenballon. Wenn die Luft laut entweicht, dann ist die Gegenliebe groß, falls es keinen rechten Laut gibt, so ist die Liebe wohl nur einseitig.

Im Französischen hieß der Hahn früher „cocorico“. Da meine Kronblätter genauso rot sind, wie ein Hahnenkamm, nimmt man an, dass mein französische Name  „coquelicot“ so entstanden ist.

DSC03471III-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIch heiße lateinisch Papaver rhoeas, gehöre zur Familie der Mohngewächse, bin einjährig mit fiederbuchtigen Blättern. Meine zarten, schwankenden Blütenstiele sind abstehend borstig behaart. Aus meinen nickenden Knospen entwickeln sich die leuchtend roten, flachen Blütenschalen. Wenn sie sich entfalten, scheinen meine Blütenblätter wie aus hauchdünnem, knittrigem Seidenpapier  zu sein. Die einzelne Blüte steht leider nur 1-2 Tage, bevor sie verwelkt. Deshalb lohnt es sich auch nicht meine schönen Blüten für die Vase zu pflücken. Meine Blütenzeit reicht von Mai bis Juli, manchmal auch bis in den August, und ich werde von 20- 90 cm hoch. Somit beginne ich eigentlich bereits im Frühjahr zu blühen – trotzdem gelte ich als einer der auffallenden Sommerbegleiter. Sobald meine Blüten an Feldrändern und in Getreidefeldern blühen, beginnt endgültig die helle und warme Zeit des Jahres.

DSC03445III-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Blüten sind hauptsächlich in den Vormittagsstunden geöffnet, dann kommen mich auch die Insekten fleißig besuchen. Nachmittags fangen sie dann schon an zu verblühen. Aber ich bilde ständig neue Blüten aus und so habe ich Bienen und anderen befruchtenden Insekten stets etwas zu bieten. Ich habe zwar keinen Nektar, aber dafür große Mengen an grünen Pollen.

Es ist sogar eine Bienenart nach mir benannt worden: Die Mohn-Mauerbiene. Sie bevorzugt genau die Umgebung, die ich auch mag und ist zur gleichen Zeit besonders aktiv. Diese Biene gilt inzwischen als vom Aussterben bedroht. Sie nutzt nicht nur meinen Pollen als Nahrung, sondern auch meine Blütenblätter als Kinderstube für Ihren Nachwuchs: Mit Teilen von den Blütenblättern polstert sie ihr Nest aus.

Wie die meisten Ackerkräuter stamme ich ursprünglich nicht aus Mitteleuropa. Ich komme aus dem wärmeren Mittelmeerraum. Mit dem Getreideanbau kam ich dann während der Jungsteinzeit hierher. Heute bin ich auf der ganzen Welt verbreitet.

Mein Lebensrhythmus

ist gut an den des Getreides angepasst, denn ich bin ein so genannter Lichtkeimer und benötige deshalb jedes Jahr immer wieder offene Flächen, wie z.B. bei Getreideäckern. Aus meiner Sicht wurde leider inzwischendie Saatgutreinigung immer besser – so dass immer weniger meiner feinen Mohnsamen mit dem Getreide zusammen ausgesät werden. Außerdem werden die Äcker durch die genutzten Pestizide immer “Unkraut”-ärmer. Die konventionelle Landwirtschaft raubt mir und meinen Mitstreitern (Kornblume, Kamille…) den Lebensraum. Als Blume des Jahre 2017 nehme ich deshalb eine Stellvertreterrolle ein. Ich stehe für zahlreiche bedrohte Ackerwildpflanzen und damit für den Verlust der bunten Vielfalt auf den Feldern.

Da ich gern an Stellen wachse, wo Erde frisch bewegt wurde, säume ich oft in großer Menge neue Straßen und Autobahnen.

Ich bin ein Symbol

für Fruchtbarkeit, Schlaf, Vergessen, Tod und Versuchung. Auch meine antike Symbolik war eher düster: Ich war bei den Griechen der Unterweltsgöttin Persephone geweiht. Der Gott des Schlafes, Hyphnos, wurde gern mit meinen Blüten in der Hand dargestellt. Früher sollte man meine Blüten nicht über die Hausschwelle hineinbringen, dann sollte ich der Liebe Unglück bringen.

Im englischsprachigen Raum trägt man mich als Boutonniére am Revers, um an die gefallenen Soldaten zu erinnern. Der Ursprung ist das Gedicht „In Flanders Fields“, indem meine roten Blüten an das vergossene Blut der Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnert. Gleichzeitig entsteht die Hoffnung, dass das Leben weitergeht.

Da ich in meinen Blüten zwar winzige Samenkörner, die aber in großer Zahl (2.000-5.000) produziere, gelte ich auch als Fruchtbarkeitssymbol. So war ich auch der Muttergöttin Demeter geweiht. Brautpaare wurden daher auch mit viel Mohn überschüttet, damit der Kindersegen groß wurde.

Meine wichtigen Inhaltsstoffe: Rhoeadin und andere, jedoch wenig gefährliche Alkaloide, ein roter Farbstoff, organische Säuren, Gerbstoffe, Saponine, Bitterstoffe.

Meine Wirkungsweise: schleimlösend, hustenstillend, beruhigend und schmerzlindernd. In der Schulmedizin werde ich nicht verwendet.

Klatschmohn4-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksheilkunde dagegen finden ansehen meine Blütenblätter immer noch Anwendung in Form eines Sirups gegen Husten und Unruhezustände kleiner Kinder.

Mein Tee wird gegen Schmerzzustände empfohlen und auch als Schlaftee gepriesen. Die Inhaltsstoffe des Schlafmohns, wie etwa Morphin und Papaverin besitze ich hingegen nicht, deshalb kann man mich auch nur als schwach giftig.

In der Kosmetik

kann man einen Aufguss aus 15 g Kronblättern in einem ½ l Wasser nach dem Erkalten als Gesichtswasser verwenden. Mit Alkohol konserviert kann es auch jeden Tag als erfrischendes Tonic eingesetzt werden. Es erfrischt auch gut bei müden, irritierten  Augen.

In der Küche

setzt man eigentlich nur die Samen meines Bruders, des Schlafmohns,  ein. Sie eignen sich hervorragend zum Backen. Kennst Du Mohnkuchen, Mohnstriezel, Mohnschnecken und Germknödel mit Mohn? Mmh… Auch das Mohnbrötchen gehört für viele auf den Frühstückstisch. Erhältlich sind Blaumohn, Graumohn und Weißmohn. Blaumohn ist der herbe, kräftigere Typ und Graumohn eher zarter und eignet sich deshalb wunderbar für Desserts mit Mohn. Der Weißmohn ist seltener zu finden und soll eher nussig schmecken. Generell enthalten die Mohnsamen viel Calzium, Vitamin B, Aminosäuren sowie Magnesium und Kalium.

Ein passendes Rezept:

Frischkäse mit zweierlei Mohn

250 g Frischkäse, 3 EL Creme fraiche, 1-2 EL Puderzucker, 1 Prise Salz, 2 EL Mohnsaat (möglichst frisch gemörsert), 1 Handvoll Mohnblüten

Alles gut vermengen und zum Schluss die Mohnblütenblätter mit dem Pürierstab unterrühren.

Ein bekannter Verwandter ist der Kalifornische Mohn (Eschscholzia california). Er ist eine zu unserer Familie gehörende Zierpflanze, die aus Amerika kommend, hier eingebürgert wurde. Sie ist die Nationalblume Kaliforniens, wo sie der deutsche Arzt und Botaniker J.F.Eschscholtz erstmalig entdeckte. Sie wird wegen ihrer goldfarbenen Blüte auch „Gold-Poppy“ oder „Goldmohn“ genannt.

Hier noch 3 Gedichte über mich:

Ein Augenblick hat da geglüht

In einer blauen Hügelwelt

Bei einer Amsel Sehnsuchtton

Ein großes, grünes Roggenfeld,

Und drinnen feuerroter Mohn.

Wie ein Laternlein jede Blüt,

Und brennen röter als der Tag.

Ein Augenblick hat da geglüht,

Der lang noch nicht erlöschen mag.

Max Dauthendey (1867-1918)

Mohnblumen

Mit roten Feldmohnblumen

hatt’ ich dein Haar geschmückt,

die roten Blumenblätter

die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen

beim Abendsonnenschein,

und als die Nacht hereinbrach,

da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen

und seh’ die Dunkelheit sprühn,

vor meinen träumenden Augen

purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns (1866 – 1914)

Die Blütenblätter flattern leicht im Wind,

weil sie so zart und empfindsam sind.

Die rauen Stängel trägen ihre Blüten,

so stolz, als wollten sie einen Schatz behüten.

In der Nacht oder bei Regenwetter,

schließen sich die Blütenblätter.

Ich liebe ihn, den roten Mohn,

bin immer wieder fasziniert davon.

Er erfreut uns im Garten, auf der Wiese, am Feld,

nur schade, dass er sich nicht lang hält.

Ich pflücke ihn nicht und lasse ihn stehen,

in der Natur blüht er so wunderschön.

Gudrun Nagel-Wiemer

KW 19: Wiesensalbei

WiesensalbeibuschII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSeht nur her… leuchte ich nicht in einem prächtigen Blau? –

Und wer bin ich? – Richtig, der Wiesensalbei (Salvia pratensis).

Nach meiner Farbe nennt man mich auch Blauer Heinrich, Blauer Storch oder Tintenblume. Ich bin ein Mitglied der Familie der Lippenblütler. Wie man uns erkennt? – Nun, unser Kelch ist glockenförmig (5 miteinander verwachsene Kelchblätter) und unsere Blütenblätter sind verwachsen und bilden die „Lippenblüte“ (2 Ober-, 3 Unterlippen). Wir besitzen 4 Staubblätter (2 kurze und 2 lange). Die Staubblätter und Griffel sind dabei so gelenkig, so dass sie sich beim Einführen eines Rüssels, z.B. einer Hummel, herabkrümmen und den Hinterleib der Bestäuber mit Pollen stempeln (Schlagbaummechanismus). Unser Nektar ist nur langrüsseligen Insekten zugänglich; der Hebelmechanismus kann nur von Hummeln, seltener von anderen Bienen, betätigt werden. Möchte sich jemand diesen raffiniWiesensalbeibl TeII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Wocheerten Mechanismus beim nächsten Spaziergang live anschauen: ein Grashalm genügt. Damit leicht in eine meiner Blüten drücken und schon senken sich die Staubfäden in Erwartung einer bestäubenden Hummel herab.

Die Blüten der Lippenblütler stehen in Quirlen oder Halbquirlen angeordnet, in den Achseln von den so genannten Tragblättern. Unsere Blätter sind immer gegenständig und die Stiele vierkantig. Viele Mitglieder unserer Familie bilden ätherische Öle aus und sind deshalb in der Heilkunde und der Küche sehr beliebt, wie z.B. der Rosmarin, der Thymian und mein großer Bruder, der Garten- oder Gewürzsalbei (Salvia officinalis).

Ich zähle leider nicht zu den Heilkräutern, da mein Gehalt an ätherischen Ölen niedrig ist und bin auch kulinarisch ohne Bedeutung. Das ist sehr bedauerlich. Meine Blütenfarbe ist allerdings ein großer Pluspunkt. Die ausgezupften Blüten bilden eine tolle essbare Deko. Aber auch meine weiteren Salbeibrüder, die als Gartenpflanzen geschätzt werden, wie z.B. der  Steppensalbei (Salvia nemorosa) oder der Silberweiße Salbei (Salvia argentea) werden nicht in der Heilkunde verwendet. Das tröstet doch sehr, ich bin da nicht allein. Wir stehen alle im Schatten unseres großen Bruders, dem Gartensalbei. Als Heilpflanzen gelten neben meinem großen Bruder Salvia officinalis lediglich wenig weitere Salbei-Arten: Der dreilappige Salbei (Salvia triloba) wird ähnlich wie S. officinalis verwendet.

Der aus dem südöstlichen Mittelmeerraum stammende Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) ist aufgrund seines Muskataromas  in der Parfümindustrie und der Aromatherapie von Nutzen. Den Namen bekam er von Winzern, die früher mit seiner Hilfe ihren Rheinwein in hochwertigeren Muskatellerwein verwandelten.

Der Name Salvia unseres  Pflanzenclans wurde von dem lateinischen salvare = heilen abgeleitet.

Wiesensalbeibl TterII-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBeschreibung meines Äußeren:  Meine Rosetten- und Stängelblätter sind alle runzlig. Ich bilde einen krautigen, vierkantigen Stängel aus. Die Blüten sitzen zu 4-8 in 6-20 Stockwerken. Sie sind 2-2,5 cm lang und blauviolett, selten hellblau, rosa oder fast weiß. Die Oberlippe ist breit sichelförmig. Meine Früchte sindSpaltfrüchte, die in 4 Klausen zerfallen. Meine Pflanzenhöhe: 30– 60 cm und meine Blütezeit kann von April bis August reichen.

Wo fühle ich mich besonders wohl?  Auf sonnigen Trockenrasen, an Rainen und wie mein Name schon sagt auf Wiesen. Gern findet man mich auch an Böschungen in der Nähe von Wasser, z.B.  an Rheindämmen.

Wiesensalbei-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Wurzeln reichen oft weit über ein Meter tief in die Erde und stellen damit meine Wasserversorgung auch auf trockenen Standorten sicher. Ich liebe die Sonne. Ein Wachsüberzug meiner ledrigen Blätter und die dichte Behaarung minimiert meinen Wasserverbrauch. Auch meine Fähigkeit, aktiv die Blattstellung mit der Wanderung der Sonne im Tagesverlauf zu verändern, um die Sonnenstrahlung optimal nutzen zu können, zeichnet mich aus.

Meine Inhaltsstoffe: Leider nur wenig ätherische Öle und Bitterstoffe (Salvin), außerdem Gerbstoffe und Flavonoide. Die bescheidene Heilwirkung ist antibakteriell, entzündungshemmend und verdauungsfördernd. Wie gesagt, ich habe deshalb leider nur geringe Heilkräfte, die ansonsten ähnlich sind wie beim Arzneisalbei. Trotzdem kann man mich zum Gurgeln bei Hals- und Rachenerkrankungen und als Kompresse auf Wunden verwenden. Schon Maria Treben schätzte mich im Wiesensalbei-Essig, mit dem man über längere Zeit hindurch Bettlägerige wohltuend massieren kann, um damit ein Aufliegen zu verhindern.

Kräuterkundige behandeln nur meinen Bruder, den echten Salbei, den man aber nur in angemessenen Dosen verwenden soll. Schwangere und Kleinkinder sollten auf die Verwendung meines kräftigen Bruders verzichten.

In der Küche:

Mich kann man auch als Küchenkraut verwenden. Ich würze aber viel weniger intensiv als mein starker Bruder, der  Gartensalbei. Meine Pflanzenstängel enthalten einen süßen Saft, was mir den alten Namen „Süßle“ eingebracht hat.

Hier ein passendes Rezept: Wiesensalbei mit neuen Kartoffeln

8-12 Kartoffeln (je nach Größe) waschen, eventuell die Schale mit der Gemüsebürste abreiben, in dicke Scheiben schneiden, 2-3 Süßkartoffeln genauso vorbereiten.
200 g durchwachsener Speck (oder in der vegetarischen Version Rauchtofu), 1  Knoblauchzehe, Olivenöl,  1 EL Kräuter der Provence, Pfeffer, Kräutersalz, eine Hand voll Wiesensalbeiblätter und Blüten

Eine Auflaufform mit Olivenöl auspinseln. Die Kartoffelscheiben mit den klein geschnittenen Salbeiblättern, dem gewürfeltem Speck (Räuchertofu), einem Schuss gutem Olivenöl, dem fein geschnittenen Knoblauch  und den Kräutern der Provence vermischen und in die Form geben.  Mit Pfeffer und Kräutersalz bestreuen.  Die Auflaufform in den auf 230 Grad vorgeheizten Backofen schieben, die Temperatur auf 200 Grad verringern und den Auflauf zirka 20-30 Minuten garen. Falls gewünscht kann  der Auflauf kurz vor Garzeitende mit geraspeltem Bergkäse betreut werden.
Zum Servieren mit Wiesensalbeiblüten überstreuen.
Geschmacksintensiver ist dieser Auflauf mit Salbei aus dem Garten.

Eine Bauernregel besagt: Salbei in gutem Bier und Wein, wird keinem Menschen schädlich sein. (Diese Aussage passt auch toll zum Muskateller-Salbei)

Salbei:” Wohl dem, der dieses gute Kraut, in seinem Garten angebaut. Denn Salbeiblätter Tee und Saft ganz kerngesunde Zähne schafft.”

In alten Kräuterbüchern wird gefragt:

Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?

Ein englisches Sprichwort sagt:

Eat sage in may and you’ll live for aye! (Iss Salbei im Mai und du wirst leben für immer und ewig!)

Blaue Blüten

sind relativ selten in der Natur zu finden und deshalb etwas Besonderes. Die für diesen Farbton verantwortlichen Farbstoffe aus der Gruppe der Anthocyane sollen sich mit der Temperatur verändern. Bei Kühle wirken blaue Blüten reiner und strahlender, bei Hitze nimmt der Rotanteil zu und die Farbe schlägt in Richtung Violett um und verblasst etwas. Die meisten blauen Blumen im Flachland tragen daher eher blauviolette Farbtöne.

Blau soll mit Abstand die beliebteste Farbe der Deutschen sein. Das kühle Blau steht für Freiheit, Ferne und Sehnsucht.  Und in welcher Vielfalt an Farbtönen kann es uns erfreuen! In der Epoche der Romantik galt die blaue Blume als Symbol für das Unerreichbare, einen Ort der Sehnsucht. In Sagen und Gedichten wird sie immer wieder als Motiv aufgegriffen und hat sich wohl nicht zuletzt deshalb in den Köpfen der Menschen als eine seltene Schönheit festgesetzt.

Ein passendes Gedicht vom Schriftsteller Joseph von Eichendorff:

Ich suche die blaue Blume,

Ich suche und finde sie nie,

Mir träumt, dass in der Blume

Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe

Durch Länder, Städt und Au’n,

Ob nirgends in der Runde

Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,

Hab lang gehofft, vertraut,

Doch ach, noch nirgends hab ich

Die blaue Blum geschaut.

KW 18: Sauerampfer

Fr-Sauerampfer2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMein Name ist sehr passend: Sauerampfer, denn ich schmecke sauer. Weitere Bezeichnungen sind: Salatampfer, Sauergras, Sauerknöterich, Säuerling und Sauerklee.

Bei dem Namen Sauerampfer handelt es sich um einen Pleonasmus (Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter, wie z.B. weißer Schimmel), denn das Wort Ampfer leitet sich aus dem Germanischen ab und bedeutet scharf oder sauer. Somit heiße ich eigentlich „Sauer-sauer“, aber das macht ja nichts, denn Sauer macht ja bekanntlich lustig!

Meine lateinische Bezeichnung ist Rumex acetosa und ich gehöre zur Familie der Knöterichgewächse.

Ich bin in Mittel- und Westeuropa zuhause und breite mich schnell und flächendeckend aus. Mittlerweile kann man mich auch in anderen Regionen, wie den USA oder Vorderasien, finden. Am wohlsten fühle ich mich auf nährstoffreichen Wiesen und an Wegesrändern. Deshalb bin ich zurzeit oft zu sehen.

Meine Inhaltstoffe: u. a. Oxalsäure, Gerbstoffe, Vitamin C und Provitamin A.

Die Oxalsäure wurde erstmals 1769 im Sauerklee entdeckt. Diese heimische Pflanze weist einen relativ hohen Gehalt an Oxalsäure auf. Der wissenschaftliche Name Oxalis acetosella geht auf die oxalsauren Salze zurück (griech. oxys = sauer / halis = Salz / acetosellus = säuerlich). Unter der Bezeichnung „Kleesalz (Kaliumhydrogenoxalat)“ ist die Oxalsäure auch bekannt, da sie unter diesem Namen früher  als Fleckentfernungsmittel aber auch als Beiz- und Bleichmittel von Bedeutung war. Außerdem ist Kleesalz das Standartpoliermittel für Marmor.

Oxalsäure ist in höherer Konzentration gesundheitsschädlich, ist aber auch in geringeren Konzentrationen in anderen Lebensmitteln enthalten (z.B. Rhabarber, mit dem ich verwandt bin und in Schwarztee).

Oxalsäure kann mit Kalzium zu Kalziumoxalat reagieren. Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder Veranlagung zu Nierensteinen sollten deshalb nur geringe Mengen Oxalsäure zu sich nehmen.

Meine glatten und länglichen Blätter sind abhängig vom Gehalt der Oxalsäure dunkelgrün bis rötlich gefärbt. Je mehr Oxalsäure eingelagert ist, umso rötlicher werden sie.

Wie bei Rhabarber gilt bei mir der 24. Juni als der letzte Erntetag. Ab diesem Datum nimmt die Konzentration der Oxalsäure, die mir den bitterlichen Geschmack verleiht, zu.

Sauerampferblatt-klein-e1588003084326-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine Einzelblätter wachsen aus der Blattrosette am langen Stiel und haben charakterische Pfeilspitzen. Damit bin ich gut von anderen Pflanzen zu unterscheiden. Die Stängelblätter  sind dagegen sitzend am Stängel angebracht. Meine Blüten sind unscheinbar grünlich, leicht rot überlaufen und die späteren dreikantigen Früchte dann leuchtend rot.

Ich wirke leider giftig bei Pferden, vor allem aber bei Schafen, aber auch bei Rindern und Kühen.

Da ich als Vertreter der Ampfer-Arten auch in hohem Maß Vitamin C enthalte, war ich in der Vergangenheit auch ein Mittel gegen Skorbut. Diese Krankheit wird durch Vitamin-C-Mangel verursacht.

Deshalb nahmen Seefahrer auf ihren Reisen Sauerampfer als Nahrung zu sich, z.B. eingelegt, im Eintopf oder in der Suppe. Die antiken Griechen und Ägypter und später auch die Europäer des Mittelalters nahmen mich, um fettreiche, schwere Speisen besser zu verdauen zu können. Im Mittelalter hat man mir besonders auf den britischen Inseln eine fiebersenke Wirkung zugesprochen. Außerdem haben früher die auf dem Feld arbeitenden Bauern frische Sauerampferblätter gegen den Durst gegessen.

Sauerampferbl Te-II-klein1-e1588003201136-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheIn der Volksmedizin

nutzte man mich bei Appetitlosigkeit, Harnverhalten, zur Blutreinigung und bei Unterleibsbeschwerden.

“Wer ihn esset, der bekommet einen gesunden Magen und das bringet die Lust” heißt es in einem alten Kräuterbuch.

Pfarrer Kneipp schrieb über mich: “Sauerampfer ist nicht nur ein gutes Heilmittel, sondern auch eine vorzügliche Kost für Kranke, da er das Blut reinigt und verbessert”.

Hildegard von Bingen schrieb jedoch, dass ich den Menschen traurig mache und den Eingeweiden schade.

Maurice Mességue beschreibt mich als erfrischend, harntreibend, fiebersenkend, appetitanregend, blutreinigend und kräftigend. Er empfiehlt mich gegen alle Beschwerden des Harnsystems und des Verdauungstraktes. Äußerlich schätzt er mich gegen Hautleiden, wie Flechten, Akne und Abszesse.

In der Küche

werde ich auch gerne unter Spinat gemischt, da ich mich ähnlich zubereiten lasse und dem Gericht einen würzigeren Geschmack verleihe. Salaten, Suppen und Soßen gebe ich ein frisches, leicht säuerliches Aroma.

Im Frühjahr sollten Sie unbedingt mit mir mal eine Suppe kochen. Diese passt z.B. sehr gut in die Fastenzeit oder zu einer Frühlingskur. Am Gründonnerstag gehöre ich übrigens zwingend in die traditionelle Suppe. In Russland kocht man in der Saison gern eine Suppe mit Sauerampfer, Kartoffeln und Eiern, die auch Grüner Borschtsch genannt wird.

Sauerampferbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine rötlichen Blütenstände sind als essbare Deko eine besondere Augenweide.

Ich gehöre auch in die typische Frankfurter Grüne Soße. Jedes Jahr feiert Frankfurt das Grüne Soße Festival und ich bin dabei einer der Ehrengäste. Leider wurde dieses Jahr der Termin  dank Corona auf Anfang Oktober verlegt. Was heißt denn aber in diesem Zusammenhang:  BKSKSPP? – Das ist keine neue Boyband, sondern sind die Anfangsbuchstaben der 7 Kräuter, die unbedingt in die Grüne Soße müssen: Borretsch, Kerbel, Schnittlauch, Kresse, Sauerampfer, Pimpinelle und Petersilie.

In der Kosmetik kann meine reinigende Wirkung mit einer Kompresse für fettige und unreine Haut nutzen. Dafür 1 Handvoll von mir mit 250 ml Wasser aufkochen und 5 Minuten leicht simmern lassen. Absieben und mit diesem Sud eine Stoffwindel o.ä. tränken und auf das zuvor gereinigte Gesicht auflegen. Einwirkzeit: 5 Minuten.

Joachim Ringelnatz hat ein Gedicht über mich geschrieben:

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm

Stand zwischen Bahngeleisen,

Machte vor jedem D-Zug stramm,

Sah viele Menschen reisen

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,

Schwindsüchtig und verloren,

Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,

Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nah‘n.

Der arme Sauerampfer

Sah Eisenbahn um Eisenbahn,

Sah niemals einen Dampfer.

Ein weiteres Gedicht kommt von Ewald Patz:

Rötlich färben sich die Wiesen

Wenn der Sauerampfer blüht

Und im Licht der Abendsonne

ein Flammenmeer erglüht

Lautlos sinkt die rote Sonne

In den weiten Wiesen dort

Ist am Horizont verschwunden

Und für ein paar Stunden fort

am nächsten Morgen taucht sie wieder auf und spendet Licht

erneut der rote Zauber Märchenhaft ins Auge sticht.

Und es gibt eine Komödie aus der DDR, in dem ich eine Rolle spiele: Karbid und Sauerampfer (1963, Laufzeit 81 Minuten).

Meine engen Verwandten: Der kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), der ähnlich wie ich genutzt werden kann und unsere allseits ungeliebten großen Brüder: Krauser und stumpfblättriger Ampfer (Rumex crispus und Rumex obtusifolius), die selbst vom Vieh verschmäht werden und vom Bauern meistens als Unkraut, z.B. mit dem „Ampher-Wuzi“ bekämpft werden.

Zum Abschluss wieder ein passendes Rezept zum Genießen:

Gefüllte kleine Kräutertomaten:

12 kleine Tomaten, 1 kleine Handvoll gemischte Frühlingskräuter (Sauerampfer, Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut, Giersch, Löwenzahn…), 200 g Schmand, 1-2 Frühlingsziwebeln, 1 Knoblauchzehe, Kelten-kräutersalz, Pfeffer, Zitronensaft, Honig.

Zwiebeln und Knoblauch hacken und zusammen mit den grob geschnittenen Kräutern im Schmand pürieren. Die Creme mit Zitronensaft, Kräutersalz, Pfeffer und eventuell Honig abschmecken, in die ausgehöhlten Tomaten füllen und diese auf Sauerampferblättern anrichten. Mit Frühlingsblüten garnieren und genießen.

KW 17: Spitzwegerich

Wegerich-1-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheWo immer Menschen mit weißer Hautfarbe gewandert sind, da findet Ihr auch mich, den Spitzwegerich, der „fürstliche Wegbegleiter“. Denn „rich bzw. rik“ heißt: Fürst, Herrscher. Die Indianer Nordamerikas nannten mich und ich glaube auch meinen Bruder, den Breitwegerich, „Fußstapfen des weißen Mannes“, weil sich unsere schleimhaltigen Samen mit ihrer klebrigen Außenschicht an Räder und Fußsohlen geheftet haben und wir uns deshalb auch in ihrem Land verbreiten konnten. Das griechische Wort „plantago“ heißt übersetzt „Fußsohle“ und weist auf die Verwendung meines Bruders und seiner Blätter bei Wanderungen hin; da schützen sie die Fußsohlen vor und bei Blasen.

Ich bin stolz auf meine Inhaltsstoffe:

Schleimstoffe, Aucubin – wirkt antibiotisch, Bitterstoffe, die appetit- und gallefördernd, mild abführend, gegen Blähungen und ausgleichend wirken, Kieselsäure, wirkt gewebsfestigend, Flavonoide, Vitamin C und Mineralstoffe.

Ich bin schon lange als große Hustenpflanze bekannt. Durch meine Inhaltsstoffe wirke ich schleimlösend, hustenreiz- und entzündungshemmend, antibakteriell, und werde bei Bronchitis, Husten (vor allem bei Kindern) und Asthma verwendet. Ein Spruch aus alter Zeit lautet:

„Iss Wegerich, spitz oder breit, so kriegst du

keinen Husten wenn es schneit.“

Tee-Rezepte:

Bei Husten kann ich als Tee zubereitet werden: Zur Reizmilderung ist ein Kaltauszug wirksam: 1 Teelöffel Kraut mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzten und 30 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und trinken. Zur Schleimlösung – bei Bronchitis – wirkt ein Infus besser: 1 Teelöffel Kraut mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 5 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und trinken.

Wegericht-4II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheSehr gut und beliebt gerade bei Kindern ist auch der Erdkammern-Sirup, der wie folgt mit mir zubereitet wird:

Frische zerkleinerte Blätter werden im Wechsel mit Honig in ein gut zu verschließendes Glas geschichtet. Meine Blätter müssen zum Schluss vollständig mit Honig bedeckt sein. Danach wird das Glas fest verschlossen und in ein 50 cm tiefes Loch im Garten für 3 Monate eingegraben. In der Erde bei gleichbleibender Temperatur kann der Honig meine wertvollen Inhaltsstoffe besonders gut lösen und aufnehmen. Nach 3 Monaten den dünnflüssig gewordenen Honig abseien und bei Bedarf täglich 3 bis 5 Teelöffel einnehmen. Natürlich kann heutzutage für die Zubereitung auch der kühle Keller genutzt werden.

Ein passendes, tolles Gesicht über mich von Martina Wiemers:

„Ist müde mal der Wandersmann,

Spitzwegerich ihm helfen kann.

Leg seine Blätter in den Schuh,

dann fühlt der Fuß sich wohl im Nu.

Auch Wunden lässt er schneller heilen,

sollt dich ein Unglück mal ereilen.

Trink ihn als Tee, hast du mal Husten,

dann kannst gleich viel leichter  pusten.

Zwickt mal der Magen und der Darm,

hält er als Wickel diese warm.

Er lindert auch den Wespenstich,

der unscheinbare Wegerich

Wächst überall, auch an der Straße,

hilft selbst bei Warzen auf der Nase“

Ich bin ein Tausendsassa und kann noch viel mehr: Nutze mich zur Blutreinigung im Frühjahr, z.B. für eine Teekur oder als Grüngewürz an Salate, Soßen und Suppen, in wilden Smoothies, Quark, Kräuterbutter und anderen Brotaufstrichen.

Meine Blüten und Fruchtstände, aber auch die von meinem Bruder, dem Breitwegerich, schmecken leicht champignonartig. Man kann sie roh als Snack knabbern, über Salate geben oder süß-sauer als Kapernersatz einlegen. Bei meinem Bruder ist allerdings das Champignon-Aroma nicht so stark ausgeprägt, wie bei mir.

Unsere Samen schmecken nussig. Da sie sehr ölhaltig sind, kann man aus ihnen ein wertvolles Speiseöl pressen. Unter Survival-Experten gelten unsere Samen sogar als wichtige Notnahrung. In Wasser gelegt quellen meine Samen

ähnlich stark auf wie Chiasamen und Flohsamenschalen und weisen auch ganz ähnliche Wirkungen auf.

Wegerich-3-II-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheBei Wunden wirke ich zusammenziehend, antibakteriell, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd, ich fördere die Selbstheilungskräfte.

„Wie mit Goldfäden näht der Wegerichsaft den klaffenden Riss zu, und wie an Gold sich nie Rost ansetzt, so flieht den Spitzwegerich jede Fäulnis und faules Fleisch.“ sagte schon Pfarrer Kneipp. Noch im 2. Weltkrieg behandelten Ärzte mangels Antibiotika infizierte Wunden mit Zubereitungen von mir.

Da mein Saft gemäß der Volksheilkunde selbst auf frische, blutende Wunden aufgebracht werden kann, man nennt mich deshalb auch „Jodtinktur der Wiesen und Felder“. Bei Insektenstichen, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand und juckenden Hautveränderungen wirke ich schmerzstillend, juckreiz- und entzündungshemmend. Dazu werden meine Blätter in der Handfläche zerrieben, bis der grüne Pflanzensaft austritt – dieser kann vorsichtig auf die Wunde getupft werden.

Es kann auch ein Tee mit mir zubereitet werden. Tauche nach 10 Minuten Ziehzeit ein Leintuch darin ein, wringe es aus und lege es als Umschlag an..

Wann ist meine beste Erntezeit?   -

Nun man kann mich den ganzen Sommer über sammeln. Besonders wirksam bin ich jedoch kurz vor der Blüte.

Früher hieß es Spitzwegerich ist das Heilkraut für  Männer, der Breitwegerich ist für Frauen besonders heilkräftig.

Hier noch ein Gedicht in Mundart von Christl Fischer:.

„Der Wegerich mal spitz, mal breit

Er wachst auf jeder guaten Wiesen,

wo Gras und Bleamal richtig sprießen,

bloß mag er ned recht Sumpf und Moor,

denn trockne Böden ziagt er vor.

Der Wegerich, ob spitz, ob breit,

is hochgeschätzt seit alter Zeit

ois Heilpflanzen und Medizin

für außen und für innadrin.

Für wehe Füaß, de arg zerschunden,

auf alle schmerzhaft bösen Wunden

zerquetschte Blattl drüberlegen,

so bringt der Wegerich vui Segen.

Spitzwegerichsaft, eikocht, dick,

wia Sirup auf den ersten Blick,

der wirkt ois Medizin ganz herrlich,

bei starkem Huasten unentbehrlich.“

Im alten Neunkräutersegen (oder -zauber), der wohl bereits 800 oder 900 nach Christi auf altenglisch verfasst wurde, tauche ich übrigens auch auf:

„Und du, Wegerich, der Kräuter Mutter,

nach Osten geöffnet, im Innern mächtig;

über dir knarrten Wagen, über dir weinten Frauen,

über dir schrieen Bräute, über dir schnaubten Stiere.

Allen hast du widerstanden, und dich widersetzt;

ebenso widerstehe dem Gift und der Ansteckung

und dem Übel, das über Land fährt.“

Und zum Schluss ein Rezept: Wildkräuterbutter

125 g  Butter, 125 g Frischkäse, Kräutersalz, Pfeffer, etwas geriebene Zitronenschale, Je 5 Blätter vom Spitzwegerich, Bärlauch, Gänseblümchen, Giersch, je 3 Blätter von Schafgarbe, etwas wilder Schnittlauch. Zum Verzieren Blüten vom Löwenzahn, Gänseblümchen, Bärlauch.

Alle Kräuter klein schneiden und mit der weichen Butter, dem Frischkäse und den Gewürzen mischen. Die Wildkräuterbutter mindestens 1 Stunde durchziehen lassen und vor dem Servieren mit Blüten verzieren.

KW 16: Wiesen-Schaumkraut

Wiesenschaumkraut2-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheJetzt im April, verleihe ich Wiesen eine schöne zartrosa Schaumkrone und bekomme dadurch auch jede Menge Aufmerksamkeit. – Wer ich bin? – Nun mein Name leitet sich von genau dieser Aussage ab, ich bin das Wiesen-Schaumkraut, lateinisch: Cardamine pratensis.

An meinen Stängeln und Blättern findet man recht häufig kleine Schaumnester – den sogenannten “Kuckucksspeichel”. Dieser Schaum wird erzeugt von den Larven der Schaumzikade.

Die Larven dieser Zikaden pumpen aus der Atemhöhle Luftbläschen in eine eiweißhaltige Flüssigkeit. Diese scheiden sie aus ihrem After aus. Dieser Schaum erhält die für die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur, schützt aber auch die darin sitzende Larve vor Feinden.

Im Frühjahr begegnet man diesem Erscheinungsbild des Öfteren. Der Volksmund spricht auch von „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“, daher die volkstümliche Bezeichnung „Kuckucksblume“.

Für die Raupen des Aurorafalters bin ich eine der wichtigsten Futterpflanzen. Die Falter legen ihre Eier an der Blattunterseite ab. Auch die Falter nutzen meine Blüten als Nektarquelle.

Ich besitze während meiner Blütezeit von April bis Mai 4 zartlilafarbene Blütenblätter und gehöre deshalb zur Familie der Kreuzblütengewächse. Meine Blüten wachsen in Trauben und haben jeweils ebenso vier Kelchblätter. Davon sind 2 sackartig nach unten verlängert und dienen als Honigbehälter. Nach meiner Blüte entwickelt sich der Griffel zu einer langen, schmalen Schote, die durch eine Scheidewand in zwei Fächer aufgeteilt wird. In jedem Fach bilden sich kleine Samen. Das sieht auch wie bei einer Erbse, ist nur viel kleiner.

Wiesenschaumkraut-Rosette-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheMeine grundständigen Blätter bilden eine Rosette und sehen durch ihre rundlichen Einzelblättchen anders aus, als die Stängelblättchen. Diese sind schmal, länglich und ganzrandig.

Mein Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis zur arktischen Klimazone in Nordasien und Nordamerika, dadurch zähle ich zu den häufigen mitteleuropäischen Pflanzen.

Meine wichtigsten Inhaltsstoffe sind Ätherische Öle (Senföl),  Bitterstoffe, Glucosinolate, Glykoside, Mineralstoffe (Kalium, Magnesium, Schwefel), Spurenelemente (Eisen) und Vitamine (Vitamin C).

Mein Tee wird in der Volksmedizin gegen Rheuma und andere Schmerzzustände verwendet. Die Heilwirkungen beruhen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken.

Teebereitung: 2 TL Kraut – mit 1/4 l heißem Wasser übergießen – nach 10 Min. abseihen. Tägl. mehrere Tassen (warm) trinken.

Hier kommt ein schönes Gedicht über mich, auf das ich besonders stolz bin:

“Die Wiese schäumt! Nein, nicht vor Wut, es geht ihr ganz besonders gut!

Der Lenz ist da, hat sie geküsst, als ob er sie beschenken müsst,

hat er sie lila eingeschäumt, davon hat sie schon lang geträumt.

Sie räkelt sich im zarten Kleid, doch ziert’s sie nur für kurze Zeit.

Nun, nächstes Jahr zieht – Gottseidank- ein Neues sie aus ihrem Schrank,

und kleidet sich behänd, in zartem Lila, wie man’s kennt.

Es protzt nicht grad, das feine Kleid, durchscheinend, schmal, nicht extra weit,

ist dieser Stoff von guter Qualität, sonders für die Fastenzeit-Diät.

Heilsames gar, man glaubt es kaum, birgt in sich diesem Wiesenschaum:

Frühjahrsmüde macht er fit, bringt Anregung für Leber, Nieren mit,

Reinigt auch das Blut nach dem Verzehr recht gut.

Obwohl so zart das Kleid der Cardamine, trägt es darinnen Vitamine.

Mineralien, Eisen, Senfölglycoside in diesen Zeiten Abwehrkräfte dienen.

So ist der frühe Wiesenkuss ein absoluter Hochgenuss.

Drum möchtest Du ihn nutzen und täglich im Salat verputzen.

Der Schöpfer hat für dies Geschenk gedacht, dass er der Wiese Frühjahrs-Freuden macht.

Womöglich hat er gar geträumt? Sah schon, wie diese Wiese schäumt,

wohlwissend s’ist ja nicht vor Wut, -

Denn…Es geht der Wiese ganz besonders gut. (Marianne Knörr-Groß)

Ich habe eine Verwandte, die viele leider gar nicht gern in ihren Beeten sehe: Das Garten-Schaumkraut (lat. Cardamine hirsuta). Man nennt es auch Behaartes Schaumkraut durch die Behaarung der Blättchen. Die zarten, kleinen Blüten sind weiß.  Die ehemals seltene Art hat sich zwischen etwa 1975 und 1985 in wintermilden Lagen in Deutschland fast explosionsartig ausgebreitet. Es wurde wahrscheinlich über Baumschulen und Gärtnereien eingeschleppt uns ist heutzutage in ganz Europa verbreitet. Die sich aus den Blüten bildenden Schoten können bis zu 2 cm lang werden und stehen aufrecht. Sind sie reif, so springen sie bei Berührung auf und verteilen dadurch den Samen im gesamten Umkreis.

Seine Inhaltsstoffe: ein hoher Gehalt an Vitamin C, Bitterstoffen und Senfölglykosiden

Wirkungsweise:  Dem Behaarten-Schaumkraut wird eine blutreinigende, harntreibende, verdauungs- und durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben. Durch die Senfglykoside und zahlreichen Bitterstoffe werden Leber und Gallentätigkeit angeregt. Die Pflanzen wirken krampflösend und verdauungsfördernd und werden auch oft bei rheumatischen Beschwerden, Husten und Asthma eingesetzt. In der Volksmedizin Verwendung als Blutreinigungsmittel bzw. homöopathisch bei Magenkrämpfen.

Als Nährpflanze: Das Behaarte Schaumkraut kann als Salat beziehungsweise als Salatgewürz mit leicht scharf-bitterem Geschmack genutzt werden

Zum Abschluss hier ein schönes Märchen über mich, das Wiesen-Schaumkraut:

Wiesenschaumkraut-2-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheVon einem himmlischen Durcheinander und von „Schäumen“ und Träumen (von Anita Buchriegler)

Im Himmel war die Hölle los. Die Wolkenreiter jagten kreuz und quer übers Firmament, die Blitze spielten Zielschießen, das Mondkalb ist, nachdem es in großen Sprüngen herumgehopst ist, ratz fatz über die Milchstraße hinunter gerutscht, durch die Himmelspforte gepurzelt und schlussendlich mit einem herzhaften Plumps in Petrus‘ großem Regenfass gelandet, das natürlich umgekippt ist und alles überschwemmt hat. Zu allem Unglück kam noch ein blubbernder Schaumteppich hinzu. Denn auch die große Schachtel mit dem Putzzeug, das die Englein jeden Morgen brauchen, um die Sternenkinder nach der langen Nacht wieder blitzeblank zu polieren, bevor sie sie schlafen legen – auch die war umgekippt, sodass sich der ganze Inhalt in die Wasserlachen aus dem großen Regenfass ergossen hatte. Und wer war Schuld an dem ganzen Schlamassel? Natürlich wieder mal das kleine Engelchen Flocke und sein Freund – das Bengelchen Stups, dessen Flügel eh schon jeden Tag ein weiteres Stückerl schrumpften. „Huuuuuhhh“, heulte Flocke verzweifelt. „Sieh nur deine Flügelstümpfchen an! Jetzt sind sie bald ganz weg und dann fliegst du raus aus dem Himmel, Huuuhhh! Du weißt doch was Petrus gesagt hat. Dann geht es ab mit dir in die Hölle, wo die Teufelsgroßmutter schon auf dich wartet. Huuuhhhh. Was sollen wir bloß machen!“ Noch bevor Stups antworten konnte, wurden die beiden von Petrus‘ schweren Schritten unterbrochen. Erzürnt zog er die kleinen Lauser an den Ohren hinter ihrem Versteck – einem großen Wolkenhaufen, den ihre Freunde aus dem Wolkenkindergarten blitzschnell geformt hatten – hervor.

Was habt ihr denn jetzt schon wieder angestellt? Ihr habt ja den ganzen Himmel in pures Chaos verwandelt! Seht euch diese Unordnung an! Überall rinnen Wasser und Schaum herum, mein großes Regenfass ist so leer, dass die Menschen dort unten nicht wissen wohin mit dem vielen Regen – dafür werden sie bald eine Dürre ertragen müssen, die sich gewaschen hat! Die Sternenkinder sind putzmunter und wieder voller Sternenstaub und bis wir Blitze, Wolkenreiter und das Mondkalb eingefangen haben, wird es noch eine Weile dauern – ganz zu schweigen von der Milchstraße! Das Mondkalb hat bei seiner Rutschpartie eine breite Spur gezogen. Die Sternenforscher auf der Erde sind völlig aus dem Häuschen. Die glauben der Weltuntergang stünde bevor. Da heißt es schnell mit einem großen Flederwisch drüber kehren und den Schaden wiedergutmachen. Wie habt ihr das alles bloß fertig gebracht? Mit hängenden Flügeln und tränennassen Gesichtern, beichteten die beiden Unglücksraben von der Wette die Stups vorgeschlagen hatte: Er wollte wissen, wer der schnellste hier im Himmel ist und hat mit Mondkalb, Blitzkindern und den Wolkenreitern ein Wettrennen veranstaltet. Vor lauter Spaß und Übermut ist die Sache dann allerdings etwas aus dem Ruder geraten.

„Diesmal bist du wohl zu weit gegangen, Stups!“, mahnte Petrus mit ernst erhobenem Zeigefinger. „Sieh nur, deine Flügel sind kaum mehr zu sehen! Du hast nur mehr klitzekleine Stümpfchen dran! Und der große Krampus da unten, macht sich auch schon bereit um dich abzuholen. Das einzige was dich jetzt noch retten kann, wäre eine gute Tat. Ob du die allerdings so schnell vollbringen kannst bezweifle ich, denn das Christkind ist schon auf dem Weg hierher um sich die Sache anzusehen. Bis es soweit ist, könnt ihr zwei euch jedenfalls nützlich machen und den Himmel wieder in Ordnung bringen. Denn der Frühjahrsputz war ja eigentlich gerade erst abgeschlossen.

Flocke und Stups machten sich traurig an die Arbeit. Sie kehrten die großen Schaumpfützen über den Wolkenrand hinunter, sodass alles auf die Erde triefte, putzten die Sternenkinder, um sie wieder ins Bett zu bringen und taten ihr Bestes um alles nach bestem Wissen und Gewissen in Ordnung zu bringen. Vielleicht würde das Christkind dann doch noch einmal ein Auge zudrücken. Just in dem Moment, als sie fertig waren, ertönten die himmlischen Posaunen und das Christkind erschien mit Petrus im Schlepptau.

„Kommt einmal mit, ihre drei, ich will euch etwas zeigen!“, sprach das himmlische Kind und machte sich auf in Richtung Himmelspforte. Als sie sich vor der goldenen Himmelstür über den Wolkenrand beugten und auf die Erde hinunterspähten, konnten sie ihren Augen kaum trauen. Dort wo noch vor kurzem die saftig-grünen Frühlingswiesen sprießten, war jetzt lauter blasslila Schaum zu sehen. „Potz Blitz! Was habt ihre denn nun schon wieder ange…!“, wollte Petrus weiterschimpfen, wurde dann aber vom Christkind unterbrochen.

„Es sind nur Blumen, Petrus!“, sprach das himmlische Kind mit sanfter, glockenheller Stimme. „Der Schaum, den ihr auf die Erde gekehrt habt, hat sich durch euer Bemühen in Blumen verwandelt. Was meint ihr, wie sollen wir sie nennen?“ „Wiesenschaumkraut“, hauchte Flocke ehrfurchtsvoll. „Ja, nennen wir es Wiesenschaumkraut. Es sieht einfach wundervoll aus!” stimmte auch Stups überwältigt mit ein. „Wiesenschaumkraut… Ja, dieser Name gefällt auch mir”, freute sich das Christkind. „Aber der Name ist nicht das einzige Wunderbare an eurer Pflanze. Dieser wunderschöne Schaumteppich wird künftig auch den größten Zweiflern fröhliche Frühlingslaune ins Herz zaubern. Durch seinen kresseartigen Geschmack und seinen hohen Vitamin-C Gehalt wird es den Menschen außerdem ein gesundes Frühlingsmahl sein!“

„Guck mal, Stups, deine Flügel sind gewachsen!“, jauchzte Flocke plötzlich voller Freude. Ich glaube jetzt kannst du sogar richtig fliegen – genau wie ein richtiger großer Engel. Da fiel Stups dem Christkind um den Hals und flüsterte: „Danke du liebes Christkind! Ich verspreche dir, ab jetzt werde ich ein richtiges Engerl sein!“ Und was war das? Ein kleines schwarzes etwas, das wie ein B geformt war, kullerte über den Wolkenrand und plumpste schnurstracks in die Hölle hinunter – geradewegs in Teufelsgroßmutters großen Suppentopf hinein.

Und- nicht zu vergessen ein passendes Rezept:

Wiesenschaumkrautbutter

250 g Butter mit 1 Handvoll frischem, klein geschnittenem Wiesenschaumkraut und 1 EL Zitronensaft verrühren, mit Salz und Pfeffer (rosa Pfefferkörner wirken besonders dekorativ) abschmecken.

KW 15: Veilchen

Veilchenbl Te-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Ich bin das herzige Veilchen und besitze eine eigene Pflanzenfamilie: Die Veilchengewächse. Meine 5 Blütenblätter sind in einem so wunderschönen Blauton, dass diese Farbnuance nach mir benannt wurde: Veilchenblau oder auch Violett. Was ich ganz toll finde: mit diesem Namen wurde übrigens auch eine wunderschöne, nicht stechende Kletterrose benannt. Im Gegensatz dazu nennt man mich manchmal auch Blauröschen. Auch als Frauenname wurde und wird mein lateinischer Name Viola geschätzt. In Amerika gibt es übrigens eine ganze Reihe von Wohnorten, die Viola heißen.

Ich bin klein, zu mir muss man sich herablassen. Ich komme nicht zu Euch hinauf. – Denn ich bin zurückhaltend, bescheiden, demütig. Fast so, als schäme ich mich für meinen großartigen Duft und meine zarte Schönheit.

Diese Bedeutung kennt wohl jeder, denn wer hat nicht einen dieser Sprüche in seinem Poesiealbum stehen:

Sei wie das Veilchen im Moose,

bescheiden, sittsam und rein

und nicht wie die stolze Rose,

die immer bewundert will sein.

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Ein Häuschen aus Rosen,

aus Veilchen die Tür.

Ein Herz voller Liebe,

das wünsch ich dir!

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So bescheiden wie die Veilchen im Grase stehn,

so bescheiden sollst du durchs Leben gehn.

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Meine Symbole sind also Bescheidenheit, Demut, Jungfräulichkeit, Frühling, Hoffnung, Treue und Liebe.

Winston Churchill (1874-1965) begründete seine Vorliebe für mich damit, daß ich seine Bescheidenheit symbolisierte.

Veilchen-II-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheGärtner würden das vielleicht nicht unbedingt unterschreiben, denn ich bin sehr zäh, setze mich sogar im Rasen durch und verbreite mich schon sehr. Dabei lass ich mir wie andere Frühlingsblüher durch Ameisen helfen, die meine Samen verteilen. An schattigen Standorten fühle mich in ganz Europa am Wohlsten!

Es gibt aber viele Dinge auf die ich besonders stolz bin:

Ein Fussballverein aus Florenz spielt mit violetten Trikots. Es wird vermutet, dass die Vereinsfarben der Fiorentina per Zufall entstanden sind. Die ursprünglich weiß-roten Trikots verfärbten sich – nach einer Legende – violett, nachdem sie in einem Fluss gewaschen worden waren.

Nach einer Legende wuchs ich übrigens erstmals an der Stelle, wo der Sänger Orpheus seine Laute niedergelegt hatte.

So kam es zu einem Zusammenhang mit dem Namen von Musikinstrumenten, wie z.B. Violine für Geige.

Die Alternativbezeichnung der Bratsche ist Viola.

Ich habe auch einen Bezug zur närrischen Zeit, denn nicht nur im Gladbacher Karneval nennt man den Faschingsdienstag auch Veilchen-Dienstag.

Ich passe auch hervorragend nach Bischweier, denn eine knorpelige Süßkirsche trägt meinen Namen.

Auch der berühmte Heinz Ehrhardt hat mich wohl in einem kurzen Gedicht verewigt:

“Auf der Wiese steht ein Veilchen,

kommt `ne Kuh und grast ein Weilchen. Armes Veilchen! – Aus.”

In Europa wurde ich um 1900, und ganz besonders im viktorianischen England, eine Zeitlang zur Modepflanze. Veilchensträuße dekorierten angeblich das Knopfloch fast jedes Büroangestellten. Dann kam ich ein wenig aus der Mode, aber nicht ganz, denn Robert Stolz schrieb Anfang des 19. Jahrhunderts folgendes Lied, das zu einem zweiteiligen Singspiel gehört:

Wenn die kleinen Veilchen blühen

bin ich wieder bei dir – bei dir

und wenn die Schwalben nachhause ziehen

dann klopf ich leis an deine Tür

Wenn die kleinen Veilchen blühen

wie ein blaues Gesicht – so licht

und schimmert wieder der weiße Flieder

dann bin ich wieder bei dir.

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Ich habe als Liebespflanze eine lange Tradition.

Die Griechen besaßen angeblich eigene Veilchengärtchen und nannten mich “Blume der Liebe”.

Während ich in früheren Zeiten  als Symbol für Reinheit, Unschuld und Demut galt, wurde ich im Mittelalter zum häufig gebrauchten Liebesboten. – Und die Botschaft lautete:

“Nichts ist süßer, als die verborgene Liebe”.

Zum heutigen Valentinstag passt diese romantische Geschichte:

In Frankreich soll es im 19. Jahrhundert einen Mann gegeben haben, der eigens einen Veilchengarten anlegte, um seiner Geliebten jeden Tag einen Veilchenstrauß zukommen lassen zu können – und das 30 Jahre lang.

Veilchenduft wirkt verführerisch! Das wusste schon der Gott Vulcanus. Er hatte sich über alle Maßen in Venus verliebt, die ihn aber wegen seiner hässlichen Gestalt abwehrte. Da griff der vor Liebesqualen geplagte Gott zu einer List. Er rieb sich den ganzen Körper mit Veilchen ein und erschien so bei seiner abweisenden Geliebten. Betört ließ sich Venus auf ein Liebespiel ein.

Mein Duft soll in heiklen Situationen für einen klaren Kopf sorgen; In der Aromatherapie soll er Aggressionen dämpfen und schlaffördernd wirken.

Auch Lale Andersen hat über mich gesungen:

Kleiner Strauss aus Veilchen

Am himmelblauen Kleidchen,

Nur du bist schuld daran,

Dass eine Liebe begann.

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Jedes Jahr kündige ich immer wieder gern den kommenden Frühling an:

Eine griechische Sage berichtet, daß, wenn die Frühlingsgöttin Persephone wieder aus der Unterwelt emporsteigt, um die Fluren neu zu beleben, unter ihren Schritten Veilchen aufblühen. Deshalb bedachte man die Frühlingsgöttin früher mit Veilchenkörben.

Heute noch werden zu ihrem Andenken in der Bretagne am Karfreitag Veilchen ausgesät, um mit diesem Osterbrauch den Frühling herbeizulocken.

Aber ich bin nicht nur schön und betörend, ich bin auch gesund und heilend und vor allem wohlschmeckend! -

Bin ganz zart und weich und doch so stark. Meine Blätter und Blüten lindern Husten, Heiserkeit und Bronchitis. Zwei oder drei Löffel Veilchensirup eingenommen, sollten schon früher die brennende Hitze von Fieber löschen, Ruhe und Schlaf bringen, die Brust lösen und besonders den Kindern gegen den Husten dienen.

Gerade meine ersten Brüder und Schwester im Frühjahr sollen besondere Heilkraft haben. Wahrscheinlich geht darauf auch das Veilchenfest zurück, das unter dem Herzog Leopold VI. (1198-1230) entstanden sein soll: Wer das erste Veilchen in den Donauauen fand, bedeckte es mit seinem Hut und verständigte den Herzog, der mit dem ganzen Hofstaat und Musikanten auszog, dieses Veilchen zu begrüßen. Die Leute tanzten im Kreis um den Hut und sangen ein Frühlingslied dazu.

Hierzu auch zwei  passende Gedichte:

Wenn gen Nord‘ die Gänse ziehen

Werden bald die Veilchen blühen.

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Kahl sind noch die Wegesränder

Langsam sprießt das erste Grün

Und dazwischen kleine Veilchen

Seht am Wegrand sie erblühn

Frühlingsboten sind sie wieder

Blühn sie erst so ist er nah

Winter ist davon gezogen

Schnee und Eis sind nicht mehr da

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Veilchenbrote-klein-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheFrüher wurde ich noch viel mehr in der Küche genutzt.

Meine Blüten geben Farbe ab und sind hübsch anzusehen, deshalb werde ich sowohl als Farbgeber (z.B. für Essig und Likör), wie auch als Gewürz verwendet.  Die Römer würzten mit mir Geflügel, in England wurden Fleisch und Salate mit mir verziert. Die Verwendung zu Marmeladen und Säften war früher weit verbreitet.

König Karl II schätzte in seiner Kindheit die Halspastillen, die aus Veilchenblütensirup angefertigt wurden.

Bleiben wir bei den gekrönten Häuptern:

Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sissi, (1837-1898) schwärmte für Veilchen-Sorbet und kandierte Veilchen.

Den Vogel schoss allerdings Kaiser Nero (37-68 n. Chr.) ab! Er ließ durch Staffettenläufer Gletschereis aus den Alpen nach Rom bringen und mischte dies mit Veilchenblüten. Doch wehe, wer nur mit geschmolzenem Eis zurück kam – der war ein toter Mann.

Die Veilchenwurzel ist eine altbewährte Zahnhilfe für Babys. Hier handelt es sich allerdings nicht um meine Wurzel, sondern um das Rhizom der Schwertlilie. Diese Beißwurzel enthält schmerzlindernde Inhaltsstoffe, die freigesetzt werden, wenn das Baby darauf herumkaut. Bei Zahnungsbeschwerden empfehlen daher noch viele Hebammen Veilchenwurzeln.

Das Wort Veilchen hat aber noch eine ganz andere Bedeutung, die auch wohl jeder kennt:

Das blaue Veilchen am Auge!

Das Veilchen blau, fast nicht erkannt

steht einsam dort am Wegesrand

Es steht dort wo es hingehört

nicht im Gesicht wo es nur stört.

Hierzu gibt es ein Lied von Heinz Ehrhardt:

Linkes Auge blau, rechtes Auge blau

Und das alles wegen einer einz‘gen Frau.

Zum Abschluss noch ein Rezept für einen

Schlüsselblumen-Veilchen-Hustentee

20 g Schlüsselblumen mit Kelch, 10 g Veilchenblüten, 20 g Gänseblümchenblüten, 20 g Spitzwegerichblätter und 30 g Fenchelsamen, frisch gemörsert, vermengen.

1 El dieser Mischung mit ¼ l Kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Wenn er etwas abgekühlt ist Honig hinzugeben und so heiß wie möglich trinken.

KW 14: LöwenzahnL Wenzahn-24-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der Woche

Ja, ich bin der Löwenzahn, ein Kind der Korbblütler-Familie und besitze in meiner buttergelben Scheinblüte viele kleine einzelne Zungenblüten.

Jedes Kind kennt mich. Im Frühling verwandele ich die Wiesen in ein Meer mit gelben Schaumkronen. Die Bienen lieben meine frühen Blüten und stürzen sich mit Begeisterung auf meinen süßen Nektar.

Nach dem Verblühen bin ich dann auch sehr großzügig mit meinen vielen kleinen puscheligen Kindern und schicke sie stets liebevoll in Eure gepflegten Gärten, damit dort auch wilde Kräuter wachsen und nicht nur diese kultivierten, edlen und hochgezüchteten Geschöpfe.

Jetzt möchte ich aber Euch aber noch unbedingt davon überzeugen was für eine wertvolle Wildpflanze ich bin!

Seit dem Mittelalter haben mich viele Kräuterkundige hoch geschätzt. So wurde ich bei Leber- und Gallenleiden, bei Gicht, Rheuma, Diabetes und sogar bei Augenleiden und Ekzemen empfohlen.

Heute wird hauptsächlich meine stoffwechselanregende Wirkung in Frühjahrs- und Blutreinigungskuren geschätzt. Also denkt jetzt im beginnenden Frühjahr an mich und meine tollen Inhaltsstoffe.

Sie können Euch helfen, die Frühjahrsmüdigkeit zu überwinden und Euch auch beim Abspecken unterstützen.

Im Garten werde ich dagegen fast immer heftig bekämpft. Och…

Dagegen wehre ich mich jedesmal heftig. Bleibt beim Jäten auch nur ein klitzekleiner Rest Wurzel in der Erde, zeige ich meinen starken Überlebenswillen und treibe schon bald wieder neu aus. In der Küche bin ich so vielfältig verwendbar – wenn ich schon als “Un-kraut” gejätet werde, dann – werft mich bitte nicht weg, sondern esst mich auf!

Ich werde so wenig geschätzt und bin deswegen manchmal ganz traurig! – Ohhhhhh…

Darüber wurde sogar ein Gedicht geschrieben:

Armer gelber Löwenzahn,

wirst als Unkraut abgetan,

wärst Du rar wie Orchideen,

fänd Dich jeder wunderschön!

Aber kommen wir zu einem anderen Thema:

Kaum einer anderen Pflanze hat man so viele Namen gegeben, wie mir, z.B.:

Milchblume, wegen meines weißen Pflanzensaftes

Butterblume, wegen meiner Blütenfarbe

Kuhblume, Saublume und Hahnenspeck, weil mich das liebe Vieh besonders lecker findet

Pissblume oder Bettnässer, wegen meiner harntreibenden Wirkung,

die Franzosen sagen Pissenlit zu mir (das hört sich halt schöner an – meint aber dasselbe)!

Ringelstöckchen, da sich mein Stängel, wenn man ihn längs aufschneidet und in Wasser taucht so schön ringelt.

Aber wie bin ich zu meinem Namen Löwenzahn gekommen? –

Dazu folgende kleine Geschichte:

Es begab sich einmal vor langer Zeit, im heißen Land Afrika, dass direkt vor dem König der Tiere, dem Löwen, ein kleiner Fallschirm landete.
Nun ist es aber so, das wissen wir alle, dass sich große Tiere nicht um so kleine Dinge kümmern.
Und deshalb schaute der König der Tiere den Fallschirm nicht einmal an.
Am Fallschirm hing ein Samen. Und dieser fiel lautlos in den gelben Wüstensand.
Zur selben Zeit begann es zu regnen. Das kommt in der Wüste sehr selten vor.
Und weil der Samen nun Wasser bekam, begann er zu keimen und es wuchs daraus eine wunderschöne gelbe Blume.
Jetzt freute sich König Löwe: In seinem Reich blühte eine Blume,
die so gelb wie die Sonne am Himmel war!
Jeden Tag roch der Löwe daran, obwohl sie gar nicht so gut duftete.
Doch wie staunte er, als eines Morgens die gelbe Blume verschwunden war.
Stattdessen sah der Löwe eine weiße Seifenblase auf dem Blumenstängel.
“Ob die vielleicht riecht?”, überlegte er.
Und schon steckte der König der Tiere seine Nase hinein. Ach, wie das kitzelte! Der Löwe musste niesen.
Und wenn ein Löwenkönig niest, dann ist das etwas ganz Gewaltiges.
Haaa-haaa-haatschiiii!
Der Löwe riss beim Niesen sein Maul weit auf und es brach ein richtiger Sturm los.
So ein Sturm, dass die weiße „Seifenblase“ in tausend Stücke zersprang. Das heißt: Sie zerfiel in viele kleine Fallschirme.
Die wurden von dem gewaltigen Löwenniesen hoch in die Luft gewirbelt.
Gerade in diesem Augenblick kam ein Fuchs des Weges.
Der hatte an diesem Tag seine Brille zu Hause vergessen.
Und deshalb konnte er nicht genau erkennen, was da bei dem Löwen passierte.
Weil er aber ein altes Plappermaul war, erzählte er allen Tieren, die ihm begegneten, folgende Geschichte:
“Dem König der Tiere sind alle Zähne aus dem Maul gefallen!
Ich hab es mit eigenen Augen gesehen!”
Natürlich hörte eines Tages auch der Löwe von dieser Lügengeschichte.
Aber wie schon gesagt: Große Tiere kümmern sich nicht um kleine
Dinge und auch nicht um kleine Geschichten.
König Löwe hat nur gebrummt, der Fuchs könnte ja vorbei kommen, wenn er keine Angst hätte…
Seitdem aber werde ich, da ich meinen Samen mit Fallschirmen in die große weite Welt hinausschicke, Löwenzahn genannt!

Hierzu gibt es auch ein Gedicht:

Meinen Namen Löwenzahn
sieht man mir ganz deutlich an.
Blätter spitz wie Löwenzähne
und dazu die gelbe Mähne.

Ich bin wie ein Löwe stark.
Wachs auf Wiesen und im Park,
blüh im Garten ungebeten,
man versucht mich auszujäten.

Aber sie sind alle dumm,
denn so schnell bringt mich nichts um.
Wachs am Wegrand und auf Rasen,
meine Schirmchen kann man blasen.
Schweben dann wie Federn nieder,
und im Frühjahr wachs ich wieder.

Welche Inhaltsstoffe besitze ich denn, die so wertvoll für Euch sind?

Nun, meine Blüten enthalten viel Vitamin und Magnesium, aber auch Calzium, Phosphor und Mangan. In den grünen Blütenteilen ist mehr Eisen enthalten. Außerdem liefern meine Blüten Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A.

Meine Blätter enthalten viel Natrium und Kalium (deshalb auch die harntreibende Wirkung), Bitterstoffe (wirken verdauungsfördernd), auch Vitamin C und B-Vitamine, sowie Kalzium.

Der Bitterstoff Taraxacin ist hauptsächlich in meiner Wurzel und älteren Blättern enthalten. Er fördert die Produktion der Verdauungssäfte.

In der Küche kann man mich sehr vielfältig verwenden. Aus meinen frischen Blättern kann man einen vitaminreichen, belebenden, wenn auch bitteren Salat bereiten. Oder meine Blätter als Gemüse einsetzen, z.B. wie Spinat kochen oder zu Kräutersuppen, Kräutersoßen, Kräuterbutter und Dips gebrauchen. Meine Knospen eignen sich ebenfalls als Gemüse und schmecken toll in Butter gebraten oder unter Rührei gemischt. Aus meinen Blüten kann man einen leckeren Löwenzahnhonig oder –sirup herstellen. Aus meinen Wurzeln lässt sich ein gesunder und nach Bohnenkaffee schmeckender Kaffeeersatz bereiten. –

Also lasst Eurer Kreativität freien Lauf und kocht Gerichte aus mir und mit mir. Es soll nicht Euer Schaden sein!

Meine Blüten schließen und öffnen sich, je nach Tageszeit und Witterung. Nach mehreren Tagen Blütezeit sind sie verblüht und meine Hüllblätter schließen sich ein letztes Mal. Von außen sieht es so aus, als ob ich schlafe, aber im inneren passiert so viel: Nach einigen Tagen öffnen sich meine Hüllblätter noch einmal und heraus kommt eine weiße, kuschelige Wunderkugel! Die Pusteblume! Alle meine kleinen gelben Blüten haben sich in Früchte mit haarigen Flugschirmen verwandelt. Der Wind trägt sie mit sich fort und so heißen sie Schirmflieger.

Sind alle fortgeflogen, ist jedem klar, dass man für mich in manchen Gegenden noch Namen, wie Mönchkopf, Pfaffenkopf und Pfaffenplatte gefunden hat.

Heinz Erhardt hat dazu ein schönes Gedicht geschrieben:

L Wenzahn-150x150 in Neue Rubrik: Pflanze der WocheLöwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er lässt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.

Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in derselben
zwei Versprengte dieser Truppe.

2. Verblühter Löwenzahn
(von Josef Guggenmos)
Wunderbar
Stand er da im Silberhaar
Aber eine Dame,
Anette war ihr Name,
machte ihre Backen dick,
machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht,
blies ihm fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze
Zurück mit einer Glatze.

Kinder lieben meine Pusteblume. Sie wollen immer wissen, wohin meine kleinen Faltschirmchen fliegen.

Früher orakelten vor allem Mädchen mit mir. Je nachdem wie viele Früchte nach dem Pusten noch stehen blieben, so viele Jahre sollte es noch bis zur Hochzeit dauern.

Oder ist der Fruchtboden nach dem Auspusten weiß, dann kommt man in den Himmel, ist er schwarz ins Fegefeuer.

Kann man alle Früchte auf einmal wegpusten, dann ist man ein Glückskind. Schafft man es nach dem 3. Pusten werden die Wünsche weit fortgetragen und gehen in Erfüllung.

Zum Schluss noch ein Rezept, was auch gut zum kommenden Osterfest passt:

Gefüllte Eier mit Schnittlauch und Löwenzahn

Für 4 Personen

4 hartgekochte Eier, 100 g Quark, Schnittlauch, 50 g Löwenzahnblätter, 1 TL Senf, Salz, Pfeffer, 8 kleine Kräuteräste zum Garnieren

Die hartgekochten Eier halbieren, das Eigelb entfernen. Schnittlauch und Löwenzahn waschen, abtropfen lassen und fein hacken. Das Eigelb mit Quark, Senf, Salz, Pfeffer und den gehackten Kräuter gut verrühren und in die Eihälften füllen. Mit einer kleinen Blüte garnieren.

- oder da es immer noch recht kalt ist haben Sie vielleicht auch Appetit auf eine

Grünkohlsuppe mit Löwenzahn und Brennnessel

500 g Grünkohl, 1 kl. Handvoll junge Löwenzahnblätter und Brennnesselspitzen, 200 g Kartoffeln, 200 g Pastinaken, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 2 EL Öl, 1,5 – 2 l Gemüsebrühe, 200 ml Sahne, Kräutersalz, Pfeffer, eine Prise Zucker. Topping: 50 ml Sahne, 1 EL Senf, dunkle Senfkörner.

Zwiebel und Knoblauch putzen, Kartoffel und Pastinaken schälen und alles würfeln. Grünkohl waschen, trocknen, die harten Rippen entfernen und die Blätter in Streifen schneiden. Öl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch andünsten, dann Kartoffeln und Pastinaken zufügen und andünsten. Grünkohl und die gewaschenen und klein geschnittenen Wildkräuter zufügen und zugedeckt ca. 5 Minuten dünsten. Die Brühe zugießen und alles ca. 15-20 Minuten garen. Die Sahne zufügen, würzen und pürieren. Für das Topping die Sahne leicht anschlagen, mit dem Senf verrühren und als Klecks auf die Suppenteller geben. Mit Senfkörnern bestreuen.

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